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Aasee-Triathlon: Der Lotse geht von Bord

Reinhold Lensing, Abteilungsleiter der Triathlonabteilung des Bocholter Wassersportvereins wird am 16. Juni 2019, bei der 32. Auflage des Aasee-Triathlons, das Ruder an seine Nachfolger abgeben. KÜnftig werden André Pütter und Alexandra Winter die Abteilungsleitung und die damit verbundene Position des Organisationschefs des Aasee-Triathlons übernehmen. bocholt.de-Redakteur Bruno Wansing sprach mit Reinhold Lensing, der einige "Dönekes" aus 20 Jahren Abteilungsleitung erzählen konnte.


1997, 10 Jahre, nachdem der erste Triathlon (seinerzeit noch im Vereinsbad An den Tonwerken) gestartet war, fing Reinhold Lensing in der Triathlonabteilung an. 1998 war er schon Chef der Wechselzone um dann 1999/2000 gleich zum Abteilungsleiter und Orgachef des Aasee-Triathlons gewählt zu werden. Diese Position hat er seit der Zeit inne und die Triathletinnen und Triathleten aber auch die Besucherinnen und Besucher kennen Lensing, wenn er nach den Startschüssen auf seiner Position am Radwechsel die Starterinnen und Starter auf den richtigen Weg bringt. "Dafür brauchst Du schon eine gewisse Statur und eine laute Stimme und da bin ich sicherlich der richtige", sagt Lensing.

Schülertriathlon - Wechsel zur Festwiese - Schülerin verloren

Wenn man ihn nach Besonderheiten fragt, dann hat er sofort gleich mehrere in Petto. "Vor 17 Jahren haben wir den Schülertriathlon eingeführt. Da habe ich mit Jochen Methling, seinerzeit noch beim Schulamt der Stadt Bocholt, super zusammengearbeitet und das war eine auch für mich persönlich wichtigsten Entscheidungen, die wir getroffen haben", betont Lensing. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit der Stadt, sei es das Schulamt, das Grünflächenamt oder auch das Sportamt, immer erstklassig gewesen.

Der wichtigste Spaziergang

Nach dem ersten Start in den Tonwerken ging es an den Aasee und hier zur Surferbucht. "Da sind wir nach und nach aus den Nähten geplatzt, weil immer mehr teilnehmen wollten", erinnert sich Lensing. Ja, und dann gab es da einen Spaziergang mit seiner Frau Jutta. "Es war sicherlich nicht der wichtigste Spaziergang ever, aber wohl der wichtigste für den Aasee-Triathlon", sagt Reinhold Lensing. "Als wir so an der Festwiese vorbeilaufen, sagt sie auf einmal zu mir: warum nehmt ihr denn nicht hier den Platz und nutzt den Parkplatz gleich dazu?", berichtet Lensing. Gesagt getan, der Wechsel wurde gleich im nächsten Jahr vollzogen und das Starterfeld vergrößerte sich von maximal 400 in der Surferbucht auf bis zu 1.500 Starterinnen und Starter in der heutigen Zeit.

Schülerin geht verloren

Für Aufregung sorgte vor einigen Jahren eine Schülerin, die auf der Radstrecke vom Wege abgekommen war. "Sie ist wohl an einer der Sperrungen vorbeigefahren und war seelenruhig dabei in Biemenhorst zu fahren, ohne jegliche Panik, sie wähnte sich ja auf dem richtigen Wege. Die Polizei hat ihr denn den richtigen gezeigt", erinnert sich Lensing, der schon Sorge um die junge Starterin gehabt hatte. Aber auch im Wasser kann man sich schon mal verschwimmen. "Ein Starter zog mit kräftigen Schwimmzügen in Richtung Badebucht - DLRG Heim. Da mussten wir dann doch schnell ein Boot hinterherschicken", sagt Lensing. Ganz besonders auf Abwegen war ein Bundesligateam. "Wir sind hier am Aasee, wo ist denn der Wettkampf", kam die Anfrage durchs Telefon. Tja, das Team stand in voller Montour am Aasee, aber in Münster. "Wir haben dann den Wettkampf der Ligen nach hinten verlegt, sodass auch die noch starten konnte", zeigte sich Lensing auch da als Mann spontaner Entscheidungen.  Eine solche hätte er fast einmal im Jahr des Elbehochwassers getroffen. 

