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Päperbüsse

Nach Zerstörung des Turmhelms durch Blitzschlag und Brand 1745 wurden der Überlieferung nach zwei Turmmodelle für die St.-Georg-Kirche angefertigt. Übertragen wurde die Ausführung der bevorzugten "Päperbüsse" (Pfefferbüchse) wahrscheinlich dem Ausburger Baumeister Johann Neher. Es handelt sich um einen seltenen u. interessanten barocken Turmhelmaufbau mit eingestelltem Glockenstuhl im Kastenverband. Zerstört wurde der Turm beim Angriff auf Bocholt am 22. März 1945.

Lit.: M. Kamps, Als die Päperbüsse unterging, in: UNSER BOCHOLT Jg. 49 (1998) H. 4, S. 30-50.

Elisabeth Heiduk (23.04.09 11:07 Uhr)


Päperweide, auch Pääperweide

"Päperweide" nannte man das südliche Gelände an der heutigen Münsterstraße. Und der Wirt, der in alter Zeit hier sein Wirtshaus baute, behielt durch Generationen den Namen "Päper-Weert".

Hinter diesem Namen könnte sich auch ein alter Flurname verbergen. Eine Straße in diesem Gebiet führt heute den Namen "Päperweide". 

Lit.: Werner Schneider, In drei Stunden nach England, Rom und Jericho, in: UNSER BOCHOLT, Jg. 9 (1958) H. 3, S. 8-15. Walter Ciuraj u.a., Die Flurnamen der Stadt Bocholt (Bocholter Quellen und Beiträge - Band 4), Bocholt/Vreden 1992, S. 32.

Johann Telaar (23.04.09 11:19 Uhr)


Palisaden

Befestigungsanlagen, hessische

Am 30. Januar 1648 beendete ein Sonderfriede zwischen Spanien und den Niederlanden einen achtzig Jahre dauernden Krieg (1568-1648) der Niederlande gegen Spanien. Truppen beider Seiten haben während des Krieges immer wieder die Grenzen zu Westfalen überschritten. Dabei wurden auch die Stadt Bocholt und ihr bäuerliches Umland schwer geschädigt. Die Stadt Bocholt baute deshalb ihre Befestigungsanlagen besonders in den Jahren 1583-1587 nach dem sog. deutschen Bastionssystem aus. Ein zweiter Stadtgraben wurde mehr als 100 m vor die mittelalterliche Stadtmauer gelegt und die ausgeworfene Erde zu geraden Wallstücken geformt. An den abknickenden Stellen entstanden acht halbrunde Basteien oder Bollwerke zur Aufstellung von Geschützen. Erforderlich wurde diese Verstärkung durch die Erfindung des Schießpulvers und den Bau von immer weiter schießenden Geschützen, die mittelalterliche Stadtmauern schnell zerstören konnten.

Der 1618 ausbrechende Dreißigjährige Krieg wurde ab 1622 auch für das Münsterland und Bocholt akut. Ab 1632 griff der Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel als Verbündeter des protestantischen Schwedenkönigs Gustav Adolf das Bistum Münster an. Bocholt wurde ab 1633 mehrfach belagert, erobert und geplündert, besonders im Jahre 1635. Die Hessen besetzten die Stadt für mehr als 15 Jahre bis zum Jahre 1650. In den Jahren von 1642-1645 ließen sie die Festung nach dem sog. niederländischen Befestigungssystem ausbauen: Die Gräben wurden verbreitert, die Wälle zusätzlich erhöht und acht sternförmige Bollwerke angelegt mit geraden Flanken, die eine Beschießung der Angreifer entlang der ebenfalls geraden Wallabschnitte ermöglichte. Die uneinnehmbare Festung bildete gegen den Bischof nach dem Friedensschluss vom Oktober 1648 das Faustpfand für die Erzwingung der Zahlung von 800.000 Reichstalern. Die Hessen räumten die Stadt erst zwei Jahre später nach Zahlung des Geldes und der Durchführung der ebenfalls zur Bedingung gemachten vorherigen Schleifung der neuen Befestigungsanlagen, die im April und Mai 1650 erfolgte.

Die wichtigste und gleichzeitig älteste Karte der Stadt Bocholt zeichnete Nikolaus Knickenberg am 21. Mai 1650. Der Plan ist nicht genordet, sondern gesüdet. Die mittelalterliche Stadtmauer, davor der Stadtgraben sowie das hessische Befestigungssystem sind eingetragen. Die acht Bollwerke sind in etwa gleichen Abständen um die erweiterte Befestigungsanlage verteilt. Sie ragen fünfeckig wie Sternzacken aus den geraden Wallstücken hervor und sind besonders für die Aufstellung von Kanonen gedacht. Jeweils zwischen ihnen liegen die acht geraden Wallstücke, die eine Verbindung zu den Bollwerken bilden. Auf diesen Wallstücken verlaufen heute die Wallstraßen.

Nachfolgend sind die wichtigsten sichtbaren Relikte genannt:

Stiftsbollwerk: ist im südlichen Teil der Dinxperloer Straße und der in einem scharfen Knick von ihr nach Nordosten abbiegenden Kurfürstenstraße noch heute gut erkennbar.

Das Everstein-Bollwerk bleibt durch den scharfen Knick der von der Herzogstraße abbiegenden Kurfürstenstraße erkennbar.

Das Ernst-Bollwerk zeichnet sich ab in der Straßenführung von Stenerner Weg, Eintrachtstraße und der rechtwinkligen Abbiegung der Viktoriastraße. Innerhalb des Bollwerks liegt die Clemens-Dülmer-Schule. Durch den ehemaligen Innenraum geht heute mittig die Straße "Im Bollwerk".

Der Südwall gibt auch heute noch den Verlauf des ehemaligen Walles an.

Der Außengraben des Amelia-Bollwerks bleibt im Aa-Bogen bei Karstadt deutlich als Relikt der Hessenbefestigung erkennbar!

Das Wilhelmus-Bollwerk: Seine Ausdehnung reicht in den 1996 abgerissenen ehemaligen Fabrikkomplex der Fa. Driessen - heute "Shopping-Arkaden", hinein.

Der zwischen "Aurillac"-  und "Rossendale-Promenade" verlaufende Aa-Bogen, ebenfalls in den 1960er Jahren abgeflacht, ist das am deutlichsten sichtbare Relikt des Außengrabens der Hessenbefestigung, zusammen mit dem Bogen bei Karstadt.

Das Verschwinden von Relikten früherer Verteidigungsanlagen schreitet voran: Der mittelalterliche Stadtgraben ist völlig verschwunden;

die Binnenaa treibt keine Wassermühle mehr an und ist zugeschüttet;

das "Gäle Wäterken" liefert kein Wasser mehr für den Außengraben und ist nirgends mehr als Wasserlauf zu sehen.

Der Außengraben der Hessenzeit zeigt sich oft nur noch in Straßenverläufen bzw. in den abgeflachten Aabögen bei Karstadt und am Rathaus. Die meisten Bocholter wissen nicht um die ehemalige Bedeutung der Relikte. 

Lit.: Werner Sundermann / Georg Letschert, Die hessischen Befestigungsanlagen des Dreißigjährigen Krieges, in: UNSER BOCHOLT, Jg 49 (1998), H.4, S.3-23 Werner Sundermann, Stadtkernarchäologie ergänzt historische Nachrichten, in: UNSER BOCHOLT, Jg. 38 (1987), H.2/3, S.37-51.  

Werner Sundermann (29.09.10 08:56 Uhr)


Palmstock (Brauchtum)

Der Sonntag vor Ostern steht im Zeichen des feierlichen Einzugs Christi in Jerusalem. Symbol der Huldigung waren die Palmzweige. Da in unserer Gegend Palmzweige nicht vorhanden waren, nahm man Buchsbaum. Dieser wird auch heute noch mit dem Namen "Palm" bezeichnet.

Im Mittelpunkt des Sonntags steht die Palmweihe. Der Priester segnet die Palmzweige, von der jeder Kirchenbesucher einige mitnimmt. Der Palmbrauch war früher nur auf den Kirchenraum begrenzt. Heute zieht die Palmprozession auch außerhalb der Kirche, voran die Kinder mit ihren Palmstöcken. Diese haben im westlichen Münsterland unterschiedliche Formen.

Der in Bocholt und Umgebung übliche Palmstock besteht aus der Spitze eines Tannenbäumchens. Der nicht mehr benötigte Weihnachtsbaum wird bis zum Palmsonntag zurückgelegt, die Spitze mit den vier oberen Ästen gesäubert und geschmückt. Auf jeder Astspitze steckt ein Palmvögelchen, in dessen Rücken ein Buchsbaumzweig steckt. Auf den vier Seitenzweigen liegt eine Brezel, (in Bocholt Kräkling genannt). Die Spitze ziert ein dicker Apfel oder eine Apfelsine. Außerdem schmücken Girlanden aus aufgereihten Rosinen oder Trockenpflaumen das kleine Kunstwerk. 

