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Reichspogromnacht: Stilles Gedenken am Haus des Handwerks

August Vallée trat einst den Nazis mutig entgegen // Enkel Manfred erinnert sich


Bocholt (PID) - Zum stillen Gedenken an das den Bocholtern jüdischen Glaubens in der Nacht vom 9./10. November 1938 zugefügte Unrecht lädt Erster Stadtrat Thomas Waschki in Vertretung von Bürgermeister Nebelo die Bevölkerung am 80. Jahrestag der Pogromnacht am Freitag, 9. November 2018, um 19:30 Uhr zur Gedenkstätte für die Synagoge vor dem Haus des Handwerks, Europaplatz 17, ein.

Waschki wird die Gedenkrede halten. Schülerinnen und Schüler des Mariengymnasiums werden musikalisch und mit Sprechmotetten (in mehrere Teile gegliederter geistlicher Chorgesang) zum Gedenken beitragen. 

Die „Bühne Pepperoni“ zeigt anlässlich dieses Gedenktages um 20:30 Uhr im Kinodrom, Meckenemstraße, den Film „Die Unsichtbaren“.

„Großvater hat sich nach der ‚Kristallnacht‘ sehr verändert!“

Es ist die Nacht vom 9./10. November 1938: Bei einer Gedenkstunde der Nazis für die „Opfer der Bewegung“ im Schützenhaus erhielten die etwa 600 Anwesenden den Befehl, die Wohnungen der Juden und die Synagoge in der Nobelstraße zu zerstören. Kurz nach 23 Uhr stand ein gößerer Trupp Nazis drohend vor dem Haus Königstraße 9. Hier wohnte u. a. die Witwe Rachel Zytnik mit ihren beiden Kindern Edith (5 Jahre) und dem sechsjährigen Manfred. 

Die Nazis hatten aber nicht mit dem Nachbarn, dem Bauunternehmer August Vallée (69), gerechnet. In seiner ganzen Größe baute sich der ehemalige Gardeoffizier vor der Wohnung der Zytniks auf und verwehrte dem Nazi-Mob den Zutritt. Was dabei gebrüllt wird, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass die Nazis abzogen.

Vallées Enkel Manfred erinnert sich daran, wie sich sein Großvater nach dieser Nacht stark veränderte: „Er war früher immer sehr fröhlich und uns Kindern zugewandt gewesen. Nach der ‚Kristallnacht‘ veränderte er sich sehr. Er wurde scheu und zog sich zurück.“ Ob sein Großvater von der „Partei“ bedroht oder gemaßregelt wurde, weiß Manfred Vallée nicht.

Brief von Levy Nußbaum

Vallées sehr mutiges Einschreiten gegen die Nazis wäre in Bocholt längst vergessen gewesen. Gäbe es nicht einen Brief, den der damals schon nach Köln verzogene frühere jüdische Lehrer und Seelsorger in Bocholt, Levy Nußbaum, am 15. Mai 1939 an Verwandte in den USA schrieb. Darin schreibt Nußbaum zu August Vallée: „Dann hat sich noch der lange [August] Vallée – Königstraße (Gardeverein) - fabelhaft benommen, indem er sich schützend vor die Wohnung der armen [Frau] Roth-Zitnik [sic] gestellt und die Banditen nicht heraufgelassen hat. [...]“

August Vallée, geboren 1869, hatte seinen Militärdienst in einem Garderegiment abgeleistet. In der Königstraße 21 betrieb er ein Baugeschäft. Am 21. Oktober 1944 starb Vallée in Bocholt.



06.11.2018 07:00
Kategorie: Bildung und Kultur



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