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Woher hat die "Schwartzstraße" ihren Namen?


Straßenschild Schwartzstraße

Woher hat die Schwartzstraße in Bocholt eigentlich ihren Namen? Auf wen geht die Leo-Nußbaum-Straße zurück? Und wer war Josef Fehler? An dieser Stelle finden Sie die Erläuterungen der etwa 80 Straßennamen in unserer Stadt, die an Bocholter Persönlichkeiten erinnern. Die Erläuterungen wurden von Gerhard Schmalstieg vom Stadtarchiv Bocholt in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Grundstücks- und Bodenwirtschaft erarbeitet.

Die Benennung von Straßen gehört zu den Selbstverwaltungsaufgaben von Gemeinden, wobei die Erledigung dieser Aufgabe natürlich außergemeindlichen Einflüssen wie Zeitströmungen und Moden unterliegt. Durch die Hauptsatzung der Stadt Bocholt ist diese Aufgabe den Bezirksausschüssen übertragen worden. - Ein wichtiges Ziel der Straßenbenennung ist es, durch Straßennamen die Orientierung innerhalb des Stadtgebietes zu erleichtern. Dieses Ziel wird schon seit Beginn der amtlichen Straßenbenennung in Bocholt im Jahre 1886 dadurch beachtet, dass in zusammenhängenden Wohnquartieren sachlich zusammenhängende Straßennamen verliehen werden; so existieren hier z. B. ein Viertel mit Blumennamen, ein Viertel mit Namen von Germanenstämmen, eines mit Namen von Familienangehörigen des preußischen Herrscherhauses. - Nicht selten kommt in Straßennamen auch ein Stück Lokalgeschichte zum Ausdruck: Die Erinnerung an öffentliche Gebäude, Wirtschaftsbetriebe oder Feldflurbezeichnungen haben oft einen direkten Ortsbezug. Die Straßenbenennung nach lokalen Persönlichkeiten stellen zum einen eine Ehrung dar, zum anderen dienen sie aber auch der Erinnerung an Menschen, deren Leistungen oder Schicksal die Stadtgeschichte prägen. Und dieser Erinnerung dienen auch die nachfolgenden Erläuterungen (in alter Rechtschreibung).

Gerhard Ahold
Gerhard Ahold wurde am 12. Juli 1876 in Mussum geboren und starb am 24. Juni 1950 in Bocholt. Bei der Kommunalwahl im März 1919 wurde er in den Gemeinderat von Stenern gewählt und in allen Wahlen wiedergewählt. Seit 1923 war er Bürgermeister von Stenern und blieb dies bis Anfang 1946. Durch die Straßenbenennung Gerhard-Ahold-Straße am 13. Dezember 1965 wollte die Gemeinde Stenern an ihren langjährigen verdienstvollen Bürgermeister erinnern.

Dr. jur. Johannes Alff
Zwölf Jahre lang, von 1910 bis 1922, war Dr. Alff zweiter Bürgermeister in Bocholt. In diesen Jahren widmete er sich vor allem sozialen Fragen. Sein bedeutendstes Werk war die Schaffung der Lungenheilstätte "Walderholung" am damaligen nördlichen Stadtrand, in der viele Kinder und anfänglich auch Erwachsene gegen die Mangelkrankheit TBC mit körperlicher Ruhe und guter Ernährung behandelt wurden.
Johannes Alff wurde am 15. November 1881 in Straßburg geboren. Sein Abitur legte er in Münster ab und studierte von 1900 bis 1903 Jura in Freiburg, München, Marburg und Münster. Nach seinem Referendariat 1903 bis 1907 promovierte er 1909 in Münster. Anfang 1910 trat er in die Stadtverwaltung Hamm ein und ab 1. Juli 1910 als Beigeordneter und Stellvertreter des ersten Bürgermeisters in den Dienst der Stadt Bocholt. 1922 verließ Dr. Alff Bocholt, um in Emmerich am 11. Mai das Amt des Bürgermeisters zu übernehmen. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde Alff dort zunächst am 1. April 1933 beurlaubt, dann zum 30. April 1934 aus politischen Gründen in den Ruhestand versetzt. Darauf kehrte er nach Bocholt zurück und eröffnete eine Rechtsanwaltskanzlei, die er bis ins hohe Alter betrieb. Johannes Alff starb am 10. Dezember 1973 in Bocholt.
Seine Dienstzeit war geprägt vom 1. Weltkrieg und den nachfolgenden Notjahren. Durch sein soziales Engagement machte er sich auch in dieser schweren Zeit einen Namen. Die Stadt Bocholt setzte ihm schon zu Lebzeiten, kurz nach seinem Amtsantritt in Emmerich, ein Denkmal, indem sie eine an "seiner" Walderholung entlang führende Straße nach ihm benannte. Um 1936 wurde die Straße wegen der politischen Missliebigkeit Alffs in Waldstraße umbenannt. Diese Umbenennung überdauerte die Nazizeit jedoch nicht: Nach 1945 hieß sie wieder Alffstraße.

Gustav Becker
Der Fabrikant Gustav Becker wurde am 9. Dezember 1860 in Ascheberg geboren. Nach einer Kaufmannslehre kam er 1884 als Betriebsleiter zur Bocholter Baumwoll-Buntweberei Ketteler. Fünf Jahre später gründete er mit Heinrich Drießen eine eigene Baumwoll-Buntweberei: Drießen & Becker. Drießen zog sich 1911 aus der Firma zurück, die Gustav Becker nun als Kommanditgesellschaft weiterführte bis zu seinem Tode.
Im Jahre 1898 war Gustav Becker Mitbegründer des Bocholter Bauvereins und seit der Gründung sein Vorsitzender bis 1923. In dieser Funktion setzte er sich sehr für den örtlichen Wohnungsbau gerade für ärmere Familien ein. Elf Jahre lang - von 1900 bis 1911 - war er Bocholter Stadtverordneter, von 1908 an Erster Schöffe und seit 1898 auch Mitglied und später Vorsitzender des Sparkassenvorstandes. Außerdem war er Mitglied in der Handelskammer, des Kreistages, des Kreisausschusses und des Provinziallandtages. Er galt als vorzüglicher Kenner der örtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, der großen Anteil an der Entwicklung und an dem Aufstieg der Stadt nahm.
Für sein außerordentliches Engagement für die Stadt und die Bürger wurde er am 11. Dezember 1923 zum Ehrenbürger der Stadt Bocholt ernannt. In seinem im 2. Weltkrieg zerstörten Ehrenbürgerbrief hieß es: "In vorbildlicher Bürgerpflichttreue stellte er in zahlreichen Ausschüssen und Deputationen seine reichen Gaben und wertvollen Erfahrungen gern in den Dienst der Stadt. Einfach und schlicht in seinem Wesen, aber kraftvoll und verbindlich in seiner Persönlichkeit, geachtet und geliebt in allen Bevölkerungskreisen, hat er für das Wohl der Stadt eine Tätigkeit entfaltet, die Bewunderung und Dankbarkeit verdient."
Am 20. Juli 1924 starb Gustav Becker unerwartet in München. Kurz vor seinem Tode war er noch für seine 25-jährige Tätigkeit für den Bocholter Bauverein dadurch geehrt worden, dass der bis dahin letzte vom Bauverein vollendete Straßenzug den Namen Gustav-Becker-Straße erhielt.

Heinrich Becking
Heinrich Becking wurde am 6. Januar 1891 in Vreden geboren. Nach dem Studium der Theologie wurde er am 18. Dezember 1920 in Münster zum Priester geweiht und war danach Kaplan in Bork, später in Dülmen. 1932 wurde er Kaplan an der St.-Georg-Kirche, speziell für den Seelsorgebezirk Hochfeld. Am 12. Juli 1934 wurde er dann Pfarrektor des neu gegründeten Rektorats Hl. Kreuz, das den gesamten Osten der Stadt Bocholt umfasste. Die bauliche Entwicklung des Bocholter Ostens, die schon vor und nach dem 1. Weltkrieg stürmisch verlief, setzte sich in den Anfangsjahren des Rektorats weiter fort, ganze Straßenzüge entstanden neu. Zwischen 1932 und 1938 wuchs die Einwohnerschaft des Seelsorgebezirks von 4500 auf 6000. Der Aufbau der Rektoratsgemeinde, die nördlich der Münsterstraße aus der Liebfrauen-, südlich aus der St.-Georg-Pfarrei herausgetrennt worden war, gestaltete sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten schwierig. Für den Gottesdienst war 1932 eine leerstehende Fabrikhalle westlich des Königsmühlenwegs als Notkirche angemietet worden. Im April 1936 begann der Bau der Pfarrkirche, die erst nach über zwei Jahren, am 13. Juni 1938 eingeweiht werden konnte. Die Kirchweihe fand unter besonderen Polizeimaßnahmen und Druck seitens der SA-Verbände aus dem Stadtwaldlager statt. Nachdem Anfang September 1938 das Rektorat zur selbständigen Pfarrei erhoben worden war, wurde Rektor Becking am 1. Oktober ihr erster Pfarrer. Das blieb er 27 Jahre. Er trat in den Ruhestand am 2. Juni 1966 und zog sich in seine Heimatstadt Vreden zurück. Dort starb er am 29. Juni 1973. Die Straßenbenennung Pfarrer-Becking-Straße erfolgte am 2. März 1994 in Erinnerung an den Gründungspfarrer der Hl. Kreuz-Gemeinde.

Josef Albert Beckmann
Josef Albert Beckmann wurde am 5. April 1869 in Bocholt geboren. Er war ein Neffe des Bocholter Ehrenbürgers Albert Beckmann und folgte ihm 1919 in der Leitung der Firma J. Beckmann Nachf. In der Tradition seines Onkels engagierte er sich stark beim Bocholter Bauverein, dessen Geschäftsführung über seine Firma lief. 1915 bis 1924 war J. A. Beckmannn Mitglied des Aufsichtsrats, seit 1924 Vorsitzender des Bauvereins bis zu seinem Tode am 31. Juli 1938. 1936 bis 1938 war Beckmann Ratsherr der Stadt. Am 30. Mai 1947 wurde der zentrale Platz des vom Bauverein in den zwanziger Jahren errichteten sogenannten Yorck-Viertels, der Yorck-Platz, in Beckmannplatz umbenannt. Auch wenn es aus dem Namen nicht eindeutig hervorgeht, beweist der entsprechende Beschluss der Stadtverordnetenversammlung eindeutig, dass mit der Benennung Josef Albert Beckmanns und nicht seines Onkels Albert gedacht werden sollte.

Dr. med. Wilhelm Benölken
Dr. med. Wilhelm Benölken, Facharzt für Hals, Nasen und Ohren, bekleidete das Amt des Oberbürgermeisters nach der Besetzung der Stadt Bocholt Ende März 1945 bis zur ersten Kommunalwahl im Jahr 1946.
Wilhelm Benölken wurde am 5. September 1889 in Asbeck (Kreis Ahaus) geboren. Er studierte nach dem Abitur in Marburg, Kiel, München und Gießen Medizin und promovierte dort im Mai 1919. Seine fachärztliche Ausbildung erhielt er bei Prof. Dr. v. Eicken in Gießen, einer der damaligen Kapazitäten in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Danach ließ er sich 1920 in Bocholt als erster HNO-Arzt im westlichen Münsterland nieder. Er leitete die Hals-, Nasen- und Ohrenabteilung des St.-Agnes-Hospitals. Die Erfolge seines ärztlichen Könnens wurden bald über Bocholt hinaus bekannt und anerkannt.
Dr. Benölken wurde von der englischen Militärbehörde am 1. April 1945 als "Hauptmann der Stadt" eingesetzt. In knapper, aber engagierter Art setzte Dr. Benölken alles daran, die Hauptnöte der ausgebombten Bevölkerung zu lindern: Hunger, Kälte und Wohnungsnot. Im Auftrag der englischen Militärbehörde bildete er ein Ratskollegium, das in seiner Zusammensetzung einen politischen Querschnitt der Bocholter Bevölkerung darstellen sollte.
Um die Bewohnbarkeit der zerbombten Stadt etwas zu verbessern, rief Dr. Benölken im Sommer 1945 zur sogenannten Dachziegelaktion auf: In der ländlichen Umgebung der Stadt sollten dabei landwirtschaftliche Nebengebäude, die nicht dringend gebraucht wurden, abgedeckt werden. Mit den Dachziegeln sollten Hausdächer abgedichtet werden, die nur leicht beschädigt waren. Die Aktion verlief wegen der Unwilligkeit der Bauern aus der Umgebung aber sehr schleppend. Im November 1945 lagen nur eine halbe Million Dachziegel mehr als zuvor auf den beschädigten Häusern der Stadt.- Im Rat wurde Benölken vor allem durch die Kommunisten heftig angegriffen, in seiner Partei, der CDU, gab es ebenfalls Kritik an ihm.
1946 entschloss sich Dr. Benölken, wieder seine Facharztpraxis zu betreiben und gab sein Oberbürgermeisteramt am 29. Oktober 1946 ab. Am 10. Januar 1947 ehrte die Stadtverordnetenversammlung Benölken durch die Umbenennung des Viehmarktes in Benölkenplatz. 1963 schloss er seine Praxis und verstarb nach längerem Leiden am 18. Oktober 1965.

Dr. med. August von Bönninghausen
August von Bönninghausen wurde am 20. August 1841 in Coesfeld geboren. Er studierte Medizin und ließ sich 1865 im damals noch kleinen Landstädtchen Bocholt als Arzt nieder. In Bocholt wurde er im Laufe der Zeit als "Unsen olden Raot" bekannt. Er war ein praktischer Arzt im wahrsten Sinne des Wortes und damit nicht nur für körperliche, sondern auch für viele seelische Nöte seiner Patienten zuständig. So half er nicht nur mit Arzneien und Rezepten, sondern gab durch seine menschliche Wärme, auch wenn sie robuster Art war, vielen Trost und Hilfe. Vielen half er auch, ohne dafür eine Rechnung auszustellen. Er selbst stellte nicht viele Ansprüche ans Leben - außer einer deftigen Küche!
August von Bönninghausen hatte die Kriege 1864, 1866 und 1870/1871 mitgemacht und hatte mehrere Kriegsauszeichnungen erworben. Er war ein markiger Mann, der sein Redetalent oft genug als Präsident des St.-Georgius-Schützenvereins unter Beweis gestellt hatte. Als 1898 ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Bocholter Marktplatz enthüllt wurde, hielt er dazu die Festrede, die den anwesenden Oberpräsidenten der Provinz Westfalen so beeindruckte, dass er Dr. Bönninghausens Auszeichnung mit dem Ehrentitel Sanitätsrat bewirkte. Als großer Bismarckverehrer erinnerte er auch in seinem Äußeren an den ersten Reichskanzler.
Als Stadtverordneter von 1892 bis 1909 vertrat er die nationalliberale Richtung. Mit besonderer Liebe und Sorgfalt war er, seiner Einstellung gemäß, über 21 Jahre hin in der Armenkommission der Stadt Bocholt erfolgreich tätig, darüber hinaus auch im Kuratorium des Gymnasiums, der Schuldeputation, der Gesundheitskommission und der Schlachthofkommission.
71-jährig starb Sanitätsrat Dr. August von Bönninghausen am 3. Mai 1912 in der Nähe von Bonn. Am 10. Oktober 1961 wurde der Bönninghausenweg nach ihm benannt.

Familie Borgers
Johann Borgers (1841-1914) gründete 1866 an der Osterstraße eine Firma, die auf handgetriebenen Karden Schneider- und Polsterwatte herstellte. Im Jahr 1875 erhielt er die Erlaubnis, an der heutigen Südmauer eine Wattefabrik zu errichten. 1896 wurde dieser Betrieb zu klein, und wegen fehlender Ausdehnungsmöglichkeiten in der Innenstadt kaufte Borgers ein Firmengelände zwischen Barloer und Stenerner Weg, wo 1897 die Firma Borgers die Produktion aufnahm. Nach dem Eintritt der Gründersöhne Franz (1872-1935) und Wilhelm (1874-1937) in die Geschäftsführung florierte und expandierte das Unternehmen. Johann Borgers zog sich Ende 1911 aus der Firmenleitung zurück, Anfang 1912 trat sein jüngster Sohn Fritz (1884-1953) an seine Stelle. Bei einem Brand des Stammwerks 1914 wurde die Firma stark in Mitleidenschaft gezogen. - Den Brüdern folgten deren Söhne Hermann, Werner und Fritz Borgers jun. Vor dem 2. Weltkrieg war die Firma Johann Borgers die größte Wattefabrik Europas: U. a. wurde 1928 die Weberei Driessen & Becker an der Ecke Barloer Weg / Grabenstraße erworben und 1931 das Berliner Konkurrenzunternehmen Seyd & Nierwetberg. Im März 1945 wurden die Firmengebäude durch Bomben völlig zerstört, nach dem Krieg die nun im Sowjetsektor Berlins gelegene Filiale enteignet.

Das Bocholter Werk wurde wieder aufgebaut und hatte wieder Erfolg: Aus der Bocholter Firma wurde eine ganze Firmengruppe mit Filialen im In- und Ausland. Bocholt ist Hauptsitz des Unternehmens Borgers geblieben, das zu den bedeutendsten Zulieferern textiler Automobilausstattungen gehört. Bis heute befindet sich die Firma in der Hand der Familie Borgers, ein Ururenkel von Johann Borgers ist Geschäftsführer des Familienunternehmens. Die westlich um das Firmengelände herum führende Straße wurde am 25. Mai 1966 Borgersstraße benannt.

Gebrüder Braunschweig
Der am 21. September 1995 so benannte Braunschweigweg hat mit der niedersächsischen Großstadt nichts zu tun, sondern erinnert an die Textilfabrikantenfamilie Braunschweig, deren Fabrikgelände nördlich dieses Weges lag. Elias Braunschweig, geboren am 12. November 1841 in Fendingen, Kreis Wittgenstein, und sein Bruder Moses - später nannte er sich Moritz -, geboren am 23. April 1848 am gleichen Ort, gründeten am 1. Januar 1873 die Firma Gebr. Braunschweig. 1885 baute die Firma an der heutigen Kaiser-Wilhelm-Straße eine mechanische Weberei, die vor 1897 durch eine westlich davon an der Frankenstraße liegende Färberei und eine im Jahre 1897 eingerichtete Bleicherei vergrößert wurde. Durch Grundstückszukäufe und Gebäudeerweiterungen war schließlich um 1910 fast das ganze Gebiet zwischen Kaiser-Wilhelm-Straße und Mussumer Kirchweg, Frankenstraße und Beginn der heutigen Alfred-Flender-Straße Firmengelände der Firma Gebr. Braunschweig. 1914 schieden Elias und Moses (Moritz) Braunschweig aus der Firmenleitung aus. Elias Braunschweig starb am 30. September 1917 in Bocholt, sein Bruder im Frühjahr 1918 in Düsseldorf. Elias' Sohn Siegfried, geboren am 11. Juli 1877, und Moses' Söhne Paul, geboren am 1. Juli 1884, und Ernst Braunschweig, geboren am 23. Mai 1885, übernahmen das Unternehmen. Im März 1921 verkauften sie die gesamte Firma an den Karstadt-Konzern, in dessen Aufsichtsratsvorstand sie eintraten. Der Firmenname erlosch, die Firma produzierte unter dem Namen Rudolph Karstadt AG für die Kaufhauskette weiter bis 1931. Siegfried und Paul Braunschweig verzogen 1926 bzw. 1921 nach Hamburg, Ernst 1934 nach Köln.

Wilhelm Brockhoff
Wilhelm Brockhoff, geboren am 26. Februar 1886, stammte aus Geseke und hatte in Attendorn und Warburg das Gymnasium besucht. Danach studierte er in Berlin Vermessungswesen und machte dort 1907 das Landmesserexamen. Seine Berufslaufbahn begann er 1907 als Landmesser beim Katasteramt Osnabrück und 1907 bis 1909 als Landmesser bei der Stadt Nordhausen.
Am 1. Mai 1909 trat er als Stadtlandmesser in den Dienst der Stadt Bocholt und machte hier eine steile Karriere: Am 1. April 1913 wurde er Stadtbaumeister und am 19. September 1917 Beigeordneter. Am 23. Mai 1922 wurde er auf zwölf Jahre zum zweiten Bürgermeister gewählt und war damit Stellvertreter des Oberbürgermeisters Dr. Otto Schmitz.
Nach der politisch motivierten Beurlaubung Dr. Schmitz' führte er ab dem 23. September 1933 dessen Amtsgeschäfte zunächst als Stellvertreter. Mitte 1933 war Brockhoffs zwölfjährige Wahlbeamtenzeit zu Ende. Durch Verfügung der Regierung in Münster wurde er aber vom 30. Mai bis 31. Dezember 1934 zum kommissarischen Oberbürgermeister ernannt und konnte weiter amtieren. Dann aber wurde er nicht mehr weiterbeschäftigt, sondern nach 25-jähriger Tätigkeit für die Stadt entlassen. Sein Nachfolger wurde Emil Irrgang, ein linientreuer Nationalsozialist. Über seine Tätigkeit nach dem Ausscheiden aus dem Dienst der Stadt Bocholt ist nichts bekannt. Offenbar kam eine erneute Anstellung in Bocholt nach 1945 aber nicht in Frage. - Brockhoff verzog am 3. Dezember 1936 nach Hannover, wo er am 6. Januar 1966 verstarb. Am 2. September 1975 wurde die bisherige Thonhausenstraße in Brockhoffstraße umbenannt.

August Brunsmann
August Brunsmann, geb. 17. März 1860 in Emsdetten, war von 1895 bis 1922 Lehrer an der katholischen Volksschule Suderwick. 1922 ließ er sich vorzeitig pensionieren und verzog nach Bottrop. Dort starb er am 10. Juli 1947. Der neu gebildete Bezirksausschuss Nordwest benannte in seiner ersten Sitzung am 18. September 1975 den Werther Feldweg des neuen Ortsteils Suderwick in Brunsmannstraße um.


Wilhelm Buß
Wilhelm Buß wurde am 13. Februar 1887 in Biemenhorst geboren und besaß den Hof Biemenhorst Nr. 1. Seit Mitte 1924 war er Gemeindevorsteher, später Bürgermeister von Biemenhorst. Er blieb auch während der NS-Zeit in dieser Funktion und starb, nachdem er auf seinem Hof durch einen Bombensplitter schwer verwundet worden war, am 21. März 1945 in Rhede. Am 2. Februar 1950 benannte der Biemenhorster Gemeinderat die Wilhelm-Buß-Stiege zur Erinnerung an den langjährigen Bürgermeister.