Der Heischegang der Kinder mit den Palmstöcken ist im Laufe der Zeit immer mehr zurückgegangen. Der Gesang der Kinder: "Palm, Palm, Sunndag, öwwer eenen Sunndag, dann kriegt wej en Ei, dann kriegt wej en Ei, dann kriegt wej en lecker Paosei" ertönt nur noch selten, weil die Kinder nicht mehr der plattdeutschen Sprache mächtig sind. Wenn auch der Text auswendig gelernt wurde, der Sinn bleibt ihnen unverständlich.

Lit.: Dietmar Sauermann, Volksfeste im Westmünsterland, Beiträge des Historischen Vereins Vreden zur Landes- und Volkskunde H. 24, Vreden 1983, S. 68 ff. Anna Lindenberg, Erinnerungen an Alt-Bocholt, Grabenstätt 1978, S. 22 und 42. Hans-Detlef Oppel (23.04.09 11:24 Uhr)


Pannemann - alias Johannes Heisterkamp

Sein richtiger Name war Johannes Heisterkamp. Wie auch heute noch in manchen Gegenden üblich, wurde er Pannemann genannt, nach dem Namen des Kotten, auf dem er gewohnt hat.

Geboren wurde er am 11. Aug. 1826 in Liedern, einem heutigen Ortsteil von Bocholt. Als Kind besuchte er die Bauerschaftsschule in Liedern. Schon früh musste er bei der Feldarbeit helfen. Später erlernte er das väterliche Handwerk des Holzschuhmachers. Mit voll beladener Pferdekarre fuhr er nach Münster, Krefeld, Moers und Kleve und verkaufte dort die selbst gefertigten Klumpen. Nur zweimal in seinem Leben hat er den väterlichen Kotten für längere Zeit verlassen. Eine Zeit lang arbeitete er als Holzschuhmacher in Lünten bei Vreden. 1849 leistete er seinen Wehrdienst beim Füsilierbataillon 13 ab, wurde aber schon 1850 wegen Krankheit entlassen. An den folgenden Kriegen brauchte er aus Altersgründen nicht mehr teilzunehmen.

Mit 32 Jahren heiratete er Anna Catharina Schaffeld. Von 11 Kindern starben schon neun in jungen Jahren. Seine Frau starb 1896.

1930 starb Johann Heisterkamp im Alter von 104 Jahren. Zu der Zeit war er der älteste Deutsche. Im Stadtteil Lowick wurden die Pannemannstraße und ein Jugendtreff nach dem "Alten Pannemann" benannt.

Lit.: Klemens Becker, Heimatkalender des Landkreises Borken und des Stadtkreises Bocholt, Jh1927, Seite 15/16, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 60, in: UNSER BOCHOLT Jg. 40 (1989) H. 3, S. 57. Johann Telaar (23.04.09 11:26 Uhr)


Pannemannstraße

Diese Straße wurde zur Erinnerung an den Holzschuhmacher Johannes Heisterkamp (1826-1930), genannt Pannemann, benannt. Er war zu seiner Zeit der älteste Deutsche.

Lit.:

Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 40 (1989), H. 3, S. 57.


Pater Bernward (Paul Lamers)

wurde am 4. Juli 1918 in Mehr bei Kleve geboren.Zur Taufe erhielt er den Namen Paul.  

Nach der Volksschule besuchte er von 1930 bis 1935 die Missionsschule der Kapuziner, danach das St.-Georg-Gymnasium in Bocholt, wo er 1937 das Abitur ablegte. Am 29.03.1937 begann er das Noviziat in Stühlingen, wo er sich am 30. 03.1938 durch die einfache Profess dem Kapuzinerorden verpflichtete. Sein Philosophiestudium in Krefeld wurde vorzeitig beendet, als er "eingezogen" wurde.

Erst nach der Zeit beim Reichsarbeitsdienst und bei der Wehrmacht konnte er am 18.06.1947 in Münster die feierliche Profess ablegen. Durch Weihbischof Roleff empfing er am 19.03.1948 in Münster die Priesterweihe. 

Im April 1949 wurde er von Münster nach Bocholt versetzt und war zunächst als Lehrer an der Klosterschule Kleve tätig, bis er 1951 mit den Schülern den Unterricht am wiederaufgebauten Internat in Bocholt fortgesetzt konnte. Über 35 Jahre wirkte P. Bernward als Lehrer und viele Jahre auch als Leiter des Schulchores am heutigen St.-Josef-Gymnasium in Bocholt. Neben seinem Wirken in der Schule diente er den Mitmenschen in der außerordentlichen Seelsorge, im Dritten Orden, durch einen jahrzehntelangen Einsatz für das Aussätzigenhilfswerk, als Organist in der Klosterkirche St. Laurentius am Hemdener Weg.  

Durch Wort und Musik brachte er in über 200 Veranstaltungen den Humor seines Taufpaten, des Priesterdichters August Wibbelt, seinen Zuhörern nahe.   Nach seiner Pensionierung als Lehrer übertrug ihm der Bischof von Münster die Stelle des Rektors der Kirche St. Klara, wo er bis zu seinem Tod am 19.06.1990 als Hausgeistlicher die Klarissen betreute.  

Ein Wort seines Taufpaten prägte seine tiefe und gläubige Lebenshaltung:                                                               

Dat Liäben üöwerläft den Daut - (Das Leben überlebt den Tod.) August Wibbelt  

P. Alexander Kotschekoff OFMCap und P. Fredegand Köhling OFMCap (08.09.10 11:20 Uhr)


Pater Sigbert (Dr. Karl Wagner)

wurde am 29. Oktober 1919 in Krefeld geboren und Allerheiligen 1919 auf den Namen Karl Emil getauft. Nach dem Besuch der Volksschule und der Oberrealschule in Krefeld besuchte er in Bensheim zunächst die Privatschule des Bischöflichen Konviktes, dann bis zum Abitur das kurfürstliche Gymnasium. Drei Tage nach dem Abitur, am 28. März 1938, begann er das Noviziat in Stühlingen, wo er sich am 29. März 1939 durch die zeitliche Profess dem Kapuzinerorden verpflichtete.  

Das Philosophiestudium in Krefeld wurde durch seine Einberufung zum Wehrdienst vorzeitig beendet. Der Krieg ging für ihn bereits 1943 zu Ende, als er in Nordafrika in die amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Erst nach seiner Entlassung konnte er 1947 in Münster das Theologiestudium aufnehmen und die ewige Profess ablegen. Weihbischof Heinrich Roleff spendete ihm am 19. März 1948 in Münster die Priesterweihe. Dem Theologiestudium folgte nach 1948 das Studium der Naturwissenschaften an den Universitäten Münster, Heidelberg und Mainz. In Mainz bestand er 1956 die Lehramtsprüfung und promovierte zum Dr. rer. nat. Nach dem Referendarsjahr in Fulda begann er im Oktober 1957 seine Lehrtätigkeit an der Klosterschule in Bocholt. Anfangs unterrichtete P. Sigbert in allen naturwissenschaftlichen Fächern sowie Geographie und Sport, später in Biologie, Chemie und Geografie. Über zwei Jahrzehnte wirkte er, zuletzt als Studiendirektor i. K., am heutigen St. Josef-Gymnasium in Bocholt, bis er in Pension gehen konnte.

Neben seinem Wirken in der Schule diente er an allen Sonn- und Feiertagen den Mitmenschen in der außerordentlichen Seelsorge, viele Jahre in der Pfarrei St. Ludgerus in Spork bei Bocholt. Bereits mit 14 Jahren hatte er sich stark für Schmetterlinge interessiert. Dieses Interesse führte ihn zu einer intensiven Beschäftigung mit der Entomologie, was ihm später den scherzhaften Beinamen "die Motte" eintrug. Wochen-, ja monatelange Exkursionen nach Italien, Griechenland, Persien und der Türkei dienten seinen Forschungen. Sechs Monate dauerte seine letzte Exkursion, die ihn über die Türkei hinaus bis nach Syrien und Jordanien führte. Nach jahrelangen Mühen konnte 1995 das dreibändige Werk "Die Tagfalter der Türkei" unter besonderer Berücksichtigung der angrenzenden Länder erscheinen, das er mit Gerhard Hesselbarth (Diepholz) und Harry van Oorscht (Amsterdam) herausgab. Daneben veröffentliche P. Sigbert kürzere wissenschaftliche Arbeiten auch für internationale Kongresse und Fachzeitschriften. Seine Schmetterlingssammlung fand bei allen uneingeschränkte Bewunderung. Über 100.000 Schmetterlinge hat P. Sigbert in seinem Leben präpariert Noch in den letzten Monaten vor seinem Tod hat er 25.000 Falter neu geordnet und dem Museum König in Bonn zukommen lassen.

