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Stadtgeschichte: Die Villa Drießen an der Kaiser-Wilhelm-Straße

Bocholter Stadtarchiv präsentiert das historische Foto des Monats


Bocholt (PID) - Wer beim Anblick dieses prachtvollen Gebäudes spontan glaubt, es handele sich hierbei um die historische Ansicht des Gutshauses in Märkisch-Wilmersdorf (Brandenburg), einen Teil des Schlosses Kittendorf (Mecklenburgische Seenplatte) oder um ein vornehmes Anwesen in der englischen Provinz, der irrt. Dem Betrachter eröffnet sich vielmehr die seltene Ansicht einer klassischen Schönheit mitten aus dem Bocholt des 19. Jahrhunderts: das Bild der Villa Drießen an der Kaiser-Wilhelm-Straße.

Daran erinnert jetzt das Stadtarchiv Bocholt in der Reihe "Historisches Foto des Monats".

Der Kaufmann Hermann Drießen (1832-1871) erbaute dieses Wohnhaus im Jahre 1863 auf dem Fabrikgelände der einstigen Spinnerei Gebrüder Drießen vor dem Neutor südlich der Aa. Zu sehen ist hier die Ostseite des im englisch-gotischen Stil errichteten Hauses, die ein Fotograf etwa 1930 aufnahm. Dabei fällt sofort die dreigeteilte Konstruktion des Gebäudes ins Auge: Das zweigeschossige Mittelhaus besitzt einen Ausgang mit Freitreppe zum Garten, und die oben mit Rechteckzinnen ausgestattete Attika verdeckt das Dach so gut wie vollständig. An den Fenstern sind Rollläden mit Blechverblendungen angebracht. Links dominiert ein dreistöckig angebauter Eckturm in Form eines Oktogons mit Rechteck-, Zwillings- und gedrückten Spitzbogenfenstern sowie einem bekrönten Dachaufbau.

Dagegen ist der etwas kleinere Eckturm rechts in einem quadratischen Umriss gehalten und mit zinnenbekränztem Abschluss und schlanken, freistehenden Ecksäulen versehen. Überall finden sich an der Fassade neugotische Zierelemente mit Maßwerkbändern in Form von sogenannten Nonnenköpfen sowie Drei- und Vierpass-Ornamente unterhalb der Fenster.

Das Foto mag vielleicht an einem Novembertag entstanden sein. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man rechts hinter den hohen Bäumen den heute noch existierenden, rund 34 Meter hohen und denkmalgeschützten Fabrikschornstein der einstigen Spinnerei Drießen, der nunmehr baulich an das Einkaufszentrum der Shopping-Arkaden angegliedert ist.

Es heißt, dass der Fabrikant Hermann Drießen einst die Baumwollrohstoffe direkt aus England bezog. Insofern ist es gut möglich, dass er sich gelegentlich daselbst aufhielt und seine in architektonischer Hinsicht gewonnenen Eindrücke in die Pläne für sein Wohnhaus einfließen ließ.

Sein Bruder Carl Drießen (1841-1921) erbte das Anwesen, sodann dessen Sohn Albert Drießen (1871-1934). Bei dem schweren Bombenangriff auf Bocholt brannte die Villa Drießen am 22. März 1945 vollständig aus. Die Erbengemeinschaft der Familie beantragte Mitte November 1959 den Abbruch der Ruine an der Ecke zur Hohenzollernstraße, der umgehend begann. Anschließend wurde dort mit dem Bau von Verkaufs- und Lagerräumen der Installationsfirma „Concordia Elektrizitäts AG“ (CEAG) begonnen. Heute erstreckt sich an besagter Stelle die Ludwig-Erhard-Straße.



04.11.2022 07:00
Kategorie: Stadtgeschichte



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