Bernhard Degener
Bernhard Degener war von 1860 bis 1896 Bürgermeister der Stadt Bocholt und hatte damit dieses Amt bis heute am längsten inne.
Bernhard Degener wurde am 16. November 1829 in Arnsberg geboren. Vor seinem Dienstantritt in Bocholt am 5. Juli 1860 war er Stadtsekretär in Lüdenscheid gewesen. Zweimal, 1872 und 1884, wurde er wiedergewählt und konnte, als er 1896 in den Ruhestand ging, auf 36 Amtsjahre in Bocholt zurückblicken. In dieser Zeit vollzogen sich im städtischen und wirtschaftlichen Leben Bocholts entscheidende Wandlungen. Die Bevölkerung stieg von 5.169 auf 17.092 Einwohner an. Durch die kurz nach 1850 hier eingeführte industrielle Textilherstellung wurde aus einem Städtchen der Hand- und Hausweber und der Ackerbürger ein bedeutender Standort der Textilindustrie. Um den alten Stadtkern herum entstanden immer wieder neue Fabriken, darunter auch einige der Eisenverarbeitung.
Damit stellten sich Bürgermeister Degener eine Fülle von Aufgaben. 1860 unterschrieb er einen Vertrag mit dem Unternehmer Sabey, der in Bocholt das erste Gaswerk errichtete und eine Gas-Straßenbeleuchtung ermöglichte. Unter seiner Regie wurden 1861 und 1867 einzelne Teilbebauungspläne ausgearbeitet. 1878 wurde Bocholt durch Eröffnung der Strecke nach Wesel an das Eisenbahnnetz angeschlossen. 1879 erließ er ein Ortsstatut über die Regelung der Bebauung. - Ein besonderes Anliegen war Degener die Einrichtung von Schulen für die ständig wachsende Zahl der schulpflichtigen Kinder. Dem vereinten Bemühen von Bürgermeister Degener und Pfarrer Vahrenhorst gelang es 1861, die bestehende Lateinschule, die den modernen Lehranforderungen nicht mehr entsprach, in eine höhere Bürgerschule umzuwandeln. Diese Schule entwickelte sich gut und erhielt schon nach wenigen Jahren ein neues, eigenes Schulgebäude an der heutigen Realschul-/ Ecke Rebenstraße. Hier wurde auch die erste bleibende Fortbildungsmöglichkeit für junge Handwerker geschaffen. Auf Anregung Degeners wurde im Oktober 1862 eine Sonntagsschule für Handwerker eingerichtet.
Bernhard Degener versuchte frühzeitig, die städtische Infrastruktur der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt anzupassen. So initiierte er einen städtischen Schlachthof, schlug wegen der nicht ausreichenden Menge und Qualität des Trinkwassers den Bau einer städtischen Wasserleitung vor und kämpfte für das dringend notwendige Aa-Regulierungsprojekt. Obwohl die Regierung alle seine Vorschläge unterstützte, fand Degener keine Zustimmung bei den Stadtverordneten. Anfänglich musste Degener auch seinen Bürogehilfen aus eigenen Mitteln bezahlen. Erst 1885 bekam er einen öffentlich bezahlten Stadtsekretär. Hart musste Degener auch um ein neues Verwaltungsgebäude am Gasthausplatz kämpfen, da das Rathaus damals noch größtenteils von der Gerichtsbehörde genutzt wurde. Den Einzug erlebte Degener als Bürgermeister nicht mehr. Am 5. Juli 1896 schied er aus dem Amt.
Noch fast sieben Jahre lebte Degener im Ruhestand in Bocholt. Er starb hier am 8. Juni 1903. Um 1930 wurde die Degenerstraße nach ihm benannt.

Hermann Dickstein
Hermann Dickstein stammte aus Rees, wo er am 16. April 1922 geboren wurde. Nach Biemenhorst kam er 1961, als er an den dortigen Polizeiposten versetzt wurde. Er engagierte sich politisch bei der SPD, für die er bei der Gemeinderatswahl 1969 kandidierte. Er errang das einzige Direktmandat für seine Partei und wurde mit Hilfe des Zentrums zum Bürgermeister von Biemenhorst gewählt. Damit war Dickstein der einzige SPD-Bürgermeister im Amt Liedern-Werth. In seine Amtszeit fielen der Ausbau und die Drainage des Biemenhorster Sportplatzes und die Fertigstellung des Ausbaus der Siedlung westlich der Büngerner Straße. Das beherrschende Thema in der damaligen Kommunalpolitik jedoch war die kommunale Neuordnung, die mit der Eingemeindung Biemenhorsts nach Bocholt endete. So war Dickstein auch der letzte Biemenhorster Bürgermeister. Er starb am 9. Oktober 1985 in Bocholt. Der Hermann-Dickstein-Weg wurde am 23. März 2004 nach ihm benannt.

Melchior von Diepenbrock
Melchior Diepenbrock wurde am 6. Januar 1798 in Bocholt geboren. 1813 trat er in die preußische Armee ein, beteiligte sich an den Befreiungskriegen gegen Napoleon und dankte 1817 als Leutnant ab. Danach lebte er auf dem Gut der Eltern in Holtwick bei Bocholt. Im November 1818 begegnete Diepenbrock dort dem Landshuter Professor Johann Michael Sailer, der einen nachhaltigen Eindruck auf ihn hatte. 1819 begann Diepenbrock, in Landshut zunächst Staatswissenschaften, dann, beeinflusst durch Sailer, in Mainz katholische Theologie zu studieren. In Regensburg, wo Sailer zum Domkapitular ernannt und darauf zum Bischof gewählt worden war, studierte Diepenbrock weiter und war gleichzeitig Sailers Privatsekretär. Am 27. Dezember 1823 wurde Diepenbrock von Sailer zum Priester geweiht. Dem alternden Bischof Sailer war Diepenbrock eine unentbehrliche Stütze geworden. Dessen lebendige Gläubigkeit legte bei Diepenbrock das Fundament zum eigenen Glauben und seiner gesamten Persönlichkeit. Lebenslang hielt er am Vorbild Sailers fest.
1832 starb Michael Sailer. Mit der Ernennung zum Domkapitular in Regensburg 1830 begann eine steile Kirchenkarriere Diepenbrocks: 1835 Domdekan, 1842 Generalvikar in Regensburg. Eine Gedichtsammlung Diepenbrocks, 1829 unter dem Titel "Geistlicher Blumenstrauß" erstmals publiziert, war zu dieser Zeit bereits in ganz Deutschland verbreitet. Zweifellos war Diepenbrock der markanteste Zeitgenosse im Regensburger Domkapitel. Nachdem er sich mit dem Nachfolger Sailers im Amt des Regensburger Bischofs überworfen hatte, legte Diepenbrock das Amt des Generalvikars 1844 nieder.
Am 15. Januar 1845 wurde Diepenbrock zum Fürstbischof von Breslau gewählt und vom bayerischen König aus diesem Anlass geadelt. Das Fürstbistum Breslau erstreckte sich hauptsächlich über preußisches, kleineren Teils auch über österreichisches Territorium und galt in sozialer und religiöser Hinsicht als sehr schwierig. Von Diepenbrock förderte die Ausbildung des Priesternachwuchses und bemühte sich erfolgreich um die Ordnung und Vertiefung des kirchlichen Lebens. In Oberschlesien hatte er gegen schwere soziale Missstände anzukämpfen. Er suchte sie durch von ihm initiierte Seelsorge- und Caritasmaßnahmen zu lindern, gründete Waisenhäuser, rief zu Geld- und Nahrungsspenden während einer Typhusepidemie auf und half selbst mit hohen eigenen Mitteln. Auch nach Bocholt hielt er immer Kontakt und beschenkte die Stadt mit seinem Geburtshaus und mehrfach mit hohen Geldbeträgen zu sozialen Zwecken.
Charakteristisch für v. Diepenbrocks Arbeit war seine loyale kirchliche Linie, sein unnachgiebiges Durchsetzen des kirchlichen Standpunktes. Als Schüler Sailers wahrte er aber in seinen Ansprüchen stets Gerechtigkeit und Maß. Im Revolutionsjahr 1848 stand von Diepenbrock treu zur Monarchie, ließ sich aber auch als Vertreter für den Wahlkreis Oppeln in die Nationalversammlung der Frankfurter Paulskirche wählen, obwohl ihm direktes politisches Wirken persönlich widerstrebte. Nach wenigen Wochen erkrankte er aber schwer und legte sein Mandat nieder.
1849 gehörte er auf der ersten österreichischen Bischofskonferenz zu den führenden Persönlichkeiten. 1850 wurde er schließlich in das Kardinalskollegium berufen und erhielt in Breslau den Kardinalspurpur aus der Hand des Wiener Nuntius. Ende 1852 erkrankte Kardinal Melchior von Diepenbrock an Darmkrebs und starb auf dem fürstbischöflichen Schloss Johannesberg am 20. Januar 1853. Er liegt im Breslauer Dom begraben.
Die Gemeinde Holtwick benannte am 10. November 1960 eine Straße nach Diepenbrock. Die Gemeinde Barlo benannte ebenfalls eine Straße nach ihm. - Die Stadt Bocholt hatte schon am 31. Juli 1896 eine Straße westlich der Dietrichstraße nach Diepenbrock benannt, die aber zwischen 1908 und 1914 in Urbanstraße umbenannt wurde. Der Name wurde auf den unteren Teil des heutigen Stenerner Wegs bis zum 1910 erbauten Alters- und Waisenhaus übertragen. Dessen Vorplatz wurde 1940 Diepenbrockplatz genannt. Wegen der Eingemeindung der Gemeinden des Amts Liedern-Werth 1975 konnte nur die Diepenbrockstraße in Holtwick diesen Namen behalten. Die Straße in Barlo erhielt den Namen Von-Welfeld-Straße, die in Bocholt wurde dem Stenerner Weg zugerechnet. Der Diepenbrockplatz wurde dem Barloer Weg zugeschlagen. Seit dem 5. September 1996 heißt der Verbindungsweg vom Stenerner Weg zum Burloer Weg Melchiorweg. Nach Melchior von Diepenbrock benannte die Stadt Bocholt auch eine Schule und das vormalige städtische Alters- und Waisenhaus.

Helene Drießen
Am 18. September 1876 wurde Helene Dübigk als ältestes von drei Kindern des Kaufmanns und Webereibesitzers Emil Dübigk und seiner Frau Antonia, geb. Schrakamp, in Bocholt geboren. Ihr Großvater Eduard Schrakamp war Mitglied der Nationalversammlung 1848. Ihr Vater starb schon 1878, ihre Mutter brachte die Familie mit Klavierunterricht durch. 1892 begann Helene Dübigk eine Lehrerinnenausbildung in Nimwegen, die sie im November 1894 mit dem Examen für Volksschule, höhere und mittlere Mädchenschulen in Münster abschloss. Sie ging danach aber nicht in den Schuldienst, sondern studierte bis 1897 in Antwerpen und Paris, wo sie nebenher auch am Convent du Roule unterrichtete. Am 18. September 1899 heiratete sie in Bocholt den zwölf Jahre älteren Arzt und Sanitätsrat Dr. med. Theodor Drießen, mit dem sie zwischen 1900 und 1908 sechs Kinder bekam, von denen das älteste gleich nach der Geburt starb.
Aufgrund ihrer Herkunft, Vorbildung und sozialen Situation konnte sich Helene Drießen schon von dem 1. Weltkrieg sozial und politisch engagieren: 1913 wurde sie Vorsitzende des Bocholter Ortsvereins des Katholischen Frauenbundes, 1930 bis 1932 auch Mitglied des Reichsvorstandes dieses Verbandes; 1921 bis 1933 saß sie für die Zentrumspartei im Provinziallandtag von Westfalen, 1921 bis 1932 war sie stellvertretendes Mitglied des Preußischen Staatsrates. Ab 1930 stieg sie tiefer in die Parteipolitik ein: Vorstandsmitglied der westfälischen Zentrumspartei und Mitglied des Reichsausschusses der deutschen Zentrumspartei, Vorsitzende des Frauenbeirats des Zentrums, Vorstandsmitglied der Katholischen Schulorganisation Preußens. Von Januar 1931 bis November 1932 war sie Mitglied des Reichstags, zunächst als Nachrückerin für den verstorbenen Abgeordneten Herold, im Juli 1932 als Abgeordnete des Wahlkreises Westfalen Nord. Im November 1932 brach sie ihre Politikerinnenkarriere ab, der Grund ist unklar. - Auch lokal engagierte sich Helene Drießen: 1917 wurde sie zur Armen- und Waisenpflegerin gewählt, 1930 bis 1932 war sie Mitglied des Bocholter Bezirksfürsorgeverbandes und des Bocholter Jugendamtes. Aufgrund ihrer Verbindungen beschaffte sie Zuschüsse des preußischen Staates und der Provinz zu der 1928 begonnenen Restaurierung des Rathauses, betrieb den Ausbau der Marienschule zu einem Gymnasium mit Abiturabschluss und die Einrichtung eines naturwissenschaftlichen Zweiges am heutigen St.-Georg-Gymnasium. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme lebte sie zurückgezogen, erkrankte Mitte 1937 und verstarb am 30. Mai 1938 in Bocholt. Der Bezirksausschuss Nordost benannte am 9. Juni 2008 eine Straße nach der Zentrumspolitikerin.

Clemens Dülmer
Am 30. Januar 1885 wurde Clemens Dülmer in Heiden geboren. Am 5. Mai 1909 wurde er in Münster zum Priester geweiht. Anschließend war er mehrere Jahre als Kaplan in Emsdetten tätig. Im März 1915 kam er nach Bocholt als Seelsorger am St.-Agnes-Hospital und als Religionslehrer am damaligen Marienlyzeum. Am 30. August 1934 wurde er als Pfarrer der Liebfrauengemeinde eingeführt. 1950 wurde er Dechant des Dekanats Bocholt und 1956 Ehrendechant. Im September 1958 ernannte ihn der Bischof von Münster zum Propst.
Viele Jahre lang war er Caritas-Sekretär des Dekanats Bocholt. Seit 1945 oblag ihm die Gefängnisseelsorge am Gerichtsgefängnis in Bocholt. Auch im kommunalen Leben war er ein bekannter Mann und gehörte u. a. dem Schulausschuss an. "Pastor" Dülmer genoss in Bocholt besondere Hochachtung und war sehr beliebt. Man schätzte an ihm den selbstvergessenen Hirten seiner Pfarrgemeinde, sein aufrichtiges Wesen und seinen wohlmeinenden Rat. Anlässlich seines Silbernen Pfarrer- und Goldenen Priesterjubiläums am 14. Juni 1959 ernannte ihn die Stadt Bocholt zum Ehrenbürger. Propst Dülmer erklärte in seiner Dankesrede: "Seelsorge ist Seelenkultur. Gerade diese muss uns heute am Herzen liegen. Materialismus und Jagd nach höherem Lebensstandard können den Menschen nicht zur höheren Entfaltung kommen lassen." Im April 1964 ließ Propst Dülmer sich pensionieren und zog sich nach Rhede zurück. Dort starb er am 27. November 1967. Am 15. Juni 1986 setzte die Stadt ihrem Ehrenbürger durch die Benennung des Clemens-Dülmer-Wegs ein Denkmal. Nach Clemens Dülmer wurde auch die ehemalige Ostwallschule umbenannt.

Dr. med. Hermann Farwick
Hermann Farwick wurde am 10. Februar 1869 in Hiddingsel, Kreis Coesfeld, geboren. 1898 kam er nach Bocholt und ließ sich in der Nordstraße als praktischer Arzt nieder. Für seine fachlichen Fähigkeiten spricht, dass er um 1917 den Ehrentitel Sanitätsrat verliehen bekam. Dr. Farwick war Mitglied des Zentrums. Von 1908 bis 1928 war er Stadtverordneter und Mitglied der Armenkommission, die sich um die städtische Sozialfürsorge kümmerte. Zusammen mit dem 2. Bürgermeister Dr. Alff betrieb er die Gründung der "Walderholung" 1913, in der TBC-kranke und -gefährdete Kinder in sechswöchigen Kuren aufgepäppelt wurden. Dr. Hermann Farwick starb am 17. Februar 1942 in Bocholt, die Farwickstraße wurde am 10. Oktober 1961 benannt.

Josef Fehler
Josef Fehler stammte aus Oberschlesien, wo er am 17. Dezember 1893 in Schloin geboren wurde. 1911 kam er nach einem Besuch der kaufmännischen Schule und einer kaufmännischen Lehre in Glogau nach Bocholt. Hier arbeitete er als kaufmännischer Angestellter, bis er bei Ausbruch des 1. Weltkriegs zum Militär eingezogen wurde. Dekoriert mit verschiedenen Auszeichnungen ging er 1918 nicht wieder nach Bocholt, sondern kehrte in seine oberschlesische Heimat zurück. Dort kämpfte er in einer Heimwehrkompanie gegen polnische Übergriffe auf das zwischen Deutschland und Polen umstrittene Oberschlesien. Erst im März 1919 kam er wieder nach Bocholt. Am 1. Januar 1921 machte er sich mit einem Geschäft für Schreinereibedarf selbständig. Am 20. November gleichen Jahres heiratete er. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor. Politisch stand er dem Zentrum nahe, dem er aber nie angehörte. Er engagierte sich stark in der Kolpingfamilie und im Katholisch-Kaufmännischen Verein, der sich der katholischen Soziallehre verpflichtet sah. Im Mai 1933 trat Josef Fehler der NSDAP und der SA bei. Am 7. Juli 1935 trat er wieder aus, weil er über die tatsächliche Machtausübung der Nationalsozialisten enttäuscht war. Seitdem war er politischen Schikanen ausgesetzt: Verhaftung und Gestapoverhör im August 1935, öffentliche Anprangerung in der "Nationalzeitung" im gleichen Monat, geschäftliche und gesellschaftliche Ausgrenzung. Fehlers Renitenz gegen die NSDAP verschärfte sich rasch: Er kaufte 1935 trotz Behinderung in jüdischen Geschäften, ließ seine Kinder nicht in die HJ bzw. den BDM eintreten, beschimpfte 1937 lauthals und öffentlich SA-Leute, die bei einem Firmbesuch Bischof v. Galens störten, beschwerte sich 1937 über die Verwendung des Hetzblattes "Der Stürmer" in der Schule, protestierte 1940 gegen die Entfernung der Kruzifixe aus den Schulen. Von Anfang Februar bis Mitte August 1940 saß er in Untersuchungshaft unter dem Vorwurf, gegen das Heimtückegesetz verstoßen zu haben, wurde aber vom Landgericht Münster freigesprochen. 1941 stellte er bei sich Kisten mit Hausrat deportierter Juden unter. - Am 1. Februar 1945 wurde er von der Gestapo wieder verhaftet unter dem Vorwurf staatsfeindlicher Äußerungen. Er saß in Bocholt, Borken, schließlich Münster ein und am 14. März 1945 in das KZ Neuengamme überführt. Das KZ wurde am 25. April 1945 geräumt, die etwa 10.000 Gefangenen auf zwei Schiffen untergebracht. Die Schiffe wurden am 3. Mai 1945 durch Bombenflugzeuge versenkt, wobei Josef Fehler umkam. Die Josef-Fehler-Straße erinnert seit dem 3. Mai 1994 an den unerschrockenen Mann.

Josef Fenneker
Am 6. Dezember 1895 wurde Josef Fenneker als Sohn des Kolonialwarenhändlers Bernhard Fenneker in Bocholt geboren. Über die Kindheit und Jugend Josef Fennekers ist wenig bekannt. Man darf aber annehmen, dass der Bruder seiner Mutter, der Kirchenmaler und Architekt Anton Marx, ihm künstlerische Anregungen gab. 1917 verzog er aus Bocholt.
Nach Studienaufenthalten in Münster, Düsseldorf und München ging Josef Fenneker schließlich nach Berlin, wo er zuletzt als Meisterschüler Emil Orliks die Klasse für graphische Kunst und Buchkunst an der staatlichen Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums besuchte. Emil Orlik war ein engagierter Lehrer, der Fenneker zumindest in seiner Frühzeit sehr beeinflusst haben dürfte.
In den ersten Jahren in Berlin entwarf Fenneker hauptsächlich Filmplakate und wirkte entscheidend bei der Neuausstattung des Lunaparks in Berlin-Halensee mit. Daneben illustrierte er Zeitschriften, meistens künstlerisch orientierte, und es entstanden einige buchgraphische Arbeiten.
Gegen Ende der 20er Jahre stand hauptsächlich die Arbeit für das Entwerfen von Filmplakaten im Vordergrund. 1928 bereitete er aber auch die Ausstattung der Revue "Schön und Schick" - einer der letzten großen Revuen der 20er Jahre im Berliner Admiralspalast - vor. 1932 nahm er ein Engagement am preußischen Staatstheater in Berlin an. Hier, wie später von 1938 bis 1944 am Schillertheater in Berlin, war er für die Ausstattung von Bühnenbildern zuständig. In der Spielzeit 1935/1936 wurde der nunmehr auch durch verschiedene Veröffentlichungen seiner Arbeit in ganz Deutschland bekannte Fenneker an die Duisburger Oper engagiert. Die städtische Kunstsammlung richtete hier eine Sonderausstellung für ihn ein, wo nicht nur seine Plakate und seine bühnenbildnerische Arbeit gezeigt wurden, sondern auch seine freien Arbeiten wie Gemälde und Zeichnungen. 1938 ging er nach Berlin zurück an das Schillertheater, wo sich im Laufe der Jahre die Zusammenarbeit mit Walter Felsenstein intensivierte.
1946 begann Fenneker seine Nachkriegsarbeit an der städtischen Oper in Berlin. Die erste Theaterarbeit Fennekers außerhalb Berlins nach dem Krieg war die deutsche Erstaufführung der "Bettler-Oper" an der Hamburgischen Staatsoper 1950. 1951 kam er mit der Verpflichtung an die königliche Oper Stockholms auch international wieder ins Gespräch. Daneben setzte er seine Arbeit in Berlin allerdings fort. 1953 erhielt er Aufträge aus Helsinki und Mailand sowie aus Frankfurt und München. Bis 1954 intensivierte sich seine Arbeit für die städtischen Bühnen in Frankfurt am Main, wo er dann auch als Leiter des Ausstattungswesens ein festes Engagement annahm. Auf der ersten übernationalen Theaterausstellung nach dem Kriege, der "Europäischen Theaterausstellung" 1955 in Wien wurden Bühnenbildentwürfe und Figurinen von ihm gezeigt.
Am 9. Januar 1956 starb Josef Fenneker in Frankfurt an Herzversagen. In den Nachrufen der regionalen und überregionalen Presse wurde er als einer der bedeutendsten und eigenwilligsten deutschen Bühnenbildner, die die 20er und 30er Jahre am Berliner Theater mitgestalteten, bezeichnet.
1960 erwarb die Stadt Bocholt von der Witwe des Künstlers den Nachlass, der über 6700 Objekte umfaßt. Ein Überblick über sein Werk ist im Bocholter Stadtmuseum zu sehen. Seit dem 13. September 1972 erinnert die Fennekerstraße an den berühmten Bocholter.