Seine praktischen Kenntnisse zeigte er vor allem beim Neubau des Klosters und des Pastorats St. Laurentius in Bocholt (1969 - 1971). Für seinen Einsatz beim Bau ernannten ihn die Maurer beim Richtfest zum "Ehrenpolier". Die damalige Neugestaltung des Klostergartens und der Anlagen waren auch ihm zu verdanken. Es traf ihn deshalb schwer, als das Kloster Bocholt aufgegeben wurde und er im Juli 2000 nach Oberhausen-Sterkrade umziehen musste. Auch dort hat er sich mit der Neugestaltung des Innenhofes ein Denkmal gesetzt. Bereits in den ersten Jahren in Bocholt bemühte er sich um die Gestaltung der Landschaft im Nahbereich der Stadt: Im Naturschutzgebiet "Burlo-Vardingholter Venn" war er als Wissenschaftler und Pädagoge in jahrzehntelangen Untersuchungen und Arbeitseinsätzen mit Schülerinnen und Schülern seines "Kapu" tätig und trug durch diese gemeinsame Arbeit wesentlich zur Erhaltung und Renaturierung dieses Ökotops bei. Diese Arbeit galt als ein Pilotprojekt, das viele Interessenten anzog.

Ferner betätigte er sich als landschaftsökologischer Berater bei verschiedenen Flurbereinigungsverfahren, später auch als Gutacher der Landesanstalt für Ökologie. Neben seinem naturschützerischen Engagement hat P. Sigbert zahlreiche Beiträge zur heimischen Pflanzen- und Tierwelt in der Zeitschrift für Kultur- und Heimatpflege "Unser Bocholt" veröffentlicht. Seine Tätigkeit als Seelsorger, Wissenschaftler, Landschaftsökologe und Naturschützer fanden über die Ordensgemeinschaft hinaus auch öffentlichen Anerkennung:  

  • Die Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie verlieh ihm die Meigen-Medaille
  • Bereits am 5. September 1988 hat ihm der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen den Verdienstorden des Landes NRW verliehen
  • Am 21. Juni 2001 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • Am 26. September 2001 zeichnete ihn die Stadt Bocholt mit der Stadtplakette aus.  

P. Sigbert hat keinen großen Wert auf diese Auszeichnungen gelegt. Ihm genügte das Wissen, seine Aufgaben sachgemäß und nach bestem Können erfüllt zu haben. P. Sigbert starb nach schweren Krankheit am 13. April 2004 in Oberhausen. Auf dem Klosterfriedhof in Münster wurde er zur letzten Ruhe bestattet.

P. Alexander Kotschetkoff, OFMCap und P. Hugo Stahl, OFMCap (02.12.10 10:35 Uhr)


Paul-Schwarzer-Straße

Die Paul-Schwarzer-Straße wurde nach dem Lehrer und Leiter der Mussumer Kreuzschule, Paul Schwarzer (1895-1961) benannt.

Lit.:

Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 40 (1989), H. 3, S. 60.

 


Ernst Pauls

Krankenhauspfarrer Prälat Ernst Pauls nannte man in Bocholt stets "Rektor Pauls". Die Bocholter kannten ihn als Krankenhausseelsorger. Er galt als Idealbild für die Patienten, deren Angehörige und für das Krankenhauspersonal. Er sei "ein besorgter und erfolgreicher Priester und damit den behandelnden Ärzten eine besondere Stütze" gewesen. Seine stille und gütige Art war beeindruckend.  

Am 16. November 1902 wurde Rektor Pauls in Oelde geboren. Nach dem Besuch der Rektoratsschule in seiner Heimatstadt machte er 1922 am Gymnasium in Beckum das Abitur. In Münster und Freiburg studierte er Philosophie und Theologie und am 3. März 1928 wurde er zum Priester geweiht. Zunächst war er drei Jahre Seelsorger an der Mauritiuspfarrkirche in Ibbenbüren und acht Jahre geistlicher Rektor im Marienstift Bad Lippspringe. Von Ende Juni 1939 bis Ende 1972 wirkte er 33 Jahre am St.-Agnes-Hospital in Bocholt.   Als 1941 Verwaltungsdirektor Theodor Lötz starb, wurden kriegsbedingt Rektor Pauls neben seiner Tätigkeit als Krankenhauspfarrer Verwaltungsaufgaben in großem Umfang übertragen. Der innere Betrieb des Krankenhauses, das schon seit Anfang des Krieges ein Reservelazarett beherbergte, brachte zusätzliche Arbeit. Im Herbst 1944 wurde das Lazarett nach Velen verlegt, ein Kriegslazarett zog ein.  

Um die vielen Transporte von den Stationen in den Luftschutzkeller zu vermeiden, wurde Januar 1945 der Keller im Hospital für Schweroperierte und Wöchnerinnen eingerichtet. Gleichzeitig erhielt die Walderholung die Funktion eines Ausweichkrankenhauses, das mit einem behelfsmäßigen Operationssaal, ärztlichen Instrumenten, Medikamenten usw. ausgestattet werden musste. Beim Großangriff am 22. März 1945 befanden sich ca. 500 Menschen im Luftschutzkeller. Nach 2 ½ Stunden waren alle geborgen, niemand kam zu Tode und als letzter mit einer kleinen Gruppe verließ Rektor Pauls das in Trümmern liegende Krankenhaus. In der darauffolgenden Nacht fand er auf Gut Hambrock nicht einmal einen Stuhl oder eine Treppenstufe zum Ausruhen!   Nach dem Krieg engagierte sich Rektor Pauls neben seinen Aufgaben als Krankenhausseelsorger wesentlich auch am Wiederaufbau des Krankenhauses. Für sein Wirken wurde ihm am 29. April 1974 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums am 3. März 1978 verschenkte er Gebetszettel mit einer grünen Titelseite, auf der nur das Wort "Ja" stand. So verstand Rektor Pauls sein Leben: "Für das Vergangene" Dank! Für das Kommende "Ja!" (Dag Hammerskjöld). Er starb am 30. November 1979 in Bocholt.   Seit dem 15. Juni 1982 gibt es in Bocholt in der Nähe des St.-Agnes-Hospitals den Ernst-Pauls-Weg.    

Lit.:

  • Ernst Pauls, Zerstörung und Wiederaufbau (des St.-Agnes-Hospitals) in: Unser Bocholt, 20. Jg. (1969), H. 2, S.17-28. 
  • Elisabeth Bröker und Lucy Vollbrecht-Büschlepp, Bürger der Stadt: Prälat Ernst Pauls, Krankenhauspfarrer, in: Unser Bocholt,24.Jg,(1973), Heft 1, S. 15 -17.
  • Annemarie Rotthues, Bundesverdienstkreuz für Pralat Pauls, in Unser Bocholt 25.Jg. (1974), H. 3/4, S. 51,
  • Elisabeth Bröker u.a., Kriegschronik der Stadt Bocholt 1939-1945, bearb. v. G. Schmalstieg,  (Bocholter Quellen und Beiträge, hg. v. der Stadt Bocholt - Stadtarchiv,  Bd. 7),  Bocholt 1995, S. 378. G

Annemarie Rotthues (09.09.10 09:00 Uhr)


Maria Peiss

Die am 31. Januar 1912 in Büchenbeuren im Hunsrück geborene Maria Peiss nahm nach ihrem Abitur 1933 in Bonn das Medizinstudium auf. Ihre erste Stelle als Ärztin erhielt sie 1940 im Bocholter St.-Agnes-Hospital. Sie wurde dem damaligen Leiter der chirurgischen Abteilung, Dr. Jansen, zugewiesen. Die gute Teamarbeit mit ihrem Chef bewährte sich, als im Dezember l944 in Werth ein Zug mit niederländischen Männern, die mit Waffengewalt für Schanzarbeiten abkommandiert worden waren, von Tieffliegern beschossen wurde. An der Seite von Dr. Jansen half Dr. Peiss stundenlang im Operationssaal den Verletzten. Damit diese nicht zu Schanzarbeiten verpflichtet wurden, erhielten sie von Dr. Peiss bei der Entlassung aus dem Krankenhaus "besonders große Verbände". Jedes Jahr bis zu ihrem Tod 1993 schrieb ihr aus Dankbarkeit einer der Verletzten, Ger Knipscheer, stets zum Weihnachtsfest eine Grußkarte.  

