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Buchstabe W

Wäterken, dat Gäle - (niederdt. "Gelbes Wasser")

Ein kurvenreicher ehemaliger Bach, im Norden der historischen Stadt von Osten nach Westen verlaufend. Das Gäle Wäterken wurde ursprünglich für die Wasserzufuhr in den äußeren Befestigungsgraben angelegt, die seit dem Ausbau der Befestigungsanlagen durch die hessische Besatzung (1642-1650) notwendig wurde. Die Anlage war durch topographische Geländegegebenheiten bedingt: Der südliche Teil der historischen Stadt liegt tiefer als der nördliche. Das Wasser der Bocholter Aa allein hätte niemals den östlichen, nördlichen und westlichen Teil des Außengrabens füllen können! Das Gäle Wäterken hatte also die wichtige Funktion des Wasser-Zulieferers. Vor ihrem Abzug im Frühjahr 1650 verlangten die Hessen, dass die gesamten Befestigungsanlagen geschleift würden. Bei der Schleifung der Wälle wurde der Sand zur Verfüllung der Befestigungsgräben gebraucht. Etwa in der Mitte des Außengrabens wurde eine Vertiefung für das (später sog.) Gäle Wäterken gelassen. Nach 1650 verringerten sich seine Breite und Tiefe, weil es keine Verteidigungsaufgaben mehr hatte.Seine Funktion lag dann in der Ableitung von Regen- und Abwässern.  Durch die spätere Kanalisation verlor das Gäle Wäterken die Aufgabe zur Entsorgung von Regen- und Abwasser. Allmählich wurde das Gewässer verrohrt, zugeschüttet oder ganz aufgegeben. Heute ist das Gäle Wäterken an keiner Stelle der Stadt mehr als fließendes Wasser zu sehen. Woher kam und welchen Weg floss das Gäle Wäterken? An der Nordwest-Ecke der I.-v.-Meckenem-Realschule zweigte ein Wasserlauf vom Sandbach ab, der nördlich bis an die Reygersstraße ging, das sogenannte Gäle Wäterken (nur auf einer Karte von 1912 eingetragen). Der weitere Lauf ist durch Bodenverfärbungen und heute noch sichtbare Lücken zwischen Häusern erkennbar. - In der Augustastraße, Höhe Viktoriastraße, erreichte der Wasserlauf den äußeren Befestigungsgraben und brachte ab hier zusätzliches Wasser. Hinweise auf die seit 1650 geschleiften Wälle und Gräben und den darin offen gelassenen Lauf des Gälen Wäterken sind ab der Viktoriastraße zu finden und in tiefer liegenden Gärten zu sehen. - Im 19. Jh. wurde eine Unterquerung der Nordstraße durch einen gemauerten Gang geschaffen, der zwischen den Häusern 56 und 58 begann und beim ehemaligen Hotel Kaisereck, Nr. 61-63, endete. - Das Gäle Wäterken mündete schließlich in der Ravardistraße in den Stadtgraben, dicht am Stadttor. Namenserklärung "Gelbes Wasser": Die Gelbfärbung wird durch das in unseren Feuchtgebieten fast überall im Boden lagernde Raseneisenerz (Ortstein oder Ure) hervorgerufen. Verfärbungen kommen eindeutig durch in den Graben austretendes Grundwasser zustande, wobei aus den umliegenden Feldern Eisenoxyde (Ortstein) und Lehmteilchen ausgeschwemmt werden.

Lit.:
Felix Drucks, Ein Stück Bocholter Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 38 (1987) H. 4, S. 78-80.
Werner Sundermann / Georg Letschert, Das "Gäle Wäterken". Ein Relikt der Hessenbefestigung aus den Jahren 1642 - 1650, in: UNSER BOCHOLT Jg. 50 (1999) H. 1, S. 9-24.

Werner Sundermann (14.10.09 09:27 Uhr)


Den Wäwedamp

Unter diesem Titel schuf Johannes Ostendorf ein niederdeutsches Volksspiel in 5 Aufzüge.