Blut und Wassergeschwitzt

„Elbe-Hochwasser“ - Reinhold Lensing erinnert sich: Da die Bocholter DLRG (auch die umliegenden Einheiten) Montag vor der Veranstaltung zum Schutz einer Umspannungsanlage in der Nähe von Magdeburg komplett ausrücken mussten, gab es ein Problem: ohne DLRG kein Schwimmen und dann auch kein Triathlon. "Ab Montag haben wir versucht eine neue Schwimmstrecke zu konzipieren, die von Helfern am Ufer gesichert werden sollten: nicht geklappt", berichtet Lensing, nur noch sechs Tage. Es hätten auf jeden Fall mindestens 1-2 Boote auf dem Wasser sein müssen und die waren alle in Magdeburg. Lensing versuchte permanent, mit René Wissen, dem Bocholter Ortsgruppenleiter der DLRG, Kontakt zu bekommen, das war super schwierig. Er konnte auch nichts zu seiner Einsatzdauer sagen ..., Montag vorbei, Dienstag vorbei, Mittwoch vorbei..., drei Tage vergangen! Es ging einfach nicht weiter. Am Donnerstag im Laufe des Tages fasste Lensing - ohne Rücksprache mit den Vereinskollegen - den Entschluss, den Aasee-Triathlon abzusagen, sollte er bis 18 Uhr keine positive Rückmeldung von Wissen bekommen. "So fing ich an, den Text zu formulieren, versuchte weiter, René zu bekommen, was nicht gut funktionierte - und dann passierte das Unglaubliche", erinnert sich Lensing noch heute mit einem großen Glücksgefühl, "ich hatte die Mail an alle Teilnehmer, Sponsoren, Helferorganisationen, Funktionäre etc. fertig und wollte diese um 18:05 Uhr versenden und in diesem Moment kam der Anruf." Wissen teilte mit, dass sie am Freitag nach Hause fahren können und dann am Samstag und Sonntag uns wie gewohnt unterstützen. "Ich habe noch nie so viel im Vorfeld geschwitzt und so wenig geschlafen, wie in dem Jahr", fällt ihm auch heute noch ein Stein vom Herzen, "aber: wir haben daraus gelernt und haben alternative Strecken für einen Duathlon fertig. So hat alles sein Gutes." Eine Veranstaltung abzusagen, bei der über 1.000 Starterinnen und Starter aus ganz Deutschland und dem europäischen Umland in Bocholt zu Gast sind, dazu gehört schon Mut. Den hatte Reinhold Lensing, aber auch das Glück, es dann doch nicht tun zu müssen.

Dänische Nationalmannschaft

Spontan reagierte Lensing auch, als der Trainer der Dänischen Nationalmannschaft anrief und sagte: "Reinhold, ihr macht einen tollen Wettkampf, haben wir gehört, können wir kommen?" Mit Torbjørn Sindballe war auch der ITU-Weltmeister auf der Langdistanz in Bocholt mit dabei. "Die waren so unkompliziert, die haben bei Michael Spogahn auf einem Klappbett übernachtet, alles kein Problem", dankt Lensing auch heute noch seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die alles für die Abteilung machen.

"Rose Windkanal"

Der Autor des Buches "Barfuß auf dem Dixi-Klo", Lars Terörde, hat Bocholt auch mit aufgenommen. Terörde startete in Bocholt und musste auf der neuen Strecke der B 67 auf dem Rad mit dem starken Wind kämpfen. Prompt hatte er auch den Namen für die windanfällige Strecke gefunden, "das ist der ROSE Windkanal" schrieb Terörde. Rose ist für Lensing auch ein wichtiges Stichwort. "Wir haben neben dem ROSE Versand, der uns von Beginn an immer begleitet hat, mit der Stadtsparkasse, Futura Werbung, der BEW, der DLRG, dem THW, der Feuerwehr so viele Sponsoren und Hilfsorganisationen, die uns tatkräftig unterstützen. Ihnen gehört mein besonderer Dank verbunden mit der Bitte, den Aaseetriathlon auch in den kommenden Jahren weiter zu begleiten", hofft Lensing auch in den nächsten Jahr auf Unterstützung und Hilfestellung. 

25 % kommen aus dem Nachbarland

Der Aaseetriathlon ist eine internationale Veranstaltung. "Seit Jahren haben wir Starterinnen und Starter aus der Schweiz, aus Österreich, aber 25% kommen aus unserem Nachbarland und das ist auch klasse so", sagt Reinhold Lensing. Seit der Einführung der Mitteldistanz, die der "Bocholter Distanz", die ja auch mittlerweile die olympische Distanz geworden ist, den Rang abläuft, sei der Triathlon immer schneller ausgebucht. "Die Beliebtheit steigt, das liegt nicht nur an der Mitteldistanz und nicht nur an der tollen Strecke, das liegt auch an den vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die mir zur Seite stehen und mit ihrem tollen Einsatz vor, während und nach der Veranstaltung dafür sorgen, dass alles reibunglso klappt", dankt Lensing dem gesamten Team des Aaseetriathlons. "Eines macht mit besonders stolz. Viele sind schon seit Jahren dabei. Wenn aber einer mal aufhören muss oder aufhören möchte, dann steht sofort einer auf oder vielleicht auch zwei oder drei, die in die Bresche springen. Das finde ich klasse", betont Lensing.

Stolz ist er auch auf die TriKids-Abteilung. "Das liegt mir besonders am Herzen, die Kinder zum Sport, zur Bewegung zu bringen, das alles ohne Leistungsgedanken", sagt Lensing. Und wenn daraus auch der eine oder andere heimische Starter in die Fußstapfen von Achim Demming und Stefan Werner treten kann, dann umso besser.