Rudolf Fischer
Rudolf Fischer wurde am 21. Juni 1867 als Sohn des späteren Textilfabrikanten August Fischer geboren. Er besuchte die hiesige Höhere Bürgerschule und absolvierte eine Färberschule in Krefeld. Anschließend arbeitete er in einem Fachbetrieb in Winterswijk. Von hier aus lief er zu Fuß jedes Wochenende nach Bocholt. Diese Wanderungen haben sicherlich entscheidend zur Verbundenheit Fischers mit seiner münsterländischen Heimat beigetragen.
Rudolf Fischer war zusammen mit seinem Bruder August Inhaber der von seinem Vater 1883 gegründeten Weberei. Zeitgenossen sagten ihm eine Begeisterung für alles Schöne und Gute nach, einen Idealismus, wie man ihn selten findet. Sofort bei seinem Eintritt in die Firma begann er, gemeinnützig zu wirken. So hat Rudolf Fischer zusammen mit seinem Schwager Carl Isert 1910 den heutzutage schon längst zur Bocholter Tradition gewordenen Martinszug am Vorabend des Martinstages ins Leben gerufen. Daneben setzte er sich für das Heimatmuseum ein und förderte die freiwillige Feuerwehr, deren stellvertretender Branddirektor er 1907-1918 war. 1907 zählte er zu den Mitbegründern des Bocholter Heimatvereins und war dessen Vorsitzender 1907-1913. Rudolf Fischer war jedoch nicht nur im Heimatverein sehr rührig. 1911-1919 war er auch erster Vorsitzender des TV Bocholt. Seine vielfältige ehrenamtliche Tätigkeit ließ ihm noch Zeit, seinen Hobbies, Malerei und Fotografie, zu frönen. Hierbei entstanden viele "Bilder der Heimat". Am 9. Februar 1934 starb Rudolf Fischer in Münster. Am 26. Juli 1967 wurde der Fischerweg nach ihm benannt.

Dr. h. c. Alfred Flender
Alfred Friedrich Flender wurde als ältester Sohn des Düsseldorfer Getriebefabrikanten Friedrich Flender am 5. Mai 1901 in Düsseldorf geboren. Er besuchte in Benrath und Düsseldorf die Schule und machte 1919 Abitur. Sein praktisches Jahr absolvierte er unter anderem in der Zweigstelle des väterlichen Unternehmens in Bocholt. Dann studierte er an der TH Darmstadt und an der TH Charlottenburg, wo er 1925 sein Diplom im Bereich Maschinenbau ablegte. Nach einer zehnmonatigen Studienreise durch die Vereinigten Staaten trat er in das väterliche Unternehmen zunächst in Düsseldorf ein. 1928 wurde das Düsseldorfer Stammwerk geschlossen, die Produktion fand nur noch in Bocholt statt. 1929 ging Flender nach Bocholt und ließ 1931 auch die bis dahin noch in Düsseldorf ansässige Zentralverwaltung nach Bocholt übersiedeln. Damit war die Firma A. Friedrich Flender & Co. ein Bocholter Unternehmen geworden und erwarb unter Alfred Flender einen weltweiten Ruf.

Nach dem Zusammenbruch von 1945 engagierte Alfred Flender sich nicht nur auf wirtschaftlichem und technischem Gebiet, sondern auch auf dem betriebssozialen Sektor, indem er Möglichkeiten einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Unternehmensführung und Belegschaft suchte. Er ging von dem Gedanken aus, dass betriebliche Sozialpolitik ein echtes Zwiegespräch zwischen den beiden Sozialpartnern sein muss. Dem "gerechten Lohn" suchte er 1952 durch die Einführung einer Ergebnisbeteiligung näher zu kommen, die eine besondere, auch materielle Anerkennung der Leistung des einzelnen Mitarbeiters vorsah. Das Mitdenken und Mitverantworten der Belegschaft stärkte er durch die Einführung des betrieblichen Vorschlagswesens. Sein besonderes Augenmerk galt der Ausbildung des Nachwuchses in einer eigenen Lehrwerkstatt und in der Werksschule, die zusätzlich zu der und im Zusammenwirken mit der Berufsschule erarbeitet wurde. Langjährige Mitarbeiter wurden nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben durch die firmeneigene A. Friedrich Flender-Gedächtnis-Stiftung unterstützt. In einem Wiederaufbauprogramm der Firma wurden Werkswohnungen wiedererrichtet und der Wohnungsbau von Firmenangehörigen gefördert. Für seine betriebliche Sozialpolitik erhielt Alfred Flender am 30. November 1955 in Hamburg den Freiherr-vom-Stein-Preis. Am 25. Februar 1961 erhielt Flender die Ehrendoktorwürde der RWTH Aachen für seine Leistungen auf dem Gebiet der Antriebs- und Getriebetechnik und für seine besonderen Verdienste um die soziale Betriebsgestaltung.

Alfred Flender engagierte sich in vielen Gremien und Vereinigungen seines Berufsstandes, z. B. im Verein Deutscher Ingenieure, in der Deutschen Gesellschaft für Personalführung, in der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer. Außerhalb seines Berufs war er besonders in der evangelischen Gemeinde Bocholts tätig und hatte von 1948 an zwanzig Jahre lang sehr rührig den Vorsitz des Evangelischen Vereins inne. Alfred Flender starb am 17. November 1969 bei einem Autounfall in Dortmund-Lütgendortmund. Am 14. Juni 1972 wurde die bisherige Sachsenstraße, an der das Bocholter Flenderwerk liegt, in Alfred-Flender-Straße umbenannt.

Rudolf Geller
Rudolf Geller stammte aus einer Aachener Kaufmanns- und Fabrikantenfamilie. Dort wurde er am 15. Dezember 1863 geboren. Er hatte Jura in Bonn und München studiert und war zunächst in den Justizdienst getreten. Seit 1892 war er bei der Stadt Mülheim tätig, zunächst als juristischer Hilfsarbeiter, dann als hauptamtlicher Beigeordneter.
Am 20. Februar 1896 wurde Geller zum Nachfolger des im langjährigen Dienst ergrauten Bernhard Degener zum Bürgermeister von Bocholt gewählt. Der neue Bürgermeister widmete sich seiner Aufgabe sofort mit großer Energie und legte den Grund für eine moderne städtische Infrastruktur. Schon nach drei Wochen organisierte er die städtische Verwaltung neu und errichtete eine städtische Bauverwaltung. Damit war der Anfang für eine geordnete, zeitgemäße Verwaltung gemacht. Noch 1896 setzte Geller einen Flächennutzungsplan in Kraft, damit neue Baugebiete planmäßig erschlossen werden konnten. Aufgrund eines ebenfalls 1896 erlassenen Bebauungsstatuts wurden Straßenschilder angebracht, noch nicht benannte Straßen und Wege benannt und Bäume an öffentlichen Wegen angepflanzt. Um eine bessere Beleuchtung von Straßen zu erreichen, strebte Geller an, das Gaswerk in städtische Regie zu übernehmen, da der Privatunternehmer die ihm übertragene Aufgabe nicht ordnungsgemäß erfüllt hatte. 1901 übernahm die Stadt das Gaswerk und modernisierte die vollständig veralteten und unzulänglichen Anlagen.
Auch als Schulträger war die Stadt unter Bürgermeister Geller rege: An der Herzog-, Kurfürsten-, Jericho- und Münsterstraße, im Fildeken und am Ostwall entstanden neue Volksschulen, das bisherige Progymnasium wurde 1903 als hochschulbefähigendes Gymnasium anerkannt, wenige Monate vor seinem Dienstende wurde Anfang 1908 die städtische kaufmännische Berufsschule eröffnet.
Dem Wohnungsbau galt Gellers besondere Sorge, insbesondere die Errichtung gesunder und billiger Wohnungen für die wachsende Arbeiterbevölkerung. So förderte er 1898 die Gründung des Bocholter Bauvereins, setzte sich aber nicht nur für die Errichtung neuer, sondern auch für die Sanierung alter Wohnungen ein. - Geller nahm sogleich nach Amtsantritt das Projekt einer Regulierung der Bocholter Aa auf, das 1896 einstimmig beschlossen wurde. Der Bürgermeister wirkte auch auf die Inbetriebnahme des Schlachthofes hin, der 1900 eröffnet wurde. Am Ende seiner Amtszeit richtete er den Friedhof an der Blücherstraße ein, der im Mai 1908 in Betrieb genommen werden konnte. Erfolglos allerdings war Geller bei der Errichtung eines Wasserwerkes sowie bei der dringend notwendigen Durchführung der Kanalisation. Die Stadtverordnetenversammlung hegte finanzielle Bedenken gegen diese kommunalen Einrichtungen.
Seine aufreibende Tätigkeit setzte der Gesundheit Gellers sehr zu. Bereits 1907, im Alter von 44 Jahren, bat er die Bocholter Stadtverordnetenversammlung, von einer 1908 anstehenden Wiederwahl abzusehen und seine Pensionierung im Juli 1908 zu beschließen, was ihm auch gewährt wurde. Am 13. Mai 1908 beschlossen die Stadtverordneten in dankbarer Anerkennung der großen Verdienste um die Modernisierung Bocholts, eine neue Straße am Nordtor Gellerstraße zu benennen. Geller behielt auch nach seiner Pensionierung in Bocholt seine Wohnung und verstarb, 53 Jahre alt, am 25. August 1917.

Josef van Gemmeren
Josef van Gemmeren wurde am 15. April 1921 in Kleve geboren. 1949 wurde er in Münster zum Priester geweiht und war anschließend Kaplan in Klein-Erkenschwick, 1950 wechselte er als Kaplan und Religionslehrer nach Wesel, 1962 schließlich als Kaplan nach Straelen. Von dort kam er nach Bocholt als Pfarrer von Liebfrauen, wo er am 19. Juli 1964 eingeführt wurde. In seiner 25-jährigen Amtszeit entstand das Gemeindezentrum St. Martin in Stenern und die Familienbildungsstätte am Ostwall. 1971-82 war er Dechant des Dekanats Bocholt. Am 20. August 1989 trat er in den Ruhestand. van Gemmeren blieb in Bocholt und arbeitete als Ruhestandsgeistlicher in der Gemeinde St. Georg mit, bis er am 12. April 1996 verstarb. Am 31. August 2000 wurde der Van-Gemmeren-Weg nach ihm benannt.

Ferdinand Freiherr von Hamelberg
Georg Hermann Ferdinand Freiherr von Hamelberg wurde am 3. August 1798 in Minden als Sohn des hannoverschen Offiziers Johann Ernst von Hamelberg und seiner Frau Melosine Sophie von der Lüde geboren, wuchs auf Haus Heidefeld in der Bauerschaft Spork auf und besuchte Lyzeum und Hochschule in Celle, wo er eine sehr gute Allgemeinbildung und vielfältige Fremdsprachenkenntnisse: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Niederländisch, erwarb. Er erlebte in seiner Jugendzeit die napoleonische Besatzung und den Kriegstod seines Vaters und seines älteren Bruders mit, die beide als hannoversche Offiziere in Spanien gegen die Franzosen eingesetzt waren. Gerade fünfzehnjährig trat er als Freiwilliger in die hannoversche Armee von Wallmoden ein und nahm an den Freiheitskriegen teil, u. a. an der Schlacht bei Waterloo 1815. Nach dem Befreiungskrieg trat er in preußische Heeresdienste, von wo er 1823 in die spanische Armee übernommen wurde. 1834 quittierte von Hamelberg, inzwischen zum Oberst avanciert, den spanischen Dienst, kehrte 1835 nach Deutschland zurück und widmete sich nunmehr ganz der Bewirtschaftung des inzwischen geerbten Gutes Heidefeld, wo er modernste Landwirtschaftsmethoden einführte.
Daneben kümmerte er sich auch um kommunale Belange: 1836 ließ er sich als Kreisdeputierter wählen, der den Landrat vertrat, 1844 führte er die Aktiengesellschaft für den Bau der Chaussee Bocholt-Dinxperlo. Am 29. Februar 1848 wurde v. Hamelberg in einem rechtlich nicht ganz einwandfreien Verfahren zum Landrat von Borken gewählt. Der öffentliche Protest eines Teils der Kreistagsmitglieder war aber zwecklos, da Hamelberg der Wunschkandidat der preußischen Regierung war, deren Bestätigung er am 8. Juni 1848 erhielt. Sein erstes Interesse als Landrat galt der Verkehrserschließung des völlig abgelegenen Kreises Borken durch den Bau von Kreisstraßen. In seiner Amtszeit wurden die Strecken von Werth Richtung Coesfeld über Bocholt , Borken, Velen, von Gemen über Weseke Richtung Ahaus und von Holtwick Richtung Niederlande fertiggestellt. Die Kreisverwaltung, lediglich ein kleines Büro, verteilte er auf Bocholt und Borken, von wo er abwechselnd die Geschäfte führte für den West- und für den Ostteil des unwegsamen Kreises.
1868 wurde Hamelberg zum Deputierten der Provinzialsynode der evangelischen Kirche des Rheinlandes gewählt. - Am 1. März 1870 starb Ferdinand von Hamelberg, nachdem er schon Jahre vorher krank war und seine Dienstgeschäfte nur noch mit längeren Unterbrechungen wahrnehmen konnte.
Seit dem 23. November 1967 erinnerte im Ortsteil Spork ein Hamelbergweg an den ehemaligen Landrat, der aber durch Beschluss des Gemeinderats vom 10. April 1973 an den Heidefeldweg als Verlängerung angeschlossen wurde. Das Gedächtnis Hamelbergs wurde gleichzeitig durch eine neue Benennung der jetzigen Hamelbergstraße aufrecht erhalten.

Johannes Heisterkamp (="Pannemann")
Johannes Heisterkamp wurde am 11. August 1826 in Lowick geboren als Sohn eines kleinen Landwirts und Holzschuhmachers. In jungen Jahren arbeitete er eine Zeitlang in Lünten bei Vreden als Klumpenmacher, 1849-50 diente er als Füsilier in Wesel, ansonsten verbrachte er sein Leben in Lowick. Er übernahm die väterliche Landwirtschaft wie auch die Klumpenmacherwerkstatt. 1852 heiratete er. Aus der Ehe gingen 11 Kinder hervor, von denen aber nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. 1897 wurde er Witwer.
Herausragend war an "dem alten Pannemann", wie er genannt wurde, sein Alter. Bereits zu seinem 100. Geburtstag gratulierte der preußische Ministerpräsident, und der Regierungspräsident reiste persönlich an. An seinem 104. Geburtstag beglückwünschte ihn der Reichspräsident. Er galt als der älteste Deutsche. Die Gemeinde Lowick richtete zu seinem Geburtstag 1930 im Verein mit einem Bocholter Festkomitee eine Feier aus, an der etwa fünfzig Männer aus Bocholt und Umgebung teilnahmen, die bereits über 80 Jahre waren. Heisterkamp starb im 105. Lebensjahr am 28. September 1930. Er liegt auf dem Bocholter Friedhof begraben. - Seine Heimatgemeinde benannte am 25. Januar 1955 die Pannemannstraße nach ihm, die der Bezirksausschuss Südwest am 23. März 1976 in das Gebiet des Ortsteils Mussum hinein verlängerte. Auch das ehemalige städtische Jugendheim "Pannemanntreff" war nach dem alten Pannemann benannt.

Otto Hensel
Otto Hensel wurde am 13. Januar 1903 in Bagnowen, Kreis Sensburg in Ostpreußen, geboren. 1929 kam er durch Heirat nach Bocholt. Hier wurde er 1931 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei, einer linken Abspaltung von der SPD. Ab 1933 schmuggelte er SAP-Druckschriften aus den Niederlanden in das Dritte Reich, wofür er im Januar 1935 verhaftet und im Juli 1935 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Die Strafe verbrachte er bis 1941 im Zuchthaus Münster, 1941-45 im Zuchthaus Waldheim in Sachsen, danach einige Wochen in Leipzig. Bei der Verlegung des Zuchthauses in das Konzentrationslager Sachsenhausen gelang ihm im April 1945 die Flucht. Er schlug sich nach Bocholt durch, wo er zu den Mitbegründern der örtlichen KPD gehörte. Für diese saß er 1945 in dem von den Briten ernannten Stadtrat. Bei der Kommunalwahl am 16. Oktober 1946 erhielt Otto Hensel das einzige KPD-Stadtverordnetenmandat. Im August 1948 erklärte er seinen Austritt aus der KPD aus Protest gegen die sowjetrussische Deutschlandpolitik und die Zwangsvereinigung von KPD und SPD in der Sowjetzone. Er gründete noch im gleichen Jahr die völlig bedeutungslos gebliebene Unabhängige Arbeiterpartei. 1961 trat er der Deutschen Friedensunion bei. Seit der Gründung der allgemeinen Gewerkschaften in Bocholt im Oktober 1945 gehörte er dem Vorstand an und war Mitglied der Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden. Von 1950 bis 1969 war er Geschäftsführer der DGB-Verwaltungsstelle Bocholt. Otto Hensel starb am 4. August 1979. Seit 7. November 1996 gibt es eine Otto-Hensel-Straße in Bocholt.

Heinrich Hillermann
Heinrich Hillermann wurde am 3. Mai 1891 in Ibbenbüren geboren. Nach einer Ausbildung am Lehrerseminar in Dorsten 1908 bis 1911 wurde er am 15. April 1911 Lehrer an der damals dreiklassigen Volksschule Biemenhorst und unterrichtete dort, unterbrochen durch seine Militär- und nachfolgenden Kriegsgefangenschaftszeiten 1914-1920, 1941-1943 und 1945-1946, 46 Schuljahre bis zum 30. März 1957. Als er "seine" Schule verließ, umfasste sie sieben Klassen. In der Nachfolge des ersten Lehrers in Biemenhorst, Julius Vehorn, dessen Schwiegersohn er übrigens 1921 wurde, wurde er am 1. April 1932 zum Hauptlehrer und Schulleiter ernannt und 1953 zum Rektor befördert.
In seiner Freizeit betätigte Hillermann sich 1931 bis zur Gleichschaltung 1934 als Vorsitzender des Katholischen Lehrervereins Bocholt-Land und als Heimatforscher und Heimathistoriker Biemenhorsts. Seine Beiträge sind publiziert im Heimatkalender des Kreises Borken. 1966 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz. Er starb am 21. Juni 1972 in Bocholt.
Seit dem 27. Januar 2000 hält der Heinrich-Hillermann-Weg im Ortsteil Biemenhorst die Erinnerung an den langjährigen Lehrer wach.

Günther Hochgartz
Am 10. Juli 1918 wurde Günther Gerhard Hochgartz als viertes von fünf Kindern des Elektromeisters Heinrich Hochgartz und seiner Frau Martha, geb. Hof, in Bocholt geboren, wo er am 10. Oktober 2005 auch verstarb. Er war verheiratet, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.
Nach achtjährigem Schulbesuch begann er 1933 begann er eine Elektrolehre im väterlichen Betrieb, die er aber 1935 abbrach, 1936 wurde er zum Reichsarbeitsdienst einberufen, 1938 und 1939 war er als Erzieher im Landjahrlager Müsen, Kreis Siegen, tätig und trat bei Kriegsbeginn als Soldat in die Wehrmacht ein. Dort wurde er wegen besonderer Eignung 1942 Offizier, zuletzt im Rang eines Majors, und erhielt zahlreiche militärische Auszeichnungen, darunter das Deutsche Kreuz in Gold 1942, das Verwundetenabzeichen in Gold 1943 und das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1944. 1945 kehrte er nach Bocholt zurück, trat in den Betrieb seines Vaters ein und beendete seine Elektrolehre 1946. Am 19. Dezember 1949 wurde er Elektromeister, übernahm 1950 den Betrieb und führte ihn bis Ende 1978. Hochgartz trat der CDU bei. 1956 wurde er erstmals in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, deren Vorsitz er mit der Wahl zum Oberbürgermeister im Jahre 1964 übernahm. Dies Amt hatte er, seit 1979 als Bürgermeister, bis zu seinem Ausscheiden aus der Stadtverordnetenversammlung 1983 inne. Nachdem Bocholt seine Kreisfreiheit verloren hatte, ließ er sich 1975 für fünf Jahre in den Borkener Kreistag und dort zum stellvertretenden Landrat wählen. 1980 bis 1985 war er auch Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtages. Daneben hatte er zahlreiche Ehrenämter inne, unter anderem: 1955-58 Vorsitzender des Bocholter Wassersportvereins, 1972-80 Vorsitzender des Kunstkreises Euregio Süd, 1972-75 Präsident der Kommunalgemeinschaft Rhein-Ems, 1976-80 Vorsitzender der Euregio-Mozer-Kommission. Dafür erhielt Günther Hochgartz mehrere zivile Auszeichungen, vor allem 1973 das Bundesverdienstkreuz, 1986 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bocholt und 1990 den nordrhein-westfälischen Verdienstorden. Der Bezirksausschuss Nordost ehrte ihn mit einer Straßenbenennung am 9. Juni 2008.

Dr. med. Arthur Hochheimer
Dr. Arthur Hochheimer wurde am 24. Dezember 1883 in Bocholt als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. 1903 legte er im ersten Bocholter Abiturjahrgang seine Reifeprüfung ab und studierte Medizin. 1914 ließ er sich nach absolviertem Studium hier als Frauenarzt nieder. Die Praxis wurde durch seine Teilnahme am 1. Weltkrieg 1915-18 als Heereschirurg unterbrochen. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit auch als Belegarzt des St.-Agnes-Hospitals war er Mitglied des Instrumentalvereins und Leiter des Jugendvereins der Israelitischen Gemeinde.
Während der NS-Zeit verlor er zunächst seine Belegbetten im Krankenhaus. Bis 1937 betrieb er seine Praxis an der Osterstraße, dann verließ er wegen judenfeindlicher Repressalien mit seiner Familie Bocholt, zog zunächst im Oktober 1937 nach Düsseldorf und emigrierte ein Jahr darauf in die USA. Hier legte er 1938 das amerikanische Ärzteexamen ab und eröffnete in Bound Brook/New Jersey wieder eine Praxis. Er starb in den USA am 14. Januar 1982. Die Dr.-Hochheimer-Straße wurde am 9. Februar 1995 benannt.