Dr. med. Benölken wurde am 31. März 1945 von der Militärbehörde als Oberbürgermeister der Stadt Bocholt eingesetzt. Er sagte zu Frau Dr. Peiss: "Eröffnen Sie eine Praxis. Sie werden gebraucht." Bocholt lag in Schutt und Asche. Auf der Münsterstraße 110 fand Dr. Peiss Räumlichkeiten für ein Warte- und Sprechzimmer. Die Behandlung vollzog sich auf bzw. an einem alten Küchentisch. An der Wand entlang standen Kisten mit medizinischen Instrumenten. Die Kenntnisse von Dr. Peiss im chirurgischen Bereich sprachen sich in Bocholt herum. Wenn Kinder und Jugendliche beim Spiel in der freien Natur auf Minen liefen, wurde Dr. Peiss sofort geholt. Bevor sie sich ein Auto beschaffen konnte, fuhr sie mit einem alten Motorrad zu den Patienten. 1955 baute sie sich im Ostwall 56 ein Haus und praktizierte noch bis 1969. Was Dr. Peiss im Krieg und vor allem in den schweren Nachkriegsjahren leistete, wurde von der Stadt Bocholt in einem Dankesbrief vom 23. Oktober 1969 gewürdigt: "... und wie viel Zeit und Kräfte Sie opfern mussten, als Sie sich nach Kriegsende niederließen, und unter primitiven Verhältnissen halfen, die Bevölkerung ärztlich zu versorgen, das können wohl die Wenigsten ermessen..."  

1969 ging Dr. Peiss in die Eifel, wo sie ihren Lebensabend verbringen wollte. Sie kehrte 1976 nach Bocholt zurück und nahm die Betreuung einsamer Menschen im evangelischen Altenheim, Herzogstraße, wieder auf. Sie lebte sehr zurückgezogen und starb am 27. Februar l993 im Alter von 81 Jahren.  

Lit.: Annemarie Rotthues, Das Bürgerporträt. Erinnerungen an Dr. med. Maria Peiss, in: Unser Bocholt, 45.Jg. (1994), H. 1, S. 33-34.

Annemarie Rotthues (09.09.10 08:49 Uhr)


Pestalozzischule Bocholt

Mit der Erschließung des Wohngebietes "Am Erzengel", der Wohnsiedlungen "Im Osteresch", und "Wagenfeldstraße" und der Sanierung der Wohngebäude an der Hochfeldstraße stieg ab 1965 die Zahl der Schüler der Clemens-August-Schule so sehr an, dass die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Am 19.6.1969 beschloss deshalb die Stadtverordnetenversammlung die Errichtung einer zweizügigen Gemeinschaftsgrundschule an der Knufstraße. Der erste Spatenstich erfolgte am 19.3.1970, Mitte September desselben Jahres war das Schulgebäude fertig, Ende November die Turnhalle. 8 Klassenräume, 4 Gruppenräume und 3 Verwaltungsräume standen zur Verfügung. Erste Schulleiterin wurde Margarete Ossenkamp. Am 13.2.1971 wurde die Schule eingeweiht und erhielt den Namen Pestalozzischule nach dem berühmten Schweizer Pädagogen.

Im September 1971 wurde in einer der freistehenden Pavillonklassen der erste Schulkindergarten Bocholts eingerichtet. 21 schulpflichtige, aber zunächst aus verschiedenen Gründen vom Schulbesuch zurückgestellte Kinder wurden hier auf die Grundschule vorbereitet. Der Schulkindergarten wurde 2005 aufgelöst. Zum Ende des Schuljahres 1988/89 wurde Rektorin Margarete Ossenkamp pensioniert. Frau Ruth Elster wurde ihre Nachfolgerin. 199 Kinder besuchten zu diesem Zeitpunkt die Schule. Die Schülerzahlen stiegen bis 1992  ( 213) an und gingen dann langsam zurück. Nachfolger von Frau Elster wurde im August 2003 Rektor Hans Wessels. Die Pestalozzischule ist seit Schuljahresbeginn August 2007 "Offene Ganztagsgrundschule". Seit Beginn des Schuljahres 2009/2010 ist die Pestalozzischule Teilstandort des Grundschulverbandes Diepenbrock.    

Lit.: Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Pestalozzischule, Bocholt, 1995.                                                                         

Hans Nienhaus (06.07.10 11:09 Uhr)


Pfarrbücherei St. Josef

Viele katholische Pfarreien unterhalten eine Bibliothek, die nach dem Heiligen Karl Borromäus, Borromäusbücherei genannt wird.

Seit Jahrzehnten beherbergt die Gemeinde St. Josef eine solche öffentliche Bibliothek, aus der Interessenten Bücher entleihen können. Betreut und beliefert werden diese Büchereien in kirchlicher Trägerschaft von dem 1846 gegründeten Borromäusverein mit Sitz in Bonn.

1960 verfügte die Bücherei über ca. 2050 Bände. Im gleichen Jahr wurde festgestellt, dass innerhalb von 10 Jahren aufgrund des guten Bücherbestandes die Ausleihe von ca. 4.700 auf 6.800 gesteigert werden konnte. Im Jahre 1976 wurde seitens der Stadt Bocholt ein Büchereiplan erstellt der vorsah, dass die Borromäusbücherei St. Josef für die Bücherversorgung des südwestlichen Teiles unserer Stadt zuständig sein sollte. Nach diesem Plan wurde die Pfarrbücherei St. Georg wegen der Nähe zur Stadtbücherei (die sich zu dieser Zeit noch am Benölkenplatz befand) geschlossen, und das Buchmaterial weitgehend der Pfarrbücherei St. Josef zugeführt. Hierdurch wuchs der Bestand auf etwa 7.000 Bucheinheiten an. Mit dem allgemeinen Rückgang der Ausleihzahlen betrug die Buchausleihe zum Jahresende 2005 nur noch 11.034 Bände. Das Angebot umfasst Sachbücher, Romane, Kinder- und Jugendbücher, sowie Musik- und Hörspielkassetten und CDs. Z.Zt. (2006) verfügt die Bücherei über 6.135 Bücher, 47 CD-ROMs und 693 Musikkassetten und CDs.  

Lit.: Pfarrei St. Josef (Hrsg.), Festschrift zum 100jährigen Weihejubiläum der Josefskirche, Bocholt 1997.

Johann Telaar (05.05.09 09:03 Uhr)


Ss. Ewaldi, Pfarrei und Kirche

Der Wunsch nach einer eigenen Kirche im Bezirk Fildeken und Biemenhorst bestand schon in den 20er Jahren des 20.Jahrhunderts. Zu der Zeit gehörte der heutige Pfarrbezirk von Ss.Ewaldi zur Kirchengemeinde St. Josef.

Gesucht wurde nach einer finanzierbaren Lösung für eine Gemeindegründung. 1934 bot man das ehemalige Schröersche Kaufhaus Ecke Mühlenweg-Schützenstrasse zum Verkauf an. Das große Haus wurde erworben und zu einem Kirchenraum umgestaltet. Klemens Vehorn, ein junger Priester der Gemeinde, sorgte dafür, dass liturgische Geräte und auch das große Kreuz, das Christus als König darstellt, erworben werden konnten.

Dem damaligen Dechanten Jürgens, einem großen Verehrer der Brüder Ewaldi, die als Mönche gegen Ende des 7.Jahrhunderts missionarisch in unserem Gebiet tätig waren, verdankt die Pfarrgemeinde ihren Namen.

Am 5. Juni 1934 wurde eine Notkirche mit großer Beteiligung der Gläubigen eingeweiht. Im August kam Pfarrrektor Anton Hommel, dem im Dezember 1934 der dann eigenständige Seelsorgebezirk Ss.Ewaldi übertragen wurde. Die endgültige Ablösung von der Mutterpfarrei St. Josef beschloss der Kirchenvorstand 1939, indem auf wertvollen Grundbesitz verzichtet wurde, um der neuen Pfarrei finanzielle Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Am 4. April 1941 ernannte der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, den Seelsorgebezirk Ss. Ewaldi zur selbstständigen Pfarrei und Anton Hommel wurde Pfarrer dieser Gemeinde.

Die Begeisterung der Gläubigen für ihre Gemeinde war groß, viele Gruppen und Verbände entstanden.

Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges gab es mit den damaligen Machthabern etliche Auseinandersetzungen. Die Fronleichnamsprozession wurde verboten, der katholische Jungmännerverband musste aufgelöst werden, Veranstaltungen der Frauengemeinschaft und der Religionsunterricht in den Schulen durften nicht mehr stattfinden. In dieser schwierigen Zeit standen die Gemeindemitglieder mit ganzer Kraft und Treue zusammen.

Am 4. Advent 1946 feierte Pastor Hommel sein 25-jähriges Priesterjubiläum und die Gemeinde Ss.Ewaldi erhielt Ewaldi-Reliquien aus der Kirche St. Kunibert in Köln.

Im Jahre 1948, nach gerade beendetem Krieg, wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Nach vier Jahren verfügte man über genügend Geld, um am 3.3.1952 den ersten Spatenstich für eine große Kirche zu machen. Helfer mit Schaufel und Schiebkarre waren zur Stelle und in wenigen Tagen waren die Ausschachtungsarbeiten geschafft. Am 6.7.1952 feierte die Pfarrgemeinde die Grundsteinlegung und Weihe, die durch den Dechanten Clemens Dülmer vorgenommen wurde.