Von alters her klapperte in der Stadt Bocholt und der Umgebung der Handwebstuhl. Die Weber lieferten die fertige Ware bei dem "Fabrikanten" ab und erhielten von diesem Garne zu neuer Arbeit. Der Verdienst war gering, genügte aber in Verbindung mit den Erträgnissen eines kleinen Ackerbaues zur Bestreitung einer einfachen, anspruch­losen Lebenshaltung. Man war im Grunde zufrieden. Da meldete sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Stärkerer, die Dampfmaschine, an. In dem ungleichen Kampf mit dieser Kraft wurde die Handweberei nach und nach ganz verdrängt. Auf diesem geschichtlichen Grund erhebt sich die Handlung des Volksspiels "Den Wäwedamp", das bei Gelegenheit des 700-jährigen Jubiläums der Stadtwerdung Bocholts unter der Spielleitung von Dr. Klemens Becker und Bühnenbildner Hans Pelster durch den Bocholter Verein für Heimatpflege e.V. seine erste Aufführung erlebte. Viele Aufführungen folgten in unregelmäßigen Abständen bis in die Jetztzeit, so z.B. zur Eröffnung des Westfälischen Textilmuseums vom 20. bis 21.5.1989 durch die Laienspielschar der Kolpingfamilie Bocholt Zentral. Ort der Handlung: Bocholt Zeit: Ausgang des Winters 1852 D i e  H a n d l u n g : Linnebrink, ein angesehener und einflussreicher Fabrikant, plant den Bau einer Dampfweberei. Die Weber erkennen darin eine Gefahr für ihr Handwerk. Vor allem Jans Drömmelgaorn, der mit ganzem Herzen an der alten Zeit hängt, lehnt sich mit der vollen Kraft seines westfälischen Charakters gegen die Errichtung der "Düwelsfabrik" (Teufelsfabrik) auf. Damit ist er in Konflikt gesetzt: Linnebrink muss als vorausschauender Kaufmann den Plan durchführen, Jans Drömmelgaorn kann von dem Erbe der Väter nicht lassen. Verschärft wird der Gegensatz noch dadurch, dass Drömmelgaorns Frau Leide besser über die neue Zeit denkt, ihren braven, strebsamen Sohn Henderk in bessere Verhältnisse wünscht und gegen den Willen ihres Mannes das Verhältnis Henderks zu Franziska, der Tochter des weniger beliebten "bätern Börgers" Wessel-Bernhard, begünstigt. Da Linnebrink seinen Plan noch geheim gehalten hat, sind bisher nur dunkle, verzerrte Gerüchte laut geworden. Beim "Fettpriesen" (Schlachtfest), zu dem der biedere Wessel-Baas seine Nachbarn eingeladen hat, nehmen die Gerüchte bestimmtere Form an. Hier macht Seggewiß, der Faktor Linnebrinks, Mitteilung über Ort und Zeit der Errichtung des "Wäwedamp". Nun bricht die Erregung, nicht ohne Einwirkung der reichlich geflossenen Gastgaben des Fettpriesens los und die Tischgesellschaft beschließt zuletzt, gemeinsam zu Linnebrink zu ziehen und von ihm Rechenschaft zu fordern. Jans Drömmelgaorn ist allen voran. Im 4. Akt treffen wir die Handwerker bei Linnebrink wieder. Unterstützt durch einen glücklichen unglücklichen Unfall, den die wegen ihrer Herzensgüte hoch geachtete Frau Linnebrink bei dem erregten Auftritte erleidet, gelingt es Linnebrink, die Gemüter zu beruhigen und die Weber für seinen Plan zu gewinnen. Nur Jans, der in der unheimlichen Dampfmaschine nur den Vernichter sieht, ist nicht zu bewegen. Er will, so schwer es ihm auch wird, schließlich auf den Obstgarten, den Linnebrink von ihm zurücknehmen muss, verzichten "wenn ihm und den Anderen" das Erbe der Väter, das Webe-Täu, erhalten bleiben kann. Doch das ist nicht möglich. Vernichtet wankt Jans hinaus. Wie er zu allem daheim noch erfährt, dass Henderk Linnebrink gewarnt hat, verliert er alle Besonnenheit. Er weist Franziska die Tür und gebietet seinem Sohne, das Verhältnis noch heute abzubrechen. Da Henderk das nicht kann, weist der Vater auch ihn hinaus. Nun tritt Wessel-Baas herein, ein Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck und das rechte Wort stets bereit hat. Ihm gelingt es, Jans zur Einsicht zu bringen, dass er zu weit gegangen ist. Wie nun auch Linnebrink mit seiner Frau erscheint, dem lieben Jans auch weiterhin Arbeit für seinen Handwebsluhl zusichert und Henderk die Meisterstelle in der neuen Fabrik anträgt, weicht der hartnäckige Widerstand einer ruhigeren Überlegung. Jans erkennt, dass Henderk und Franziska zusammengehören und segnet die Verbindung. Zu einer Anerkennung der neuen Zeit und der Dampfweberei aber ist er nicht zu bewegen. Und so klingt die Handlung in die bedeutungsvolle Warnung aus: "Kinder, Kinder, wahrt ou, dat ou den Fuckepott (die Dampfmaschine) net de Baas würd!"  

Lit.:

  • Johannes, Ostendorf, Den Wäwedamp, n Bokels Spöll, in: UNSER BOCHOLT 1. Jg.(1950),H.3,S.70.
  • Ders., Den Wäwedamp, I. Aufzug,ebda.H.4, S.91-97. II-III. Aufzug,H.5,S.117-124;5.-12.Auftritt, ebda.H.6, ,S.145-150; IV. Aufzug,ebda.,H.10,S. 253-256; 8.-19. Auftritt, ebda.,H.11, S.277-280; V.Aufzug,ebda.,H.12,S.308-312.
  • Ders., Den Wäwedamp. Ein Volksschauspiel in fünf Aufzügen (Auszug), in:UNSER BOCHOLT, 41.Jg.(1990),H.2-3,S.86-88.
  • Hans D. Oppel, Johannes Ostendorf. Ein Leben für die Kultur, in: UNSER BOCHOLT 34.Jg.(1983),H.1, S.64-67.

Dr. Klemens Becker (+) und Dr. Hans D.Oppel (06.08.10 10:32 Uhr)


Walderholungsstätte

Die am 25.6.1913 eröffnete Kuranlage wurde durch den Verband für Wohlfahrtspflege als Sommertagesstätte für tuberkulosegefährdete Kinder auf einem zwölf Morgen großen Pachtgrundstück an der Alffstraße eingerichtet und am 25.6.1914 unter Beteiligung der Stadt Bocholt um einen zweiten Bauabschnitt mit Schlafsälen erweitert. Mit Unterbringung von Kindern im Wege der Kriegswohlfahrtspflege 1914/1918 begann am 29.11.1915 der Ganzjahresbetrieb mit durchschnittlich sechswöchigen Kuren.