Anton Hommel
Geboren wurde Anton Hommel am 31. Oktober 1896 in Legden, Kreis Coesfeld. Am 13. Dezember 1921 wurde er zum Priester geweiht und war danach Kaplan in Oberhausen-Osterfeld, dann Pfarrektor in Reckenfeld. Am 26. August 1934 kam er schließlich nach Bocholt, um die Seelsorge und den Aufbau des neu gebildeten Rektorats Ss. Ewaldi zu übernehmen, das im Süden der Pfarrei St. Josef aus dem Stadtteil Fildeken und der damals selbständigen Bauerschaft Biemenhorst gebildet worden war und zu Beginn bereits ca. 4500 Seelen umfasste. Mit Amtsantritt wurde er von einem, seit 1939 von zwei Kaplänen unterstützt. Nach der völligen Verselbständigung der Pfarrei Ss. Ewaldi am 4. April 1941 war Anton Hommel am 14. Mai 1941 zu ihrem ersten Pfarrer ernannt worden.
Die ersten Jahre waren schwierig, da der neue Seelsorgebezirk nicht einmal eine Kirche besaß, geschweige denn Pfarrhaus, Kindergarten oder Jugendheim. Provisorisch wurde der Gottesdienst in einer Notkirche am Mühlenweg/Ecke Schützenstraße, dem vormaligen Schröerschen Kaufhaus, gehalten. Die für die Kirche schwierigen Zeiten des Nationalsozialismus machten den äußeren Aufbau der Gemeinde nicht leicht. Der Religionsunterricht in der Schule am Mühlenweg war Hommel verboten. Auf dem Rosenberg wurde ein Kindergarten der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt eingerichtet. Demgegenüber hatte der katholische Kindergarten am Mühlenweg Schwierigkeiten. Im 2. Weltkrieg wurde der Kindergarten dann zerstört, die Notkirche so beschädigt, dass der Gottesdienst in Biemenhorst auf dem Hof Essing stattfinden musste. Kaum wieder hergerichtet wurde sie beim Aa-Hochwasser am 8. Februar 1946 wieder beschädigt.
Nachdem die politischen Bedingungen günstiger und die Wirtschaftsverhältnisse besser geworden waren, begann für Hommel eine Phase des Bauens für seine Gemeinde: Der Kindergarten wurde 1948 wieder aufgebaut, der ehemalige NSV-Kindergarten 1949 in kirchliche Trägerschaft übernommen. Mit dem Bau einer Pfarrkirche konnte Hommel erst 1952 beginnen. Am 12. Juli 1953 wurde die Kirche Ss. Ewaldi geweiht. Der doppelte Siedlungsschwerpunkt seiner Gemeinde: Biemenhorst und das Fildeken, machte manche Einrichtungen doppelt vonnöten: ein Kindergarten im Fildeken, ein weiterer in Biemenhorst, desgleichen je ein Jugendheim.
Anton Hommel starb am 13. Dezember 1967. Seit der Straßenbenennung am 30. Mai 1985 erinnert der Pfarrer-Anton-Hommel-Weg an den ersten Seelsorger der Ss.-Ewaldi-Gemeinde.

Arnfrid Bernd Howein
Arnfrid Howein war Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde Suderwick und der evangelischen Gemeinde Anholt von 1980 bis 2000. Er wurde am 27. September 1943 in Gelsenkirchen geboren. Zunächst studierte er Anglistik und evangelische Theologie, dann evangelische Theologie in Münster, absolvierte 1972-74 sein Vikariat in Bocholt im Dietrich-Bonhoeffer-Haus und trat seine erste Pfarrstelle 1975 in der Gemeinde Westerholt-Bertlich (heute: Herten) an. Dort heiratete er 1976 Elisabeth Baumann, mit der er drei Kinder (* 1978–1985) bekam. Am 1. Oktober 1980 wurde er Pfarrer in Suderwick.  Die Ökumene mit den katholischen Gemeinden Suderwicks und Anholts lag ihm am Herzen, ebenso die Weltkirche. So gründete er eine Partnerschaft mit der Kirchengemeinde in Rypin/Polen und besuchte indonesische Gemeinden in Jakarta, wobei ihm seine Sprachkenntnisse halfen. Krankheitsbedingt trat er Ende Oktober 2000 in den Ruhestand und verstarb am 12. März 2013 in Suderwick. Der Bezirksausschuss Nordwest benannte am 10. Juli 2017 die Arnfrid-Howein-Straße in Suderwick nach ihm.

Carl Isert
Carl Friedrich August Isert, wurde am 5 März 1875 in Bocholt geboren. Er war Kaufmann und betrieb eine Handelsagentur. Bei Gründung des Bocholter Vereins für Heimatpflege wurde er dessen erster Geschäftsführer und initiierte in dieser Funktion zusammen mit Rudolf Fischer 1910 den Bocholter Martinszug. Er starb am 15. Dezember 1956. Am 3. März 1976 wurde der Carl-Isert-Weg nach ihm benannt.

Josef Jakob
Josef Jakob wurde am 28. Januar 1896 als ältestes Kind des Fabrikarbeiters Wilhelm Jakob in Hagen a. T. W. geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf. Wegen des frühen Todes seines Vaters musste er zur Versorgung seiner Familie schon jung in eine Zementfabrik in Neubeckum eintreten, wo er 1914 der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) beitrat. Nach dem Militärdienst im 1. Weltkrieg bildete sich Jakob in Kursen der KAB fort. Am 2. Januar 1921 wurde er hauptamtlicher Arbeitersekretär des KAB-Bezirks Westmünsterland, dessen Sitz Bocholt war. Seine Aufgabe bestand in der Vertretung der in der KAB organisierten Arbeiter in der Öffentlichkeit und in der Geschäftsführung des Vereins. Seit ihrer Gründung 1927 war Jakob auch Geschäftsführer der Baugenossenschaft "Heimstätte", die aus der KAB in Bocholt entstanden war und hier bis 1933 über 200 Wohnungen baute.
Josef Jakob war Mitglied der Zentrumspartei und saß für diese seit 1924 in der Bocholter Stadtverordnetenversammlung. Bei der preußischen Landtagswahl am 20. Mai 1928 wurde er auch in den Landtag gewählt, wo er sich dem linken Flügel der Zentrumsfraktion anschloss. Im April 1932 gelang ihm der Einzug in das preußische Abgeordnetenhaus nicht wieder.
Wegen seiner exponierten Stellung und seiner weltanschaulichen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus geriet Jakob im Dritten Reich in erhebliche Schwierigkeiten. Sein Stadtverordnetenmandat legte er am 30. Juni 1933 aus Protest gegen eine Annäherung des örtlichen Zentrums an die NS-Fraktion nieder. Im November/ Dezember 1933 war Jakob wegen Hochverrats in Haft genommen worden. Im Juli 1935 wurde er wieder verhaftet. Aufgrund seiner schweren Diabetes wurde er im September wieder entlassen. Seine Stelle als Arbeitersekretär der KAB Westmünsterland verlor er mit deren Auflösung im September 1935, der Verlust der Geschäftsführung der "Heimstätte" erfolgte durch Ausschluss aus der Genossenschaft im Dezember gleichen Jahres. Erst ein Jahr später fand er wieder eine Anstellung: als kleiner Kirchenangestellter. Der Verhaftungswelle nach dem 20. Juli 1944 entging er nur durch eine diabetesbedingte Transportunfähigkeit.
Sogleich nach dem Krieg begründete Josef Jakob eine christlich-demokratische Partei CDP in Bocholt, die später in der CDU aufging. Er wurde auch Mitglied des 1945 von den Briten ernannten Stadtrates. Schon bald überwarf er sich aber mit dem konservativen Flügel der örtlichen CDU um den Oberbürgermeister Benölken und wechselte am 19. August 1946 zur wiederbegründeten Zentrumspartei. Bei den Kommunalwahlen 1946 erhielt das Zentrum trotz eines Stimmenanteils von etwa 20 % nur zwei Mandate, eines davon für Jakob. Bei der Wahl 1948 erhielt das Zentrum die meisten Stimmen knapp vor CDU und SPD und ein Drittel der Stadtverordnetensitze. Josef Jakob kandidierte als Oberbürgermeister. Wegen der Stimmengleichheit der drei Parteien in der Stadtverordnetenversammlung musste schließlich das Los entscheiden, welches auf den CDU-Kandidaten Kemper fiel. 1949 kehrte Josef Jakob wieder zur CDU zurück und arbeitete in den Sozialausschüssen dieser Partei. Anfang Januar 1953 erhielt er als erster Bocholter das Bundesverdienstkreuz. Er starb an seinem 57. Geburtstag am 28. Januar 1953. Am 12. Februar 1976 wurde die Blumenstraße in Josef-Jakob-Straße umbenannt, was aber nach Protesten verschiedener Anwohner am 11. November 1976 zurückgenommen wurde. Seit dem 28. Oktober 1976 erinnert der Josef-Jakob-Platz an ihn.

Arnold Janssen
Arnold Janssen wurde am 5. November 1837 in Goch geboren. Er machte 1855 Abitur und studierte dann in Münster und Bonn Mathematik und Naturwissenschaften. Dort legte er die Prüfung für Gymnasiallehrer ab und kehrte danach zum Theologiestudium und zur Priesterausbildung nach Münster zurück, wo er 1861 zum Priester geweiht wurde.
Seine erste Anstellung erhielt er 1861 an der Bocholter Bürgerschule. In Bocholt gab es bis 1861 nur eine auf die Oberstufe des Gymnasiums vorbereitende Lateinschule. Da diese aber immer weniger Schüler hatte, wurde sie 1861 in eine höhere Bürgerschule umgewandelt, deren Fächerkanon stärker naturwissenschaftlich ausgerichtet war. Arnold Janssen unterrichtete seine Studienfächer und war gleichzeitig Konrektor der Schule. Er galt als sehr fachkundiger, aber strenger und wenig beliebter Lehrer. Es gab Klagen über ihn beim Direktor, was möglicherweise ein Grund dafür war, dass er nie an eine angesehenere Schule versetzt wurde. - Zur Beendigung seines Schuldienstes führte ein 1869 begonnener Streit um die Aufstellung einer von Janssen beschafften Marienstatue in der Schule, der der Schulträger nicht zustimmen wollte. Janssen gab nicht nach und kündigte schließlich zum Schuljahresende 1872/73. Er verließ Bocholt Mitte 1873 und zog zunächst als Schulkaplan der Ursulinenschule nach Kempen.
Seine Bedeutung erlangte Arnold Janssen außerhalb Bocholts. Am 8. September 1875 gründete er, wegen des in Deutschland stattfindenden Kulturkampfes im niederländischen Steyl, das Missionshaus St. Michael, das zum Mutterhaus der Steyler Missionare (Societas Verbi Divini) wurde. Die Steyler Missionare entwickelten sich schnell zum größten deutschen Missionsorden mit Missionsgebieten in allen Teilen der Dritten Welt. Das Besondere an dem Missionswerk Arnold Janssens war, dass er den Missionsgedanken mit schulischen und wissenschaftlichem Anspruch verband. Die Missionsgesellschaft hatte nicht nur ein Missionsseminar für die Ausbildung, Ausrüstung und Aussendung von Priestern, die in die Mission gehen wollten, sondern auch eine sogenannte "Apostolische Schule" zur Vermittlung humanistischen und philosophischen Gedankenguts. Im Laufe seines Wirkens gründete Janssen mehrere Missionshäuser, z. B. in Schlesien und in Österreich. Für alle diese Einrichtungen legte er die Studienpläne fest und unterrichtete selbst noch immer Mathematik am Missionsgymnasium in Steyl. Um den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs zu schulen, gründete er 1888 in Rom das Studienkolleg St. Raphael, von wo die Studenten die verschiedenen römischen Hochschulen besuchten. Am 18. Dezember 1889 begründete er auch einen Frauenorden mit ähnlicher Zielsetzung: die Steyler Missionsschwestern (Congregatio Missionalis Servarum Spiritus Sancti).
Arnold Janssen starb am 15. Januar 1909 in Steyl. Am 5. Oktober 2003 wurde er in Rom heiliggesprochen. Die Stadt Bocholt trug seinem Werk durch die Benennung der Arnold-Janssen-Schule 1958 und der Arnold-Janssen-Straße am 18. März 1976 Rechnung.

Bernhard Kampshoff
Bernhard Kampshoff war der letzte Bürgermeister der Gemeinde Stenern vor ihrer Eingemeindung in die Stadt Bocholt am 1. Januar 1975. Er war am 16. Oktober 1920 als vorletztes von sechs Kindern des Schreinermeisters Heinrich Kampshoff und seiner Ehefrau Wilhelmine, geb. Übbing, in Stenern geboren, wurde ebenfalls Schreiner und übernahm als einziger Sohn die väterliche Schreinerei. 1951 heiratete er. Zwischen 1952 und 1964 wurden seine neun Kinder geboren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich politisch bei der CDU und wurde für seine Partei 1952 in den Stenerner Gemeinderat gewählt. Dieser wählte ihn 1961 in der Nachfolge Wilhelm Elsingshorsts zum Bürgermeister. Dieses Amt behielt er bis zum Ende der Stenerner Selbständigkeit inne. In seine Amtszeit fiel die Errichtung des Planungsverbandes Bocholt-Stenern 1966, der das Wachstum Bocholts über seine damalige Grenze im Bereich südlich und nördlich des heutigen Krankenhauses möglich machte und Stenern städteplanerisch mit der Stadt Bocholt verflocht. Bernhard Kampshoff starb am 13. März 2008 in Bocholt. Der Bezirksausschuss Nordost benannte am 9. Juni 2008 eine Straße nach dem Lokalpolitiker.

Otto Kemper
Die Kommunalwahl 1948 endete mit einer Stimmengleichheit der drei Ratsfraktionen des Zentrums, der CDU und der SPD. Die Oberbürgermeisterwahlen erbrachten keine Mehrheit, so dass schließlich das Amt ausgelost wurde. So wurde der CDU-Kandidat Otto Kemper durch Zufall Oberbürgermeister.
Otto Kemper wurde am 13. Juni 1900 als zweites Kind des Bauunternehmers Heinrich Kemper in Bocholt geboren. Nach der Schule machte er eine Schreinerlehre und legte nach dem Ersten Weltkrieg die Meisterprüfung ab. 1933 wurde er stellvertretender Obermeister seiner Innung. 1935 heiratete er Elisabeth Ingenschay und hatte mit ihr sechs Kinder, von denen zwei im 2. Weltkrieg von Bomben getötet wurden.
1946 wurde Kemper in die von der Militärregierung ernannte Stadtverordnetenversammlung berufen, der er, durch Wahlen immer wieder bestätigt, bis 1969 angehörte. Von 1948 bis 1964 war er Oberbürgermeister von Bocholt, wobei er in den Legislaturperioden ab 1952 immer von deutlichen Mehrheiten gewählt wurde. Gemeinsam mit dem hochverdienten Oberstadtdirektor Ludwig Kayser war lange Jahre der Wiederaufbau Bocholts der Hauptschwerpunkt seiner Arbeit. Eine Probe seines handwerklichen Könnens legte er mit der Anlage der Decke im Sitzungssaal des Historischen Rathauses ab. Neben seinem Amt als Oberbürgermeister fand er noch Zeit, sich in vielen Ehrenämtern zu betätigen. So war er u. a. langjähriges Vorstandsmitglied des St.-Georgius-Schützenvereins und dort maßgeblich an dem schnellen Wiederaufbau des Schützenhauses beteiligt, das viele Jahre hindurch als einziger großer Saalbau für Veranstaltungen in Bocholt zur Verfügung stand. Besonders widmete er sich auch den handwerklichen Organisationen, war Kreishandwerksmeister, Innungsobermeister, Mitglied der Vollversammlung und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Münster, Mitglied des Aufsichtsrates der Volksbank. Seiner Initiative verdankt das "Haus des Handwerks" seine Entstehung.
Sehr am Herzen lag ihm nach Beendigung des Krieges die Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zu den niederländischen Nachbarn. Dank seiner Bemühungen kam es schon wenige Jahre nach Kriegsende zu ersten Kontakten. 1953 erfolgte der erste offizielle Besuch des Gemeinderates von Winterswijk in Bocholt.
Die Erhaltung des alten Bocholter Brauchtums und des Bocholter Platt lag ihm ebenfalls besonders am Herzen. Oftmals hat er in dem Bocholter Volksspiel "Den Wäwedamp" eine der Hauptrollen - den Fabrikanten Linnebrink - gespielt. Für seine Mitarbeit im Verein für Heimatpflege, dem er jahrelang als Vorstandsmitglied angehörte, wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. 1966 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. In Anerkennung ihrer Verdienste um die Stadt Bocholt wurde Otto Kemper und "seinem" Oberstadtdirektor Ludwig Kayser am 2. Juni 1972 die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Am 12. Juli 1974 starb Kemper. Am 15. Juni 1982 wurde in Erinnerung an den ehemaligen Oberbürgermeister und Ehrenbürger der Otto-Kemper-Ring nach ihm benannt.

Gustav Krüger
Am 27. Oktober 1885 wurde Gustav Krüger in Herford geboren. 1890 zog seine Familie nach Warendorf. 1906 kam Krüger nach Bocholt, nahm eine Stelle in der Textilindustrie an und wurde Mitglied der SPD und des SPD-nahen Deutschen Textilarbeiterverbandes. 1912 heiratete er Bernhardina Stoltenberg aus Bocholt. 1919 wurde er für seine Partei in die Bocholter Stadtverordnetenversammlung gewählt und im gleichen Jahr beim Deutschen Textilarbeiterverband hauptamtlich angestellt. In Bocholt war so kurz nach dem 1. Weltkrieg die politische Situation sehr schwierig, denn auch hier gab es Bevölkerungsteile mit Revolutionsideen. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse taten ein Übriges. In dieser Situation zeigten sich Krügers rednerische Fähigkeiten und sein Verantwortungsgefühl. In bewegten politischen Versammlungen mahnte er zu Vernunft und Besonnenheit. Daneben setzte sich Gustav Krüger auch immer wieder ganz persönlich für die notleidende Bevölkerung ein.
Ende der zwanziger Jahre warnte er bereits vor den nationalsozialistischen Strömungen. Als am 2. Mai 1933 alle Gewerkschaften zerschlagen wurden, verlor Gustav Krüger seine Stelle. Er wurde wiederholt verhaftet. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er während der Nazizeit eine Heißmangel.
Nach dem Krieg, in dem er beide Söhne verlor, gehörte Gustav Krüger dem 1945 von der Militärregierung ernannten Stadtrat unter Oberbürgermeister Dr. Benölken an. Von 1946 bis 1961 war Krüger ununterbrochen Stadtverordneter in Bocholt und Fraktionsführer seiner Partei. In einigen Legislaturperioden bekleidete er auch das Amt des stellvertretenden Oberbürgermeisters. Außerdem widmete er sich sofort dem Wiederaufbau der Gewerkschaften und wurde Geschäftsführer der Gewerkschaft Textil-Bekleidung, und er übernahm auch den Vorsitz des wieder entstandenen SPD-Ortsvereins, den er jahrzehntelang innehatte. 1946 wurde er in den von der Militärregierung ernannten Landtag des neu gebildeten Landes Nordrhein-Westfalen berufen. 1949 gehörte Krüger der ersten Bundesversammlung an, die im September Prof. Heuss zum Bundespräsidenten wählte. Am 22. Juni 1954 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Am 18. April 1967 verstarb Gustav Krüger. Seit dem 15. Juni 1982 erinnert der Gustav-Krüger-Weg an ihn.

Josef Kruse
Josef Kruse wurde am 22. Mai 1877 in Neuenkirchen bei Rheine als Sohn eines Textilfabrikanten geboren. 1900 machte er das Abitur am Dionysianum in Rheine und studierte dann Theologie in Münster. Am 28. Mai 1904 wurde er in Münster zum Priester geweiht, gemeinsam mit dem späteren Bischof Clemens August von Galen, mit dem er befreundet war. Anschließend war er Kaplan in Westerholt bei Buer, wurde 1911 nach Herten-Langenbochum berufen, wo er die St.-Josef-Kirche baute und 1912 deren erster Pfarrektor wurde, und 1919 Pfarrer in Recklinghausen, St. Antonius. Bei der Seelsorge der Ruhrgebietsbergleute bewies er eine glückliche Hand. Am 16. Juli 1930 erfolgte seine Ernennung zum Pfarrer von Bocholt, St. Georg, als Nachfolger des verstorbenen Prälaten Franz Richter. Am 12. Dezember 1943 wurde er zum Dechant gewählt.
Pfarrer Kruse übte sein Amt in schweren Zeiten aus, die geprägt waren von Arbeitslosigkeit, der Machtergreifung Hitlers und der nationalsozialistischen Unterdrückung von Kirche und Religion, schließlich dem 2. Weltkrieg. Mehrfach geriet er in Konflikte mit der Polizei und dem NS-Oberbürgermeister, z. B. bei der Köpfung des Kolpingdenkmals 1935, bei der Beschlagnahme von Schreib- und Vervielfältigungsmaschinen im Pfarramt 1937, bei der Überführung des Marienlyzeums von kirchlicher in städtische Trägerschaft 1937. - Das Wirken Pfarrer Kruses war bestimmt durch Herzlichkeit und Menschlichkeit, so dass er sich nach zeitgenössischen Aussagen auch in schwierigen Verhältnissen keine persönlichen Feinde machte. Diese Einstellung ließ ihn auch während der letzten Kriegstage in der Stadt bleiben, um seinen Gemeindemitgliedern beizustehen. Am Morgen des 22. März 1945 beerdigte er noch ein Bombenopfer. Am Mittag desselben Tages wurde er selbst Opfer des großen Bombenangriffs auf Bocholt. Seine verkohlte Leiche wurde erst Tage danach in den Trümmern des Pastorats gefunden. Dechant Josef Kruse wurde neben seinem Vorgänger Richter auf dem Friedhof in Bocholt beigesetzt. Seit dem 30. November 1955 gibt es die Dechant-Kruse-Straße im Wohngebiet Giethorst, die an den Pfarrer und Dechanten erinnert.

