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Dr. Dimitrios Macheras

Serie: Wir im IR

Dr. Dimitrios Macheras ist zweiter stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Bocholt. Im Rahmen der Reihe \
© Bruno Wansing

Dr. Dimitrios Macheras ist zweiter stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Bocholt. Im Rahmen der Reihe "Wir im IR" sprach Bruno Wansing vom Büro des Bürgermeisters mit ihm.

Dr. Macheras kam im Mai 1977 nach Deutschland und "landete" nach dem Studium in Heiligenhaus. Sein Bruder lebte schon länger in Deutschland, er war einer der "Gastarbeiter", die es nach Deutschland verschlagen hatte.  

Macheras ist diplomierter Wirtschaftswissenschaftler. Von Mai bis September 1977 lernte er (in Selbststudium) schnell die deutsche Sprache und machte die Aufnahmeprüfung in Münster.  Von Oktober 1977 bis Februar 1978 lernte er an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster /Bereich "Deutsch als Fremdsprache" Deutsch weiter und legte die entsprechende Prüfung ab.

Für die Anerkennung seines Dr.-Titels kämpfte er von Februar 1978 - 1986. "Es war unwahrscheinlich schwierig, promovieren zu können", erinnert sich Macheras. Um die Zulassung zur Promotion zu bekommen, musste er eine Prüfung in BWL und eine Diplomarbeit schreiben.  Daraufhin machte er seinen Dr. rer. pol. in Wirtschaftswissenschaften. "Vor allem am Anfang hatte ich Probleme. Es war für mich schwierig, die Bücher zu übersetzen, das andere Lernsystem zu verstehen und zudem habe ich in den Semesterferien auch immer noch in einer Eisengießerei" gearbeitet, so Macheras.

Sowohl in Münster als auch in Bocholt war er jahrelang als Kursleiter für Neugriechisch in der jeweiligen Volkshochschule tätig. In der VHS Bocholt bietet er auch Kochkurse an. Auf seine Initiative wurde der Landesverband der VHS von NRW zum Prüfungszentrum für griechische Zertifikate.

Bereits im Jahre 1987 machte er ein Praktikum bei seinem jetzigen Arbeitgeber, dem Genossenschaftsverband - Verband der Regionen e. V.  Nach dem Praktikum folgte die Assistenzzeit und jetzt ist Macheras Verbandsprüfer. Macheras ist selber Grieche und fühlt sich in Bocholt vollends integriert. Dazu trägt auch seine Frau bei, die großer Griechenlandfan ist. Er hat einen Sohn, der die deutsche und griechische Staatsbürgerschaft besitzt. "Auch, wenn er beide Staatsbürgerschaften besitzt, ist er doch eher Deutscher und ich wünsche mir, dass er Griechenland nicht ignoriert", betont Macheras.

Möglichst schnell die Sprache lernen

Der wichtigste Punkt einer gelungenen Integration ist auch für Dr. Dimitrios Macheras die Sprache. "Jeder, der nach Deutschland kommt und die Sprache noch nicht spricht, sollte sie so schnell wie möglich lernen", fordert Macheras. Darüber hinaus sei es besonders wichtig, möglichst viele Menschen unterschiedlichster Couleur zu treffen. "Bei diesen Kontakten ist es dann ein Muss, deutsch zu reden und nicht - wenn man einmal einen Landsmann trifft - wieder in die Heimatsprache zu verfallen".

Nur nicht aufgeben

"Auch, wenn die deutsche Sprache nicht leicht zu erlernen ist, war für mich immer die Maßgabe, nur nicht aufgeben", sagt Macheras, "der Wille, es zu schaffen, muss bei jedem immer mit dabei sein. Dann klappt das auch." Mache man in Deutschland den ersten Schritt, sei der Deutsche von der Mentalität eher zurückhaltend, kenne man ihn dann aber länger, vertiefe sich der Kontakt umso mehr. "Die Griechen sind da anders. Sie kommen ganz herzlich auf einen zu, bleiben aber beim Kontakt eher oberflächlich", beschreibt Macheras seine Landsleute.

Akoc und Mascolo als Vorbilder

Macheras hatte immer schon überlegt, eigene Erlebnisse und Erfahrungen weiterzugeben und sich selber auch in der politischen Arbeit einzubringen. "Meine Vorbilder waren da Emanuele Mascolo und Azize Akoc", sagt Macheras. "Beides waren sehr aktive Mitglieder im Ausländerbeirat und haben viel bewegt. Ich habe dann Azize Akoc gefragt, 'wie komme ich da rein?', wir haben uns getroffen und schon habe ich für den Ausländerbeirat kandidiert.