Der Grundstein entstammt einer Säule der durch Bombenangriff auf Bocholt am 22.3.1945 zerstörten Kirche St. Georg ebenso beigelegte Ziegelstücke von der zerbombten Kirche St. Josef. Hiermit sollte die Verbundenheit mit der Kirche St. Georg, der Mutterkirche von Bocholt, und der speziellen Mutterkirche St. Josef, bekundet werden.

Architekt Johann Ketteler aus Bocholt war Baumeister der Kirche. Am 8.2.1953 wehte über dem Rohbau der Richtkranz. Vier Monate später, am 12.7.1953, war das Gotteshaus vollendet und konnte seiner Bestimmung übergeben werden. Zur Einweihung kam im Auftrag des Bischofs von Münster - Erzbischof von Lanchow (China), Theodor Buddenbrock.

Zum 25jährigen Gemeindejubiläum, sechs Jahre später, wurden vier Glocken geweiht und im Turm installiert. In der Zwischenzeit war die Notkirche der Pfarrei Ewaldi Ecke Mühlenweg-Schützenstraße zu einem Gasthaus umgebaut worden. Am 11.6.1960 wurde es eingeweiht und übergeben. Es diente bis zum Bau des neuen Pfarrheims an der Schwertstraße für Treffen und Veranstaltungen der Pfarrgemeinde.

Am 13.12.1967 starb nach kurzer Krankheit Pfarrer Anton Hommel, der am 16.12.1967 unter großer Beteiligung der Gläubigen auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Beim Requiem erklang zum ersten Mal die neue Orgel, die am 23.12.1967 feierlich eingeweiht wurde.

Am 28.4.1968 wurde Albert Bettmer zum neuen Pfarrer der Pfarrgemeinde Ss.Ewaldi ernannt und in sein Amt eingeführt.

1970 wurde die Kirche gründlich renoviert. Die Neugestaltung des Chorraumes erfolgte nach Vorgaben der Liturgiereform des zweiten Vaticanums im Jahre 1964.

Am 9.6.1974 feierte die Pfarrei Ss.Ewaldi ihr 40-jähriges Bestehen. Zu der Zeit zählte sie ca. 8000 Mitglieder.

Am 3.6.1984 war das Jubiläum des 50-jährigen Bestehens der Pfarrgemeinde Ss.Ewaldi. In einem feierlichen Hochamt, zu dem Regionalbischof Alfons Demming aus Münster gekommen war, sang der Kirchenchor u.a. eine Bruckner-Messe. Anschließend fand in einem großen Zelt auf dem Kirchplatz ein Festakt mit Empfang der Ehrengäste und der Gemeinde statt.

Kl. Statistik der Pfarrgemeinde Ewaldi (aus der Pfarrchronik):

Januar 1972              erstmals Sternsingen der Messdiener

1.3.1975                   erster Dienst von Kommunionhelfern/innen

8. -14.11.1976          erste ökumenische Bibelwoche mit der Apostelkirche

17.5.1981                 Wallfahrt nach Köln, St.Kunibert, zu den Gebeinen der hl. Brüder Ewaldi

3.7.1983                   Domwallfahrt nach Münster

5. - 13.10.1984          Romwallfahrt

Lit:

  • Feighofen, Erika: 50 Jahre Kirchengemeinde Ss.Ewaldi.Versuch eines kurzen Überblicks in "Unser Bocholt" Jg.35 (1984), H.4, S.25-32.
  • Chronik Ss.Ewaldi, Ordner Jubiläen.

Irmgard Winking (31.05.10 16:35 Uhr)


Pfarrer-Anton-Hommel-Weg

Dieser Weg soll an den ersten Pfarrer der Pfarrei Ss. Ewaldi, Anton Hommel (1896-1967), erinnern.

Lit.:

Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.

Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 39 (1988), H. 2, S. 55.  

(05.05.09 09:08 Uhr)


Pfarrer-Becking-Straße

Die Straßenbenennung Pfarrer-Becking-Straße erfolgte am 2. März 1994 in Erinnerung an den Gründungspfarrer Heinrich Becking (1891-1973) der Hl.-Kreuz-Gemeinde.

Lit.:

  • Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.

(05.05.09 09:13 Uhr)


Pfarrer-Quade-Weg

Dieser Weg soll an den Pfarrer und Ehrenbürger der Stadt Bocholt, Gustav Quade (1892-1979) gedenken.

Lit.:

  • Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.
  • Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 40 (1989), H. 3, S. 64.  

(06.05.09 12:16 Uhr)


Pfarrer-Wigger-Schule

Die wechselvolle Geschichte der Pfarrer-Wigger-Schule Suderwick - hervorgegangen aus der kath. Volksschule Suderwick - ist über Jahrhunderte verknüpft mit der ebenso wechselvollen Geschichte der Gemeinde Suderwick. Benannt ist die Schule nach dem 1955 verstorbenen verdienstvollen Pfarrer der kath. Kirchengemeinde Suderwick.

Nach dem 30-jährigen Krieg, der eine feste Grenzziehung zwischen Dinxperlo in den (niederländischen) Generalstaaten und der Siedlung Suderwick im Fürstbistum Münster schuf, erhielt Suderwick mit Ignatz Busch einen eigenen Seelsorger, der dort 1675 auf Anweisung des Fürstbischofs von Münster Christoph Bernhard von Galen eine Schule errichtete. Der erste Lehrer ist nicht bekannt, wahrscheinlich unterrichtete Ignatz Busch zunächst selbst.

1791 hatte Suderwick eine kath. "Grenzschule", in die deutsche und holländische Kinder gingen. Das erste Schulgebäude wurde 1814 errichtet, die ersten bekannten Lehrer waren Reiner Koeners und Anton Mümken. Sie, wie auch die folgenden Lehrer waren Schüler des Münsteraner Schulreformators Bernhard Overberg.

Bis 1854 besuchten auch holländische Katholiken die St. Michaeliskirche in Suderwick und schickten ihre Kinder in die katholische Schule. Papst Pius VII verfügte jedoch 1821 die Einrichtung einer selbständigen kath. Pfarre in Dinxperlo-Bredenbrook, von nun an gingen die holländischen Kinder zu einer eigenen Schule.

Aus der langen Reihe der Lehrer in Suderwick ragt August Brunsmann hervor, der ab 1895 mehr als 25 Jahre in Suderwick unterrichtete und sich große Verdienste um Gemeinde und Schule erwarb. 1922 folgte ihm Georg Hoppe, 1945 übernahm Lehrer Max Golombowski unter äußerst schwierigen Bedingungen die Leitung der Schule. Das Schulgebäude war zerstört, die katholischen Kinder wurden in der evangelischen Volksschule unterrichtet. Erst 1948 erhielt die Schule wieder ein eigenes Gebäude.

Am 23. 4.1949 wurde das westliche Suderwick auf Beschluss der Alliierten von Deutschland abgetrennt und kam zu den Niederlanden. Die Michaeliskirche und die kath. Volksschule lagen nun auf niederländischem Staatsgebiet. Die deutschen Kinder sollten jetzt holländische Schulen besuchen. Die Gemeinde Suderwick baute in aller Eile einen Klassenraum an der ev. Schule für die ersten vier Jahrgänge, die oberen Jahrgänge besuchten  weiterhin die Schule an der Michaeliskirche. 1952 durften dann alle Schüler wieder in diese Schule gehen.

Der Leiter der Schule wurde nun niederländischer Beamter. Lehrer Golombowski verließ 1953 aus diesem Grunde die Schule. In Paul Brügge aus Bocholt fand die Gemeinde einen Lehrer, der bereit war, dieses schwierige Amt zu übernehmen. Seine holländischen Sprachkenntnisse erleichterten ihm den Umgang mit den niederländischen Behörden. 1963 kehrte Westsuderwick in die Bundesrepublik Deutschland zurück.

1966 erhielt die Schule ein neues Gebäude an gleicher Stelle nach Abriss des alten Schulgebäudes aus dem Jahre 1933, zunächst mit zwei Klassenräumen und Nebenräumen, schon ein Jahr später müssen auf Grund der wachsenden Schülerzahlen zwei weitere Klassenräume erstellt werden.

In der Schulreform 1968/69 werden die Klassen 1-4 der Schule Gemeinschaftsgrundschule, die Klassen 5-9 zunächst Gemeinschaftshauptschule, später aber in die Hauptschule Lowick überführt. Rektor Paul Brügge ging als Schulleiter nach Bocholt an die Josefschule, Frau Hildegard Ostermann, spätere Schouwenburg, übernahm 1972 die Leitung der Schule.

Kinder aus Suderwick besuchten vielfach seit Jahren den niederländischen Kindergarten, wuchsen also zweisprachig auf. Die deutschen Eltern hatten 1963 sogar den Bau eines Kindergartens in Suderwick wegen der positiven Erfahrungen mit dem niederländischen Kindergarten abgelehnt. Die Schule nahm deshalb das Fach Niederländisch in ihren Lehrplan auf. Schon 1973 gab es den ersten Kontakt aller Schulleiter in Dinxperlo und Suderwick, der in der Folge zu einer Vielzahl gemeinsamer grenzüberschreitender Aktivitäten führte.

