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Die Demografische Entwicklung

Der demografische Wandel ist in den letzten Jahren immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Dies auch zu Recht, denn der demografische Wandel wird sich auf die verschiedensten Lebensbereiche der Menschen auswirken. Der demografische Wandel ist gekennzeichnet durch Geburtenrückgang, Alterung und schrumpfender Bevölkerung. Laut Aussage der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder wird die sinkende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen den demografischen Rahmen in bisher nicht gekannter Art und Weise verschieben. Diese Entwicklung ist auch in Bocholt bereits in vollem Gange. Die Zahl der Kinder reicht nicht aus um die Elterngeneration zu ersetzen. Es sterben mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Seit 2006 hat Bocholt ebenfalls mehr Fortzüge als Zuzüge. Die nachfolgenden Daten und Grafiken zur Entwicklung der Bocholter Bevölkerung stellen eine Basisinformation dar. Sie zeigen aus heutiger Sicht mögliche Folgen der demografischen Entwicklung in Bocholt.

 


Abbildung 1 Bevölkerungsentwicklung am Ort der Hauptwohnung in Bocholt

Grafik zur Bevölkerungsentwicklung am Ort der Hauptwohnung in Bocholt von 1976 bis 2013

Ab 2012 Ergebnisse auf Basis des Zensus 9. Mai 2011


Die Entwicklung der Bocholter Bevölkerung war über 2 Jahrzehnte von stetigem Bevölkerungszuwachs geprägt. Im Jahre 2006 erreichte Bocholt mit 73.790 Einwohnern den höchsten Bevölkerungsstand. Seither sinkt die Bocholter Bevölkerung kontinuierlich. Die gravierende Veränderung zwischen dem Jahr 2011 und 2012 um eine Abnahme von 1.937 Personen beruht auf der neuen Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 9. Mai 2011. Zum 01.01.2013 hat Bocholt noch eine Gesamtbevölkerung von 71.080 Einwohnerinnen und Einwohnern. Diese Entwicklung wird sich auch weiterhin fortsetzen, da mehr Menschen sterben, als geboren werden. Es ist auch zukünftig davon auszugehen, dass mehr Menschen Bocholt verlassen, als neue Einwohnerinnen und Einwohner zuziehen.


Abbildung 2 Geburten- und Sterbefallüberschuss

Grafik zum Geburten- und Sterbefallüberschuss in Bocholt von 1976 bis 2013

Die Grafik zeigt sowohl die Geburtenentwicklung, als auch die Entwicklung der Sterbefälle, und verdeutlicht anschaulich seit wann in der Stadt Bocholt mehr Menschen, trotz steigender Lebenserwartung sterben, als geboren werden. Diese Entwicklung ist seit dem Jahre 2006 zu beobachten, und wird sich auch aufgrund der demografischen Entwicklung weiterhin fortsetzen. Auch wenn die Lebenserwartung kontinuierlich zunimmt, wird künftig mit einer Zunahme der Sterbefälle zu rechnen sein. Die Ursache hierfür liegt in der veränderten Altersstruktur der Bevölkerung. Im Jahre 2006 starben 70 Personen mehr als geboren wurden, und zum 01.01.2013 waren dies bereits 153 Personen. Da die Geburtenzahl niedriger als die Zahl der Sterbefälle ist, nimmt die Bocholter Bevölkerung ab. Die Abnahme der Geburten hat mit leichten Schwankungen seit dem Jahre 2000 in Bocholt eingesetzt. Dies ist die Folge eines bestehenden niedrigen Geburtenniveaus. Die Geburtenhäufigkeit liegt unter dem Bestanderhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau. Solange dies so bleibt, wird jede folgende Müttergeneration kleiner als die vorherige. In 2011 betrug die durchschnittliche Kinderzahl im Kreis Borken (Wert gibt es nur für den Gesamtkreis, und nicht für die einzelne Gemeine) je Frau 1,55. Zum Vergleich in Deutschland lag dieser Wert bei 1,36 Kindern je Frau, und damit liegt Deutschland auf der vorletzten Position innerhalb der EU.


