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Stadtgeschichte: Über Dr. August von Bönninghausen, "unsen olden Raot"

Bocholter Stadtarchiv präsentiert historisches Foto des Monats


Bocholt (PID) - Seit Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts lebte und wirkte in Bocholt eine Persönlichkeit, die unter den Bürgern als „unsen olden Raot“ bekannt war. Die Rede ist hier von dem Arzt und Kommunalpolitiker Sanitätsrat Dr. med. August von Bönninghausen.

Der Angehörige eines westfälischen Uradelsgeschlechtes wurde am 20. August 1841 in Coesfeld als Sohn des Steuereinnehmers Clemens von Bönninghausen und Clara Rothmann geboren. Nach seinem Medizinstudium ließ er sich in Bocholt nieder und heiratete Antonia Koelmann. Sie schenkte ihm zehn Kinder, verstarb aber schon 1890.

Die Familie bewohnte ein Haus an der nördlichen Marktseite, unmittelbar am Rathaus. Ein paar Schritte weiter, am Beginn der Nordstraße, führte Dr. von Bönninghausen seine Praxis. Nachmittags sah man ihn regelmäßig mit seiner Kutsche zur Stadt hinausfahren, um seine Patienten auf dem Lande zu versorgen.

Ratsmitglied, Schöffe, Schützenverein

Neben seinem Beruf betätigte sich der Mediziner auch in der Kommunalpolitik. Von 1892-1909 gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an und vertrat darin eine liberale Richtung. Darüber hinaus betätigte er sich zwischen 1889 und 1899 in der Armenkommission und von 1894-1902 als Mitglied im Kuratorium des Realprogymnasiums. Der Stadtverwaltung diente Dr. von Bönninghausen ab 1902 sieben Jahre lang als zweiter Schöffe. Zu erwähnen ist noch seine Mitgliedschaft im St.-Georgius-Schützenverein, dessen Vorsitz er mehr als ein Vierteljahrhundert innehatte.

Der alte Rat August von Bönninghausen machte sich auch als Redner einen Namen. Bei der Übergabe des Kaiser-Wilhelm-Denkmals 1898 hielt er die Festrede, ebenso bei der Verabschiedung des Bürgermeisters Rudolf Geller im Jahre 1908. Im Jahr darauf verzichtete er selbst auf alle Ämter, verkaufte seine Besitzung am Markt und zog in ein Haus in der Kirchstraße, wo er seinen Lebensabend verbrachte. 

Dr. August von Bönninghausen verstarb nach langem Leiden am 3. Mai 1912 in Pützchen bei Bonn. Mit ihm war der letzte Bocholter Bürger dahingeschieden, der den großen Krieg 1870/71 mit der ranghöchsten Auszeichnung mitgemacht hatte. „Denn die Brust dieses […] Mannes, der in seinem Äußeren an die kraftvolle Gestalt Bismarcks erinnerte, zierte neben dem Roten Adlerorden und allen Kriegsdenkmünzen das Eiserne Kreuz 2. Klasse“, schrieb das Bocholter Volksblatt in einem Nachruf. Der in der Löverick-Siedlung befindliche „Bönninghausenweg“ trägt seit 1961 seinen Namen.



03.05.2021 06:00
Kategorie: Stadtgeschichte



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