Wegen des Anwachsens der Schülerzahl wurden 1995/96 zwei Schulpavillons mit insgesamt drei Klassenräumen aufgestellt, die später fest ausgebaut wurden.

Frau Schouwenburg übergab am Ende des Schuljahres 1999/2000 die Leitung der Schule an Frau Marianne Sanderhaus.

Die Schule beherbergt heute 4 Klassen, sie hat eine Schulaufgabehilfe und einen offenen Jugendtreff für die Betreuung am Nachmittag eingerichtet. Mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 wurde die Schule aufgelöst.

Lit.:

Alois Tekotte, Schulen im Amt Liedern-Werth, Bocholt, 1966.

Theo Behrens, Über Schulkampf und Schulfrieden, in: Unser Bocholt, 55.Jg, 2004, S. 53-54.

Hildegard Schouwenburg, ... und die Annäherung geht weiter, ebd. S.57-58.

Chronik der Pfarrer-Wigger-Schule 1945 - 2007 in der Pfarrer-Wigger-Schule, Bocholt-Suderwick

Hans Nienhaus (05.07.10 15:25 Uhr)


Pfarrheim St. Josef

Seit dem Jahre 1908 besaß die Pfarrei St. Josef an der Hohenzollernstr. 48 ein Pfarr- und Jugendheim, das den Namen Vereinshaus St. Josef trug. Am 1.7.1937 wurde das Haus von den damaligen Machthabern geschlossen. Während des Krieges wurde es als Lagerraum für Getreide und Uniformstücke benutzt. Am 4. März 1945 fiel das Gebäude einem Bombenangriff zum Opfer. An gleicher Stelle wurde nach dem Krieg, am 28. Juni 1953, der Grundstein zum Wiederaufbau des Hauses gelegt. Am 4. Juli 1954 erhielt es die kirchliche Weihe.

Im März 1987 beschloss man den Neubau eines Pfarrheimes in der Nähe der Kirche. Zur Mitfinanzierung des neuen Hauses wurde das alte Vereinshaus veräußert.

Nach einem Architektenwettbewerb wurden Planung und Ausführung an die Herren Kresing und Teepe aus Münster vergeben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 26. April 1992. Das Haus wurde am 29. November 1992 feierlich seiner Bestimmung übergeben. Außer Gruppenräumen, einem Pfarrsaal und einer Küche verfügt das Haus über Räume, welche die Pfarrbücherei beherbergt.

Lit.:

Festschrift zum 100jährigen Weihejubiläum der Kirche. Bocholter Kirchenkalender 1958.  

Johann Telaar (06.05.09 12:32 Uhr)


Pfarrkirche Maria Trösterin Mussum

Die erste Kapelle in Mussum wurde im Jahre 1671 auf dem Gut Niedermöller-Kapellemann erbaut. Man nannte sie "Kapelle unserer lieben Frau". Der heutige Besitzer des Hofes führt immer noch den geläufigen Beinamen "Kapellemann".

Zur Zeit der Erbauung gehörten die katholischen Gläubigen in Mussum noch zur Pfarrei St. Georg. Der damalige Vikar Ernst-Ignaz Busch ließ die Kapelle errichten, damit die Gläubigen aus Mussum, Liedern und Lowick ihrer Sonntagspflicht genügen und in Religion unterrichtet werden konnten. Die Kapelle wurde jedoch nach einigen Jahrzehnten abgebrochen.

Im Jahre 1897 wurde Mussum aus der Urpfarrei St. Georg ausgegliedert und der neuen Pfarrei St. Josef zugeordnet. Die Straße "Mussumer Kirchweg" beschreibt auch heute noch den Weg, den die Gläubigen zur neuen Kirche gingen.

Als am 22. März 1945 die Josefskirche zerstört wurde, richtete man zunächst im Lager der Bäuerlichen Genossenschaft, später im Saal der Gaststätte "Mussumer Mühle", eine Notkirche ein. Der damalige Pfarrer von St. Josef, Karl Wiedehage, übernahm vorübergehend die Seelsorge in der Gemeinde. Noch bevor der Saal für den Gottesdienst hergerichtet war, wurde der Pfarrer bei einem nächtlichen Überfall von Plünderern erschossen und verstarb am 30. Juni 1945.

Auf Drängen der Gläubigen auf eine eigene Kirche wurde im August 1947 der Kapellenverein gegründet. Zahlreiche Spenden und Eigenleistungen ermöglichten am 8. August 1949 die Grundsteinlegung der von dem Architekten Kösters aus Münster entworfenen Kirche. Schon am 25. Mai 1950 konnte die Kirche "Maria, Trösterin der Betrübten" unter großer Beteiligung der Bevölkerung von Weihbischof Roleff eingeweiht werden.

Im Jahre 1964-1966 wurde die Kirche wegen der vermehrten Bebauung in Mussum umgebaut und erweitert. Die Fenster und des Chores wurden dabei neu gestaltet.  Für die Neugestaltung des Altarraumes galten die Bestimmungen über die Neuordnung der Liturgie, die das zweite Vaticanum erlassen hat und die am ersten Fastensonntag 1964 in Kraft getreten ist. Nach diesen Gesichtspunkten wurde der Altarbereich eingerichtet. Architekt Bernd Kösters sowie Josef Baron sind die verantwortlichen Gestalter.

Es versteht sich von selbst, dass in einer Marienkirche das Bildnis der Gottesmutter präsent ist. Der Bildhauer Emil Ebert schuf das Bildnis einer Schutzmantelmadonna, unter deren Mantel die Kirchengemeinde geborgen ist.

Das Kreuz über dem Altar zeigt den gekreuzigten Jesus. Ein Balken aus Ulmenholz dient als Kreuzbalken für dieses 2,80 m hohe Kruzifix. Geschaffen wurde dieses Werk von dem Bildhauer Johannes Paschker.

Die schlicht gehaltenen Fenster sind nach den Entwürfen der Künstlerin Frau Lucy Vollbrecht-Büschlepp gefertigt.

Im Laufe der Zeit wurde der Name der Kirche auf "Maria Trost" und später dann auf den heutigen Namen "Maria Trösterin" geändert.

Die Einwohnerzahl in der Pfarrei war inzwischen auf etwa 2000 angestiegen. Die Gemeindemitglieder drängten auf Eigenständigkeit und Lösung von der Pfarrgemeinde St. Josef. Am 1. Oktober 1952 wurde die Kirche zunächst ein Pfarr-Rektorat und am 1. Oktober 1955 zur selbständigen Pfarrei erhoben.

Als erster Pfarr-Rektor konnte Pastor Bernhard Hecker sein Amt 1952 übernehmen. Nach seinem Tod im September 1954 folgte Pfarrer August Sellenscheidt, der im September 1982 in den Ruhestand ging. Am 26. September 1982 wurde der jetzige Pfarrer Hubert Oelgemöller in sein Amt eingeführt.

In zusätzlich geleisteter Gemeinschaftsarbeit wurde ein eigener Friedhof errichtet, der nach wie vor von der Kirchengemeinde Maria Trösterin verwaltet wird. Die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhof war am 14. April 1951. Auch die beiden verstorbenen Pfarrer Bernhard Hecker und August Sellenscheidt fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in der Gemeinde.

Lit:

  • Ursel Jost, 50 Jahre Pfarrgemeinde Maria Trösterin in Mussum.
  • Waltraud Liebrand, Kunst in der Kirche Maria Trösterin. Aus: Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum der Pfarrkirche Maria Trösterin, Mussum 2000.

Johann Telaar und Leo Engenhorst (14.09.10 11:01 Uhr)


Plaggeneschkultur

Bei dieser Kulturtechnik wurden Bodenstücke, die so genannten Plaggen, ausgestochen, mit Mist versetzt und als Dünger auf dem Esch ausgebracht. Im Westmünsterland wurde dazu vornehmlich in der Heide und seltener im Grünland oder Wald die oberste Bodenschicht mit Wurzelwerk und Kraut in einer Stärke von mehreren Zentimetern abgetragen. Die Plaggen wurden hauptsächlich in zwei Verfahren mit Stallmist vermischt: Zum einen wurden sie als Streu in den Ställen verwendet, zum anderen in Mistgruben oder auf Komposthaufen am Rande der Äcker mit Mist in Schichten aufeinandergesetzt. Für eine ausreichende Versorgung der Eschflächen wurde mehr als das Zehnfache an Heidefläche benötigt. Die Plaggeneschkultur wurde um 950 n. Chr. etwa zeitgleich mit dem intensiven, "ewigen" Winterroggenanbau eingeführt, dessen langjährige ununterbrochene Monokultur nun eine regelmäßige Düngung erforderlich machte. Seit dem Aufkommen der chemischen Düngung um 1900 verlor diese aufwändige Kulturtechnik ihre Bedeutung.

