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Bocholts Wachstum im Wandel der Zeit


Historische Messung

Von der alten Messtisch-Aufnahme aus dem Jahre 1842 bis hin zur neuen Raster- und Vektorgrafiktechnik: Sieben topografische Karten zeigen in einer Gegenüberstellung die siedlungshistorische Entwicklung von Bocholt. Mit Blick aus der Vogelperspektive lässt sich dadurch die Ausdehnung der Stadt vom mittelalterlichen Kern und den Stadtmauern bis hin zur heutigen Siedlungsstruktur nachvollziehen.

Das heutige Stadtgebiet von Bocholt umfasst eine Gesamtfläche von 119 km². Diese Fläche steht im Geografischen Informationssystemen (GIS) als Geobasisdaten maßstabsunabhängig und digital in Raster- sowie Vektorgrafiken zur Verfügung. Dabei handelt es sich u.a. um Katasterflurkarten (1:1.000), Stadtpläne (1:15.000), Wanderkarten (1:25.000), Freizeit- und Radwanderkarten (1:50.000) sowie Kreiskarten (1:50.000). Informationen zum Bezug dieser Karten gibt es bei der Stadt Bocholt, Fachbereich Grundstücks- und Bodenwirtschaft, Kreis Borken - Fachbereich Vermessung und Kataster sowie beim Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen in Bonn / Bad Godesberg.

Die dargestellten Kartenausschnitte zeigen historische topografische Karten in analoger Form im Zeitraum von 1842 - 1999 im Maßstab von 1:25.000 mit einem Flächenausschnitt von rund 30 km². Kartenmittelpunkt ist jeweils der Markplatz. Hier befinden sich die Pfarrkirche St. Georg (Bauzeit: 1415 - 1486) sowie das Historische Rathaus (Bauzeitraum: 1618 - 1624). In topografischen Karten ist die Erdoberfläche mit allem, was sich auf ihr befindet, dargestellt. Entsprechend der Bedeutung des Begriffes "Topografie" (gr.: topos = Ort, graphein = schreiben) sollen diese Karten dem Betrachter eine möglichst naturgetreue "Ortsbeschreibung" geben; eine bestmögliche Vorstellung der abgebildeten Landschaft vermitteln. Kartenzeichen (Signaturen), unterschiedliche Schraffuren sowie die Beschriftung sind dabei wichtige Hilfsmittel.

Ursprünglich wurde die Geländeaufnahme für die Herstellung militärischer Karten von trigonometrischen Punkten aus aufgenommen. Das hierzu häufigste benutzte Vermessungsinstrument war der Messtisch. Ab 1794 standen die linksrheinischen deutschen Gebiete unter französischer Herrschaft. 1801 erteilte Napoleon Oberst Tranchot den Befehl, für diese Gebiete Karten anzufertigen. Nach dem Rückzug der Franzosen setzte der preußische Generalmajor von Müffling ab 1816 die Arbeiten fort. Er dehnte sie nach Osten aus und schloss an der Lecoqschen Karte an. Die Karten von v. Lecoq, Tranchot und v. Müffling sind das erste zusammenhängende, auf der Grundlage eines Dreiecksnetzes mit dem Messtisch aufgenommene Kartenwerk Preußens.

In frühen Zeiten geht die Veränderung der Landschaft langsam vor sich. Eine mittelalterliche Stadt zeigt noch bis weit in die Neuzeit hinein ihr altes Bild. Mit zunehmender Bevölkerung wurde der Raum innerhalb der Stadtmauer zu eng. In der Uraufnahme von 1842 wird der mittelalterliche Stadtkern deutlich sichtbar durch die Stadtmauer abgegrenzt. Die heutigen Straßenbezeichnungen Nordmauer, Ostmauer sowie Südmauer sind noch eindeutige Hinweise hierauf.