Aloys van Langenberg
Aloys Franz Bernhard van Langenberg wurde am 6. Oktober 1769 als Sohn des Stadtrentmeisters Heinrich van Langenberg und dessen Ehefrau Adelheid Thüsing in Bocholt geboren. Die sehr begüterte Familie entstammte dem in Lowick unmittelbar an der Landstraße Bocholt-Eisenhütte gelegenen Bauernhof Langenberg.
Aloys van Langenberg ging bei den Bocholter Minoriten in die Schule und studierte 1788-90 in Münster, 1790/91 in Göttingen Geschichte und Jura. 1792 promovierte er in Münster zum lic. jur. utr. und legte seine höhere Staatsprüfung ab. Er ließ sich in Bocholt als Rechtsanwalt nieder, wo er 1801 zum Rechtsvertreter der Stadt ernannt wurde. Ab 1802 beriet er die ortsunkundige Regierung des neu entstandenen Fürstentums Salm-Salm, in die er 1809 als Hofrat eintrat. Als Napoleon 1810 das Fürstentum Salm-Salm mit dem französischen Kaiserreich vereinigen wollte, wurde Hofrat van Langenberg vom Fürstenhaus zum Unterhändler mit der französischen Regierung ernannt. Wenige Monate nach der französischen Übernahme des Fürstentums 1811 wurde van Langenberg 1812 zum kaiserlichen Staatsanwalt für den in Rees eingerichteten Gerichtshof bestimmt, weswegen er nach Rees übersiedelte.
Nach der Vertreibung Napoleons und der Annektion des Münsterlandes durch Preußen mussten neue Rechtsverhältnisse geschaffen werden. Van Langenberg wurde zum Sachverständigen ernannt und legte einen Gesetzentwurf vor, der vollständig akzeptiert wurde. 1815 berief man ihn zum Kreisgerichtsdirektor in Borken, 1816 wurde er als Regierungsrat an die Regierung nach Münster berufen. 1835 rückte van Langenberg zum Geheimrat auf. 1841 schied er aus dem Dienst und wurde Ehrenmitglied des Regierungskollegiums unter Verleihung des Roten Adlerordens II. Klasse. Am 26. August 1843 starb Aloys van Langenberg in Münster.
Die große Verbundenheit van Langenbergs mit seiner Heimatstadt und seine soziale Denkungsart offenbarte sich in seinem Testament. Hier setzte er, der unverheiratet geblieben war und keine Verwandten hatte, die Bocholter Armen zu seinen Erben ein. Der Wert der gesamten, aus mehreren Höfen in der Umgebung der Stadt bestehenden Erbschaft wurde zur Zeit des Erbfalls auf 31.800 Reichstaler geschätzt. Bis zur Auflösung des "Langenbergschen Armenfonds" durch Beschluss der Bocholter Stadtverordnetenversammlung am 29. Oktober 1970 wurde die der Stadt Bocholt zugefallene Erbschaft als besondere Stiftung von der Stadtkämmerei verwaltet.
Um an den Wohltäter zu erinnern, wurden 1886 die Klümpner- und die Überviertelstraße in Langenbergstraße umbenannt. Außerdem erhielt der alte Friedhof nach seiner Umgestaltung 1937 den Namen Langenbergpark.

Emil und Erich Liebau
1897 gründeten Emil Liebau, Josef Kayser und Bernhard Lotze eine Weberei namens Kayser, Liebau & Lotze am südlichen Stadtrand östlich der Dingdener Straße. Die Firma stellte Inletts, ein hochwertiges Spezialgewebe, her. - Emil Liebau war am 7. November 1864 in Peine geboren. Er war Kaufmann von Beruf, hatte 1890 in Magdeburg Sophie Busch geheiratet und wohnte mit seiner Familie in Magdeburg. Nachdem Bernhard Lotze 1912 und Josef Kayser 1913 aus der Firma ausgetreten waren, übernahm Emil Liebau die Firmenleitung und zog von Magdeburg nach Bocholt. Bei seinem Tode am 5. Februar 1920 in Bocholt ging die Firma an seinen Sohn Erich, geboren am 31. März 1891 in Magdeburg, über. Kurzzeitig war auch ein weiterer Sohn, Theodor, geboren am 4. Oktober 1904 in Magdeburg, an der Firmenleitung beteiligt, der aber am 24. Dezember 1930 starb. - Die am Stadtrand gelegene Firma überstand den 2. Weltkrieg ohne Schaden und konnte daher bald nach dem Krieg die Produktion wieder aufnehmen. Erich Liebau konnte erst nach dem Ende der NS-Herrschaft heiraten und blieb kinderlos. Er verkaufte seine Firma am 1. Juli 1959 an die Weberei J. Beckmann Nachf. und verstarb am 24. Juli 1962 in Bocholt. - Der Bezirksausschuss Südost beschloss die Bennennung des Liebauweges und des östlich anschließenden Lotzeweges am 5. März 1980 in Erinnerung an die Weberei Kayser, Liebau & Lotze, die über 60 Jahre im Süden Bocholts bestand. Ein nach Josef Kayser benannter Weg existiert nicht.

Anna Lindenberg
Anna Lindenberg wurde am 5. Januar 1884 in Bocholt geboren. Ihr Vater Wilhelm Potthoff war Schreiner, ihre Mutter Theodora stammte aus Bredevoort/NL. 1907 heiratete sie den Konditor Wilhelm Lindenberg. Beeinflusst von ihrer Großmutter, die im großen Geschwisterkreis Anna Lindenbergs insbesondere an Winterabenden viele Geschichten zu erzählen wusste, wurde Anna Lindenberg zu einer in Bocholt bekannten Erzählerin und Chronistin. In ihrer in Fortsetzungen in der Zeitschrift Unser Bocholt veröffentlichten "Wanderung vom alten ins neue Bocholt" erzählt sie die Geschichte der Häuser und ihrer Bewohner. Daneben schrieb sie zahlreiche Erzählungen, in denen sie die Landschaft um Bocholt oder alte Bräuche wie das "Veeneläuten" schildert. Ein besonderes Anliegen war ihr die Pflege des Plattdeutschen. Sie veröffentlichte viele Geschichten in der Bocholter Mundart.
Anlässlich ihres 90. Geburtstages erhielt Anna Lindenberg die Ehrenplakette der Stadt Bocholt und wurde zum Ehrenmitglied des Bocholter Vereins für Heimatpflege ernannt. Kurz nach Beendigung ihres 94. Geburtstages starb Anna Lindenberg am 12. Januar 1978 in Grabenstätt, wo ihr Sohn Fritz wohnte. Seit 15. Juni 1982 ist der Anna-Lindenberg-Weg nach ihr benannt.

Bernhard Lotze
1897 gründeten Bernhard Lotze, Emil Liebau und Josef Kayser eine Inlettweberei namens Kayser, Liebau & Lotze am südlichen Stadtrand östlich der Dingdener Straße. - Bernhard Lotze entstammte einer Ziegelei- und Töpfereibesitzerfamilie aus Vaake, Kreis Hofgeismar in Nordhessen, war am 5. Juli 1869 dort geboren und im Juli 1897 aus Elmshorn nach Bocholt gezogen, um die technische Leitung der neu gegründeten Weberei zu übernehmen. Am 6. Oktober hatte er in Heilbronn die von dort stammende Aline Kübler geheiratet, die im November 1900 auch nach Bocholt zog. Das Paar bekam hier fünf Kinder. 1912 verließ Lotze die Firma, vermutlich um sich um die 1907 geerbte väterliche Ziegelei und Töpferei zu kümmern, und zog mit seiner Familie 1913 nach Hann. Münden. Bernhard Lotze starb am 5. Oktober 1943 in Hof. Am 5. März 1980 wurden in Erinnerung an die in der Nachbarschaft gelegene ehemalige Textilfirma Kayser, Liebau & Lotze der Lotzeweg und der westlich anschließende Liebauweg benannt. Ein nach Josef Kayser benannter Weg existiert nicht.

Bertold Löwenstein
Bertold Löwenstein wurde am 2. März 1882 als ältestes von sechs Kindern des Kaufmannes Samuel Benjamin Löwenstein in Bocholt geboren. Sein Vater war Inhaber des Manufakturwarengeschäfts "S. B. Löwenstein", Osterstraße 50. Hier wuchs Bertold Löwenstein auf, besuchte das städtische Progymnasium bis 1898, machte danach eine Kaufmannslehre in Bochum bei der Manufakturwarenhandlung Gebr. Archenhold und arbeitete dann bei seinem Vater. Im April 1915 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, von dem er im November 1918 nach Bocholt zurückkehrte. Sein Vater war 1917 gestorben, und er übernahm sogleich das väterliche Geschäft, nun mit dem Zusatz "Inhaber Bertold Löwenstein" und erweitert um den Verkauf von Konfektionskleidung. Am 4. Januar 1920 heiratete er in Eisenach die von dort stammende Martha Löwenstein, mit der er einen Sohn: Hans, (*1921) und zwei Töchter: Grete und Ilse, (*1924 und 1927) hatte.
Ehrenamtlich engagierte sich Bertold Löwenstein in der Synagogengemeinde und in der Ortsgruppe Bocholt des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, außerdem im Kriegerverein und im St.-Georgius-Schützenverein. Im Ortsverband des Centralvereins, der den nach dem 1. Weltkrieg sich ausbreitenden Antisemitismus bekämpfte, war er Vorsitzender. In der israelitischen Gemeinde gehörte er seit 1919 der Repräsentantenversammlung an, die den Gemeindevorstand beaufsichtigte, seit Mitte 1938 war er faktisch Gemeindevorsteher. Als im November 1939 die öffentlich-rechtliche Gemeinde in einen Verein "Jüdische Kultusvereinigung Synagogengemeinde Bocholt" umgewandelt wurde, übernahm Bertold Löwenstein dessen Vorsitz.
Die Folgen der nationalsozialistischen Machtergreifung spürte Löwenstein schnell: Während der antisemitischen Ausschreitungen Ende März/Anfang April 1933 wurde auch sein Geschäft von der Bocholter SA boykottiert, Werbeanzeigen Löwensteins, die zuvor mehrmals im Monat erschienen waren, veröffentlichte das Bocholter-Borkener Volksblatt nach diesem Zeitpunkt nicht mehr. Im August 1936 vermietete Bertold Löwenstein notgedrungen Geschäft und Wohnung an den Bremer Kaufmann Arno Schmidtmann, der das Haus im März 1940 schließlich kaufte. Im August 1938 musste Bertold Löwenstein den Vornamen Israel annehmen. - Sein Sohn musste Ende 1935 das städtische Gymnasium verlassen, die Töchter konnten das katholische Lyzeum noch bis November 1938 besuchen. Alle drei Löwenstein-Kinder wurden 1939 von ihren Eltern sicherheitshalber nach England verschickt. - Bertold Löwenstein blieb mit seiner Frau zurück und stellte sich seinem Gemeindevorsteheramt. Er betreute die in der "Reichskristallnacht" verhafteten Juden und sorgte für einen Gebetsraum anstelle der verwüsteten Synagoge, trug den Verein "Jüdische Kultusvereinigung" ins Vereinsregister ein, verhandelte mit der Stadt über die Verlegung des jüdischen Friedhofs und den Verkauf der vormaligen jüdischen Schule. Mit den noch in Bocholt verbliebenen Juden teilte Löwenstein das Schicksal bis zum bitteren Ende: Zwangsumzug in ein "Judenhaus" im August 1939, Zwang zum Tragen des Judensterns 1941 und schließlich Deportation. Die Karteikarte des Einwohnermeldeamts trägt mit Datum des 10. Dezember 1941 den Vermerk: "Eheleute nach Riga/Lettland". Der Vermerk ist später gestrichen und ersetzt worden durch die Angabe: "unbekannt verzogen (ausgewandert)." Die Spur verliert sich im Ghetto von Riga, wo Bertold Löwenstein vermutlich im Februar 1942 umgebracht wurde. Sein Todestag wurde gerichtlich auf den 8. Mai 1945 festgelegt.
Der Bezirksausschuss Mitte benannte am 26. Oktober 2005 den Südteil des Liebfrauenplatzes in Bertold-Löwenstein-Platz um zur Erinnerung an den letzten Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Bocholt.

Israhel van Meckenem
Das Geburtsjahr Israhel van Meckenems ist unbekannt, auch das Geburtsjahrzehnt. Es wird um 1430-40 vermutet. Auch sein Geburtsort ist unklar. Sein Vater war Goldschmied und Kupferstecher. Man vermutet seine Ausbildung zunächst bei seinem Vater, dann bei verschiedenen bedeutenden Kupferstechermeistern des 15. Jahrhunderts, u. a. bei dem Meister E. S. am Oberrhein. 1465 ist Meckenem in Kleve nachweisbar, seit 1480 in Bocholt. Über 600 Kupferstiche von ihm sind bekannt, davon etwa 250 eigene Motive. Neben religiösen Inhalten stehen viele Themen aus dem höfischen oder bürgerlichen Leben. Besonders bekannt ist die Bilderfolge aus dem Alltagsleben, eine originäre Arbeit Meckenems. Ein wichtiges kunstgeschichtliches Dokument für das ausgehende 15. Jahrhundert ist das Doppelbildnis des Künstlers mit seiner Frau Ida. Israhel van Meckenem starb am 10. November 1503 in Bocholt, wo er in der St.-Georg-Kirche an unbekannter Stelle begraben liegt.
Die am 14. Juli 1950 nach dem bedeutenden Künstler umbenannte Meckenemstraße hat eine wechselvolle Namensgeschichte: Nach ihrer Anlage 1910 Kaiser-Friedrich-Straße benannt, wurde sie 1938 in Straße der SA umbenannt. Nach dem Ende des 3. Reichs hieß sie dann, völlig ahistorisch, kurzzeitig Westwall, bis sie 1950 ihren jetzigen Namen erhielt. Außer der Straße trägt auch eine städtische Realschule den Namen Israhel van Meckenems.

Gertrud von Meien (Äbtissin M. Baptista)
Am 24. Mai 1897 begannen auf Betreiben des Bocholter Pfarrers Franz Richter an der Karlstraße die Bauarbeiten zu einem Kloster des Klarissenordens. Die Einweihung des Klosters mit der Klosterkirche St. Klara fand am 2. Juli 1898 statt. Die Klarissenschwestern, die den Neubau bezogen, kamen ursprünglich großenteils aus dem Klarissenkloster in Münster, das aber 1875 im Zuge des Kulturkampfes in die Niederlande emigrieren musste. - Das neue Kloster unterstand der Äbtissin M. Baptista, die am 28. Januar 1849 in Koblenz als Gertrud von Meien geboren war. Sie entstammte einer Offiziersfamilie; ihre Mutter starb 1851, ihr Vater wurde 1853 nach Münster versetzt. Sie war am 9. Juli 1873 in Münster in den Orden eingetreten, dann mit dem Konvent nach Roermond/NL gegangen und dort 1887 bereits zur Äbtissin gewählt worden. Die Gründungsäbtissin leitete das Kloster durch die schwierigen Anfangszeiten wie auch durch die schwere Zeit des 1. Weltkrieges bis 1917. Sie starb am 15. März 1920 und liegt auf dem klostereigenen Friedhof begraben. In Erinnerung an Sr. M. Baptista benannte der Bezirksausschuss Mitte am 5. Juni 2007 den Baptistaweg.

Johannes Meis
Karl Johannes Meis wurde am 28. Mai 1889 in Barmen geboren. Nach dem Abitur studierte er in Erlangen, Marburg und Utrecht evangelische Theologie. Vor seiner Ordinierung im Juli 1914 arbeitete er als Hilfslehrer und Lehrvikar in Barmen sowie als Hilfsprediger in Viersen. Am 1. August 1915 wurde er als Pfarrer der evangelisch-reformierten Gemeinde in Suderwick eingeführt. Ende desselben Jahres heiratete er Hanne Imhoff, die Tochter eines Kaufmanns aus Utrecht. Mit ihr hatte er vier Kinder. Insbesondere durch seine Erlanger Studien bei Professor Müller kann er theologisch in das pietistisch geprägte Reformiertentum des Niederrheins eingeordnet werden.
Pfarrer Meis betreute die reformierte Gemeinde in Suderwick in schweren Jahren. Beide Weltkriege und ihre jeweiligen Nachkriegszeiten durchlebte er mit seinen Gemeindemitgliedern. Sorgen und innere Nöte haben ihn oft schwer bedrückt, insbesondere in den Jahren des Kirchenkampfes während der nationalsozialistischen Herrschaft. Damals war die Kirche vor die Existenzfrage gestellt, da das Presbyterium für die evangelisch-reformierte Gemeinde in Suderwick dem Beschluss der zweiten reformierten Synode bezüglich des Zusammenschlusses der bekennenden reformierten Gemeinden in Deutschland zugestimmt hatte. In einem früheren Beschluss des Presbyteriums vom Jahre 1933 stellten sich die Suderwicker klar gegen die "Deutschen Christen", die nationalsozialistisch geprägt "die Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst ... und die Befreiung vom alten Testament mit seiner jüdischen Lehrmoral" forderten. Damit hatte das Presbyterium in Suderwick eindeutig seine Position im Kirchenkampf festgelegt. Diese und andere Belastungen kurz vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führten mit zu seinem plötzlichen Tod am 14. November 1946. Am 18. September 1975 wurde die Feldstraße in Suderwick in Johannes-Meis-Straße umbenannt.

Heinrich Mersmann
Heinrich Mersmann wurde in Ringel bei Lengerich am 8. April 1853 geboren. Er wurde 1885 Lehrer an der evangelischen Volksschule in Suderwick. Seit 1895 war er auch Dirigent des evangelischen Gesangsvereins in Suderwick. Mersmann starb am 7. Februar 1908 nach längerer Krankheit. Die am 11. September 1975 von Sandweg in Mersmannnstraße umbenannte Straße erinnert an den Lehrer in Suderwick.

Otto Moritz
Otto Moritz ist am 26. März 1905 in Golkowitz, Kreis Kreuzburg O.S., geboren. Über seinen familiären Hintergrund und seinen schulischen Werdegang ist nichts bekannt. In Leobschütz ließ er sich am Lehrerseminar ausbilden; die Ausbildung schloss mit dem 1. Staatsexamen 1925. Der Eintritt in den Schuldienst erfolgte dann aber erst 1934, die zwischenzeitliche Tätigkeit ist unbekannt. Sein 2. Staatsexamen legte Moritz 1936 ab und arbeitete dann in Oderwiese, Kreis Krappitz, als Lehrer. 1940-45 war er zur Wehrmacht eingezogen, am 17. März 1946 wurde er mit seiner Familie aus Schlesien vertrieben und kam zuerst in den niedersächsischen Landkreis Leer. Am 17. Juni 1947 wurde er als sogenannter Flüchtlingslehrer in eine Planstelle der Biemenhorster Volksschule eingewiesen. Hier wurde er zum 1. April 1954 Konrektor und stellvertretender Schulleiter, nach der Pensionierung des Rektors Heinrich Hillermann am 1. April 1957 zunächst kommissarischer, drei Monate darauf ordentlicher Rektor der Biemenhorster Schule. Am 10. Juli 1969 ging Otto Moritz in den Ruhestand, verzog nach Bocholt und starb hier hochbetagt am 6. Juli 1999. In seiner Dienstwohnung befindet sich seit 1996 die verlässliche Halbtagsschule Biemenhorster Schule, die nach ihm "Haus Moritz" heißt. Der Bezirksausschuss Südost benannte am 8. Juni 2006 das nördliche, durch die B 67n abgetrennte Stück der Straße Auf dem Takenkamp in Otto-Moritz-Weg um.

Leo Nußbaum
Leo Nußbaum stammte aus Burghaun, wo er am 3. April 1868 geboren worden war. 1886 begann er an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg eine Ausbildung zum Elementarlehrer. Nach seinem Wehrdienst 1890 studierte er am Konservatorium Basel Geige. Im Sommer 1896 wurde er Lehrer an der einklassigen israelitischen Schule in Bocholt. 1897 heiratete er eine Rabbinertochter aus Herford, mit der er vier Kinder hatte. - Mit dem Amt des Lehrers verbunden war das des Predigers und Vorbeters der hiesigen Synagogengemeinde. Nußbaum leitete auch den Synagogenchor und spielte Geige im Bocholter Instrumentalverein. 1898 zog die Schule in ein neues Schulgebäude am Nordwall um, in dem Nußbaum mit seiner Familie dann auch wohnte. Am 31. Mai 1932 trat er als Lehrer in den Ruhestand, unterrichtete aber noch kommissarisch weiter bis zur Ankunft seines Nachfolgers am 1. September. Am 22. Januar 1933 übergab er diesem auch seine Funktion in der Synagogengemeinde. - Nußbaums Kinder verließen 1935,1937 und 1941 Deutschland, um sich den judenfeindlichen Repressalien zu entziehen. Leo Nußbaum und seine Frau verzogen am 1. September 1937 nach Köln, um in der großstädtischen Anonymität weniger exponiert zu sein als in Bocholt. Von hier besuchte das Ehepaar Ende August 1939 die in Basel verheiratete Tochter. Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs kehrten sie nicht nach Deutschland zurück. Leo Nußbaum starb am 26. Januar 1940 in Basel, wo er auf dem Friedhof der israelitischen Gemeinde begraben liegt. Die Leo-Nußbaum-Straße wurde am 15. März 1995 nach dem jüdischen Prediger und Lehrer benannt.

