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Ur-Messtischblatt von 1842

Erste topografische Karte von Bocholt


Historische Messung

Vor mehr als 150 Jahren - zwischen 1836 und 1850 - entstand in den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen ein Kartenwerk im Maßstab 1 : 25.000. Dieses Kartenwerk war nicht zur Veröffentlichung vorgesehen, sondern bildete die Grundlage für die Generalstabskarte 1 : 80.000 der Rheinlande und Westfalen, eine militärische Karte von besonderer Bedeutung. Aus dem Gesamtwerk wurde im Jahre 1994 das "Blatt Bocholt" erstmals reproduziert und der Öffentlichkeit auf diese Weise zugänglich gemacht.

Bis dahin war es als sogenanntes Unikat in Kartenarchiven eingelagert, zunächst im Archiv des Preußischen Generalstabes im Potsdamer Schloss, später in den "zivilen Händen" der Deutschen Staatsbibliothek in Ost-Berlin, wo es bis zur deutschen Wiedervereinigung weiterhin unter Verschluss blieb.

Mit den heutigen Möglichkeiten der drucktechnischen Vervielfältigung ist es gelungen, das Kartenblatt Bocholt und in ihm den Lebensraum in und um Bocholt vor mehr als 150 Jahren in einer sehr detaillierten kartographischen Beschreibung dem Betrachter zu erschließen. Die Karte zeigt Bocholt vor der Industrialisierung und damit bevor der Mensch die Landschaft nachhaltig und gründlich zu verändern begann. Für Historiker, Geographen, Landeskundler und Heimatkundler dürfte sie damit eine bedeutende Informationsquelle sein.

Die Aufnahmearbeiten im Felde begannen in der Provinz Westfalen im Jahre 1836. Das Blatt Bocholt trägt das Entstehungsdatum 1842. Das gesamte Vorhaben stand unter der Leitung des Freiherr von Müffling, des Leiters der preußischen Landesaufnahme und Chef des Generalstabes. Die Vermessungen vor Ort wurden von jungen Offizieren durchgeführt, die zu diesem Zweck im Rahmen ihrer Ausbildung bis zu 3 Jahren abkommandiert wurden. Als topographische Aufnahmemethode war die sogenannte "Messtischaufnahme" vorgeschrieben, eine Vermessungsmethode, die in der Abbildung anschaulich erläutert ist. Nach dieser Aufnahmemethode bezeichnet man diese Karten auch heute noch als "Messtischblätter".

Das Blatt Bocholt wurde von Leutnant von Voss aufgenommen und gezeichnet. Gleichzeitig stammen von ihm die Blätter Isselburg und Wesel. Die Blattbegrenzung, der sogenannte "Blattschnitt", ist durch die geographischen Längen (10 Minuten der Länge) und Breiten (6 Minuten der Breite) festgelegt. Die geographische Länge bezieht sich auf den Nullmeridian von Ferro, heute Hierro, eine der kanarischen Inseln. die Differenz zum heutigen Nullmeridian in Greenwich beträgt -17° 40'.

Verglichen mit heutigen Karten zeigt dieses Ur-Mestischblatt gewisse Vereinfachungen. Die Höhendarstellung in Form von Höhenschraffen ist wenig aussagefähig und wurde später zum Ende des Jahrhunderts zugunsten exakter Höhendarstellungen in Form von Höhenschichtlinien aufgegeben. Dagegen sind die Nutzungen, untergliedert in Acker-, Grünland-, Wald-, Moor- und Heideflächen, bereits sehr detailliert wiedergegeben. Für den Forscher der Gewann- und Hofnamen ist die Karte gleichsam eine Fundgrube.

Als Zeitdokument macht uns die Karte deutlich, wie sehr sich Bocholt innerhalb eines Jahrhunderts verändert hat. Die Stadt hat sich von nicht ganz 5.000 Einwohnern auf nunmehr 70.000 vergrößert. Als Folge des Bevölkerungswachstums hat Bocholt eine gewaltige Siedlungsentwicklung erfahren. Hand in Hand mit der Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung wurde die Landschaft mehr und mehr agrarisch genutzt. Wald-, Heide- und Moorflächen wurden im Laufe dieser Entwicklung stark reduziert und stellen heute nur noch einen Bruchteil des damaligen Bestandes dar.

Wenngleich das Landschaftsbild heute stark verändert ist, finden sich dennoch in der historischen Karte zahlreiche Anknüpfungspunkte zwischen Gestern und Heute. Der aufmerksame Betrachter wird mühelos die Beziehungen zur Gegenwart herstellen können. Auch offenbart die Karte neben der Landwirtschaft einige Erwerbszweige der damaligen Bevölkerung. Hierzu gehören der Torfabbau im Reyerdingsvenn ebenso wie die Ton- und Lehmgruben zur Herstellung von Ziegelsteinen. Die St.-Michaelis-Hütte in Liedern (heute Eisenhütte) weist auf die traditionelle Eisengewinnung und -verarbeitung in unserem Raume hin.

Dies ist ein erster Einstieg in die Landschaft in und um Bocholt vor 150 Jahren.

Einen Ausschnitt des Blattes Bocholt, das bei der Bezirksregierung Köln, GeoBasis NRW zum Preis von 15 Euro erhältlich ist, können Sie hier unter Download abrufen.


Historische Stadtpläne

Historischer Stadtplan Bocholt

verschiedener Jahrgänge (z. B. 1821, 1861, 1914, 1919, 1925, 1935, 1956, 1959)

Kosten: Individuell nach Arbeitsaufwand und Materialkosten


Historische Luftbilder

Historisches Luftbild Bocholt, Bereich St.-Georg-Kirche

Befliegungen ab 1927 verschiedener Quellen liegen gescannt vor

Abgabe und Nutzung: entsprechend den Bedingungen der Urheber


Bocholter Straßennamen

Ansprechpartner für historische Karten und Aufnahmen


Ralf Göppert
Telefon+49 (2871) 953-598
E-Mailan Ralf Göppert
Gerhard Schmalstieg
Telefon+49 (2871) 21765-281
E-Mailan Gerhard Schmalstieg