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Zeyneb Mohammady

"Es ist wichtig, im Vorfeld von Entscheidungen Gespräche mit den Entscheidern zu führen" 

Seit dem 1. Juni 2026 gehört Zeyneb Mohammady dem Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration der Stadt Bocholt (ACI) an. Mit ihrer persönlichen Geschichte und ihrem engagierten Einsatz setzt sie ein Zeichen für eine inklusive Stadt. Dabei hat sie auch eine klare Meinung zur Zusammenarbeit zwischen ACI, Verwaltung und dem Rat der Stadt Bocholt: "Es ist wichtig, im Vorfeld von Entscheidungen Gespräche mit den Entscheidern zu führen".

 

 

Wer ist Zeyneb Mohammady? 

Zeyneb Mohammady wurde am 23. September 2002 in Jaghouri, Afghanistan, geboren. Ihre Eltern sind Saleha und Amanullah Mohammady; sie hat fünf Geschwister: Zahra, Reza, Shahnaz, Setare und Samira. 2022 schloss sie das Abitur am Kapu/St. Josef Gymnasium Bocholt ab. Nach einem Jahr Minijob begann sie 2023 eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin. Die Abschlussprüfung bestand sie 2026; seit dem 1. Juli ist sie festangestellt am St. Agnes Hospital - Klinikum Westmünsterland.

"Miteinander sprechen, sich deutlich ausdrücken, klar verständlich machen."

Zeyneb Mohammady

Ankommen in Bocholt - erste Erfahrungen und Unterstützung

Zeyneb Mohammady und Bruno Wansing beim LWL Familienfest am 1.5.2026

2015 kam Zeyneb nach Bocholt. Sie erinnert sich, damals erst 13 Jahre alt, das sie von Beginn an auf die Unterstützung der Verwaltung, des Jobcenters und der EWIBO bauen konnte. In ihrer Erzählung spielte die Hilfe durch das Ausländeramt/EWIBO, die Wege zur Stadtsparkasse und der Einzug in die erste Wohnung, Schule und Beruf eine zentrale Rolle. Ihre erste Wohnung fanden sie am Theodor-Heuss-Ring 23. Kurze Zeit später, sie hatten die Wohnung gerade von Grund auf gereinigt und für ihre Verhältnisse angepasst, kam schon der Umzug in eine größere Unterkunft an der Pommernstraße. Von dort ging es zum Margeritenweg, wo sie heute noch mit ihrer gesamten Familie wohnt. Wichtige Stützen waren dabei die Lehrkräfte und lokalen Einrichtungen: Frau Ewig als Klassenlehrerin sowie Kontakte zu Betrieben wie den Arbeitgebern ihres Vaters, Hans und Barbara Bauhaus.

Engagement und Netzwerke in Bocholt

Den ersten Kontakt zum damals noch Integrationsrat hatte sie über Frau Nalan Yurdakul, die sie zu einem Treffen der Bocholter Liste eingeladen hatte. Über das Integrationsbüro und den eigenen Verein kam Zeyneb mit weiteren Akteurinnen und Akteuren ins Gespräch. So nahm sie Vorbereitungen zu Veranstaltungen wie dem LWL-Familienfest wahr und entwickelte Kontakte zu wichtigen Unterstützern der Integrationslandschaft, hier vor allem mit dem Integrationsbeauftragten Bruno Wansing, mit dem sie auch heute noch ständigen Kontakt hält.

 Besonders beeinflusst hat sie Ataf Chaudhry von der Ahmadiyya Muslim Jamaat Bocholt - "er ist überall dabei, hilft tatkräftig, ist verlässlich und ein echtes Vorbild." Im Vereinswesen blieb sie aktiv: Gemeinsam mit Hussaindad Rezai gründete sie 2021 den Afghanischen Kulturverein. Im März 2024 führte eine Trennung des Afghanischen Kulturvereins zur Entstehung zweier Vereine; Zeyneb behielt die Fäden im Nachfolgeverein Afghan Hazara Deutsche Gemeinschaft Bocholt e.V.  in der Hand, Vorsitzende ist Sakine Mohammadian. 

Kernanliegen und Fokus der Arbeit

Zeyneb betont, dass Integration in erster Linie über Bildung, Sprache und klare Orientierung für Jugendliche gelingt: "Es geht mir auch um die älteren Menschen, aber vor allem um die jungen Menschen, die hier neu ankommen." Sie erinnert daran, dass junge Zugewanderte oft vor der Frage stehen, welche Schulformen zu ihren Fähigkeiten passen. "Sie kennen die Unterschiede Haupt-, Real-, Gesamtschule und Gymnasium natürlich aus ihrer Heimat nicht", betont Zeyneb Mohammady.