Johannes Ostendorf
Johannes Ostendorf wurde am 15. April 1876 als Sohn eines Gemeindeerhebers, Standesbeamten, Kolonialwarenhändlers und Kleinbauern in Raesfeld geboren. 1894-97 besuchte er das Lehrerseminar in Büren. Am 20. April 1897 trat er in Bocholt in den Schuldienst. Hier heiratete er 1902 Therese Valk, mit der er vier Kinder hatte. Als Lehrer war er nach Aussagen von ehemaligen Schülern beliebt und erfolgreich. Zum 1. April 1912 wurde er Hauptlehrer und Leiter der ehemaligen Fildekenschule. Mit Beginn des Jahres 1917 wurde er als Rektor zur heutigen Josefschule versetzt. Daneben war er zuständig für die Ausbildung der sogenannten Junglehrer und für die Abnahme des 2. Staatsexamens im Regierungsbezirk Münster.
Johannes Ostendorf war vielfältig begabt, insbesondere musikalisch. Er leitete zwei Chöre, zeitweilig auch noch ein Blasorchester in Aalten, war Mitglied des Musik- und des Instrumentalvereins, Organist an der St.-Josef-Kirche und gab 1927 zusammen mit dem Borkener Schulrat Wolff ein Liederbuch "Unsere Schulmusik" für die westfälischen Volksschulen heraus. - An der Gründung und dem Aufbau der Stadtbücherei hatte er maßgeblichen Anteil und war vom 16. Dezember 1924 bis zu seinem Tode ihr erster Leiter. - Den meisten Bocholtern ist Johannes Ostendorf als Autor des sozialkritischen Dramas "Denn Wäwedamp" bekannt. Das Stück in Bocholter Mundart zeichnet ein Bild Bocholter Sozialgeschichte in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als in Bocholt die maschinengetriebenen Webstühle aufkamen, die immer mehr Weber überflüssig machten. In den Hauptfiguren des traditionsverhafteten Webers Drömmelgaorn und des modernen, gewinnorientierten Fabrikanten Linnebrink ließ Ostendorf alte und neue Zeit aufeinanderprallen. Das Stück entstand 1922 und wurde anlässlich der 1200-Jahrfeier der Bocholter Stadtgründung unter Ostendorfs Leitung mit großem Erfolg aufgeführt. Seither hat es immer wieder Neuaufführungen erfahren, zuletzt initiiert vom Westfälischen Textilmuseum 2002.
Am 12. Dezember 1937 verstarb Johannes Ostendorf völlig überraschend. Mit der Benennung des Ostendorfweges am 26. April 1967 erinnert die Stadt an den Lehrer, Musiker und Schriftsteller.

Bernhard Otte
Bernhard Otte wurde am 12. Juli 1883 in Hopsten-Breischen nördlich Ibbenbühren in eine kinderreiche Tagelöhnerfamilie geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er 1897 Weber. 1905 trat er in den Zentralverband Christlicher Textilarbeiter Deutschlands ein und nahm 1907 am Volkswirtschaftlichen Kurs des Volksvereins für das katholische Deutschland teil. Es folgte eine steile Karriere in dieser Gewerkschaft und über sie hinaus: Seit 1905 war er Vorsitzender des von ihm gegründeten Ortsverbands Ibbenbüren, 1908 Arbeitersekretär in Kempen, am 1. Januar 1911 übernahm er die Leitung des Gewerkschaftsbezirks westliches Westfalen mit Sitz in Bocholt. Um der Bezirksvorsitz wahrnehmen zu können, zog er Anfang Januar 1911 von Kempen nach hier. In dieser Funktion organisierte er zusammen mit dem Ortsvorsitzenden seiner Gewerkschaft, August Heeke, den Bocholter Textilarbeiterstreik im Sommer 1913. Am 1. März 1914 wurde er in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, die wegen des 1. Weltkrieges bis März 1919 ohne weitere Nachwahlen im Amt blieb. In Bocholt gründete Otte auch eine Familie: Seine Kinder Irene, Walther und Werner wurden hier 1915, 1917 und 1919 geboren. - Überraschend ist Ottes Verhalten nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches: Während andere prominente Gewerkschaftsvertreter, u. a. Heeke, im Bocholter Arbeiter- und Soldatenrat mitarbeiteten, ließ er sich in den kurzlebigen sogenannten Bürgerrat wählen, eine reaktionäre Interessenvertretung der Unternehmer, Kaufleuten und Mittelständler. Bei den ersten Nachkriegskommunalwahlen im März 1919 stand er nicht mehr zur Wahl. - Seit 1917 arbeitete er als Redakteur der "Textilarbeiter-Zeitung" in Düsseldorf. 1920 wurde er dann Vorsitzender des Zentralverbands Christlicher Textilarbeiter und verzog von Bocholt nach Düsseldorf. 1921 wurde er Generalsekretär, 1929 Vorsitzender des Gesamtverbandes Christlicher Gewerkschaften in Deutschland (GCG). Daneben hatte Otte seit 1921 den Vorsitz des Internationalen Bundes Christlicher Textilarbeiter und seit 1928 den Vorsitz des Internationalen Bundes Christlicher Gewerkschaften übernommen und war im Reichsvorstand der Zentrumspartei. Nach der Machtübernahme Hitlers versuchte Bernhard Otte, indem er in der Deutschen Arbeitsfront mitarbeitete, sich und den GCG mit den neuen Verhältnissen zu arrangieren. Durch dessen Gleichschaltung im Juni 1933 verlor er alle Funktionen und seine Arbeitsstelle. Bei der folgenden Suche nach neuer Beschäftigung starb er durch einen Verkehrsunfall am 21. Oktober 1933 in Grünberg/Schlesien. Die Stadt Bocholt benannte am 26. Februar 1976 die bisherige Grenzstraße in Biemenhorst nach dem Gewerkschaftsführer um.

Willi Pattberg
Am 3. Juni 1932 wurde Willi Pattberg in Biemenhorst als Sohn eines Tischlers geboren. Er wurde Tischlermeister und übernahm mit seinem Bruder die Tischlerei seines Vaters. Im Januar 1961 trat Pattberg der SPD bei. Fünf Jahre darauf wurde er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Biemenhorst und blieb es bis 1992. 1997 bis 2001 war er Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Bocholt.
1969 bis 1974 saß Pattberg im Gemeinderat von Biemenhorst und war zugleich auch Mitglied des Kreistages Borken. Nach der Eingemeindung Biemenhorsts nach Bocholt wurde er 1975 bis 1999 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, deren Ausschuss für Planung und Bau er in den letzten vier Jahren leitet.
Außerhalb seines politischen Engagements war Pattberg auch in vielen Gremien und Vereinigungen, u. a. im SV Biemenhorst, dessen Vorsitzender er 1967-1968 war. Für sein Engagement erhielt Willi Pattberg am 21. November 1996 das Bundesverdienstkreuz und am 26. September 2001 die Bocholter Stadtplakette. Er starb am 26. März 2003 in Bocholt. Der Willi-Pattberg-Ring hält seit dem 23. März 2004 die Erinnerung an den einflussreichen SPD-Politiker wach.

Ernst Pauls
Ernst Pauls wurde am 16. November 1902 in Oelde geboren, machte 1922 in Beckum das Abitur und studierte danach Philosophie und Theologie in Münster und Freiburg. Am 3. März 1928 wurde er in Münster zum Priester geweiht. In Ibbenbüren nahm er seinen ersten Dienst als Seelsorger auf, von 1931-39 war er als Seelsorger im Marienstift in Bad Lippspringe tätig. Ende Juni 1939 ernannte ihn der Bischof zum Rektor der St.-Agnes-Kirche in Bocholt und übertrug ihm die Krankenseelsorge im St.-Agnes-Hospital. 1941 kamen zu der seelsorgerischen Arbeit, bedingt durch den Tod des Krankenhausverwaltungsdirektors Lötz, auch Verwaltungsaufgaben hinzu. Im Laufe des 2. Weltkrieges wurde im St.-Agnes-Hospital ein Reserve- und später ein Kriegslazarett untergebracht. Die Seelsorgearbeit wuchs. Beim Bombenangriff am 22. März 1945 wurde auch das Krankenhaus zerstört. Die 500 zum Teil schwerkranken Menschen konnten dank Pauls' Umsicht aus den von ihm veranlassten Luftschutzeinrichtungen vollzählig gerettet werden. - Nach dem Wiederaufbau des Krankenhauses setzte sich Ernst Pauls für den Wiederaufbau der St.-Agnes-Kapelle am Schonenberg ein, der 1951-53 stattfand.
Mit Vollendung des 70. Lebensjahres zog sich Prälat Ernst Pauls in den Ruhestand zurück. Im April 1974 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Er starb am 30. November 1979. Seit 15. Juni 1982 ist der Ernst-Pauls-Weg nach ihm benannt.

Gustav Quade
Gustav Quade wurde am 11. Juli 1892 in Bocholt als ältestes Kind des hiesigen evangelischen Pfarrers Gustav Quade geboren. Er wuchs im Pfarrhaus am Schonenberg auf und bestand 1911 sein Abitur am Bocholter Gymnasium. 1921 trat er - zunächst als Vertreter, seit dem 22. Juli 1922 selbständig - die Nachfolge seines Vaters an, der hier 30 Jahre die evangelische Gemeinde geleitet hatte. Gustav Quade jun. galt als ein Pfarrer, der sich weit über den Rahmen eines Seelsorgers hinaus betätigte und durch seine Aufgeschlossenheit in weiten Teilen der Bevölkerung Bocholts großes Ansehen genoss. Insbesondere in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren war er ein Helfer bei vielen Nöten und Sorgen. Besonders bemühte er sich um ein gutes Verhältnis zwischen den Konfessionen und war mit dem Pfarrer der Liebfrauenkirche, Clemens Dülmer, eng befreundet. Erfolgreich setzte er sich dafür ein, die nachbarschaftlichen Verbindungen zu den Niederlanden nach dem 1. und besonders nach dem 2. Weltkrieg wieder zu knüpfen. Er fuhr zu den ersten niederländisch-westfälischen Zusammenkünften und setzte sich für die Verbesserung der Beziehungen ein.
Sein caritatives Wirken war vorbildlich. In mehreren Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung wirkte er engagiert mit und war jahrelang auch als Religionslehrer an mehreren städtischen Schulen tätig. Im Juli 1962 trat er in den Ruhestand, versah sein Amt bis zur Ankunft seines Nachfolgers im April 1963 noch kommissarisch weiter.
In Würdigung seines Wirkens und seiner Persönlichkeit erhielt Pfarrer Gustav Quade am 30. April 1961 anlässlich seines 40-jährigen Ortsjubiläums die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bocholt. Er starb am 31. März 1979. Seit 15. Juni 1982 ist der Pfarrer-Quade-Weg nach dem Ehrenbürger und Seelsorger benannt.

Bernhard von Raesfeld
Der neue Bürgermeister legte einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Regelung der städtischen Finanzen sowie die Vermögensverwaltung des städtischen Armenhauses. Um die nicht unbeträchtlichen Schulden der Stadt möglichst abzutragen, wurden während seiner Amtszeit Gelder zur Schuldentilgung hauptsächlich durch den Verkauf städtischer Grundstücke beschafft. Gleich im ersten Jahr seiner Amtsführung verringerte sich die städtische Schuldenlast um nahezu 2000 Taler. Um die Einkünfte des Armenhauses zu verbessern, wurde ein großer Teil der diese Institution umgebenden Grundstücke veräußert.
Während der Bürgermeisterzeit von v. Raesfelds wurde aufgrund der städtischen Finanzsituation das Recht der Stadt, bei allen Verkäufen von Immobilien innerhalb des Stadtbezirks 3 % des Kaufpreises als städtische Abgabe zu erheben, wieder in Kraft gesetzt. 1820 wurde die große Schleuse bei der Binnenmühle, für die sich auch v. Raesfeld eingesetzt hatte, durch einen Neubau gründlich renoviert. Die Baukosten wurden zum Teil durch den Verkaufserlös der Gebäude der Knabenschulen gedeckt.
Zum 1. April 1824 schied Bernhard von Raesfeld aus den Diensten der Stadt Bocholt, um die Stelle eines Steuerempfängers zu übernehmen, die vorher sein Vater Josef von Raesfeld innegehabt hatte. Neuer Bürgermeister wurde Florenz Thonhausen. Bernhard von Raesfeld hinterließ bei seinem Ausscheiden aus dem Amt eine von ihm verfasste handschriftliche, bis zum Ende seiner Amtsführung reichende Chronik der Stadt Bocholt, die sich jetzt im Stadtarchiv befindet. Am 14. Juli 1950 wurde die Verbindung zwischen Kuckuckstraße und Brockhoffstraße, am 25. September 1956 auch die Fortsetzung bis zur Gellerstraße durch den Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung Raesfeldstraße benannt.

Familie Reygers
Wilhelm (1853-1905) und Joseph Reygers (1859-1913) ließen im April 1881 die Firma Gebr. Reygers in das Handelsregister eintragen. Diese Firma beantragte 1886 die Konzession für eine Dampfmaschine von 30 PS für einen Webereineubau zwischen Sandbach und Münsterstraße. 1913, nachdem Wilhelm Reygers schon 1902 ausgeschieden und Joseph Reygers 1913 gestorben war, übernahm dessen Sohn Walter den Betrieb. Er fiel aber 1917. Der Betrieb wurde an die Firma Roth & Budenberg verkauft. 1924/1925 begründeten die beiden Brüder Hans und Ludwig Reygers, Söhne des gefallenen Walter Reygers, eine neue Weberei mit Rauherei an der Münsterstraße/Ecke Moltkestraße, direkt neben dem alten Firmengelände. Der Betrieb blieb während des 2. Weltkrieges von Bomben verschont. In den siebziger Jahren konzentrierte sich die Firma auf technische Gewebe und vor allem auf hochwertige Synthetikdecken, kaufte 1972 die benachbarte Firma Roth & Budenberg auf, bis 1982 ein Liquidationsvergleich angemeldet werden musste. Es erfolgte die Neuordnung des Unternehmens als reine Handelsgesellschaft. Im Frühjahr 1993 musste die Firma Reygers endgültig ihre Pforten schließen. - Seit 8. August 1896 ist die Reygersstraße nördlich der Firmengrundstücke nach den Gebrüdern Reygers und ihren Nachfolgern benannt.

Franz Richter
Am 9. Oktober 1845 wurde der spätere Prälat Franz Richter in Osterwick geboren. Am 10. August 1871 wurde er in Münster zum Priester geweiht. Am 12. Juli 1892 wurde er als Pfarrer von St. Georg eingeführt. Vor dieser Zeit war er als Kaplan in Duisburg tätig, wo er u. a. die "Duisburger Volkszeitung" gründete und als Vorsitzender der Zentrumspartei den Katholiken während des Kulturkampfes den nötigen politischen Zusammenhalt gab. Auch in Bocholt gehörte er zeitweilig dem Ortsvorstand des Zentrums an.
In Bocholt erkannte er bald, dass die Pfarrei St. Georg den Bedürfnissen der stark anwachsenden Bevölkerung nicht mehr genügen konnte. Die Gemeinde war bei seiner Amtsübernahme die größte der Diözese Münster. Die Abpfarrungen der Liebfrauen- und der St.-Josef-Pfarrei im Januar 1901 sind in der Hauptsache sein Werk. Außerdem betrieb er den Bau dreier Klöster in Bocholt: des Klarissenklosters 1896-98, des Klosters vom Guten Hirten 1896-98 und des Kapuzinerklosters 1911-12. Dem bis dahin an der Langenbergstraße gelegenen Marienlyzeum erbaute er in einem Garten des Pastorats 1899-1900 ein neues, ausreichend großes Schulgebäude und begründete damit den heutigen Standort des Mariengymnasiums. Die Erweiterung des St.-Agnes-Hospitals, zu der auch der Kauf der St.-Agnes-Kapelle von der evangelischen Gemeinde als Krankenhauskapelle 1902 und des Gutes Hambrock als Schwesternerholungsheim 1928 gehörten, förderte er zeit seines Wirkens in Bocholt. Er setzte sich für das Waisenhaus, das Herz-Jesu-Hospiz und die "Kleinkinderbewahranstalten" ein. Als Ortsschulinspektor und Mitglied des Gymnasialkuratoriums förderte er die Schulen.
Bei all seinem unermüdlichen Wirken nahm seine Tätigkeit als Seelsorger aber doch den ersten Platz ein. Er galt als vorbildlicher Priester, dessen große Frömmigkeit die Menschen anzog. 1912 erfolgte seine Ernennung zum Landdechanten. Im Juli 1917 verlieh ihm die Stadt Bocholt anlässlich seines 25-jährigen Pfarrerjubiläums in Anerkennung seiner vielen Verdienste die Ehrenbürgerschaft. Am 1. April 1930 - mit 84 Jahren immer noch im Amt - verstarb Prälat Franz Richter. Am 10. Oktober 1961 wurde die Richterstraße nach dem tatkräftigen Pfarrer der St.-Georg-Kirche benannt.

Gerard de Roos
Gerard de Roos wurde am 13. Juni 1927 in Amsterdam geboren. Am 30. August 1953 wurde er in Münster zum Priester geweiht. Seine erste Kaplanstelle erhielt er in Rees, 1957 wurde er Kaplan an der St.-Georg-Kirche in Bocholt mit der Beauftragung für den Seelsorgebezirk Lowick. Ziel war die Abpfarrung der politischen Gemeinde Lowick. De Roos' Name ist verbunden mit dem Bau der Kirche St. Bernhard, der am 7. Mai 1961 begann. Am 7. Oktober 1962 wurde die Kirche geweiht. De Roos erlebte die Abpfarrung aber nicht mehr in Bocholt: Ende Februar 1964 wurde er als Kaplan nach Ahlen versetzt, 1966 als Pfarrer nach Orsoy. 1982 wurde er Pfarrer bzw. Pfarrverwalter für mehrere Pfarreien in Kalkar. Zum 31. Mai 1992 trat er in den Ruhestand und starb am 13. August 1994. In der letzten Sitzung des Gemeinderates von Lowick vor der Eingliederung in die Stadt Bocholt wurde die Schulstraße in Lowick am 6. Dezember 1974 in De-Roos-Straße umbenannt.

Hermann Schlatt (Manes Schlatt)
Am 9. Dezember 2009 benannte der Bezirksausschuss Mitte einen Teil des St.-Georg-Platzes südlich der St.-Georg-Kirche und westlich der Stadtsparkassenhauptstelle in Manes-Schlatt-Platz um. Betrieben hatte dies der Verein für Heimatpflege, dessen Vorstandsmitglied Schlatt lange Zeit gewesen war, anlässlich des fünften Todestages Schlatts.
Hermann "Manes" Schlatt kam am 21. Januar 1910 in Bocholt als Sohn eines Dachdeckers zur Welt. Zunächst ging er bei dem Bocholter Holzbildhauer Aloys Müssen in die Lehre und studierte 1929 bis 1932 an der Kunstgewerbeschule Münster und der Kunstakademie Düsseldorf. 1932 ließ er sich als selbständiger Bildhauer in Bocholt nieder. Von 1968 bis 1974 war er auch als Kunstlehrer am St.-Georg-Gymnasium angestellt. - Nach Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft 1940 bis 1949 erhielt er im Rahmen des Wiederaufbaus Bocholt viele städtische Aufträge, so beispielsweise die Bildhauerarbeiten am Historischen Rathaus, wo er sich auch selbst darstellte, die Schnitzarbeiten am ehemaligen Hauptportal des Mariengymnasiums, die Nachschöpfung der Meckermann-Figur im Langenbergpark, das Mahnmal für die Bocholter Synagoge. Auch die Kanzelbrüstung in der St.-Georg-Kirche, die Kinder-Steinplastik an der Ecke Eintracht-/Schwartzstraße und die Marienfigur im Bildstock an der Ecke Wesemann-/ Langenbergstraße entstammen seiner Werkstatt. Sein jüngstes öffentlich sichtbares Werk ist der bronzene "Tutemann" an der Nordostecke des Gasthausplatzes. So ist Schlatt im Straßenbild Bocholts dauerhaft präsent, außerhalb der Stadtgrenzen allerdings eher unbekannt. - Neben der Bildhauerei betätigte er sich auch als plattdeutscher Schriftsteller, vornehmlich für die Zeitschrift "Unser Bocholt", deren Mitbegründer er 1951 war. Im Verein für Heimatpflege war er seit 1952 Vorstandsmitglied und aktiv im Plattdütsen Kring. 1979 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1983 die Bocholter Stadtplakette in Bronze.
Er starb am 1. Dezember 2004.

Anton Schmeddinghoff
Anton Schmeddinghoff wurde am 27. November 1869 in Warendorf geboren. Dort machte er 1891 das Abitur und studierte danach in Münster Theologie und Philosophie bis zum Herbst 1897. Am 30. März 1895 wurde er in Münster zum Priester geweiht. Danach war er zuerst Studienpräfekt am Collegium Ludgerianum in Münster, ab 1897 Vikar an der St. Martini-Kirche in Münster. Nach seinem Staatsexamen im Januar 1898 machte er sein Referendariat am Gymnasium Paulinum in Münster. 1900 wurde er Lehrer am bischöflichen Gymnasium Gaesdonck, 1905 Oberlehrer am städtischen Gymnasium Rheine. Am 1. Oktober 1910 kam er als Oberlehrer für Deutsch, Religion, Latein und Hebräisch an das Bocholter Gymnasium. Hier wurde er am 17. Dezember zum Gymnasialprofessor ernannt. Am 1. April 1932 trat er in den Ruhestand.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit galt seine ganze Liebe der Erforschung der Heimatgeschichte. In Vorträgen und Aufsätzen in der Zeitschrift "Westmünsterland" und dem Jahrbuch "Heimatkalender der Kreise Borken und Bocholt" hat er die Heimatgeschichte weiten Kreisen der Bevölkerung zugänglich gemacht. Er schilderte zusammenfassend die baugeschichtliche Entwicklung der Stadt und veröffentlichte im Jahre 1922 Grundlegendes zum "Werden und Wachsen der Stadt Bocholt bis zum Jahre 1600". Der Landeskonservator von Westfalen übertrug ihm die geschichtliche Einleitung zu dem Band Stadtkreis Bocholt der Publikationsserie "Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen". Lange Jahre war er auch als Vorstandsmitglied im Verein für Heimatpflege tätig, der ihm viel Förderung und Anregung verdankt.
Zeitzeugen berichten von einer großen Güte, die ihn kennzeichnete und von einer wohltuenden Ruhe, die von ihm ausging. Sein letztes Werk sollte eine vollständig neue Bearbeitung der Bocholter Geschichte werden. In ihr wollte er seine Lebensarbeit zusammenfassen und abschließen. Er verstarb jedoch plötzlich am 30. August 1942 im Alter von 73 Jahren. Die am 10. Oktober 1961 benannte Schmeddinghoffstraße hält das Gedächtnis an den Heimathistoriker wach.

