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"In der Synagoge war alles total zerstört..."

Karl Terhart (1923 - 1996) erinnert sich an die Pogromnacht 1938 - Heute Abend, 19.30 Uhr, stilles Gedenken


Als Karl Terhart am Morgen des 10. November 1938 von der Münsterstraße zu seiner Ausbildungsstelle in der Ravardistraße fuhr, nahm er die eingeschlagenen Fensterscheiben an den Häusern der Juden wahr. In einem Gespräch mit Josef Niebur  und Werner Sundermann erinnerte sich Terhart im Jahre 1995: „In  der Frühstückspause sagte ein Kollege zu mir: ,Die Synagoge wurde kaputtgeschlagen. Wir gehen dahin!' Vor der Synagoge lagen auf dem Rasen die Scherben der eingeschlagenen Scheiben: „Die Eingangstür aus den Angeln.  In der Synagoge war alles total zerstört, man hatte regelrecht herumgewütet. Hier herrschte ein Durcheinander. Die Bänke lagen durcheinander und waren kaputtgeschlagen. Es war nichts mehr an der Stelle, wo es hingehörte. Der Thoraschrein war ganz durcheinander, alles war heruntergeschlagen. Der Boden war feucht, es roch nach Petroleum." - Erinnerungen an die Pogromnacht 1938 in Bocholt eines fünfzehnjährigen Jugendlichen.

Verwüstungswerk

Vorausgegangen war den Zerstörungen in der Synagoge und den Häusern der Bocholter jüdischen Glaubens eine Gedenkfeier für die „Opfer der Bewegung“ im Jahre 1923. Dazu waren etwa 600 Männer am Abend des 9. November 1938 in das Schützenhaus an der Kaiser-Wilhelm-Straße befohlen worden. In seiner Ansprache hatte NSDAP-Kreisleiter Upmann – nach einem Urteil  von 1948 gegen acht ehemalige Nazis aus Bocholt - gehetzt, „dass als Vergeltung gegen den Mord an dem Legationsrat vom Rath eine Demonstration gegen die Juden durchgeführt werden solle. In allen Wohnungen der Juden seien die Fensterscheiben einzuschlagen und das Mobiliar zu zertrümmern.“.  Danach wurden die Anwesenden in kleine Trupps eingeteilt und zu den Häusern der Bocholter Juden und zur Synagoge geschickt, wo sie ihr Verwüstungswerk begannen. Allein dem entschiedenen Eingreifen des Schreinermeisters Karl Hülskamp, der seine Werkstatt neben der Synagoge hatte, ist es zu danken, dass ein bereits in der Synagoge entzündetes Feuer gelöscht werden konnte. Fast alle Häuser und Geschäfte der Menschen jüdischen Glaubens wurden aber demoliert.

Stilles Gedenken heute Abend

Der Bürgermeister lädt zum stillen Gedenken um 19.30 Uhr an der Gedenkstätte für die Synagoge vor dem Haus des Handwerks, Europaplatz 17, ein. SchülerInnen des Mariengymnasiums werden Texte lesen und das Gedenken musikalisch gestalten. Worte des Gedenkens wird Bürgermeister Peter Nebelo sprechen, Pfarrer Matthias Hembrock (St. Georg) spricht ein Gebet. Anschließend bietet die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Westmünsterland um 20.15 Uhr in der Christuskirche, Schwartzstraße, das Konzert „CHOFIM – Ufer“ an: Esther Lorenz singt Lieder aus Israel, begleitet von Hendrik Schacht an der Gitarre. Der Eintritt zum Konzert ist kostenlos.



09.11.2017 08:06
Kategorie: Bildung und Kultur
Von: Bruno Wansing
Innenansicht der Synagoge nach der Zerstörung vom 9. November 1938 - Foto: Stadtarchiv

Innenansicht der Synagoge nach der Zerstörung vom 9. November 1938 - Foto: Stadtarchiv



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