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Caroline Bücher, Geschäftsbereich Stadtgrün und Umwelt bei der Stadt Bocholt, und Jan Finke, Geschäftsführer der beauftragten Landschaft und Umwelt GmbH, vor dem Riesenknöterich auf dem Gelände am Ostring.Stadt Bocholt erprobt neue Methode gegen invasive Pflanzenart
Beteiligung am interkommunalen LEADER-Projekt // Bekämpfung des Sachalin-Knöterichs auf einer Testfläche am Ostring
- Die Stadt Bocholt geht aktiv gegen die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten vor und startet eine gezielte Bekämpfungsmaßnahme auf einer Testfläche in der Nähe des Ostrings. Im Rahmen eines interkommunalen LEADER-Projekts wird dort die Eindämmung des Sachalin-Knöterichs mit einer kombinierten Methode aus wiederholtem Schnitt und Bodenaustausch erprobt. Das Vorhaben läuft bis zum Jahr 2028 und soll praxistaugliche Erkenntnisse für den nachhaltigen Naturschutz liefern.
Im Bocholter Stadtgebiet breiten sich zwei invasive Knöterichgewächse zunehmend aus. Häufigster Vertreter ist dabei der sogenannte Japanische Staudenknöterich (Phalopia japonica), etwas seltener der Sachalin-Knöterich (Fallopia sachalinensis). Beide Arten sind sehr wuchskräftig und erreichen in den Sommermonaten eine Höhe von bis zu drei bis vier Metern und bilden dichte Monokulturen, die die heimische Flora verdrängen. Da die oberirdischen Teile im Winter absterben, hinterlassen sie kahle Flächen, was insbesondere an Gewässern die Gefahr von Bodenerosion erhöht. Ein zentrales Problem bei der Bekämpfung sind die tief reichenden Wurzelausläufer, die sogenannten Rhizome, da bereits aus kleinsten Wurzelstücken neue Pflanzen entstehen können. Die Verbreitung erfolgt meist über diese Rhizome, bspw. durch kontaminierten Boden oder Kompost.
Für das Pilotprojekt hat die Stadt eine rund 650 Quadratmeter große Fläche nahe dem Ostring ausgewählt, direkt neben dem Hundeauslaufplatz. Eine beauftragte Fachfirma hat am Montag damit begonnen, den dichten Bestand des Sachalin-Knöterichs zunächst komplett herunterzuschneiden. Anschließend wurde die obere Bodenschicht etwa zehn Zentimeter tief ausgehoben, um die im Oberboden befindlichen Wurzeln direkt zu entfernen. Nach der Einsaat einer Rasenmischung wird die Testfläche wöchentlich gemäht. Dieser fortlaufende Rasenschnitt verhindert die Ausbildung von Blattmasse und neuen Trieben. Damit verbunden ist die dauerhafte Schwächung der Pflanze, da sie keine Photosynthese betreiben kann und daher keine Energie für das Wachstum produzieren kann. Ziel ist es, eine praxistaugliche und nachhaltige Methode zu erproben, um die Fläche später wieder für die Anpflanzung heimischer Gehölze nutzen zu können.
"Der Sachalin-Knöterich ist aufgrund seiner extremen Regenerationskraft eine große Herausforderung für den kommunalen Naturschutz", erklärt Caroline Bücher aus dem Geschäftsbereich Stadtgrün und Umwelt bei der Stadt Bocholt, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen Rainer Ebbing begleitet, "mit einem kombinierten Verfahren aus Erdaustausch und dauerhaftem Kurzhalten der Triebe wollen wir die Pflanze systematisch schwächen und die Fläche langfristig wieder für heimische Gehölze vorbereiten."
Die Maßnahme ist Teil eines überregionalen Projekts im Rahmen von LEADER Bocholter Aa, an dem sich die Kommunen Isselburg, Bocholt, Borken, Rhede und Velen beteiligen. Jede der teilnehmenden Kommunen bekämpft eine andere invasive Pflanze mit jeweils unterschiedlichen Methoden. Während Isselburg gegen die Spätblühende Traubenkirsche vorgeht und Borken das Jakobskreuzkraut bekämpft, konzentriert sich Rhede auf Riesenbärenklau und Drüsiges Springkraut, welches auch in Velen im Fokus steht. Durch diesen interkommunalen Ansatz werden verschiedene Strategien parallel erprobt und ausgewertet.
"Invasive Pflanzenarten machen an Stadtgrenzen keinen Halt", weist Bücher auf die Wichtigkeit der interkommunalen Zusammenarbeit hin, "durch die enge Kooperation im LEADER-Netzwerk bündeln wir unsere Kräfte im Westmünsterland, testen unterschiedliche Ansätze parallel und entwickeln so gemeinsam ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für die gesamte Region."
Auch die Bocholter Bürgerinnen und Bürger können einen wichtigen Beitrag leisten, um die weitere Verschleppung der Pflanze im Stadtgebiet zu verhindern. Bei ersten Funden im eigenen Garten sollten Einzelpflanzen oder kleine Bestände frühzeitig und mit möglichst viel Wurzelmasse ausgegraben werden. Kleine Mengen der Pflanzenteile sollten nicht auf den heimischen Kompost oder in die Biotonne gelangen, sondern über den Restmüll entsorgt werden. Bei größeren Mengen oder Unklarheiten empfiehlt sich vorab eine Rücksprache mit dem Entsorgungs- und Servicebetrieb Bocholt (ESB).
