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Kriegsgräberstätte sowjetischer Kriegsgefangener

im Volksmund "Russischer Friedhof"

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Diese Kriegsgräberstätte wurde 1941 an der heutigen Vardingholter Straße zur Bestattung sowjetischer Soldaten angelegt, die während des Zweiten Weltkriegs im nahegelegenen sog. Stadtwaldlager (Stalag VI F) in Bocholt starben.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 gerieten Millionen sowjetische Soldaten in deutsche Gefangenschaft. Die Lebensbedingungen für diese Gefangenen waren besonders katastrophal: Sie lebten zunächst in Zelten und Erdschächten, später in einfachen Holzbaracken und litten unter Mangelernährung, Kälte sowie fehlender medizinischer Versorgung.

Im Volksmund erhielt der Begräbnisplatz in Anlehnung an die Rassenideologie der Nationalsozialisten den Namen "Russenfriedhof", obwohl die hier beigesetzten Menschen aus insgesamt 28 unterschiedlichen Ländern der ehemaligen Sowjetunion wie der Ukraine, Aserbaidschan, Weißrussland, Georgien usw. stammten. 

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Anfangs waren die Gräber mit einfachen Holzkreuzen markiert, die später durch  Betonsteine mit Grabnummern ersetzt wurden.

Im Jahr 1964 wurden zudem die sterblichen Überreste von 169 sowjetischen Soldaten, die zuvor auf dem benachbarten jüdischen Friedhof bestattet waren, hierher umgebettet. Insgesamt sind heute 1.970 Grabstellen dokumentiert, 1.676 davon mit Namen. Es verbleibt immer noch eine große Zahl unbekannter Grabstellen.

Weitere sowjetische Kriegsgefangene sind auf dem städtischen Hauptfriedhof an der Blücherstraße bestattet.

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Nach Kriegsende errichteten Angehörige der Roten Armee den zentralen Obelisken mit dem Sowjetstern als Ehrenmal. Der Friedhof befindet sich seit 1945 im städtischen Eigentum und steht seit 2008 unter Denkmalschutz.

2020 wurden Granitstelen mit allen bekannten Namen, Geburts- und Sterbedaten der Verstorbenen aufgestellt.

Diese Kriegsgräberstätte erinnert an das Leid der sowjetischen Kriegsgefangenen in Bocholt und mahnt als Ort der Erinnerung an die Schrecken des Krieges und die Notwendigkeit des Friedens.

Hinweis zu den Gräberlisten

Es existieren zwei voneinander abweichende Listen zu den verstorbenen Kriegsgefangenen auf der sowjetischen Kriegsgräberstätte in Bocholt.

Mithilfe der Liste der Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten lässt sich für einige Verstorbene eine Zuordnung zu ihren jeweiligen Grabstellen in den drei Grabfeldern herstellen. Anhand des beigefügten Lageplans können die einzelnen Grabstätten lokalisiert werden. 

Die Liste der Russischen Botschaft enthält hingegen leider keine Grablagen, bietet jedoch mehr identifizierte Personen und zusätzliche Angaben zu den Verstorbenen in russischer Sprache. 

Hinweis zur Lagerkartei

Das Stadtarchiv Bocholt besitzt keine Unterlagen über die Kriegsgefangenen des Kriegsgefangenenlagers Stalag VI F. Das Stalag war keine städtische, sondern seit September 1938 eine Einrichtung in staatlichem Eigentum. Es wurde seinerzeit von der deutschen Wehrmacht verwaltet.

Die Personalunterlagen (Lagerkartei) der Kriegsgefangenen wurden nach dem Einmarsch der Briten im Mai 1945 nach Nationalitäten auf die Siegermächte aufgeteilt und sind für uns nicht zugänglich.