Dr. jur. Otto Schmitz
Otto Schmitz wurde am 5. März 1883 in Essen-Steele geboren. 1903 legte er in Essen das Abitur ab, studierte dann in Bonn und Münster und wurde im Januar 1908 in Erlangen promoviert zum Dr. jur. Nach dem 2. juristischen Staatsexamen trat er 1911 in die Kommunalverwaltung ein, zunächst beim Amt Königsteele und beim Kreisausschuss Hattingen, vom 1. April 1912 bis zum 11. November 1920 als Syndikus des Landkreises Recklinghausen und schließlich am 12. Januar 1921 als 1. Bürgermeister von Bocholt. Dr. Schmitz übernahm das Bürgermeisteramt in schwerer Zeit. Der verlorene Krieg hatte weite Kreise der Bevölkerung in wirtschaftliche Not gebracht. Die Textilindustrie, damals der wichtigste Industriezweig in Bocholt, litt unter der Blockade der Siegermächte. Es fehlten Rohstoffe und Kohlen, und die galoppierende Inflation führte 1923 zum Erliegen der Wirtschaft. Für den Leiter der Stadtverwaltung galt es deshalb zunächst, die städtischen Finanzen in Ordnung zu bringen und mit den knappen Finanzmitteln die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die soziale Not einzudämmen.
Einen Schwerpunkt in seiner Arbeit sah Dr. Schmitz, dem am 10. Juni 1922 anlässlich der 700-Jahrfeier der Stadt die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister verliehen wurde, in der Schaffung eines eigenen Stadtkreises. Mit der Auskreisung Bocholts aus dem Kreis Borken wollte der Oberbürgermeister die Stadt von Bindungen und Belastungen befreien, die ihre Entwicklung als bedeutendste Baumwollindustriestadt Westfalens hemmten. 1923 war dies Ziel erreicht.
In der kurzen Hochkonjunktur 1925-28 konnten in Bocholt einige größere kommunale Aufgaben verwirklicht werden: Der Wohnungsbau entwickelte sich gut, u. a. dadurch, dass Oberbürgermeister Schmitz außerordentliche Mittel zur Bauförderung bereitstellte. 1926 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Neubau des Gymnasiums, für den sich Dr. Schmitz ganz besonders stark gemacht hatte. Das wegen seiner modernen Einrichtung als Musterbau geltende Schulgebäude wurde 1931 seiner Bestimmung übergeben. Genauso hartnäckig bemühte sich Dr. Schmitz um die Restaurierung des Rathauses. 1928 konnte zwar damit begonnen werden, aber wegen der 1929 einsetzenden Wirtschaftskrise wurden die Arbeiten wieder eingestellt. Erst 1933/1934 wurden sie abgeschlossen. Ab 1929 stand die Amtszeit Oberbürgermeister Dr. Schmitz' wieder unter dem Zwang großer wirtschaftlicher Nöte. - Ende 1932 lief die Amtszeit Dr. Schmitz' ab. Am 9. Mai 1932 schon wurde er auf zwölf weitere Jahre gewählt. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde er aber am 23. September 1933 durch den Regierungspräsidenten in Münster telegraphisch mit sofortiger Wirkung beurlaubt und auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wegen politischer Unzuverlässigkeit am 21. Oktober 1933 in den Ruhestand versetzt. Nach seinem Dienstende ließ er sich 1934 in Essen als Rechtsanwalt nieder und führte dort seit dem 21. Februar 1935 zur Vermeidung von Verwechslungen den Namen Schmitz-Busz. Am 18. Juli 1942 ist er dort gestorben. Der Dr.-Otto-Schmitz-Weg im Ortsteil Stenern erinnert seit 15. Juni 1982 an den ehemaligen Oberbürgermeister.

Prof. Dr. phil. Franz August Schmölders
Franz August Schmölders wurde am 28. November 1809 in Rhede als Sohn eines Rechtsanwalts und Notars geboren. 1815 zog er mit seiner Familie nach Bocholt und ging hier bis 1825 zur Schule. Danach schickten seine Eltern ihn auf ein Kölner Gymnasium. Dort machte er 1830 Abitur und studierte danach in Bonn Philosophie und Theologie. Dabei interessierte er sich zunehmend für orientalische Philologie, lernte Hebräisch, Arabisch, Persisch und weitere vorderasiatische Sprachen. Daneben studierte er die Philosophie des Orients, besonders der Araber. Am 22. Juli 1836 promovierte er in Bonn über arabische Philosophie und ging 1839 auf den Rat seiner akademischen Lehrer zur Fortsetzung und Erweiterung seiner Studien nach Paris. 3 1/2 Jahre blieb er dort und beschäftigte sich ausschließlich mit arabischer Philosophie und veröffentlichte 1842 dort in französischer Sprache ein vielbeachtetes Werk über die philosophischen Schulen Arabiens. 1843 habilitierte Dr. Schmölders sich in Berlin. Im gleichen Jahre verlieh ihm der König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. 1844 berief der preußische Kultusminister Eichhorn, der Schmölders' wissenschaftliche Bedeutung hoch einschätzte, ihn als außerordentlichen Professor der orientalischen Sprachen an die Universität Breslau. Gleichzeitig wurde ihm eine Lehrerstelle am Matthias-Gymnasium in Breslau angeboten, die er 16 Jahre innehatte. Hier unterrichtete er Französisch, Hebräisch und Englisch. Insgesamt beherrschte Schmölders 22 verschiedene Sprachen. 1846 wurde er in die deutsche Morgenländische Gesellschaft zu Halle/Saale berufen.
1849 heiratete Schmölders. Am 16. Oktober 1860 erhielt er den ordentlichen Lehrstuhl für orientalische Sprachen und Literatur an der Universität Breslau und quittierte den Schuldienst. 1869 wurde Professor Schmölders Mitglied der Italienischen Historischen und Archäologischen Gesellschaft, 1872 veröffentlichte er eine Abhandlung über arabische Grammatik.
Prof. Schmölders war, obgleich er seit 1825 nicht mehr in Bocholt lebte, der Stadt lebenslang verbunden. Das Vorwort seiner französischen Publikation datierte er "Bocholt en Prusse, le 29. Mai 1842". In Breslau befreundete er sich mit dem ebenfalls aus Bocholt stammenden Breslauer Bischof Diepenbrock, dem er 1849 Schillers Lied von der Glocke vortrug, das er in Bocholter Mundart übertragen hatte.
Am 21. Februar 1880 starb Prof. Dr. Franz August Schmölders an einem langjährigen Unterleibsleiden. Bocholt erinnerte an den sprachbegabten und -kundigen Professor durch die Benennung der Schmöldersstraße am 12. Februar 1976.

Familie Schwartz
Roetger Gerhard Schwartz (* 1752) gründete mit seinem Bruder Bernhard (1754-1826) am 21. Februar 1774 eine "Bomseyden-Fabrique", die er 1784 seinem Bruder als Alleininhaber übertrug. Ihren ersten Sitz hatte die Firma am heutigen Europaplatz. Bernhard Schwartz' Sohn Ludwig (1785-1864) erwarb 1827 von dem ehemaligen Bürgermeister Bernhard von Raesfeld das Haus Woord an der Münsterstraße, 1830 auch den zugehörigen weiteren Grundbesitz. Die Firma prosperierte. 1855 erhielt Ludwig Schwartz den Ehrentitel Kommerzienrat, 1857/58 erbaute er nach einer Informationsreise durch England eine dampfgetriebene Weberei und Spinnerei auf dem Gelände westlich des Hauses Woord, die er 1862 als Weberei erweiterte. 1862/63 baute er östlich seines Hauses, auf dem Gelände der heutigen Christuskirche, eine neue Spinnerei, wiederum mit Dampfantrieb. Zur Aufstellung der aus England importierten Spinnmaschinen kam eigens ein englischer Spezialist. Nach Ludwig Schwartz' Tod 1864 führte seine Witwe Theodora die Geschäfte fort und errichtete 1868/69 im Anschluss an die Weberei noch eine chemische Bleicherei. 1869 übernahmen ihre Söhne August (1820-1883), Werner (1830-1915), Peter (1834-1904) und Gottfried (1838-1870) die Firma. 1888 übernahm nach dem Tode Gottfrieds und Augusts Werner die Weberei auf eigene Rechnung, während die Spinnerei weiter von Peter und Werner gemeinsam betrieben wurde. Werner Schwartz errichtete 1895 eine eigene Spinnerei auf dem Hochfeld und trat aus der gemeinsamen Firma aus. Die Spinnerei Peter Schwartz brannte im gleichen Jahr aus und wurde nicht mehr an alter Stelle wiedererrichtet, sondern auf dem Fildeken an der heutigen Rheinstraße. Das Gelände wurde an die evangelische Gemeinde verkauft, die darauf 1901 ihre Kirche erbaute. Die Weberei westlich des Hauses Woord wurde im 2. Weltkrieg völlig zerstört, aber wieder aufgebaut. 1971 wurde dort der Betrieb eingestellt, 1981 die Firma abgerissen. Die ursprünglich auf Schwartzschem Firmengelände verlaufende Straße wurde am 8. August 1896 Schwartzstraße benannt nach der Fabrikantenfamilie und ihrer damals dort noch teilweise ansässigen Firma.

Paul Schwarzer
Paul Schwarzer wurde am 29. August 1895 in Jordan, Kreis Züllichau-Schwiebus in Niederschlesien geboren. Vor dem 2. Weltkrieg war er Lehrer in Züllichau, Frankfurt/Oder, Waldenburg und Breslau. Am 23. Juli 1947 kam er aus russischer Gefangenschaft nach Mussum und wurde dort Lehrer an der Kreuzschule. 1955 wurde er zum Hauptlehrer und Leiter der Kreuzschule ernannt. Schwarzer betätigte sich politisch in der CDU und wurde im November 1956 in den Gemeinderat gewählt, der ihn zum Bürgermeister wählte. Am 31. März 1961 schied Schwarzer aus dem Schuldienst aus und starb kurz darauf am 25. September 1961. Die Gemeinde Mussum gedachte seiner durch die Benennung der Paul-Schwarzer-Straße am 14. Juli 1964.

Anna Stollmeier (= Schwester Maria Paschalis)
Als die Äbtissin Maria Paschalis am 3. Mai 1961 starb, hatte sie insgesamt 26 Jahre lang dem Bocholter Klarissenkloster vorgestanden, nämlich 1932 bis 1952 und 1955 bis zu ihrem Tode. In diese fast drei Jahrzehnte fiel die schwere Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als bei dem Bombenangriff am 22. März 1945 auch das Bocholter Klarissenkloster zerstört wurde. In ihrer geduldigen, aber entschlossenen Art gelang es Maria Paschalis zusammen mit den Schwestern, die Kirche und dann auch das Kloster in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder aufzubauen, indem sie auch selbst sich als Maurerinnen betätigten.
Äbtissin Maria Paschalis wurde am 2. Februar 1892 als Anna Stollmeier in Beckum geboren. Sie war die älteste von neun Geschwistern. Nach dem Besuch der Volksschule war sie in Bürgerhäusern ihrer Heimatstadt im Haushalt tätig, bis sie sich entschloss, am 4. Juni 1912 in das Kloster der Armen Klarissen in Bocholt einzutreten. Insgesamt 49 Jahre lebte sie im Kloster.
Propst Dülmer erinnerte bei der Traueransprache daran, dass die Bevölkerung Bocholts stets ein großes Vertrauen zum Gebet in diesem Kloster gehabt habe. Mutter Maria Paschalis, deren Wahlspruch "Gott wird schon helfen" in Bocholt bekannt war, schrieb ihren Ordenstöchtern in ihrem Testament: "Bleibt miteinander vereint, dient dem Herrn treu und eifrig. Lebt so, dass ihr den Tod nicht zu fürchten braucht, zu welcher Zeit er euch auch überrascht." Die Stadt ehrte die Äbtissin durch die Benennung des Maria-Paschalis-Weges am 15. Juni 1982.

Albert Stolte
Albert Stolte wurde am 18. Oktober 1904 in Suderwick geboren. Er war von Beruf Kaufmann, betrieb aber eine Gastwirtschaft, die besonders in der Zeit der niederländischen Annektion West-Suderwicks für West-Suderwick Bedeutung hatte. 1963 zog er für die CDU in den Suderwicker Gemeinderat ein. Von 1965 bis zur Eingliederung Suderwicks nach Bocholt 1975 war er Bürgermeister von Suderwick. Für seine kommunalen Verdienste erhielt er am 18. Oktober 1970 das Bundesverdienstkreuz. Er starb im Anholter Krankenhaus am 16. März 1975. Der Birkenweg im Ortsteil Suderwick wurde am 18. September 1975 in Albert-Stolte-Straße umbenannt, um an den letzten Bürgermeister Suderwicks zu erinnern.

Heinrich Terhoffstedde
1919 richtete die Kirchengemeinde St. Georg in Bocholt, zu der die Bauerschaft Spork gehörte, in einem angekauften, an das Haus Heidefeld in Spork angebauten Gastwirtschaftssaal eine Notkirche für einen geplanten Seelsorgebezirk Spork ein. Am 15. Januar 1924 erhielt die Gemeinde einen eigens für die Sporker Seelsorge zuständigen Kaplan: Heinrich Terhoffstedde. Er war am 6. Oktober 1891 in Osnabrück geboren, hatte in Münster Theologie studiert und war dort am 14. Juli 1919 zum Priester geweiht worden. Ab 1920 war er Kaplan in Wettringen gewesen. Zum 1. November 1929 wurde der Seelsorgebezirk Spork Pfarrektorat, Terhoffstedde wurde Pfarrektor. 1932/33 erbaute er in Spork die Ludgeruskirche, die am 28. März 1933 eingeweiht wurde. 18 Jahre dauerte es dann, bis am 1. Oktober 1951 das Pfarrektorat zur eigenständigen Pfarrei erhoben und Heinrich Terhoffstedde am 12. November 1951 zu ihrem ersten Pfarrer ernannte wurde. Nach 42 Jahren Seelsorge in Spork ließ er sich zum 2. Oktober 1966 pensionieren und starb am 2. November 1968 in Bocholt. Die Kirchengemeinde Spork verdankt ihm ihren äußeren und inneren Aufbau und die Seelsorge auch in schwierigen Jahren. Am 18. September 1975 wurde in Erinnerung an den ersten Pfarrer von Spork die Sporker Kirchstraße in Terhoffsteddestraße umbenannt.

Familie Thonhausen
Der Kaufmann Anton Florenz Ferdinand Thonhausen stammte aus Ramsdorf, wo er 1787 als Gastwirtssohn geboren wurde. Vermutlich nach seiner Heirat 1813 kam er nach Bocholt. Um 1820 wurde er Provisor und Rendant des Bocholter Armenhauses und verbesserte dessen bis dahin mangelhaft geführte Verwaltung, so dass sich wohlhabende Bocholter Bürger zu größeren Geldspenden veranlasst fühlten. Am 1. April 1824 wurde Thonhausen zum Bürgermeister ernannt. Als mit der Einführung der revidierten Städteordnung im Mai 1836 die Bürgermeister gewählt werden mussten, wählten ihn die Stadtverordneten auf 12 Jahre. Über die Amtszeit von Anton Thonhausen ist nicht sehr viel bekannt. Einer der Höhepunkte seiner Laufbahn war sicherlich die Teilnahme an der Huldigung Königs Friedrich Wilhelm der IV. 1848; nachdem auch in Bocholt einige Märzunruhen stattgefunden hatten, verzichtete er auf eine Wiederwahl. Er starb am 30. September 1856.
Seine beiden Söhne Emmanuel Joseph August, geboren am 3. November 1813, und Antonius, geboren am 30. März 1817, waren nacheinander Amtmänner des Amtes Liedern. Sein ältester Sohn Emmanuel Josef August Thonhausen war Amtmann von 1851 bis 1863. Seine Wiederwahl war gerade erfolgt, da starb er unverhofft am 26. November 1863. Nach seinem Tode übernahm sein unverheiratet gebliebener Bruder Antonius die Leitung des Amtes und hatte sie inne bis 1882. Er starb am 8. Dezember 1882.
Von Anton Florenz Ferdinand Thonhausens Kindern war nun nur seine ebenfalls ledig gebliebene Tochter Maria übrig. Sie war am 12. Oktober 1814 geboren und starb 1898. Bereits am 27. Dezember 1882 hatte sie mit der Abfassung ihres Testamentes die "Thonhausensche Stiftung" gegründet.
Das Testament geht wohl wesentlich auf den in jenem Jahr verstorbenen Amtmann Antonius Thonhausen zurück. - Die Thonhausensche Stiftung umfasste verschiedene Häuser in Bocholt, einen großen Wald in Lankern, der 1919 abgeholzt wurde, ein zwei Morgen großes Waldstück in Mussum sowie ein Barvermögen in Höhe von ca. 70.000 Mark. Im § 3 des Testaments heißt es: "Die Stiftung hat den Zweck, dass aus ihren Einkünften bedürftige Eingesessene des Amtes Liedern, insbesondere verschämte Arme und kleine Landwirte, unterstützt werden sollen. Die Mittel der Unterstützung: bares Geld, Naturalien, Kleidung, Saatgut oder sonstige Beihilfen, überlasse ich dem Vorstande der Stiftung." Die Stiftung existiert bis heute. - Die Thonhausenstraße, die an die Familie erinnern soll, hat eine wechselvolle Geschichte: Die Stadt Bocholt hatte am 20. Februar 1959 und 27. März 1974 die Verbindungsstraße zwischen Stenerner Weg und Adenauerallee so benannt, die Gemeinde Mussum am 8. April 1960 eine Straße westlich der Eisenbahn. Am 2. September 1975 wurde erstere in Brockhoffstraße umbenannt, am 11. September 1975 letztere in Händelstraße. Am 18. September 1975 schließlich wurde die vormalige Buchenallee in Lowick in Thonhausenstraße umbenannt. Auch die Schule in Lowick trägt den Namen der Familie Thonhausen.

Katharina Tielkes (= Schwester Aloysianis)
Als Schwester Aloysianis vom Orden der Schwestern der göttlichen Vorsehung 1920 in Blumenau, einer von deutschen Auswanderern gegründeten Stadt in Brasilien, ankam, war das dortige Krankenhaus "Santa Isabel" nur eine Scheune mit vier Betten und zwei Schwestern. 1960 war es ihr mit Tat- und Willenskraft gelungen, dass Blumenau eines der damals modernsten Krankenhäuser Brasiliens mit verschiedenen Abteilungen, 34 Ordensschwestern, 9 Ärzten und 120 Hilfskräften besaß. Dafür erhielt die Ordensschwester 1960 anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Krankenhauses die Ehrenbürgerschaft der Stadt Blumenau. Am 24. April 1962 verlieh auch ihre Herkunftsgemeinde Holtwick Schwester Aloysianis während eines Heimaturlaubs die Ehrenbürgerwürde. Ihr Einsatz für das Blumenauer Krankenhaus wurde als vorbildlich für die Holtwicker Jugend hervorgehoben. Schon anderthalb Jahre zuvor hatte der Holtwicker Gemeinderat am 10. November 1960 die Benennung einer Straße der Holtwicker Siedlung in Aloysianastraße beschlossen. Die Namensabweichung liegt in einem Irrtum über den Ordensnamen begründet, der sich auch im Beschluss über die Verleihung der Ehrenbürgerwürde noch fortsetzte.
Schwester Aloysianis wurde am 30. August 1893 als Katharina Tielkes in Holtwick geboren. Im 1. Weltkrieg arbeitete sie als Krankenschwester in verschiedenen Frontlazaretts, wofür sie auf der Ehrentafel der Gemeinde für die Holtwicker Kriegstoten bereits erwähnt wurde. 1919 trat Katharina Tielkes in den Orden der Schwestern der göttlichen Vorsehung in Münster ein, erhielt den Ordensnamen Aloysianis und wurde im Juli 1920 nach Blumenau geschickt. Dort verbrachte sie ihr weiteres Leben und starb in Blumenau am 29. April 1974.

Wilhelm Urbach
Am 10. Januar 1808 wurde Wilhelm Urbach in Moers als Sohn des dortigen Bürgermeisters geboren. Er trat als Kaufmann in die Moerser Weberei Witwe Peter Willemsen ein, für die er als Verwalter Ende 1829 nach Bocholt geschickt wurde. Hier gründete er eine Filiale des Moerser Stammhauses. Ungebrochen von persönlichem Unglück, dem Tod seiner kleinen Töchter 1839 und 1841 sowie seiner ersten Frau 1841, baute er den Betrieb auf, so dass dieser bald zu den großen Bocholter Textilfabriken gehörte. 1853 stellte er die dritte Dampfmaschine in einem Bocholter Betrieb auf. 1858 kaufte Urbach den inzwischen auch räumlich stark gewachsenen Betrieb, behielt aber die eingeführte Firmenbezeichnung bei. Am 18. Oktober 1865 verlieh ihm der preußische König den Ehrentitel Kommerzienrat, der auf soliden privaten Reichtum und anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg hindeutet.
Wilhelm Urbach war persönlich bescheiden und auch etwas eigentümlich. Eine ganze Anzahl von Anekdoten über ihn sind überliefert. Sein soziales Empfinden spiegelt sich in der Gründung einer Arbeiterunterstützungskasse 1872 wider, die 1884 in eine Betriebskrankenkasse umgewandelt wurde. 1872 erbaute die Firma auch als erste in Bocholt in der Flur "Bärendorf" eine Werkssiedlung mit 39 Arbeiterhäusern, die volksmündlich nicht nach der Firma Willemsen, sondern ihrem Fabrikanten als Urbachs Häuser, Urbachshäuserstraße und Urbachstraße bezeichnet wurde. - Außerhalb seiner Berufstätigkeit engagierte Wilhelm Urbach sich in der Gesellschaft Casino, die er 1840 mit gegründet hatte, und in der evangelischen Gemeinde, deren Presbyterium er angehörte. Besonders setzte er sich auch für den Anschluss Bocholts an das Eisenbahnnetz ein, der schließlich 1878 vollzogen wurde. - Am 13. Januar 1886 ist Wilhelm Urbach gestorben. Der volksmündliche Straßenname Urbachstraße wurde von der Stadt um 1928 übernommen.

