Weißes Stift
Der Betrachter befindet sich in dem früheren Teil der Nobelstraße und blickt auf die Südwand der Stiftskirche des ehemaligen sog. Weißen oder auch Großen Stiftes.
Es wurde erstmals 1307 als Franziskanerinnenkloster urkundlich erwähnt. Aufgrund der weißen Tracht der Ordensfrauen erhielt es in Unterscheidung zum benachbarten sog. Schwarzen Kloster diese Bezeichnung.
Die Nonnen/Stiftsdamen stammten aus dem Niederadel und begüterten katholischen Patrizierfamilien aus Bocholt und Umgebung. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfolgte die Umwandlung des Klosters in ein freiweltliches Damenstift mit maximal elf adligen Bewohnerinnen.
Bei der ehem. Stiftskirche handelte es sich um einen Backsteinbau. Die markanten Strebepfeiler an der Fassade stammten offenbar aus einer Umbauphase um 1700, und zwar zur Verstärkung der Südwand nach deren sichtbaren Aufstockung um 2,50 m. 1803 kam die Stiftsanlage im Zuge der Säkularisation in fürstlich Salm-Salmsches Eigentum und diente bis 1811 als Regierungssitz des neugegründeten Fürstentums Salm und danach als privater fürstlicher Verwaltungssitz. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Weiße Stift bis auf die Grundmauern zerstört. Die Ruinen beseitigte man Anfang der 1950er Jahre restlos. Die südlichen Grundrisse sind jedoch heute noch durch weiße Bodeneinlassungen auf dem Europaplatz erkennbar.