Ein zweiter Punkt ist die Situation der Frauen. "Deshalb habe ich ja auch seinerzeit den Verein gegründet", sagt Zeyneb Mohammady, "um den Frauen die Möglichkeit zu geben, ihre Ansichten und Wünsche auch zu formulieren und zur Sprache zu bringen." Oft sei es so, dass die Frauen in den verschiedenen Communities sich zurückhalten und gar nicht erst an die Öffentlichkeit gingen. "Das möchte ich ändern und deshalb engagiere ich mich nicht nur in meinem Verein sondern auch im ACI." 

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Herkunftssprache: "Im Kreis Borken wird beim herkunftssprachlichen Unterricht kein Persisch und Dari angeboten; da müssen wir dranbleiben, damit Eltern verstehen, dass sie das Formular, dass es zu Beginn der Schulzeit gibt, auch ausfüllen müssen, wenn die eigene Sprache nicht vorgegeben ist. Gerade bei diesem Formular und beim Weg zum HSU sehe ich noch großes Potenzial. Da ist aber auch das Schulamt für den Kreis Borken gefordert."

 

Zusammenarbeit und Verbesserungspotenziale

Zeyneb Mohammady (links) und Selda Koldamca auf der Mitgliederversammlung des Landesintegratinosraters im Juli 2026

Aus Sicht von Zeyneb läuft es in Bocholt im Vergleich zu Großstädten gut - besonders das Verhältnis der Vereine untereinander sei positiv. Vor Entscheidungen des Rates fordert sie jedoch Gespräche mit den Betroffenen, um passende Lösungen zu finden: "Im Vorfeld von Entscheidungen ist es unabdingbar, Gespräche mit den entscheidenden Menschen zu führen, um auszuloten, welche Lösungen möglich sind." Intern im ACI sieht sie noch Entwicklungspotenzial und orientiert sich an konstruktiver Zusammenarbeit.

Zum Landesintegrationsrat, dort ist sie stellvertretende Delegierte des ACI Bocholt, fuhr sie am 11. Juli 2026 gemeinsam mit Selda Koldamca, um dort an der Mitgliederversammlung des LIR teilzunehmen. Dort wurde auch Abdulkadir Kis, Vorsitzender der Bocholter Liste im ACI, zum Beisitzer des Vorstandes des Landesintegrationsrates gewählt. Ihr fiel dort, ebenso wie Selda Koldamca, auf, dass im Gegensatz zu den Gepflogenheiten im ACI, es dort beim Thema "Sitzungsdisziplin und Sitzungsordnung" erhebliches Potenzial gibt. "Das kennen wir so aus Bocholt nicht, hier hat jeder die Mögilchkeit auszureden und seinen Beitrag auch zu Ende zu bringen." Zudem seien sie als Neulinge anstatt auf deutsch in den Sitzungspausen immer auf türkisch angesprochen worden. "Das hat mich doch sehr irritiert", sagte Zeyneb Mohammady, "ich kann zwar türkisch, habe aber afghanische Familiengeschichte." 

 

Wichtige Einsichten zur gelingenden Integration

"Miteinander sprechen, sich deutlich ausdrücken, klar verständlich machen." Zeyneb betont, dass Missverständnisse durch einfache Sprache und Offenheit vermieden werden könnten. Eine gelingende Integration erfordere, dass man auf Menschen zugehe, Fragen stelle und auch über sich selbst berichte - damit Brücken gebaut werden können.

Ziele im Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration (ACI)

Als neues ACI-Mitglied möchte Zeyneb besonders Jugendliche unterstützen: "Herkunftssprache, Bildung, Jugendliche zusammenbringen, das sind meine Themen und das gilt auch Jugendliche, die ohne Eltern hier wohnen; mir geht es auch um die Frauen, deshalb habe ich ja den Verein gegründet, damit sie sich äußern und ihre Meinung sagen können."

Sie setzt sich außerdem für eine frühzeitige Einbindung Betroffener ein, damit Rat und Verwaltung praktikable Lösungen entwickeln können. Ihre Arbeit zielt darauf ab, Bocholt als Stadt der Chancen sichtbarer zu machen - insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene mit internationaler Familiengeschichte.

Ausblick

Zeyneb Mohammady wird sich als Mitglied des ACI Bocholt dafür einsetzen, Chancengerechtigkeit und Integration weiter sichtbar und greifbar zu machen. Ihr Fokus auf Sprache, Bildung und direkten Dialog mit Betroffenen schafft eine solide Basis für eine inklusive, zukunftsfähige Stadtentwicklung.

Schirmherrin der IKW

Gemeinsam mit Annette Grümer-Weyers (re) war Zeyneb Mohammady im Jahre 2023 Schirmherrin der Interkulturellen Woche 2023, links Schulleiter Klaus Schepp

Im Jahre 2023 gab es erstmalig ein Schirmherrinnen-Duo für die Interkulturelle Woche 2023, das von Zeyneb Mohammady und Annette Grümer-Weyers gebildet wurde. Sie waren die Vorreiterinnen und Vorbilder für die nachfolgenden, indem sie nahezu jede der vielfältigen Veranstaltungen, 2023 unter dem Motto "Neue Räume" besucht und begleitet haben.