Abbildung 3: Entwicklung der Zu- und Fortzüge in der Stadt Bocholt

Grafik zur Entwicklung der Zu- und Fortzüge in der Stadt Bocholt von 1976 bis 2013

Die Bevölkerungsentwicklung einer Stadt steht auch in engem Zusammenhang mit dem Wanderungsverhalten. Der Saldo aus Zu- und Fortzügen verändert den Bevölkerungsbestand. Ziehen mehr Personen aus Bocholt fort als zuziehen, bedeutet dies einen negativen Wanderungssaldo. Ziehen dagegen mehr Personen nach Bocholt als fortziehen, bedeutet dies einen wanderungsbedingten Bevölkerungszuwachs. Während von 1976 bis 1983 mehr Fortzüge aus Bocholt zu verzeichnen waren, kehrte sich diese Entwicklung seit 1984 mit Ausnahme weniger einzelner Jahre um. Die Wanderungsbilanz wurde positiv, es erfolgten mehr Zuzüge nach Bocholt als Fortzüge. Der Wanderungsgewinn betrug zwischen 113 und 475 Personen jährlich. Seit dem Jahre 2006 ist der Wanderungssaldo allerdings wieder durchgängig negativ. Der Wanderungsverlust betrug in diesem Zeitraum bis zum 01.01.2013 insgesamt 214 Personen. Die Wanderungsverluste sind hauptsächlich bei der Gruppe der  18- 24-Jährigen zu verzeichnen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sog. Bildungswanderung.


Abbildung 4 Bevölkerung in der Stadt Bocholt von 1976 bis 2013 nach Altersgruppen

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2013 Ergebnis auf Basis des Zensus 9. Mai 2011


Die Grafik zeigt bereits deutlich die Veränderung der Bevölkerungsstruktur aufgrund der demografischen Entwicklung. Die jüngeren Jahrgänge werden weniger, während die älteren Jahrgänge deutlich zunehmen. Lebten am 01.01.1976 noch 27.174 Personen der Altersgruppe von 0 – u. 20 Jahren in Bocholt, waren dies am 01.01.1993 noch 22.309 Personen, und am 01.01.2013 nur noch 18.945 Personen. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der über 80 –Jährigen von 866 im Jahr 1976, auf 2.352 im Jahr 1993 und auf 3.620 zum 01.01.2013. Dies ist eine Steigerung um mehr als das Vierfache. Ein deutlicher Zuwachs ist auch bei der Altersgruppe der 45- u. 80 –Jährigen zu erkennen. Zum 01.01.1976 waren dieser Altersgruppe 20.282 Bocholterinnen und Bocholter zugehörig, zum 01.01.2013 gehörten bereits 31.201 Personen dieser Altersgruppe an.

Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahrzehnten noch verstärken, da die Alterung schneller voranschreitet.


Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahre 2030


Bevölkerungspyramide zum 01.01.2011 und 01.01.2030Abbildung 5 Altersaufbau der Bevölkerung in Bocholt am 01.01.2011 und am 01.01.2030

Im November 2012 wurde eine neue Bevölkerungsvorausberechnung von IT. NRW für die Gemeinden Nordrhein-Westfalens veröffentlicht. Ausgangsbasis der Berechnung ist der 01.01.2011. Nach dieser neuen Berechnung wird Bocholt zum 01.01.2030 noch einen Bevölkerungsstand von 67.387 Personen haben. Ausgehend vom Jahr 2011 bedeutet dies einen Rückgang um – 7,9 % bzw. 5.783 Personen. Es zeigt sich auch, dass der Prozess der veränderten Altersstruktur in Zukunft weiter voranschreiten wird. Gegenüber 2011 werden in Bocholt im Jahre 2030 47,2 % mehr Hochbetagte (80 und älter) und 21,9 % mehr 65 – 80 Jährige in Bocholt leben. Zum 01.01.2011 lebten in Bocholt 14.211 Personen die über 65 Jahre alt waren, im Jahre 2030 werden es bereits 19.090 Personen sein.

