Nähcafé im DRK-Quartier Bocholt-Südwest
Ein ganz besonderes Café
In Bocholt an der Bärendorfstraße gibt es ein Café. Betritt man es, läuft hier eine Kaffeemaschine und surrt dort eine Nähmaschine. Dazwischen und drumherum sieht man mehrere Frauen, die sich in Grüppchen nett unterhalten, wohl auch fachsimpeln und beratschlagen oder aber einfach tratschen, über dieses und jenes. Zugleich sind sie emsig beschäftigt - mit Nadel und Faden, Stoff und Schere, Bügelbrett und Bügeleisen. Wir befinden uns im Nähcafé.
Ein Ort, um sich zu treffen
Das Nähcafé ist ein Angebot im Rahmen der Quartiersarbeit des DRK im Quartier Bocholt Südwest. Geöffnet ist es immer freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr. Café-Gäste sind seltener Männer, überwiegend Frauen aus dem Wohnumfeld. Manchmal sind sie zu fünft, manchmal auch zu zehnt. Sie kommen vielfach aus praktischen Gründen, weil sie hier Tipps erhalten, wie sie Kleidungsstücke verändern und anpassen können. Doch das Nähcafé bietet mehr. Es ermöglicht Kontakt, neue Begegnungen und, wenn man sich kennengelernt hat, freudiges Wiedersehen. Es vermittelt das Gefühl, dazuzugehören.
In diesem Café lässt man sich nicht bedienen. Die Besucher und Besucherinnen sind selbst gefordert: Ideen zu entwickeln, Lösungen zu finden, kreativ zu sein. Geschicklichkeit und Konzentration sind verlangt, wenn sie Nützliches für den Haushalt herstellen, Tischdecken zum Beispiel, Brot- und Eierkorbeinlagen, aber auch Yoga-Kissen oder eine passende Matte für den Hund. Sie lernen immer wieder Neues, setzen sich Ziele, wenn sie etwa Obst- und Gemüsebeutel für die Bocholter Gesundheitstage herstellen. Sie haben Erfolge - sichtbar, zum Anfassen und mit wohltuender Resonanz.
Ehrenamtliche Einfädlerin
Dass Glades Tchiri (hinten rechts), Leiterin des Quartierstreffs, auch Schneiderin ist, ist für das Angebot des Cafés natürlich ideal. "Aber es funktioniert nicht ohne ehrenamtliche Unterstützung", sagt sie und meint damit zum einen ihre mithelfende Mutter Dalila Samuel, insbesondere aber auch Irmgard Rensinghoff (hinten links). Man könnte sie als geschickte Einfädlerin im positiven Sinne bezeichnen. Schon als Kind habe sie gestrickt, sagt sie, gehandarbeitet. Handarbeiten war ein Sammelbegriff für textiles Werken - Häkeln, Stricken, Nähen - und ein Schulfach. Ihre Kenntnisse, die sie im Nähcafé anwendet, hat sie sich fast alle selbst beigebracht. Als ihre Tätigkeit im Fachbereich für Soziales der Stadt Bocholt endete, nahm sie daraus die Anregung mit, sich ehrenamtlich in der Quartiersarbeit zu engagieren. So ergab sich das für sie vor zweieinhalb Jahren mit dem Nähcafé.
Neue Vorhaben und Projekte zu initiieren ist ihr Ding. "Sie bringt oft Ideen mit", lobt Glades Tchiri. Schnittmuster, Schablonen, Fachliteratur besorgt sie und teils auch das benötigte Material. Im Zusammenhang mit dem Angebot des Kulturrucksacks fanden junge Mädchen den Weg ins Nähcafé, um Haargummibänder herzustellen. Puppenkleider sind ein neues Thema.
Das Miteinander zählt
Wer ins Nähcafé kommt, erhält Anregungen und Hilfestellung von Glades Tchiri und Irmgard Rensinghoff, die Teilnehmerinnen helfen sich allerdings auch untereinander. Luise Kasper, die schon mit 13 Jahren und später auch für ihre Kinder genäht hat, hilft Petra Lötzsch, deren neue Nähmaschine einzuweihen. Es gab Anfragen von Außenstehenden, aber die werden nicht erfüllt. "Wir sind keine Änderungsschneiderei, wir zeigen, wie es geht", sagt Glades Tchiri.
Diejenigen, die regelmäßig hierherkommen, möchten das Café nicht missen. Unter anderem auch, weil die Treffen dort für Ablenkung sorgen und für gute Laune. Manchen sind sie so wichtig, dass sie vorher anrufen, um sich zu vergewissern, dass sie auch wirklich stattfinden. Sie schätze die Atmosphäre, sagt Ingrid Meyermann, die hier eine Bluse eigenhändig "angepasst" hat. Das sei für sie wie eine große Familie. Und sie sieht bestätigt, was sie bei ihrem Engagement für den Spaziertreff im Friedhofsviertel erfahren hat: "Quartiersarbeit ist so enorm wichtig." - jf -