1918 Kostenübernahme der Stadt Bocholt und Sparkasse der Stadt Bocholt. Durch private Spenden, Grundstückstausch der Stadt und öffentliche Restfinanzierung erfolgte am 4.8.1920 Erweiterung von 24 auf 40 Betten sowie Anbau einer Kapelle. Damit Abschluss des Grunderwerbs durch die Stadt und deren Armenfonds. 1926 Erweiterung um Bestrahlungsräume für Höhensonnen und Quarzlampen; 1930 Einrichtung eines Wäschereigebäudes. Am 1. März 1936 übernahm die NSV die Walderholungsstätte mietweise bei gleichzeitig stattfindenden Umbauten und Renovierungen. Dabei Erweiterung um ein Fachwerkgebäude mit zwei Schlafräumen auf 150 Betten. Die NSV betrieb die Ablösung der bis dahin tätigen Clemensschwestern durch weltliche Kräfte und verfügte Aufnahme ausschließlich auswärtiger Kinder. 1939 Abbau der Kapelle und Übergabe an die Pfarrgemeinde St. Georg, die diese in Hemden (St.-Helena-Kapelle) wieder aufbaute. Im 2. Weltkrieg Rückgang auf 70 Betten und Einrichtung einer Ausweichstelle für das St.-Agnes-Hospital (1943). 1944 weiterer Anbau an der Stätte der ehemaligen Kapelle mit fünf Räumen und Versorgungsräumen als Ausweichstelle für die Stadtverwaltung. Für zwei Monate Unterbringung einer HJ-Hundertschaft.

Ab 10.2.1945 Unterbringung von Teilen und nach dem Großangriff auf Bocholt am 22.3.1945 des gesamten St.-Agnes-Hospitals bei größtem Platzmangel. Selbst der Bunker diente als Schlafstätte.

1946 Eröffnung einer neuen Krankenbaracke (St. Klemens) mit 2 Räumen und 40 Betten bei insgesamt 170 Krankenbetten, der 1947 die Eröffnung einer weiteren Krankenbaracke bei dann insgesamt 220 Krankenbetten folgte.

1949 schrittweise Überführung von Kranken in das wieder erbaute St.-Agnes-Hospital. 146 Betten blieben.

1951 weitere Rückführung von Krankenabteilungen in das St.-Agnes-Hospital, wobei 51 Betten für Kinder und männliche Lungenkranke blieben.

1953 Umzug der letzten Krankenabteilungen in das St.-Agnes-Hospital. Anschließend, bis 1960, Durchgangslager für Ostvertriebene und Flüchtlinge. Danach leerstehend.

1964-1974 übernahm die Bocholter Caritas die Gebäude als Tagesstätte für geistig behinderte Kinder mit einer Anlernwerkstatt. Anschließend Abriss der Gebäude bis auf den weitläufigen Kellerbunker aus dem 2. Weltkrieg, dessen Relikte erhalten sind.    

Lit.: Josef Simon, Bauliche Entwicklung der Stadt Bocholt in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts (Bocholt, 31. Dezember 1950), 4. Fortsetzung, in: UNSER BOCHOLT Jg. 39 (1988) H. 3, S. 10-11. Wilhelm Seggewiß, Bocholts Kampf gegen die Tuberkulose in der stadteigenen Walderholungsstätte, in: UNSER BOCHOLT, Jg. 45 (1994) H. 2, S. 20-24.

Dr. Hans D. Oppel (03.09.08 10:26 Uhr)


Wallfahrt Haltern zum Annaberg

Älter als die Wallfahrten nach Kevelaer ist die Wallfahrt zum Annaberg nach Haltern. Urkundlich erwiesen ist, dass schon vor 1378 auf dem Annaberg eine Kapelle gestanden hat, die vermutlich der Mutter Maria geweiht war. Im Jahre 1556 hört man vom heutigen Annaberg. Dies ist wohl die Zeit der ersten Anna-Wallfahrten. Bereits 1620 ist von einer größeren Wallfahrt aus Bocholt zum Annaberg die Rede. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebte diese Wallfahrt sehr auf. Sie zählte zeitweise 400 bis 600 Teilnehmer.   Auch diese Wallfahrt war zunächst eine Fußwallfahrt. Dann pilgerte man mit Pferd und Wagen, später mit der Eisenbahn und zuletzt mit Omnibussen. 1766 beanstandete die fürstbischöfliche Regierung, dass abergläubische Bräuche, wie das Mitführen von Tieren bei Prozessionen, um sich gegriffen hätten. Vor der Wallfahrt 1787 wurde aufgrund einer kurfürstlichen Verordnung die Wallfahrt zum Annaberg verboten. Als Begründung wurden "allerhand Unordnungen, Insolenzien und Scandalen" angegeben. Aber weiterhin wurde die Schutzpatronin der Familie, die Hl. Mutter Anna, verehrt. Die Fußprozession wurde 1895 durch einen Beschluss des Pfarrers Franz Richter in eine Bahnprozession umgewandelt. Im gleichen Jahr wurde auch zum ersten Mal eine Bahnprozession nach Kevelaer (s. Familienwallfahrt Kevelaer) durchgeführt. Die Annaberg-Wallfahrt hat nach dem 2. Weltkrieg Teilnehmer verloren. 1985 waren es, einschließlich jener aus Rhede und den umliegenden Bauernschaften, noch etwa 150 Pilger. Heute pilgern nur noch einzelne kleine Gruppen und Vereine zum Annaberg.