Die sogenannte Bevölkerungspyramide (Abbildung 5) veranschaulicht deutlich die Veränderung im Altersaufbau.

 

 

 

 

 

 

 

2011 Ergebnisse der Volkszählung 1987

2030 Ergebnisse Bevölkerungsvorausberechnung für die Gemeinden Nordrhein-Westfalens (Nov. 2012)


Die aktuelle Bevölkerungsstruktur weicht schon lange von der Form der klassischen Bevölkerungspyramide ab, bei der die stärksten Jahrgänge die Kinder stellen, und sich die Zahlen der älteren Jahrgänge allmählich als Folge der Sterblichkeit verringern. Heute gleicht der Bevölkerungsaufbau eher einer „zerzausten Wettertanne“ (siehe Abbildung 6) und nimmt im Jahre 2030 eher die Gestalt eines Pilzes an, wo die jüngeren Jahrgänge weniger werden, und die älteren Jahrgänge deutlich stärker vertreten sind.


Abbildung 6 Altersaufbau der Bevölkerung in Bocholt am 01.01.2013


Bevölkerungspyramide Stadt Bocholt, Stand 01.01.2013

Heute besteht die Bocholter Bevölkerung zu 20,4 % aus Kindern und jungen Menschen unter 20 Jahren, zu 59,8 % aus 20- bis unter 65-Jährigen und zu 19,8 % aus 65-Jährigen und Älteren. Deutlich zu erkennen ist auch der Frauenüberschuss in den älteren Jahrgängen. Die Ursachen liegen zum einen in einer höheren Lebenserwartung der Frauen gegenüber den Männern. Zum anderen machen sich hier immer noch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges bemerkbar. Im Zuge dieser Veränderungen verschiebt sich auch das Verhältnis zwischen der Bevölkerung im Erwerbsalter (20 Jahre bis unter 65 Jahre) und der Bevölkerung im Rentenalter (65 Jahre und älter), abgebildet durch den sogenannten Altenquotienten. Der Jugendquotient hingegen verdeutlicht das zahlenmäßige Verhältnis der sich in Bildung und Ausbildung befindenden Kinder- und Jugendgeneration zu der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung. Der Jugendquotient wird berechnet als Zahl der unter 20-Jährigen dividiert durch die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen. Die Abbildung 7 verdeutlicht die Entwicklung des Jugend- und Altenquotienten bis 2030. Deutlich wird, dass der Altenquotient steigt, und der Jugendquotient sinkt. Im Jahr 1976 entfielen 23 Personen der Altersgruppe 65-Jährige und Ältere auf 100 Personen im Erwerbsalter, im Jahr 2013 sind dies bereits 33 Personen, bis zum Jahr 2030 werden es nach der hier dargestellten Vorausberechnung ca. 49 Personen sein. So werden im Jahr 2030 zwei Menschen einem potenziellen Rentenbezieher gegenüberstehen, während im Jahr 2013 noch drei Personen im Erwerbsalter für einen Rentner aufkommen konnten. Während 1976 noch ca. 67 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren auf 100 Personen im Alter von 20 bis unter 65 Jahren kamen, waren es im Jahr 2013 nur noch 34 Kinder und im Jahre 2030 werden es dann noch 32 Kinder sein. Ab dem Jahr 2014 ist in Bocholt der Altenquotient höher als der Jugendquotient.


Abbildung 7 Jugend- und Altenquotient

Grafik zur Darstellung der Entwicklung des Jugend- und Altenquotienten von 1976 bis 2030

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Elisabeth Böing
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