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„Die Synagoge war schon kaputtgeschlagen!“

9. November 1938: Pogrom in Bocholt / Heute Abend stilles Gedenken


Bürgermeister Thomas Kerkhoff lädt die Bevölkerung heute Abend um 19.30 Uhr zum stillen Gedenken ein. Ort ist die Gedenkstätte an die zerstörte Bocholter Synagoge vor dem Haus des Handwerks am Europaplatz.

In seiner Gedenkansprache wird Kerkhoff daran erinnern, dass die Synagoge in der Nacht vom 9./10. November 1938 völlig verwüstet wurde. Schülerinnen und Schüler des Mariengymnasiums werden u.a. aus einer Rede von Bundespräsident Steinmeier lesen und die Erinnerung an die Verbrechen der Nacht vor 83 Jahren musikalisch gestalten. Nach dem Gebet von Pfarrer Axel Gehrmann wird das Gedenken mit einer Zeit der Stille zu Ende gehen.  

Karl Hülskamp kann Schlimmeres verhindern

Die Nazis wollten auch in Bocholt die Synagoge niederbrennen. Das verhinderte Karl Hülskamp, der neben der Synagoge wohnte und hier seine Schreinerei betrieb. Er hatte mitbekommen, dass Nazis versuchten, das Gebäude anzuzünden. Der Schreinermeister gab hierzu am 30. Juni 1948 im Ermittlungsverfahren gegen sechs Bocholter wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu Protokoll: „Ich ... ging aus meiner Wohnung, um draußen nach dem Rechten zu sehen. Unter den Leuten sah ich den mir bekannten  Standartenführer Wolff. Ich sagte zu diesem, dass er die Aktion sofort einstellen sollte, anderenfalls ich Anzeige wegen Brandstiftung erstatten würde.  Wolff hat ... gepfiffen und die Leute sind abgezogen. Die Synagoge war jedoch schon kaputtgeschlagen“.  

Eine Augenzeugin berichtet später:

Hülskamps Nachbarin Anna Roloff erinnerte sich 1988 in einem Interview an diesen Augenblick. Danach soll Karl Hülskamp mit den befehlenden Worten „Makt ey wall dat Fuer ut, sonst schloa ik dij dod!“ auf die in der Synagoge randalierenden Nazis zugegangen sein. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen soll er das gerade entstandene Feuer ausgetreten haben.  

Späte Sühne

Es dauerte nach der Befreiung 1945 drei Jahre, bis Wolff und weitere sieben Männer aus Bocholt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Pogromnacht angeklagt wurden. Das Landgericht Münster verurteilte die Angeklagten am 30. September 1948 zu in Anbetracht der Verbrechen geringen Haftstrafen von nur wenigen Monaten. Doch niemand von ihnen musste ins Gefängnis. Die Verurteilten kamen in den Genuss einer Amnestie. Nur für einen Angeklagten hatte der Prozess dennoch Folgen: Ein Studienrat konnte nach Weisung des Regierungspräsidenten Münster nie wieder als Lehrer tätig werden.

Um 20 Uhr wird im Rahmen der Reihe "Der besondere Film" im Kinodrom Bocholt der Film "Ein nasser Hund" gezeigt.



09.11.2021 00:01
Kategorie: Stadtgeschichte
Die Bocholter Synagoge wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1933 völlig verwüstet

Die Bocholter Synagoge wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1933 völlig verwüstet



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