Lit.: Kirchenkalender 1985 Seite 106/107 "Hallo, Ihr Bocholter, hier spricht Anna".
Heinz Terhorst, Chronik der Bocholter Kirchengeschichte, Bocholter Quellen und Beiträge Bd. 8.
Dr. Elisabeth Bröker, 250 Jahre Fußprozession Bocholt-Kevelaer, in: UNSER BOCHOLT Jg. 34 (1983) H. 2. siehe auch:
Wallfahrt Kevelaer: Fußwallfahrt, Familienwallfahrt, Radwallfahrt Frauen, Radwallfahrt Männer. Wallfahrt Marienbaum.

Johann Telaar (11.12.08 10:53 Uhr)


Wallfahrt Kevelaer, Familienwallfahrt

Nachdem die Bahnstrecke Bocholt-Wesel am 1. Juli 1878 in Betrieb genommen wurde, konnten auch diejenigen Bocholter, die die Strapaze der Fußwallfahrt nicht mehr auf sich nehmen konnten, das Marienheiligtum in Kevelaer besuchen. 1895 kam die erste Wallfahrt zustande. Als Termin wurden der Samstag und Sonntag nach der Fußprozession festgelegt. In den ersten Jahren waren die Teilnehmer so zahlreich, dass Sonderzüge die Pilger befördern mussten. Die Zahl der Bahnpilger stieg bald auf 2.000 an. Die Prozession zog am Samstag Mittag nach einer kurzen Segensandacht zum Bahnhof Bocholt und nahm am Sonntag bei der Rückkehr den Weg zur St.-Georg-Kirche zur Schlussandacht. Die Bahnprozession hat bis einschließlich 1942 stattgefunden. Mit dem einsetzenden Luftkrieg wurde die Gefahr zu groß, und die Sicherheit der Pilger war nicht mehr gewährleistet. Hinzu kam, dass die Reichsbahn aus kriegsbedingten Gründen für den Pilgerverkehr keine Züge mehr zur Verfügung stellen konnte. So war die Bahnwallfahrt 1942 vorerst die letzte. Die erste Wallfahrt nach dem Kriege konnte am 10. und 11. September 1949 stattfinden. Wegen der zerstörten Rheinbrücke bei Wesel nahm der Sonderzug den Weg über die Eisenbahnbrücke bei Duisburg und fuhr weiter über Krefeld nach Kevelaer. Wegen Übernachtungsschwierigkeiten in der Hauptwallfahrtszeit wurde die Wallfahrt 1959 in den Monat Mai verlegt und an einem Sonntag durchgeführt. 1964 wurde die Bahnprozession auf Omnibusse umgestellt. Die Teilnehmer der Familienwallfahrt - so nannte sich jetzt die frühere Bahnprozession - waren am gleichen Tag in Kevelaer wie die Radpilger. 1972 übernahm der Vorstand der Fußpilger die Durchführung der Familienwallfahrt. Alle Andachtsübungen werden erstmalig seit 1973 in dieser Form für beide Gruppen gemeinsam durchgeführt. Auch in den folgenden Jahren hat sich diese Regelung der Familienwallfahrt als günstig erwiesen.  

Lit: Dr. Elisabeth Bröker, 250 Jahre Fußprozession Bocholt-Kevelaer, in:UNSER BOCHOLT Jg. 34 (1983) H.2.

siehe auch: Wallfahrt Kevelaer: Fußwallfahrt, Radwallfahrt Frauen, Radwallfahrt Männer. Wallfahrt Haltern zum Annaberg. Wallfahrt Marienbaum.  

Johann Telaar (09.02.09 13:24 Uhr)


Wallfahrt Kevelaer, Fußwallfahrt

Auf einer Synode des Bistums Roermond in Venlo sagte Hendrik Busman, ein Handelsmann aus Geldern, unter Eid aus, dass er im Winter 1641 auf dem Weg nach Kevelaer am Hagelkreuz eine Stimme gehört habe, die ihm auftrug: "An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen". Dass in diesem Heiligenhäuschen ein Bild der Luxemburger Madonna, der "Trösterin der Betrübten" sein sollte, wurde seiner Frau, Mechel Schrouse, kundgetan. Diese Aussage auf der Synode von Venlo hat Hendrik Busman unter Eid bestätigt. Das Protokoll dieser Aussage ist der authentische Bericht über die Begebenheit, die zur Entstehung des Wallfahrtortes Kevelaer führte. Schon die Nachricht von der Ankunft des Bildchens brachte eine Menge Menschen in Bewegung, die es sehen und verehren wollten. So kamen die Pilger bald in großen Scharen. Ihre Zahl wuchs von Jahr zu Jahr.  

Die Bocholter Fußprozession nach Kevelaer soll im Jahr 1733 begonnen haben. Dass die Kunde von wunderbaren Gebetserhörungen schon früher auch Bocholt erreichte, lässt sich durch schriftliche Nachrichten belegen. Der späte Beginn der Kevelaer Wallfahrt lässt sich dadurch erklären, dass seit 1575 die Bocholter zum Gnadenort Marienbaum pilgerten. Diese Wallfahrt wurde um 1730 nach Kevelaer weitergeführt.  