Johann Georg Vahrenhorst
Johann Georg Vahrenhorst wurde am 2. September 1823 in Münster geboren. 1847 wurde er dort zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren als Vikar und Zuchthausseelsorger in Münster kam er im Januar 1859 als Pfarrer nach Bocholt.
Neben seiner unermüdlichen Tätigkeit als Seelsorger setzte er sich für die seit langem überfällige Restaurierung seiner Pfarrkirche ein. Hier waren noch Provisorien aus dem ausgehenden 16. und aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zu beseitigen. Er engagierte sich besonders im schulischen Bereich. So wirkte er lange Zeit als Lokal- und zugleich Kreisschulinspektor in den zahlreichen Elementarschulen nicht nur in Bocholt, sondern auch in den Nachbargemeinden. Die höhere Bürgerschule verdankt seinen und Bürgermeister Degeners Bemühungen ihr Entstehen. 1866 kaufte Vahrenhorst aus eigenen Mitteln das heutige Liebfrauenpfarrhaus, das bis 1811 als Minoriten-Gymnasium gedient hatte, und richtete darin eine höhere Töchterschule ein. In dem Gebäude begründete er auch die erste Bocholter "Kleinkinderbewahranstalt". Während des Kulturkampfes verlor er 1872 die Schulinspektion. 1872-75 veranlasste er den Neubau des St.-Agnes-Hospitals am Schonenberg, da sich die vorherige Unterbringung an der Osterstraße als zu klein und zu unruhig erwies. Zwei wichtige katholische Vereine, den Gesellen-Verein und den Arbeiter-Verein, die auf seine Anregung 1871 und Anfang 1873 gegründet wurden, förderte er nach Kräften. Die Leitung des Gesellen-Vereins übernahm er selbst.
Am 22. Februar 1879 starb Johann Georg Vahrenhorst 55-jährig an einem Schlaganfall. Seit 15. Juni 1982 weist der Georg-Vahrenhorst-Weg auf den engagierten Pfarrer hin.

Julius Vehorn
Julius Vehorn wurde am 17. Mai 1866 in Bösel bei Oldenburg geboren und starb am 19. Juli 1948 in Biemenhorst. 1894/95 baute die Gemeinde Biemenhorst ein einklassiges Schulgebäude mit angegliederter Lehrerdienstwohnung. Am 15. April 1895 begann mit dem von Homer nach Biemenhorst versetzten Lehrer Vehorn der Schulunterricht. Die Zahl der Biemenhorster Einwohner und damit der Schulkinder stieg rasch an, 1908 musste ein zweiklassiges Schulhaus errichtet werden, 1911 waren es bereits drei Klassen. 1912 wurde Vehorn als dienstältester Lehrer Hauptlehrer und Schulleiter. Am 22. September 1931 schied er aus dem Amt. Vehorn war 1919 bis 1921 und 1923 bis 1925 Mitglied des Kreistags des Kreises Borken und 1930 bis 1934 Mitglied der Amtsvertretung des Amtes Liedern-Werth. Er starb am 19. Juli 1948. Seit dem 27. Januar 2000 hält der Julius-Vehorn-Weg das Gedächtnis an den ersten Lehrer in Biemenhorst wach.

Heinrich Vennekamp
Heinrich Vennekamp wurde am 2. November 1900 auf dem Hof Vennekamp, Biemenhorst Nr. 8, geboren, den er später als Landwirt bewirtschaftete. 1934 bis 1945 war Vennekamp stellvertretender Bürgermeister. 1946 wurde er zum Bürgermeister gewählt und blieb es, immer wiedergewählt, ununterbrochen bis 1969. In seine fast 25jährige Amtszeit fallen die Errichtung mehrerer Siedlungen: "Sonnenscheinsiedlung" ab 1949, Siedlung auf dem Dannenkamp ab 1962 und auf dem Takenkamp ab 1966. Durch den starken Zuzug wurde die Gemeinde zur bevölkerungsreichsten im Amt Liedern-Werth: 1948 hatte sie 1548 Einwohner, 1974 3014 Einwohner. Dabei wurde Biemenhorst durch den Anschluss an das Bocholter Wasser-, Abwasser- und Stadtbusnetz eng mit der angrenzenden Stadt Bocholt verflochten.
1950/51 errichtete die Gemeinde eine neue Schule, 1959 wurde das Sportgelände an der Birkenallee und ein Spielplatz auf dem Dannenkamp geschaffen, 1962 eine neue Turnhalle eingeweiht. Auch die Errichtung eines Jugendheims, eines Kindergartens und einer Schwesternstation Anfang der fünfziger Jahre - alle in kirchlicher Trägerschaft - fielen in Vennekamps Amtsperiode. Heinrich Vennekamp trat 1969 aus der Kommunalpolitik ab. Für sein verdienstvolles Wirken erhielt er am 24. November 1970 das Bundesverdienstkreuz. Vennekamp starb am 16. Oktober 1977 in Rhede. An ihn erinnert seit dem 23. März 2004 der Heinrich-Vennekamp-Weg.

Lucy Vollbrecht-Büschlepp
Am 20. Dezember 1917 wurde Lucy Büschlepp als einziges Kind eines städtischen Vermessungsbeamten in Bocholt geboren. Sie besuchte das Marienlyzeum, legte dort 1937 das Abitur ab und besuchte danach von 1939 bis 1941 die Folkwang-Schule für Gestaltung in Essen. 1942 heiratete sie Heinz Vollbrecht und trug seitdem den Doppelnamen Vollbrecht-Büschlepp. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Die Ehe endete aber bald durch den Kriegstod Vollbrechts.
Der Wiederaufbau Bocholts und der daran anschließende Ausbau der Stadt ist vielfältig mit Vollbrecht-Büschlepps künstlerischem Wirken verbunden: In und an öffentlichen Gebäuden sichtbar sind z. B. Mosaike in den Pausenhallen des Euregio-Gymnasiums und des Berufskollegs am Wasserturm, Tabernakelstele, Altartisch, Chorgestühl und Klausurgitter sowie Fenster der Klosterkirche St. Klara, ein Fußbodenmosaik in der Hl.-Kreuz-Kirche, die Medaillon-Fenster im Großen Saal des historischen Rathauses, die Glasbilder der Eingangshallen des Mariengymnasiums und des St.-Georg-Gymnasiums, sämtliche Fenster der Mussumer Kirche Maria Trösterin. - Auch außerhalb Bocholts schuf Vollbrecht-Büschlepp öffentliche Kunst, beispielsweise in Wesel u. a. die Fenster und das Weinstock-Wandmosaik der St.-Martini-Kirche sowie die Bronzeskulptur an der Familienbildungsstätte, in Münster ein Mosaikfries in der Salvatorianer-Kapelle, in Hamminkeln die Grabstätte der Familie Hartmann auf dem Friedhof Marienthal. Wandbehänge, Aquarelle, Zeichnungen, Collagen aus ihrer Hand befinden sich in Privatbesitz und sind der Allgemeinheit nur in Ausstellungen zugänglich. Viele Gebrauchsgraphiken und Zeichnungen finden sich in den Heften der Zeitschrift "Unser Bocholt", für die sie über vier Jahrzehnte bis zu ihrem Tod arbeitete.
1983 wurde Lucy Vollbrecht-Büschlepp mit der bronzenen Stadtplakette der Stadt Bocholt und 1992 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr künstlerisches Werk und für den jahrzehntelangen Einsatz im Verein für Heimatpflege und im Euregio-Kunstkreis ausgezeichnet.
Sie starb am 3. Oktober 1995 im 77. Lebensjahr in ihrer Heimatstadt. Am 27. April 2006 benannte der Bezirksausschuss Mitte das Straßendreieck Osterstraße/Langenbergstraße/Südmauer in Lucy-Vollbrecht-Büschlepp-Platz um.

Familie von Welfeld
Die Familie von Welfeld (Schreibweise auch: Welveld), die aus Borne bei Hengelo stammt, kam 1520 durch Heirat des Zeyne von Welfeld mit der Erbtochter Anna von Diepenbrock in den Besitz des Hauses Diepenbrock. Im 16. und 17. Jahrhundert waren Mitglieder der Familie, nämlich Gerhard von Welfeld 1562 bis 1574 und Wilhelm von Welfeld 1600 bis 1618, wiederholt Droste des münsterischen Amtes Bocholt. Am bekanntesten ist Wilhelm, der zusammen mit seiner Frau Agnes von Lethmate, auch als Stifterfigur auf dem Gemälde "Jesus mit den 12 Aposteln" in der St.-Georg-Kirche dargestellt ist. - Anfang des 18. Jahrhunderts verarmte die Familie, 1733 musste Johann Zeger von Welfeld Haus und Gut Diepenbrock, zu dem auch das Haus Kortenhorn gehörte, aus Geldnot an die Familie von Graes verkaufen, die das Haus seither besitzt.
In Erinnerung an die Adelsfamilie auf Haus Diepenbrock wurde am 18. Juni 1976 die Barloer Diepenbrockstraße durch den Bezirksausschuss Nordost in Von-Welfeld-Straße umbenannt.

Clemens Wesemann
Clemens Wesemann wurde am 10. Februar 1874 in Münster als Sohn eines Oberlandesgerichtsrats geboren. 1892 legte er am Gymnasium Paulinum in Münster sein Abitur ab und studierte dann Jura in Freiburg, Göttingen, Tübingen und Marburg. 1900 trat er zunächst beim Landgericht Dortmund als Assessor ein, wechselte 1901 in den Kommunaldienst nach Münster und wurde dort 1902 2. Beigeordneter. Am 28. Dezember 1907 wählte die hiesige Stadtverordnetenversammlung ihn einstimmig zum Bocholter Bürgermeister. Am 4. Juli 1908 trat er die Nachfolge von Bürgermeister Geller an. Die Stadt hatte 25.656 Einwohner und befand sich in günstiger wirtschaftlicher Entwicklung. So konnte sie in eine moderne städtische Infrastruktur investieren.
Einen Arbeitsschwerpunkt legte Wesemann auf den Straßenbau. Er setzte sogleich 1908 ein großes Straßenbauprogramm durch, das im Innenstadtbereich statt Pflaster Stampfasphalt auf Beton, die Befestigung der Bürgersteige und die Anlage von Bordsteinen vorsah. Im Zusammenhang mit dem 1910 begonnenen Straßenausbau wurde auch eine zentrale Wasserversorgung und Kanalisation gebaut, die schon Wesemanns Vorvorgänger Degener geplant, aber gegen die Stadtverordnetenversammlung nicht hatte durchsetzen können. Nach der Befestigung der Straßen konnten durch die Einführung einer städtischen Straßenreinigung, die Einführung einer städtischen Müllabfuhr im März 1911 und die Anlage einer Müllkippe an der Schwanenstraße im Dezember 1910 die hygienischen Verhältnisse verbessert werden. 1910 wurde auch mit den Bauarbeiten einer Südwestumgehung der Innenstadt zwischen Ravarditor und Hohenzollernstraße einschließlich einer Aa-Brücke am Ravarditor begonnen, um den zunehmenden Lastverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten.
Viel Aufmerksamkeit schenkte Bürgermeister Wesemann auch der kulturellen Entwicklung der Stadt. Auf seine Anregung hin wurde 1909 der Theaterverein e. V. gegründet. Als 1910 der Georgius-Schützenverein anstelle des alten, 1862 gebauten Schützenhauses einen modernen Neubau errichten wollte, setzte sich Wesemann für den Antrag des Vereins um ein zinsloses städtisches Darlehen ein, um ein Mitsprache-und Benutzungsrecht der Stadt für den Saalbau zu erhalten. Fortan konnte auch der Theaterverein diesen Saal mitbenutzen. - Mit dem Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk schloss die Stadt Bocholt im April 1913 einen Vertrag über die Lieferung von Elektrizität und schloss sich schließlich durch einen Vertrag mit der Gewerkschaft Deutscher Kaiser, später Thyssen, im Januar 1914 dem Ferngasnetz an. - Auf sozialem Gebiet hatte Wesemann in seinem Stellvertreter Dr. Alff einen tatkräftigen Helfer: 1909 wurde der "Bocholter Verband für Armenpflege und Wohlfahrt" gegründet, der 1911 eine TBC-Fürsorgestelle und 1913 die "Walderholungstätte" für tuberkulosegefährdete Kinder einrichtete. 1910 baute die Stadt ein modernes Armen- und Waisenhaus am heutigen Stenerner Weg.
Der 1. Weltkrieg brachte die städtischen Projekte zum Stillstand. Mangels Baumwolle, die nicht mehr importiert werden konnte, kam die Textilindustrie ab Ende 1915 zum Erliegen, die Arbeitslosenzahlen stiegen. Jetzt galt es, die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen. Bocholt erlebte den Hungerwinter 1916/17, wo städtische Kriegsküchen eingerichtet werden mussten. Das Kriegsende vermehrte die Misere nur noch: Auch die Kriegsheimkehrer mussten versorgt werden. Im Verein mit dem Bocholter Arbeiter- und Soldatenrat gelang es Bürgermeister Wesemann, die öffentliche Sicherheit und Ordnung 1918/19 aufrecht zu erhalten. Zum 1. April 1920 wurde Clemens Wesemann vom Reichsfinanzminister zur kommissarischen Tätigkeit in das Landesfinanzamt in Münster berufen und vom Kommunaldienst beurlaubt. Seine Amtsperiode endete offiziell erst am 5. Juli 1920. Am 25. Oktober 1920 verließ Wesemann die Stadt Bocholt, nicht ohne in einem Schreiben vorher zu versichern, dass er in dieser Stadt die wohl beste und glücklichste Zeit seines Lebens und seiner Wirksamkeit verbracht habe.
1922 wurde er zum Oberpräsidialrat (Vizepräsident) beim Oberpräsidium der Provinz Niederschlesien in Breslau ernannt. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Er kehrte nach Münster zurück, wo er am 2. Mai 1942 starb. Die Stadt Bocholt gedachte seiner durch die Umbenennung der Waisenhausstraße in Wesemannstraße am 22. Dezember 1920.

Ignaz Wigger
Ignaz Wigger wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges, am 17. Dezember 1939, als Pfarrer der St.-Michael-Gemeinde in Suderwick eingeführt. Er stammte aus einer Bauernfamilie in Holtwick, Kreis Coesfeld, wo er am 14. August 1887 geboren wurde. Am 6. Juni 1914 wurde er in Münster zum Priester geweiht. Danach war er 1914 Kaplan in Westerholt, 1924 in Lünen und 1925 in Henrichenburg. 1929 begleitete er seinen Bruder, der ebenfalls Priester war und in den USA arbeitete, zu einer einjährigen Amerikareise von New York bis San Francisco. Danach wurde er 1932 Vikar in Haltern und schließlich 1935 Pfarrektor in Oberhausen-Osterfeld. In Suderwick betreute er seine Gemeinde in den Kriegs- und Nachkriegsjahren sowie bis zu seinem Tode in den schwierigen Zeiten der Annektion West-Suderwicks durch die Niederlande. Pfarrer Wigger starb überraschend am 28. April 1955 im Bocholter Krankenhaus. Sein Grab befindet sich auf dem katholischen Friedhof von Suderwick. Am 18. September 1975 wurde der vorherige Schulweg in Suderwick in Wiggerstraße umbenannt.

Engelbert Wissing
Engelbert Wissing, geboren am 30. Mai 1789 in Doetinchem/NL, wurde am 5. September 1809 in Münster zum Priester geweiht. 1819 kam er als Vikar nach Bocholt, am 19. März 1821 wurde er Pfarrer der Kreuzkapelle in Hemden. Da diese Pfarrei sich überlebt hatte, - sie war Mitte des 17. Jahrhunderts für die Seelsorge im niederländischen Nachbargebiet errichtet worden, umfasste Anfang des 19. Jahrhunderts wegen der inzwischen gegründeten katholischen Gemeinden in Aalten und Bredevoort aber nur noch fünf Familien in Hemden - wurde sie aufgehoben und zugleich am 11. Mai 1823 die Kirchengemeinde St. Helena in Barlo gegründet. Engelbert Wissing wurde ihr erster Pfarrer und amtierte dort 30 Jahre. Der gesamte Aufbau der Pfarrei und der Kirche St. Helena, Barlo, lag in seinen Händen. Am 13. Oktober 1853 entsagte Wissing seines Amtes wegen seiner angegriffenen Gesundheit. Er verließ Barlo im November 1853, um das Pfarrhaus für seinen Nachfolger freizumachen, zog nach Anholt und verstarb dort am 4. Oktober 1860. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der katholischen Gemeinde in Barlo. Die Pfarrer-Wissing-Straße im Ortsteil Barlo wurde am 18. März 1976 benannt.

Adelgonde Wolbring (= Schwester M. Aloysia)
Adelgonde Wolbring wurde am 28. Januar 1828 in Rotterdam geboren. Ihr Vater Otto Arnold Wolbring stammte aus Stenern, ihre Mutter, Katharina Elisabeth geb. Möhren, aus Rotterdam. Der Vater starb, als Adelgonde zwei Jahre war. Als auch ihre Mutter wenig später starb, kam das verwaiste Mädchen 1833 aus Rotterdam zuerst nach Stenern, wo sie unter der Vormundschaft ihres Großonkels, des Bauern Gerhard Johann Wolbring, aufwachsen sollte. Der Haushalt des alten Mannes war aber für ein dreijähriges Kind ungeeignet, so dass sie bald zu ihrem Onkel Johann Bernhard Wolbring in Barlo kam. Nach ihrem Schuleintritt in Bocholt 1834 war der Schulweg zu lang, so dass das kleine Mädchen im Haus des Lehrers Hüsener untergebracht wurde, der sie sehr förderte. Nach dem Ende ihrer Schulzeit 1842 war sie als Haushaltshilfe zwei Jahre auf dem Stenerner Hof Tangerding, dann arbeitete sie auf dem Hof Wolbring. Am 1. September 1846 machte sie die Aufnahmeprüfung am Lehrerinnenseminar in Münster, wo sie am 23. August 1848 ihr Examen ablegte. Ihre erste Stelle fand sie in Coesfeld, wo sie auf ihre Kollegin Lisette Kühling traf, mit der sie sich eng befreundete. Die beiden jungen Lehrerinnen kümmerten sich außer Dienst um verwahrloste und verwaiste Kinder und unterhielten ab Ende 1849 in dem ehemaligen Kloster St. Annathal ein Waisenhaus. Am 1. Oktober 1850 trat Adelgonde Wolbring, nachdem sie durch niederländische Nonnen in das Ordensleben eingeführt worden war, als Schwester M. Aloysia gemeinsam mit ihrer Freundin in den Orden der Schwestern Unserer Lieben Frau ein. Nach einigen Jahren zogen die Niederländerinnen sich wieder in ihr Mutterkloster zurück, die deutsche Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau verselbständigte sich. Schwester M. Aloysia verließ Coesfeld Mitte November 1853 und wirkte als Lehrerin in Aldekerk, ab 1859 in Uedem. Dort stand sie auch einer Niederlassung ihres Ordens vor. Wegen des Kulturkampfes kündigte Schwester Aloysia Mitte 1874 in Uedem und schiffte sich mit einigen Mitschwestern nach Amerika ein, wo sie in Cleveland und Delphos wieder unterrichtete. Am 5. Juli 1886 übernahm sie die Leitung des Waisenhauses Mount St. Mary's. Dort starb sie am 6. Mai 1889. Von Amerika aus hatte sie stets Kontakt zu ihren Stenerner Verwandten, wie Briefe bezeugen, die sich noch heute im Familienbesitz befinden. Die Gemeinde Stenern ehrte die Ordensfrau durch die Benennung der Wolbringstraße am 18. November 1966.

Jeanette Wolff
Am 22. Juni 1888 wurde Jeanette Wolff als ältestes Kind des Händlers Isaac Cohen in Bocholt geboren. 1904 begann sie mit einer Ausbildung als Kindergärtnerin in Brüssel. Ein Jahr später arbeitete sie dort als Erzieherin, später auch als Journalistin und trat in die Sozialistische Jugend und Gewerkschaft ein. 1906 trat sie in eine belgische sozialdemokratische Partei ein. Ein Jahr darauf holte sie am Abendgymnasium das Abitur nach. 1908 heiratete sie, nach Bocholt zurückgekehrt, den Gemüsehändler Philipp Fuldauer aus Dinxperlo. 1909 verwitwete sie und heiratete 1911 den Kaufmann Hermann Wolff aus Dortmund. Dieser Ehe entstammten drei Töchter.
Mit Beginn der Weimarer Republik engagierte sie sich in der Kommunalpolitik und wurde SPD-Stadtverordnete in Bocholt. Schon früh begann sie, auf Parteitagen und im kleinen Kreis vor den Vorläufern des Nationalsozialismus zu warnen. Charakteristisch für ihre Lebensgrundsätze ist der Satz: "Zivilcourage ist die beste Waffe der Demokratie". Anfang Januar 1932 verzog die Familie Wolff nach Dinslaken, wo Hermann Wolff ein Textilgeschäft eröffnet hatte. Jeanette Wolff legte deshalb ihr Stadtverordnetenmandat in Bocholt nieder. Aufgrund ihres früheren Auftretens gegen die Nationalsozialisten wurde sie bereits am 5. März 1933 verhaftet. 1935 wurde sie aus der Haft entlassen und eröffnete in Dortmund eine Privatpension. Sie widmete sich sogleich wieder der Arbeit in jüdischen Organisationen, wo sie sich insbesondere um die Auswanderung und die Berufsumschulung politisch Verfolgter bemühte. Am 9. November 1938 wurde ihre Wohnung zerstört und ihr Ehemann verhaftet. 1939 wurde sie in eine "Judenwohnung" eingewiesen, ihre jüngste Tochter wurde verhaftet und 1944 in Ravensburg erschossen.
1942 kam Jeanette Wolff erneut in Haft. Sie wurde in das Rigaer Ghetto und danach in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Ihr Ehemann, der 1938 ins KZ Sachsenhausen gekommen war, wurde im April 1945 erschossen. Eine weitere Tochter und zwei ihrer Schwiegersöhne überleben ebenfalls nicht die Zeit im Konzentrationslager. 1945 schließlich wurde sie von den Russen befreit und kehrte nach Berlin zurück.
Ungebrochen engagierte sie sich wieder bei der SPD und wurde 1946 zur Stadtverordneten gewählt. 1951 zog sie mit dem Sonderstatus der Berliner Abgeordneten in den Bundestag ein. Sie war eine der wenigen jüdischen Bundestagsabgeordneten. Noch bis zuletzt arbeitete sie als Stadtälteste von Berlin ebenso wie als Vorsitzende des jüdischen Frauenbundes in Deutschland und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Sie war Vorstandsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland und u. a. Trägerin der Ernst-Reuter-Medaille, des großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland sowie mehrerer israelischer Auszeichnungen. Jeanette Wolff starb in Berlin am 19. Mai 1976. Der Jeanette-Wolff-Weg wurde am 18. September 1979 nach der prominent gewordenen ehemaligen Stadtverordneten benannt. Auch das Jeanette-Wolff-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt erinnert an sie.


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