Bocholt und Werchniodniprowsk vertiefen Zusammenarbeit in der Abfallwirtschaft
Fachaustausch beim ESB vermittelt Praxiswissen zu Sammlung, Trennung und Recycling
Wie kommunale Dienstleistungen auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig organisiert werden können, stand im Mittelpunkt eines deutsch-ukrainischen Fachaustauschs beim Entsorgungs- und Servicebetrieb Bocholt (ESB) vom 22. bis 26. März 2026. Eine vierköpfige Delegation aus der ukrainischen Solidaritätspartnerstadt Werchniodniprowsk informierte sich in Bocholt über Strukturen, Abläufe und praktische Lösungen in der kommunalen Abfallwirtschaft. Der Austausch knüpft an die enge Solidaritätspartnerschaft zwischen beiden Städten an und soll dazu beitragen, die kommunale Handlungsfähigkeit in Werchniodniprowsk weiter zu stärken.
Kommunale Aufgaben trotz großer Belastungen
Die ukrainische Delegation wurde von Bürgermeister Gennadii Lebid angeführt. Mit ihm reisten Vertreter der Bereiche kommunale Dienstleistungen, Infrastruktur und strategische Planung nach Bocholt. Werchniodniprowsk steht infolge des anhaltenden Krieges weiterhin vor erheblichen Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung zentraler kommunaler Dienstleistungen. Gerade im Bereich der Abfallwirtschaft besteht ein hoher Bedarf an praxisnahem Wissen, um Sammel-, Trenn- und Recyclingstrukturen verlässlichun dkünftig in Richtung EU-Standard zu organisieren. "Wir sind der Stadt Bocholt sehr dankbar für die offene und partnerschaftliche Unterstützung. Für uns ist dieser Austausch von großem Wert, weil wir konkrete Lösungen kennenlernen, die uns helfen können, kommunale Dienstleistungen in schwierigen Zeiten zu verbessern und aufrechtzuerhalten", sagt Bürgermeister Gennadii Lebid.
Bocholt konnte dabei mit der langjährigen Erfahrung des ESB wertvolle Einblicke geben. Auf dem Programm standen eine Einführung in die Betriebsstruktur des ESB, Besichtigungen verschiedener Standorte sowie Informationen zur betrieblichen Abfallsammlung, zur Abwasserreinigung und zu Entsorgungswegen. Auch der Wertstoffhof sowie regionale Entsorgungsstrukturen wurden vorgestellt. Ergänzt wurde das Programm durch einen Besuch bei der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland mbH (EGW) in Gescher. So bekam die Delegation einen umfassenden Eindruck davon, wie kommunale und regionale Akteure in Deutschland bei Sammlung, Verwertung und Entsorgung zusammenarbeiten.
Praxisnaher Austausch im Arbeitsalltag
Neben Vorträgen und Fachgesprächen spielte vor allem der Blick in die Praxis eine wichtige Rolle. Die Gäste begleiteten Abläufe rund um Abfallsammlung, Abfalltransport und Straßenreinigung und erhielten zudem Einblicke in Einsatzfahrzeuge und Werkstatt. "Uns war wichtig, nicht nur Strukturen zu erklären, sondern ganz konkret zu zeigen, wie kommunale Abfallwirtschaft im Alltag funktioniert. Genau dieser praktische Austausch macht den Besuch so wertvoll", sagt Christoph Telaar, Organisator des Fachaustauschs beim ESB Bocholt.
Der Besuch macht deutlich, dass die Solidaritätspartnerschaft zwischen Bocholt und Werchniodniprowsk weit über symbolische Gesten hinausgeht. In den vergangenen Jahren hat Bocholt die ukrainische Partnerstadt bereits mehrfach mit Hilfsgütern, Fahrzeugen und fachlichem Austausch unterstützt. Der aktuelle Besuch beim ESB knüpft daran an und verbindet konkrete Hilfe mit nachhaltigem Wissenstransfer. Damit wird die Zusammenarbeit beider Städte weiter vertieft - und ein Beitrag dazu geleistet, die kommunale Daseinsvorsorge in Werchniodniprowsk unter schwierigen Bedingungen zu stärken. Dieser Fachaustausch wird von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