Zunächst waren es einzelne Pilger oder Pilgergruppen, die sich auf dem Weg nach Kevelaer machten. Trotz großer Schwierigkeiten (Wallfahrtsverbote, Kriege und Revolution) wurde die Reihe der Wallfahrten nicht unterbrochen. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges machten sich Anfang Oktober 1914 etwa 600 Pilger auf den Weg. Auch im Nationalsozialismus nahm die Zahl der Teilnehmer nicht ab. 1934 waren es 739, und 1937 wurden über 700 Pilger gezählt. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges nahm die Zahl jedoch, bedingt durch Einberufung vieler Männer zum Kriegsdienst, ab. Trotz Gefährdung durch feindliche Flugzeuge wurden 1943 und 1944 noch mehr als 500 Pilger gezählt.  

Nach Ende des Krieges wuchs die Zahl der Pilger wieder an. 1948 machten sich etwa 1.000 Pilger auf den Weg zur Gottesmutter. In den Jahren 1950 bis 1960 blieb die Zahl der Pilger mit etwa 800 Teilnehmern konstant. 1963 begann erstmals die Pilgerzahl unter 800 zu sinken bis sie 1973 mit 400 den tiefsten Stand erreichte. Ab 1974 ging es dann wieder bergauf und 1982 waren es wieder 910 Teilnehmer.  

Die Form der Wallfahrt hat sich in den letzten Jahren geändert. Einige trauen sich den Hin- und Rückweg zu Fuß nicht mehr zu und gehen nur eine Strecke. Während bisher nur die Fußpilger an den religiösen Übungen an allen drei Tagen am Wallfahrtsort teilnahmen, kommen heute viele Angehörige der Fußpilger am Sonntag mit dem Auto nachgefahren. Das führt dazu, dass beim Kreuzweg und bei der Lichterprozession am Sonntag die Bocholter mit weit über 1.000 Personen vertreten sind.  

Lit: Dr. Elisabeth Bröker, 250 Jahre Fußprozession Bocholt-Kevelaer 1733-1983, in: UNSER BOCHOLT Jg. 34 (1983) H.2.

siehe auch: Wallfahrt Kevelaer: Familienwallfahrt, Radwallfahrt Frauen, Radwallfahrt Männer. Wallfahrt Haltern zum Annaberg. Wallfahrt Marienbaum.

Johann Telaar (09.02.09 13:40 Uhr)


Wallfahrt Kevelaer, Radwallfahrt der Frauen

Die jüngste der Bocholter Wallfahrten nach Kevelaer ist die Radwallfahrt der Frauen und Mädchen aus dem Dekanat Bocholt. So, wie die Radwallfahrt der Männer nur männliche Teilnehmer hat, wollte man eine Wallfahrt ausschließlich für Frauen und Mädchen. Die Initiative ging, wie bei anderen Wallfahrten auch, von Laien aus und zwar von Frauen und Mädchen der Pfarrei St. Norbert. Die Radwallfahrt für Frauen und Mädchen hat 1978 begonnen und gewinnt von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmerinnen. Die Zahl der Pilgerinnen stieg von 48 im Gründungsjahr auf mehr als Tausend in den folgenden Jahren an. Die Wallfahrt wird als kombinierte Rad-Bus-Wallfahrt durchgeführt. Da nicht alle Frauen mehrere Tage von ihren Familien fern bleiben können sondern möglichst am Abend des gleichen Tages wieder daheim sein möchten, kam man zu diesem Entschluss: Morgens mit dem Fahrrad hin und abends mit dem Omnibus wieder zurück. Die Wallfahrt beginnt und endet an der St.-Norbert-Kirche. Der geistliche Leiter ist der Pfarrer von St. Norbert. Entsprechend der Tradition der männlichen Pilger, den Weißmützen, tragen die Pilgerinnen weiße Baskenmützen. Der Termin dieser Wallfahrt ist auf den Dienstag nach Pfingsten festgeschrieben. Man startet morgens in Gruppen von 20 bis 30 Frauen, mit je einer Gruppenleiterin. Gegen 13 Uhr treffen die Wallfahrerinnen in Kevelaer ein. Neben den gemeinsamen Andachtsübungen bleibt am Nachmittag noch genügend Zeit für persönliche Andacht. Gegen 20 Uhr kehren die Wallfahrerinnen dann per Omnibus zur feierlichen Schlussandacht zur Kirche St. Norbert zurück. Die Fahrräder werden mit Lastkraftwagen noch Bocholt zurückgebracht.  

Lit.: Dr. Elisabeth Bröker, 250 Jahre Fußprozession Bocholt-Kevelaer, in: UNSER BOCHOLT Jg. 34 (1983) H. 2, S. 91.

siehe auch: Wallfahrt Kevelaer: Fußwallfahrt, Familienwallfahrt, Radwallfahrt Männer. Wallfahrt Haltern zum Annaberg. Wallfahrt Marienbaum.