Siehe auch: Kamp, Mark.

Lit.:

  • Paul Heinrichs, Die Heide. Entstehung, Geschichte und Vergehen einer Heimatlandschaft, in: UNSER BOCHOLT Jg. 18 (1967) H. 1, S. 24-29.
  • Erhard Mietzner, Esch, Kamp, Heide, Mark ... Anmerkungen zu einer alten bäuerlichen Wirtschaftsform, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 3, S. 34-41.

Dr. Thomas Behrens (06.08.10 11:08 Uhr)


Esch

Die höher gelegenen und daher trockeneren Felder wurden Esch genannt. Sie wurden seit etwa der Mitte des 10. Jahrhunderts, als der intensive Anbau von Winterroggen aufkam, im Rahmen der Plaggeneschkultur bewirtschaftet. Durch die regelmäßige Plaggendüngung wuchsen sie um bis zu 10 cm in 100 Jahren in die Höhe, so dass der Eschboden vereinzelt eine Stärke von mehr als 1 m erreichen kann. Der Esch lag, umsäumt von den Höfen und Kämpen, inselartig in der Heide.

Im Bocholter Gebiet sind mehr als 30 ehemalige Eschlagen bekannt: sowohl ausgedehnte wie Liederner, Suderwicker und Mussumer Esch, auf denen jeweils mehrere Höfe ihre typischen Streifenparzellen besaßen, als auch kleine in der Nähe einzelner Höfe. Infolge der Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Flurbereinigung hat der Esch seine Bedeutung verloren und ist in der Landschaft nur noch vereinzelt zu erkennen. Heute erinnern Straßennamen wie Im Neuen Esch, Im Osteresch und Im Königsesch an die namengebenden früheren Esche an gleicher Stelle.

Lit.:

  • Paul Heinrichs, Die Heide. Entstehung, Geschichte und Vergehen einer Heimatlandschaft, in: UNSER BOCHOLT Jg. 18 (1967) H. 1, S. 24-29.
  • Erhard Mietzner, Esch, Kamp, Heide, Mark ... Anmerkungen zu einer alten bäuerlichen Wirtschaftsform, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 3, S. 34-41.

Dr. Thomas Behrens (27.01.09 13:04 Uhr)


Bocholter Platt

Eine lokale Variante des Westmünsterländer Sandplatt. Dieses entwickelte sich über mehr als tausend Jahre aus dem Altsächsischen, das zur Westgermanischen Sprachfamilie zählt und dem späteren Mittelniederdeutschen. Das Bocholter Platt war lange Zeit die Umgangssprache der hiesigen Bevölkerung. Erst der 2. Weltkrieg und die Zeit danach mit dem Zustrom zahlreicher Vertriebener aus dem deutschen Osten, leiteten einen allmählichen aber unaufhaltsamen Verfall dieser ausdrucksvollen Sprache ein. Auch die Schulen trugen zu dem Niedergang bei indem sie versuchten ihren Schülern das Platt auszutreiben, da es dem Erlernen des Hochdeutschen im Wege stand. Ein Irrtum! Diese eigenständige alte Sprache war sozusagen die erste Fremdsprache, vergleichbar dem Englischen oder Niederländischen, die ihre Schüler durch mündliche Überlieferung im Elternhaus allerdings bereits vor oder neben dem Hochdeutschen erlernten. Das öffentliche Leben und ein gewisser Dünkel waren ebenfalls keine Hilfen zum Erhalt dieser alten Kultursprache. Heute zeigt sich eine vorsichtige Umkehr dieses Prozesses. Literaturlesungen, Theateraufführungen und Bunte Abende im Bocholter Platt gehören zu den bestbesuchten Veranstaltungen der hiesigen Kulturszene. Seit Jahren bemüht sich der "Plattdütse Kring", eine Abteilung des Verein für Heimatpflege Bocholt e. V., um den Erhalt des Platt. Zu seinen Arbeiten zählt die Herausgabe von Nachschlagewerken wie Bokeltse Wuerderbook, Bokeltse Leederbook, "Sprichwörter up Bokelts Platt", Erstellung von Videos und CDs, Beiträge im lokalen Hörfunk und vieles mehr. Die Zeitschrift Unser Bocholt veröffentlicht regelmäßig Beiträge in plattdeutscher Sprache. Auch etliche Bücher plattdeutscher Autoren, die im hiesigen Buchhandel zu kaufen sind, tragen dazu bei, dass dieses ererbte Kulturgut nicht ganz verloren geht. Geht man heute durch die Bocholter Innenstadt, hört man hier und da noch Bocholter Platt, meist von älteren Leuten gesprochen. Die Jüngeren verstehen es noch, trauen sich aber nicht, dem etwas schweren Zungenschlag ihrer Eltern zu folgen. Die Hoffnung, in fünfzig Jahren auf unseren Straßen noch Bocholter Platt zu hören, geht auf wackligen Beinen. Doch Hoffen ist nicht verboten.

Lit.:

Bokeltse Leederbook, in: UNSER BOCHOLT Jg. 46 (1995) H. 3.

Bokeltse Wuerderbook, in: UNSER BOCHOLT Jg. 41 (1990) H. 2-3. Sprichwörter mit Redensarten up Bokelts Platt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 54 (2003) H. 1.

Timothy Sodmann, Ist das Platt noch zu retten, in: UNSER BOCHOLT Jg. 51 (2000) H. 1 S. 46-47.

Egon Reiche (05.10.09 10:55 Uhr)


Plattdüts

Ist unsere plattdeutsche Sprache zum Aussterben verurteilt.

Mit dieser Frage beschäftigen sich u. a. die Mitglieder des Plattdütsen Kring. Blicken wir in die Geschichte zurück. Zur Zeit der Hanse war die plattdeutsche Sprache die Umgangssprache zwischen den Verhandlungspartnern. Das Niederdeutsche galt auch als offizielle Schriftsprache für Erlasse, Dokumente und Urkunden. Es wurde zur Kultursprache, die sich über ganz Nordeuropa erstreckte. Man verstand sie zwischen Flandern und Livland und in Skandinavien. Die Niederdeutsche Sprache hatte den Rang einer Weltsprache.

Im 16. Jahrhundert setzte sich allmählich die hochdeutsche Sprache durch. Die älteste auf hochdeutsch verfasste Urkunde im Vredener Pfarrarchiv ist aus dem Jahre 1583. Seit dieser Zeit etwa werden auch  die Bocholter Stadtrechnungen auf Hochdeutsch geführt.

Bis zur Wende vom 19. zum 20 Jahrhundert wurde noch in allen Bocholter Familien Platt gesprochen. Während sich Bocholt seit der Mitte des 19.Jahrhunderts wirtschaftlich immer mehr empor arbeitete, erlitt es in dieser Zeit auch einen großen Verlust. Die Jugend verlernte weitgehend die alte Muttersprache. Arbeiter, Beamte und Geschäftsleute die von auswärts gekommen waren, verstanden das in Bocholt gesprochene Platt nicht. Die noch anhaltende Migration, die nach dem letzten Krieg einsetzte, beschleunigte den Niedergang. Welche Eltern vermitteln heute ihren Kindern noch die plattdeutsche Sprache, wenn Vierjährige schon einen Sprachtest ablegen müssen, um schulfähig zu sein. Hochdeutsch war vor Jahren immerhin noch die erste Fremdsprache, die man erlernte.

Der Einfluss des Hochdeutschen auf das Platt zeigt unmissverständlich, wohin die plattdeutsche Sprache gehen wird. Vor allem Schulen, in denen nur Hochdeutsch gelehrt, wird haben dazu beigetragen, dass  Plattdeutsch ausstirbt. Literaten wie Augustin Wibbelt, Fritz Reuter oder Karl Wagenfeld haben in den heutigen Lesebüchern keinen Platz mehr.

Bocholt darf auf  Mundartdichter blicken, wie auf Bernhard Diepenbrock, den Bruder des Fürstbischof Melchior von Diepenbrock, der 1857 die Geschichte von Jan te Baje, dem Auswanderer, hinterlassen hat, und auf den weniger bekannten Conrad Diepenbrock, den Offizier und Revolutionär in preußischen, griechischen und österreichischen Diensten. Besonders zu erwähnen wäre August Franz Schmölders, der Schillers "Lied von der Glocke"  in  der Bocholter Mundart parodiert hat. Er bringt in Schillers Werk die ganze Palette des menschlichen Zusammenlebens im Bocholt des 17. Jhs. unter. Vergessen sein auch nicht die heutigen Bocholter Mundartliteraten Johann (Jabo) Bongert und Hermann (Manes) Schlatt, oder Egon Reiche und die mit ihren Artikeln und Gedichten die plattdeutsche Sprache in Bocholt noch hoch halten.

Hinzu kommen plattdeutsche Theaterstücke der Spielscharen und die plattdeutschen Abende des "Plattdütsen Kring", die immer bis auf den letzten Platz besetzt sind.