Alle Bocholterinnen und Bocholter als eins sehen

Ziele und Wünsche hat er noch einige für seine Arbeit im Integrationsrat. "Zwar bekommen wir im IR durch das Integrationsbüro viele Infos zu dem, was im Rat passiert, aber genau da sollte die Zusammenarbeit noch weiter vertieft werden", fordert Macheras und wünscht sich weiter, dass Menschen mit Migrationshintergrund im Rat und in ganz Bocholt mehr Gehör bekommen. Sein Ziel ist es weiter, den Integrationsprozess in Bocholt zu unterstützen. "Wenn wir es erreichen könnten, dass alle Bocholterinnen und Bocholter als   eins   gesehen werden könnten, dann haben wir Integration erreicht", ist sich Macheras sicher und sagt weiter: "Ich möchte den Menschen, die in keinem Verein sind, nicht organisiert sind, kaum Kontakte haben, eine Stimme geben, die Gehör findet."

Das war auch der Grund, warum er für den IR und den Vorsitz im IR kandidiert hat. "Allerdings hänge ich nicht an dem Vorstandsposten", betont Macheras. Er vertritt den Integrationsrat der Stadt Bocholt in den verschiedenen Gremien des Landesintegrationsrates NRW. "Diese Infos aus den Sitzungen bringe ich mit und bespreche sie mit meinen Vorstandskollegen bei unseren regelmäßigen Treffen", berichtet Macheras weiter. "Mir ist es wichtiger, wenn ich den Menschen helfen und sie unterstützen kann. Vorsitzender des IR traue ich mir zwar zu, würde es aber niemals machen. Wenn ich ein Amt übernehme, dann muss ich das auch vollends ausfüllen können. Das geht aufgrund meiner Arbeit aber auf keinen Fall", betont Macheras.

"Jeder Mensch hat einen Gott"

Der griechisch-orthodox geprägte Macheras sieht zwar keinen Königsweg, wenn es darum geht, die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Religionen und Religionsausrichtungen zu verbessern, ist sich aber sicher: "Jeder Mensch hat einen Gott und es ist wichtig, dass er seine Religion friedlich ausübt und friedlich ausüben kann", betont Macheras.

Dabei sei der interreligiöse Dialog, wie er in Bocholt schon angestoßen worden sei, der richtige Weg. "Fanatismus ist da der falsche Weg", ist sich Macheras sicher. Er selber geht auch zu den Feiern der anderen Religionen. "Ich bin doch neugierig, wie mein Mitbürger, mein Mit-Bocholter, wie "der andere" seine Religion ausübt. Wenn wir aktiv einen Schritt auf den anderen zugehen, dann funktioniert das auch. In Heiligenhaus hat uns die türkische Nachbarfamilie zu ihrem Opferfest immer Fleisch gebracht."

Mehrheit weiß nicht, dass wir da sind

"Ich sehe uns, den IR, sowohl bei den Migrantinnen und Migranten als auch bei der deutschen Bevölkerung akzeptiert. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Mehrheit nicht weiß, dass wir da sind".

Macht des Rates nicht angreifen

"Ich glaube schon, dass der Rat uns akzeptiert, wir haben ja im neuen Integrationsrat ja auch Ratsmitglieder sitzen", sagt Macheras. Sicherlich werde der IR ernst genommen, "wir wollen ja auch kein Konkurrenzgremium sein und schon gar nicht die Macht des Rates angreifen", sagt Macheras. Bei der Verwaltung vermisst er einen durchgehenden Informationsfluss bei Themen, die Verwaltung und Migration betreffen. "Da wäre es klasse, wenn wir im Vorfeld beteiligt werden könnten und nicht erst, wenn die Entscheidung im Rat schon gefallen ist", wünscht sich Macheras eine frühzeitigere Beteiligung. "Wir haben doch ein Integrationsbüro. Das könnte die Punkte aufnehmen, im IR zur Abstimmung geben und dann unsere Empfehlung mit zur Entscheidungsfindung im Rat hinzunehmen", fordert Macheras. "Die Vertreter des Rates unterstützen uns bei diesem Anliegen sehr."

Stadt Bocholt soll Integrationsrat behalten

Drei Ziele möchte Macheras in der ablaufenden Wahlperiode noch erreichen. "Zum einen möchte ich, dass es uns gelingt, eine positive Bilanz vorzulegen. Dazu gehört auch, dass es uns gelingt, dass die Verwaltung uns frühzeitig beteiligt." Zudem möchte er, dass die Stadt den Integrationsrat behält. Das Land NRW sieht ja als Alternative auch vor, dass ein Integrationsausschuss gebildet werden kann. "Und abschließend wäre es klasse, wenn wir junge Leute überzeugen könnten, mitzumachen. Darauf werde ich mein besonderes Augenmerk legen, junge Leute ansprechen und diese zu motivieren, sich an der Integrationsarbeit zu beteiligen."