Johann Telaar (09.02.09 13:10 Uhr)


Wallfahrt Kevelaer, Radwallfahrt der Männer

Anfang des vorigen Jahrhunderts beschlossen 27 Männer des Bocholter Radfahrer-Vereins, das Fahrrad für eine Wallfahrt nach Kevelaer zu nutzen. Sie führten 1909 ihr Vorhaben durch. Das war der Anfang der Bocholter Radwallfahrt nach Kevelaer. Die Initiative ging von Laien aus. Sie war von Anfang an und von den Statuten her eine Wallfahrt allein für Männer. Jeder sollte während der Wallfahrt eine weiße Mütze tragen. Deshalb wurden die Radpilger im Volksmund bald "die Weißmützen" genannt. Während in den Anfangsjahren die Teilnehmerzahl bei etwa 70 lag, kamen bei jeder Wallfahrt neue Pilger dazu. Nach dem ersten Weltkrieg stieg deren Zahl so an, dass man im Jahre 1925 bereits 400 Wallfahrer zählte. Die Bocholter Geistlichkeit stand dem Vorhaben zunächst skeptisch gegenüber. Die Bedenken wurden aber bald zerstreut und 1928 wurde den Pilgern ein geistlicher Begleiter gegeben. Seit der Gründung war die Bocholter Liebfrauenkirche der Ausgangspunkt. Auch während des nationalsozialistischen Regimes führten die Radpilger ihre Wallfahrt durch. 1934 betrug die Teilnehmerzahl noch 839. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Wallfahrt 1946 in althergebrachter Form wieder aufgenommen. In den folgenden Jahren nahmen durchschnittlich 500 bis 600 Pilger an der Wallfahrt teil. Gemeinsame Gebets- und Andachtsübungen während des Aufenthaltes in Kevelaer sind die Eucharistiefeier, der Kreuzweg und die Lichterprozession. Die Wallfahrt beginnt am Samstag früh und endet am Sonntag gegen 19.30 mit dem feierlichen Einzug in die Liebfrauenkirche, wo man sich zur Schlussfeier versammelt.  

Lit: Dr. Elisabeth Bröker, 250 Jahre Fußprozession Bocholt-Kevelaer 1733-1983, in: UNSER BOCHOLT Jg. 34 (1983) H.2.

siehe auch: Wallfahrt Kevelaer: Fußwallfahrt, Familienwallfahrt, Radwallfahrt Frauen. Wallfahrt Haltern zum Annaberg. Wallfahrt Marienbaum.  

Johann Telaar (09.02.09 14:33 Uhr)


Wallfahrt Marienbaum

Um die Entstehung der Wallfahrt um 1430 rankt sich die Legende, dass ein armer Schafhirt, der von einer unheilbaren Krankheit befallen war, auf innere Erleuchtung hin in einer treppenförmig gewachsenen Eiche ein Muttergottesbild fand, es verehrte und geheilt wurde. Die Kunde von der Heilung bewog viele Kranke, ihre Zuflucht zur Muttergottes von Marienbaum zu nehmen und von ihr Hilfe zu erbitten. 1438 bis 1441 wurde für das Gnadenbild, der "Zuflucht der Sünder", eine Kapelle erbaut. Das Klever Fürstenhaus war dem Gnadenbild und seiner Verehrung sehr zugetan. Die Herzogin von Kleve gründete aus eigenen Mitteln bei der Kapelle ein Doppelkloster für Mönche und Ordensfrauen nach dem von der Hl. Britta von Schweden gestifteten Erlöserorden. 1460 war der Bau vollendet. Die Wallfahrt, die schon bald nach 1430 einsetzte, blieb auch in den Wirren der Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts bestehen. 1636 und 1637 raffte eine Pest an die 2000 Opfer dahin. In Scharen kamen die Menschen zum Gnadenbild der "Zuflucht der Sünder". Die Kirche, die man bei der Gründung des Klosters der ursprünglichen Gnadenkapelle vorgesetzt hatte, war baufällig geworden, sodass die Leitung des Klosters sich zu einem Neubau entschloss. Dieser Neubau ist heute die Pfarrkirche von Marienbaum mit der alten Gnadenkapelle als Chor. Die Wallfahrten nach Marienbaum verloren an Bedeutung, als 1642 der Gnadenort Kevelaer aufblühte. Das Kloster wurde durch die Franzosen im Jahre 1801 geschlossen, das Gnadenbild hat aber heute noch seinen Platz auf einem Altar der Pfarrkirche. Nach einer mündlichen Überlieferung soll 1575 die Wallfahrt von Bocholt nach Marienbaum ihren Anfang genommen haben. Erstmals nachweisbar ist die Bocholter Wallfahrt 1716, am Tage Maria Himmelfahrt, durch einen Bericht über eine wunderbare Heilung, die an einer Bocholter Pilgerin geschah. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts soll dann die Wallfahrt nach Marienbaum auf Kevelaer umgestellt worden sein. Warum dies so spät geschah, mag verschiedene Gründe gehabt haben. Die Bocholter waren seit Menschgedenken mit dem Wallfahrtsort Marienbaum verbunden, der Weg nach Kevelaer war weiter, und die Durchführung der Wallfahrt musste geändert werden. Zunächst zogen einzelne Pilger, später Gruppen bis Kevelaer weiter, und 1733 gilt offiziell als Beginn der Wallfahrten nach Kevelaer. Die Verbundenheit mit Marienbaum ist jedoch bis heute geblieben. Die Pilger nach Kevelaer kehren auf dem Hin- und Rückweg in die Wallfahrtskirche ein und beten in einer Andacht zur "Zuflucht der Sünder".

Lit. : Dr. Elisabeth Bröker, 250 Jahre Fußprozession Bocholt-Kevelaer, in:UNSER BOCHOLT Jg. 34 (1983) H.2.

siehe auch: Wallfahrt Kevelaer: Fußwallfahrt, Familienwallfahrt, Radwallfahrt Frauen, Radwallfahrt Männer. Wallfahrt Haltern zum Annaberg.    

