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Foto des Monats - November 2023

Als das Telefon nach Bocholt kam

Foto des Monats November
Das Bocholter Stadtarchiv erinnert in seiner monatlichen Themenreihe diesmal mit einem historischen Foto an die Anfänge der Telefonie in Bocholt.
© Stadtarchiv Bocholt

Die um 1905 entstandene Ansicht könnte mit dem Titel "Über den Dächern von Bocholt" bezeichnet werden. Der Betrachter befindet sich auf dem Dach eines Hauses im Stadtzentrum und blickt nach Osten. Im Hintergrund erkennt man die evangelische Kirche an der Münsterstraße. Links oben rückt der ältere Teil der heutigen Liebfrauenkirche mit seinem barocken Dachreiter ins Bild.

Bei seiner Aufnahme hat der Fotograf das Kaiserliche Postamt vorne links miterfasst und mit ihm die auf dem Hausdach aufragenden technischen Anlagen der Telefonie. Ein Telefonmast und die zahlreichen Leitungsisolatoren sind hier deutlich zu sehen. Früher sprach man allerdings eher von einem "Fernsprechgestänge".

In seiner damaligen Art war das Telefon ein kabelgebundenes Gerät. Der Apparat des Anrufers und des Anrufempfängers war durch eine Leitung miteinander verbunden. Andere Teilnehmer konnte man zunächst nicht erreichen. Das änderte sich mit der Entwicklung der örtlichen und überörtlichen Fernsprechnetze in Verbindung mit ihren Vermittlungsstellen. Hierbei handelte es sich um Zentralen, mit deren Hilfe Telefonverbindungen durch einfaches Umstecken von Anschlussleitungen hergestellt werden konnten. Das Fernmeldewesen unterstand der Reichspost, und die Vermittlungsstellen wurden bei den Postämtern angesiedelt, wo zumeist Frauen als Telefonistinnen eine Beschäftigung fanden.

"Mit dem Anschluss einverstanden"

In Bocholt nahm die Einführung des Telefonwesens seit dem 27. November 1894 ihren Lauf, als der Schriftführer in der Ratssitzung protokollierte: "Die Versammlung erklärte sich mit dem Anschluss der Stadt Bocholt an der Fernsprecheinrichtung einverstanden […]." Im Juni 1895 begannen hier die Arbeiten zum Aufbau der Telekommunikation, wie man es heutzutage nennen würde. Die Montage der Leitungen dauerte etwa acht Wochen. In dieser Zeit hatten sich bereits 38 Teilnehmer zum Anschluss an das Telefonnetz gemeldet.

Am 28. Juni 1895 beschloss der Rat der Stadt Bocholt, dass "als passender Ort für [die] Anbringung der Telephon-Sprechstelle das Zimmer vor dem Arbeitszimmer" des Bürgermeisters Degener angesehen werde. Die Telefonnummer 1 in Bocholt erhielt im Übrigen nach der Freischaltung die Firma "Aktiengesellschaft für Baumwollindustrie" an der Industriestraße, dort, wo demnächst im ehemaligen Herding-Gebäude das Lernwerk des Kulturquartiers Bocholter Aa und Industriestraße (kubaai) eröffnet wird.