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Bereits im Jahre 1729 wurde von dem Weseler Glockengießer Rensing mit Mitteln  einer extra gegründeten Aktiengesellschaft an der Bocholter Aa in Liedern  und zwar an  der Grenze  der damaligen Bauernschaften Liedern, Lowick  und Spork (heutige Ortsteile von Bocholt) eine  Eisenschmelzhütte, die Sankt-Michaelis-Eisenhütte, errichtet. Die Genehmigung zu diesem Bau erhielt er  vom damaligen Kurfürsten und Erzbischof Clemens August in dessen Eigenschaft als  Fürstbischof von Münster. Diese Eisenschmelzhütte gilt als eine der  ersten Industrieanlagen zur Verhüttung von Rasenerzen im Raum Bocholt und deren weitere Umgebung.  In ihr wurde Eisenerz geschmolzen und zu Töpfen, Öfen, Kaminplatten oder auch Kanonenkugeln  gegossen. Lediglich in Rekheme bei Doetinchem ist eine ältere Hütte bekannt (Baujahr 1689)

Das zu verhüttende Rohmaterial, das Rasenerz (oder auch Ortstein genannt), fand sich im Raum Bocholt in ergiebiger Menge und geringer Tiefe unter der Erdoberfläche. Ein Wasserrad, dessen Antrieb mittels des „Stauwehres Eisenhütte“ reguliert wurde, lieferte die erforderliche Energie für den Antrieb eines Gebläses zum Anfachen des beim Schmelzbetrieb gebrauchten Holzes und der Holzkohle sowie zum Reinigen der flüssigen Erzmasse mittels Wind. Das Stauwehr selbst bestand aus einer hölzernen Staubrücke mit zunächst sieben und später fünf Zugschütten bzw. Stautafeln.


Liederner Hütte

1815 pachtete der aus dem benachbarten, niederländischen Ulft stammende Unternehmer und Betreiber der Isselburger Minerva-Hütte, Johann Friedrich Nehring-Bögel, zusätzlich die St.-Michaelis-Hütte in Liedern und kontrollierte  so seine direkte Konkurrenz.  Im Laufe des Pachtzeitraumes wurde unter der Leitung von Johann Nehring-Bögel, dem Sohn von Johann Friedrich Nehring-Bögel, die St.-Michaelis-Hütte in Liedern immer unrentabler. Mit Auslauf des Pachtvertrages im Jahre 1858 wurde die Liederner Hütte stillgelegt. Auf Drängen der Eigentümer (Aktionäre) wurde im Jahre 1862 das Hüttenwerk samt Stauanlage zwangsversteigert. Neuer Eigentümer der Hüttenanlage nebst den zugehörigen Ländereien und der Stauanlage in der Aa wurde der Fürst zu Salm-Salm, Salm-Kryburg und Salm Horstmar. Vom neuen Eigentümer  bzw. seinem Pächter  wurden die besonders baufälligen Gebäudeteile sofort abgerissen und um 1880 anstelle der Hüttenanlage eine mit Wasserkraft betriebene Korn-und Sägemühle errichtet.


Turbine statt Wasserrad

Im Jahre 1908 wurde im Zuge des Straßenausbaus die alte Stauanlage an der Aa abgerissen und durch eine neue Brücke samt Stauwehr ersetzt.

Das Wasserrad am Stauwehr, welches noch immer die Korn- und Sägemühle antrieb, wurde im Jahre 1930  durch eine Turbine ersetzt. Mittels eines von der Turbine  angetriebenen Rades erfolgte nun  die Kraftübertragung über Riemen und weitere Räder sowie Achsen (Transmissionen)  zu den Gerätschaften der Korn- und Sägemühle.


Umfangreiche Baumaßnahmen in den 50ern

Für einen besseren Hochwasserschutz erfolgten ab den 1950-er Jahren an der Bocholter Aa umfangreiche Baumaßnahmen. So baute im Jahre 1952 die Kreisverwaltung Borken im Zuge der Aa-Regulierung das Stauwehr Eisenhütte, welches sich noch immer  im Eigentum des Fürsten  zu Salm-Salm  befand, um und das Landesstraßenbauamt NRW erneuerte gleichzeitig die Brücke über die Bocholter Aa. Um bei Hochwassergefahr schneller reagieren zu können, ließ der Kreis Borken im Jahre 1964 den bislang mit einer Handkurbel zu bedienenden Zieh- und Schließmechanismus des Stauwehres durch einen elektrischen Antrieb ersetzen.

Bei einem Verkehrsunfall (etwa im Jahre 1970) wurde das Gebäude der Kornmühle stark beschädigt und anschließend abgerissen. Die Turbinenanlage am Stauwehr und das benachbarte Sägewerk aber konnten erhalten werden.


Strom für 150 Haushalte pro Jahr

Im Jahre 1986 verkaufte der Fürst zu Salm-Salm das Stauwehr Eisenhütte samt Turbinenanlage und Staurecht an die Stadt Bocholt. Da sich die Turbinenanlage, die noch immer die Antriebsenergie für das benachbarte Sägewerk lieferte, mittlerweile aber in einem technisch sehr schlechten Zustand befand und da eine Reparatur unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte nicht in Betracht kam, wurde die Turbine im Jahre 1990 außer Betrieb genommen und das benachbarte Sägewerk wurde auf Netzstromantrieb umgestellt. Somit verlor das alte Stauwehr an der Eisenhütte seine Bedeutung für die Energiegewinnung.

Auch der Zustand des alten Stauwehres selbst sowie der Brücke über die Aa an der Kreisstraße Zur Eisenhütte verschlechterte sich in den Folgejahren dramatisch. Da aber für eine gute Qualität des im Wasserwerk Liedern geförderten Trinkwassers die Stauanlage im Bereich der ehemaligen Eisenhütte unverzichtbar ist und da somit ein ersatzloser Abriss der alten Stauanlage nicht möglich war, wurde nach einer notdürftigen Reparatur der Stauanlage im Jahre 2012 der Neubau der Stauanlage geplant. Um den aus der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorgegebenen Anforderungen zur Sicherung einer ökologischer Durchgängigkeit von Fließgewässern zu entsprechen, wurde die neue Stauanlage mit einer Fischaufstiegsanlage als Kombinationsgerinne geplant. Am bisherigen Standort der Stauanlage aber reichte der Platz für eine derartige neue Stauanlage mit Umgehungsgerinne nicht aus, so dass die neue Stauanlage etwa 200 m flussaufwärts des alten Standortes errichtet wurde.

Diese neue Stauanlage, die mit zwei Wehrfeldern und einer Wehrfeldbreite von jeweils 10 m ausgeführt wurde, wurde 2016 in Betrieb genommen. Zur Energiegewinnung aus Wasserkraft wurde in die neue Stauanlage zusätzlich eine Turbinenanlage (Kaplan-Schacht-Turbine) integriert. Diese Turbine produziert Strom, der in das Stromnetz der BEW (Bocholter Energie und Wasserversorgung GmbH) eingespeist wird. Die projektierte durchschnittliche Jahreserzeugung von ca.390.000 kWh reicht aus um ca. 150 Haushalte pro Jahr mit elektrischer Energie zu versorgen.


Kontakt

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