Johann Telaar (11.11.10 08:46 Uhr)


Wappen der Stadt Bocholt

Das Stadtwappen zeigt im grünen Feld eine gerade aufgewachsene, ausgerissene silberne Buche mit drei symmetrisch verteilten Ästen und dazwischen stehenden Einzelzweigen. Die Zahl der Blätter beträgt 17. Sie zeigen Rippen und sind gezahnt. Die Zahl der an langen Stielen erscheinenden Bucheckern ist 23. Die Zahl der Wurzeln beträgt 5. Unten am Stamm befindet sich je links und rechts ein Aststumpf. Dieser Buchenbaum bildet auch den Mittelpunkt des Bocholter Stadtsiegels.   Fürstbischof Dietrich III. von Münster verlieh Bocholt 1222 die Stadtrechte. Die Buche als redendes Symbol lässt sich im ersten, teilweise erhaltenen Siegelabdruck von 1259 nachweisen. Das heutige Wappen wurde nach dem zweiten, um 1300 geschaffenen Stadtsiegel (Großes Schöffensiegel) gestaltet und 1928 als offizielles Siegel der Stadt Bocholt festgelegt (Hauptsatzung der Stadt Bocholt). Als Wappen erscheint die silberne Buche im grünen Feld nachweislich zuerst 1563 auf den neuen Fähnlein der Stadtschützen. Ersatzweise findet für Silber die Farbe Weiß Verwendung. Wappen und Siegel der Stadt Bocholt sind geschützt. Ihre Verwendung ist nur mit Genehmigung der Stadt Bocholt erlaubt. 

Lit.:
Helmut Müller, Bocholter Siegel und Wappen, in: Bocholter Quellen und Beiträge 1, (1976), S. 68-79.
Kreis Borken, Faltblatt "Wappen der Städte und Gemeinden im Kreis Borken und ihre Entstehungsgeschichten".

Johann Telaar (06.09.10 14:27 Uhr)


Wassersportverein 1920 e. V., Bocholter

Am 20. Mai 1891 entschied die Bocholter Stadtverordnetenversammlung, unterhalb der Königsmühle und oberhalb der eigentlichen Fabrik Schüring & Herding eine Flussbadeanstalt an der Aa als erste städtische Badeanstalt herzustellen, die nur Männern vorbehalten war. Durch zunehmende Wasserverschmutzung verlegte die Stadt 1902 die Männerbadeanstalt 200 m oberhalb der Königsmühle im heutigen Aaseegebiet auf ein Gelände des St.-Agnes-Hospitals. Zur Gründung des Bocholter Wassersportvereins im Jahr 1920 benutzten die Mitglieder für ihre Schwimmübungen diese Badeanstalt und mieteten einen 50 m breiten Wiesenstreifen vom Fürsten Salm-Salm am südlichen Aa-Ufer zur Gründung einer Damenabteilung. 1922 wurde ein Vertrag geschlossen die mit Wasser voll gelaufenen Tongruben der Tonwerke im Bocholter Stadtwald als Freizeitbad zu nutzen. Zur Auflage wurde gemacht, die alte Ziegelei und den Ringofen abzubrechen, das Gelände einzuebnen und eine massive Gebäudeeinheit direkt am Wasser zu errichten, was zwischen 1922 und 1924 in Form von Umkleideräumen und einem Badehaus erfolgte. 1927 erweiterte man eine bestehende Sportbahn um eine 50-m-Bahn und veranstaltete das erste Gauschwimmfest im eigenen Schwimmbad. Im gleichen Jahr wurde auch das Wasserballspiel Norddeutschland gegen Westdeutschland ausgetragen mit der ersten Rundfunkreportage aus Bocholt. 1935 erwarb der Verein das Grundstück des Vereinsbades Tonwerke und baute 1938 ein Clubhaus. Das Gelände wurde ständig erweitert und den Bedürfnissen der Zeit durch Sanierungs- und Neubaumaßnahmen in den Jahren 1969/70 und 1997/98 angepasst. Heute bietet das Freizeitbad im Stadtwald auf einer Fläche von 40 000 m², davon 7 000 m² Wasserfläche mit Nichtschwimmerbereich und Kinderbecken, 16 000 m² Liegewiese mit Kinderspielwiese, zwei Beach - Volleyballfelder, Bouleplatz, Sauna, ein Clubhaus mit zwei Sonnenterrassen und Restaurant.

Lit.: Hans D. Oppel, Zur Geschichte der Bocholter Bäder, in: UNSER BOCHOLT Jg. 41 (1990) H. 4, S. 13-26. www.bocholter-wsv.de 

Burghard Fehre (07.10.09 12:42 Uhr)