Der Beginn der Industrialisierung in Bocholt beziffert sich auf 1852 mit Einführung der Dampfmaschine. In der Folgezeit kommen zur Textilindustrie (Spinnereien, Webereien, Rauhereien, Färbereien) metallverarbeitende Betriebe hinzu. Das Stadtbild verändert sich durch die Industrialisierung erheblich. Die wachsende Bevölkerung benötigt Wohnraum über die mittelalterlichen Stadtgrenzen hinweg. Die Stadtmauer, Stadttürme sowie Stadttore werden abgebrochen. Straßen- und Eisenbahnbau werden vorangetrieben. Die Dingdener Straße wird gebaut und gewinnt enorm an Bedeutung als südliche Ausfall- bzw. Verbindungsstraße zum Ruhrgebiet. Arbeiterwohnungen entstehen in der Nähe angesiedelter Industriebetriebe. 1867 gründet sich die Bocholter Aktien-Baugesellschaft, 1898 wird der Bocholter Bauverein gegründet. Am 01.07.1878 fährt die erste Eisenbahn von Bocholt nach Wesel. Am 27.07.1880 wird die Bahnverbindung Bocholt - Winterswijk, am 01.08.1901 die Bahnverbindung Bocholt - Empel / Rees und am 01.05.1908 die Bahnstrecke Bocholt - Münster eröffnet. Diese Verbindungen haben maßgeblichen Anteil an der raschen Fortentwicklung der Industrialisierung im Bocholter Raum.

Der I. Weltkrieg (1914 - 1918) hat auch in Bocholt erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Durch die fortschreitende Geldentwertung wird der Wiederaufbau der Textilindustrie besonders erschwert. Geldstabilität wird erst 1923 mit Einführung der Rentenmark erreicht. Gleichzeitig wird Bocholt im Jahre 1923 Stadtkreis. Die Einwohnerzahl steigt im Zeitraum von 1918 - 1923 von 25.946 auf ca. 30.000. Die vorübergehende Besserung der Wirtschaftskonjunktur, die sich im Jahre 1927 zu einer Hochkonjunktur entwickelt, wird durch eine neue Wirtschaftskrise in den Jahren 1928 - 1933 erneut erschüttert. Im diesem Zeitraum werden in Bocholt 11 Webereien, 1 Spinnerei und 1 Ausrüstungsbetrieb mit zusammen 3.000 Arbeitsplätzen geschlossen.

Am 01.09.1939 beginnt der II. Weltkrieg (1939 - 1945). Die Grenzübergänge zu den Niederlanden werden militärisch geschlossen. 1936 wird die Bocholter Wohnungsbaugesellschaft als stadteigene Gesellschaft gegründet. Das Stadtgebiet von Bocholt wird am 15. Oktober 1940 und am 31. Mai 1942 bombardiert. Am 22. März 1945 geht der letzte und schwerste Angriff auf Bocholt nieder. Bocholt wird im II. Weltkrieg zu 84% zerstört. Die Arbeitsstätten in der Industrie, im Handwerk und im Handel erleiden schwersten Schaden. Die Pfarrkirche St. Georg und das Rathaus gehören mit zu den ersten Gebäuden, die wieder aufgebaut werden. 1952 ist die gesamte Innenstadt baulich wiederhergestellt.

Der ländliche Raum wird im Zeitraum von 1948 - 1970 im Rahmen der Flurbereinigung neu strukturiert. (Biemenhorst - Büngern: 1948 - 1959 / Suderwick: 1957 - 1970 / Liedern: seit 1959). Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe weisen eine erhebliche Streulage mit vielen kleinen Parzellen auf. Zuständiges Amt hierfür ist das Amt für Agrarordnung Coesfeld. Zum 1. Januar 1975 verliert Bocholt im Zuge der Gebietsreform (Kommunale Neuordnung) seine Kreisfreiheit. Die Stadt erhält u.a. 10 Gemeinden des Amtes Liedern-Werth.

Heute ist Bocholt Mittelpunkt zwischen den Oberzentren Münster, dem Ballungsraum Ruhrgebiet sowie den niederländischen Wirtschaftszentren Arnheim, Nijmegen und Enschede. Diese Nähe beeinflusst und prägt die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Der Wirtschaftsstandort Bocholt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten positiv entwickelt. Vor dem Hintergrund dieser enormen Geschichtlichen Entwicklung kann man die westfälische Stadt Bocholt sicherlich als grenznah, LÄNDLICH, kulturell und METROPOL bezeichnen.


Preußische Messtischaufnahme von 1842
Preußische Messtischaufnahme von 1842
Topografische Karte 1895
Topografische Karte 1895
Topografische Karte 1926
Topografische Karte 1926
Topografische Karte 1938
Topografische Karte 1938
Topografische Karte 1956
Topografische Karte 1956
Topografische Karte 1981
Topografische Karte 1981
Topografische Karte 1999
Topografische Karte 1999