Nina Kraft die große Enttäuschung

Es gab nicht viel negatives, aber eine Starterin, die in Bocholt auch groß geworden war, habe ihn ganz besonders geärgert. "Das war ein Riesenblödsinn, was sie da auf Hawaii mit ihrem Doping veranstaltet hat und da habe ich auch überhaupt kein Verständnis für", ärgert sich Lensing auch heute noch über das Vergehen der Seriensiegerin bei den Damen. Ansonsten habe es in den ganzen Jahren zwar mal die eine oder andere Blessur gegeben, "von großen und schweren Verletzungen und Unfällen sind wir veschont geblieben", berichtet Lensing.

Niedrig, Hufe, Leder und Osterkamp

Wenn er einen Athleten oder eine Athletin herausnehmen sollte, dann sei das auf jeden Fall Andreas Niedrig. "Andreas hat mich immer nur beeindruckt, ein toller Mensch, er hat sogar zu den Zeiten als er zur Weltspitze gehörte, immer ganz lieb nachgefragt, ob er denn auch starten dürfe", erinnert sich Lensing. Als noch Preisgeld gezahlt wurde, habe Niedrig dieses fast immer für die Jugendabteilung der BWV-Triathleten gespendet. 

Auch Mareen Hufe, Seriensiegerin über die Mitteldistanz, sei eine ganz tolle Athletin. "Sie sieht Bocholt immer als Anlaufstation, kommt gerne hier hin und zeigt das auch nach außen. Ganz klasse", sagt Lensing. Neben den Lokalmatadoren Achim Demming und Stefan Werner nennt er aber auch einen Mann aus Coesfeld, der schon zu den Anfängen des Bocholter Triathlons dabei war. "Josef Osterkamp ist mittlerweile 80 Jahre alt. Er hat nicht jeden Triathlon mitgemacht, aber viele und wenn er mich anruft, ob er denn starten könne, dann bekommt er natürlich seinen Platz", wird in einem Verein auch schon mal was ganz unbürokratisch geregelt.

Sonntagmorgen ins Radgeschäft

Lothar Leder, Triathlonprofi, Spitzenmann und erster Athlet, der den Ironman unter neun Stunden absolvierte, kam an einem Samstagabend in Bocholt an und stellte morgens fest, Sattelstütze am Rad kaputt. "Da haben wir mal schnell angerufen und Erwin Rose ist mit Leder in seinen Laden und hat schnell eine neue besorgt", berichtet Lensing über eine weitere Anekdote und die Hiflsbereitschaft der Bocholterinnen und Bocholter für die sportlichen Gäste.

Sicherlich werde ihm einiges fehlen, "ganz besonders aber die Kinder, die leuchtenden Augen, dieses unbedingt sein bestes geben wollen, das nimmt mich immer ganz besonders mit, das wird mir fehlen", wirkt Lensing doch etwas gerührt. Die Sorge, dass alles gut geht, der Blick aufs Wetter, das werde ihm sicherlich nicht fehlen.

Ab 2021 "normaler" Helfer

Fehlen wird Lensing beim Triathlon 2020, den André Pütter und Alexandra Winter organisatorisch verantworten werden. "Da werde ich mit Jutta in den Urlaub fahren. Und ich finde es auch richtig, dass die beiden dann sofort als Chef angesehen werden. Sie sollen da entsprechend auftreten und werden das mit dem Team richtig gut machen", ist sich Lensing sicher. Ab 2021 stehen Jutta und Reinhold Lensing als "normale" Helfer wieder zur Verfügung.



06.06.2019 15:42
Kategorie: Sport
Von: Bruno Wansing
So kennen ihn Starterinnen, Starter, Fans, Reinhold Lensing, Orgachef des Aasee-Triathlons an der Wendemarke der Radstrecke - Foto aus 2018: Bruno Wansing, bocholt.de

So kennen ihn Starterinnen, Starter, Fans, Reinhold Lensing, Orgachef des Aasee-Triathlons an der Wendemarke der Radstrecke - Foto aus 2018: Bruno Wansing, bocholt.de

Im Gespräch mit bocholt.de-Redakteur Bruno Wansing (li), Reinhold Lensing im Jahre 2013 - Foto: Karsten Dalhaus

Im Gespräch mit bocholt.de-Redakteur Bruno Wansing (li), Reinhold Lensing im Jahre 2013 - Foto: Karsten Dalhaus

'Da war ich fix und alle und musste mich erst mal hinsetzen', Orgachef Reinhold Lensing im Jahre 2014 - Foto: Karsten Dalhaus

'Da war ich fix und alle und musste mich erst mal hinsetzen', Orgachef Reinhold Lensing im Jahre 2014 - Foto: Karsten Dalhaus

Immer mitten im Geschehen, Aasee-Triathlon-Orgachef Reinhold Lensing, Foto aus 2018: Bruno Wansing, bocholt.de

Immer mitten im Geschehen, Aasee-Triathlon-Orgachef Reinhold Lensing, Foto aus 2018: Bruno Wansing, bocholt.de



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