Weber, Heinrich

Oberstudiendirektor am Städtischen altsprachlichen Gymnasium in Bocholt vom 01.04.1952 bis 31.07 1973 und Heimatgeschichtler. Geboren am 25.12.1907 in Coesfeld, gestorben 11.12.1983 in Bocholt. Nach seinem Abitur 1927 in Coesfeld studierte er in Paris und  Münster Geschichte, Französisch und Deutsch. 1941 wurde er eingezogen und diente bei der Marine. Nach Kriegsende Wiedereinstellung in den Schuldienst. Ab Juni 1952 Oberstudiendirektor am später umbenannten St.-Georg-Gymnasium. Unter seiner Leitung verdoppelten sich die Schülerzahl und auch die Anzahl der Kollegiumsmitglieder. Besondere Aufmerksamkeit erregten seine "Beiträge zur neueren Geschichte des Raumes Bocholt", in denen er im Rahmen der Familienforschung die Erbgänge und den Status animarum (= Erfassung der Seelen) anhand der Kirchenbücher aufarbeitete, was mangels anderer Quellen eine Art Volkszählung innerhalb des Kirchspiels Bocholt ab der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts bedeutete. Dabei registrierte er auch die früher zahlreichen Auswanderungen. Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er in UNSER BOCHOLT in 40 Beiträgen, worunter sich auch der Status animarum befindet. Seine nach ihm benannte umfangreiche genealogische Sammlung, mit zahlreichen Karteikarten zu genealogischen Beziehungen der Familien des Bocholter Raumes, steht nach Ankauf im Stadtarchiv zur Benutzung offen. Auch posthum wird noch einiges von seinen Recherchen gedruckt.  

Lit.: BBV v. 12.12.1983. Wolfgang Feldhege, Nachruf auf Oberstudiendirektor i.R. Heinrich Weber, in: UNSER BOCHOLT Jg. 35 (1984), H. 1/2, S. 104.  Reinhard Schröer, Familienforschung im Bocholter Raum. Die Genealogische Sammlung Heinrich Weber, in: UNSER BOCHOLT,  Jg. 39 (1988), H. 1, S. 3-9, Abb..

Christian Heiduk (06.08.10 10:39 Uhr)


Weddigenstraße

In einer Sammlung von Gedichten aus dem Ersten Weltkrieg 1914 - 18 aus dem Nachlaß von Josef Fehler befindet sich ein Gedicht "Auf den Tod von Otto Weddigen".

Es weint das deutsche Volk, und tiefes Klagen
Um einen Helden, der so frühe ruht,
im Wellengrab der wilden Meeresflut,
Schwingt sich zu Gott in schicksalsschweren Tagen.

Noch stand er in der Jugend Rosentagen
Umstrahlt vom Ruhmesschein, ein Edelblut,
Sein junges Leben, das vom Heldenmut,
Von Tapferkeit und Treue stets getragen.

Ruhst du auch sanft von deinen Heldentaten
In jener Tiefe dunkler Meeresschatten:
Im Vaterland blüht der ein treu Gedenken!

Bis einstens sich, fern diesem Erdenleben,
Im Heiligtum verklärt dein edles Streben,
Und Gott der Gnaden Fülle dir wird schenken.

Das Gedichte wurde im Verlauf der Kriegsjahre neben 16 weiteren volkstümlich gefassten und künstlerisch eher anspruchslosen Gedichten über Helden und Tod, Kampf und Elend,  Stolz, Tränen und Krieg von einer Gertrud Schulte in ein Heft geschrieben. Die Gedichte spiegeln den Zeitgeist. In vielen Städten  Deutschlands wurden seinerzeit Straßen und ganze Stadtviertel nach Feldherren und Strategen benannt. Bocholt hat das Yorkviertel, östlich der Blücherstraße und südlich des Friedhofs. Dort befindet sich nämlich die Weddigenstraße, die vom Beckmannplatz zur Brockhorststraße führt. Wer war Otto Weddigen? Er war Marineoffizier und vor dem Weltkrieg an der Entwicklung der Unterseebootwaffe beteiligt. Er wurde am 15. September 1882 in Herford geboren und fand - gerade mal 33 Jahre alt - am 18. März 1915 den Tod. Als U-Bootkommandant der U 9 versenkte er im September 1914 drei englische Panzerkreuzer, die Hogue, die Cressy und die Aboukir an der niederländischen Küste, sowie im Oktober 1914 den kleinen Kreuzer Hawke in der Nordsee. Beim Angriff auf die englische Flotte wurde seine U 29 von dem gegnerischen Linienschiff überrannt. Der U-Bootkrieg war ein tödlciches Unternehmen. Otto Weddigen wurde als Seeheld gefeiert. Ein Totenzettel aus dem Jahr 1915, auf dem ein sterbender Soldat abgebildet ist, trägt die Unterschrift: "Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben!" Die Art der Heldenverehrung macht nachdenklich. Der Tod ist niemals süß.

Ursula Rüter (01.07.10 09:02 Uhr)


Wegekreuz, Ss. Ewaldi

An der Weggabelung Biemenhorster Weg - Adam Stegerwald  Straße sollte 1956 ein Wegekreuz errichtet werden.  

Einige Männer der Gemeinde Biemenhorst sammelten ehrenamtlich von Haus zu Haus für dieses Denkmal. Mit einer Liste des Amtsheimatpflegers Rektor Heinrich Hillermann waren sie unterwegs.Die politische Gemeinde Biemenhorst beteiligte sich mit einem Viertel der Kosten.  

Das in Sandstein gehauene Kreuz mit dem Corpus Christi in Höhe von drei Metern wurde vom Bildhauer Paul Wesseling aus Suderwick angefertigt und am 08.09.1957 aufgestellt und eingeweiht. Das Grundstück für diese Stätte gab die Familie Hüttemann-Lamers.    

Lit:. Cronik Ss. Ewaldi- Ordner Wegestation                           

Irmgard Winking (21.06.10 15:12 Uhr) 


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Heike Schoo
Telefon+49 (2871) 21765-280
E-Mailan Heike Schoo
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