Lit.:

  • Bokeltse Wuerderbook, - Wörterbuch des Bocholter Platt - in:UNSER BOCHOLT Jg. 41 (1990), H. 2/3, S. 9 - 81, anschließend plattdeutsche Texte, S. 82 - 110.
  • Plattdütsen Kring im Verein für Heimatpflege Bocholt e. V., Bokeltse Leederbook, tesamenestellt för Grote, Blagen, Blärmuulen un Bössels, in: UNSER BOCHOLT Jg. 46 (1995), H. 3, S. 3 - 68.
  • Plattdütse Kring im Verein für Heimatpflege e. V., Sprichwörter und Redensarten up Bokelts Platt und im Vorwort von Heinrich Belting, in:
  • UNSER BOCHOLT Jg. 54 (2003), H. 1, S. 5 - 140.
  • Sodmann, Timothy Dr., Plattdeutsch in vielerlei Gestalt oder "A un P is noch lange kinn Aap", in:UNSER BOCHOLT Jg. 41 (1990), H. 2/3, S. 7 " 8.
  • Sodmann, Timothy, Ist das Platt noch zu retten? in: UNSER BOCHOLT Jg. 51 (2000), H. 1, S. 46 - 47.  

Johann Telaar (08.05.09 09:24 Uhr)


Plattdütsen Kring

Der "Plattdütse Kring" im Verein für Heimatpflege Bocholt e. V. hat sich zur Aufgabe gemacht, den Verfall der plattdeutschen Sprache - auch wenn er nicht ganz zu stoppen ist - zu verlangsamen. Seine Mitglieder treffen sich regelmäßig im Stadtmuseum zur Gesprächsrunde.

Nach langjähriger Arbeit entstand dort 1990 dort das "Bokeltse Würderbook" mit mehr als 4.000 Plattdeutschen Wörtern und Begriffen (Unser Bocholt Jg. 1990, H. 2/3) In Arbeit ist eine Ergänzung, in der weitere ca. 800 Begriffe erklärt werden. Bereits 1976 wurden plattdeutsche Wortlisten erarbeitet (Unser Bocholt 1976 H. 3-4).

1995 folgte das "Bokeltse Leederbook"  mit alten Liedern in Bocholter Platt (Unser Bocholt Jg. 1995 H. 3).

2003 wurde "Sprichwörter und Redensarten up Bokelts Platt" heraus gegeben (Unser Bocholt, Jg. 2003 H. 1.).

An jedem ersten Dienstag im Monat strahlte der Sender WMW unter dem Motto "Bürger machen Programm" eine Sendung aus, in der auch der Plattdütse Kring sein Programm vorstellen konnte. Leider ist nach dem neuen Rundfunkgesetz ab dem 01.07.07 auch diese Möglichkeit nicht mehr gegeben.

Der Einfluss des Hochdeutschen zeigt, welchen Weg das Platt gehen wird. Der Umbruch wird sich nicht von heute auf morgen vollziehen, sondern langsam vonstatten gehen. So wie heute in der hochdeutschen Sprache die alten, lieb gewonnenen Worte dem Englischen weichen müssen, werden sich unmerklich bei den Plattsprechern einzelne hochdeutsche Worte breit machen. Der Plattdütse Kring beugt dem vor. Goethes Wort: "Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen" hat auch hier seine Bedeutung.

Das Schicksal des Plattdeutschen bestimmen die Plattdeutschsprecher.

Lit.:

Ludwig Kremer, "Mundart im Westmünsterland" Wolfgang Feldhege, Verein für Heimatpflege e. V., Ein Portrait, in: UNSER BOCHOLT Jg. 56 (2005), H. 4, S. 26 - 27.  

Johann Telaar (13.05.09 09:43 Uhr)


Berliner Platz

Der Berliner Platz vor dem (neuen) Bocholter Rathaus hatte früher die Bezeichnung "Aschenplatz", später "Meckenemplatz". Auf dem Aschenplatz befand sich der Fußballplatz der "DJK Turner und Ballspieler Bocholt".

Nach seiner Neugestaltung weihte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, am 9. Juni 1985 im Rahmen eines Bürgerfestes den Platz ein. Von nun an hieß er "Berliner Platz".

Sein Wahrzeichen ist ein 10,20 Meter hoher Preußischer Meilenstein, der nach historischer Vorlage errichtet wurde. In sieben Meter Höhe ziert den Obelisken ein Abguss des Preußischen Adlers. Auf der östlichen Seite sind die Namen der Ehrenbürger der Stadt Bocholt, auf der nördlichen Seite der Bocholter Partnerstädte, auf der südlichen Seite ein Hinweis auf den  Standort des Obelisken mit Höhenangabe, dem Berliner Bären sowie der Entfernung Bocholt - Berlin eingearbeitet worden.

Der Berliner Platz ist Zentrum der jährlich im Oktober stattfindenden Bocholter Kirmes.          

Irmgard Ratermann (27.09.10 10:23 Uhr)


Polizeihundesportverein Bocholt e. V.

1923 wurde der Polizeihundesportverein Bocholt (PHV) von ca. 40 Mitgliedern, vorwiegend Polizeibeamten und Gastwirten, gegründet. Noch vor dem 2. Weltkrieg entstand auf der ca. 5000 qm großen Vereinsanlage am Degelingsesch ein Clubhaus mit Trainingsplätzen für Schäferhund, Dobermann, Boxer, Rottweiler, Riesenschnauzer und Airedaleterrier. Im 2. Weltkrieg wurde die Anlage zerstört und 1961 wieder aufgebaut. Heute zählt der Verein ca. 75 Mitglieder.

Zweck und Ziel des Vereins ist der Zusammenschluss von Hundefreunden zur Förderung des Hundesports mit der Ausbildung von Begleit-, Fährten- und Vielseitigkeitshunden gemäß der Ausbildungsordnung des Deutschen Verbandes der Gebrauchshundsportvereine (DVG). Regelmäßig werden hundesportliche Veranstaltungen für die Vielseitigkeitsprüfung durchgeführt.

Lit.:

www.phvbocholt.de/wir.php

Marcel Wernecke (13.05.09 10:51 Uhr)


Potsdam

"Potsdam" hieß die nördliche Fortsetzung der Leopoldstraße über die Viktoriastraße hinaus. Als dieses Straßenstück von Amts wegen zur Wilhelmstraße umbenannt wurde, lag es nahe, dass die Anwohner den amtlichen Namen durch die eigene Prägung "Potsdam" verdeutlichten.

Nach dem Motto: "Wat de könnt, könnt wej al lange!" beeilten sich daraufhin die Leute von der "langen Foore" ihr Wohngebiet des alltäglichen Namens zu berauben und umzutaufen in "Neu Berlin".

Lit.:

Werner Schneider, In drei Stunden nach England, Rom und Jericho, in: UNSER BOCHOLT, Jg. 9 (1958) H. 3, S. 8-15.  

Johann Telaar (08.09.10 10:36 Uhr)


Drillhäuschen

1694 entschloss sich die Stadt Bocholt, ein sogenanntes Drill- oder Rollhäuschen als Pranger zu errichten. Es diente wie z.B. der Schandpfahl oder der Galgen dem Strafvollzug. "Zuchtlose" Jugendliche, Diebe oder auch Steuersünder mussten hier einsitzen. Dabei handelte es sich um einen "Käfig von solcher Größe, dass ein Mensch in denselben eingesperrt werden konnte. Der Käfig ruhte auf einer senkrecht stehenden Achse, um welche er sich (mit Hilfe einer Kurbel) in rascher Bewegung im Kreise herumdrehen ließ". (Reigers bei A. Elsner)

Das Drillhäuschen stand unter einem Bogen des Rathauses, also an einem sehr zentralen Ort. Somit war der Übeltäter den Blicken, dem Hohn u. Spott der Vorübergehenden ausgesetzt, die zudem die Möglichkeit hatten, den Eingeschlossenen im Kreise zu drehen. "In Bocholt scheint die Strafe des "Einsitzens" im Drillhäuschen noch Anfang des 19. Jhdts. vollzogen worden zu sein." (A. Elsner)

Lit.:

Anke Elsner, Auf den zweiten Blick. Eine "Kuriosität" unter den Bögen des Bocholter Rathauses, in: UNSER BOCHOLT Jg. 38 (1987) H. 1, S. 21-23.

Elisabeth Heiduk (26.01.09 12:55 Uhr)


Berliner Platz

Der Berliner Platz vor dem (neuen) Bocholter Rathaus hatte früher die Bezeichnung "Aschenplatz", später "Meckenemplatz". Auf dem Aschenplatz befand sich der Fußballplatz der "DJK Turner und Ballspieler Bocholt".

Nach seiner Neugestaltung weihte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, am 9. Juni 1985 im Rahmen eines Bürgerfestes den Platz ein. Von nun an hieß er "Berliner Platz".

Sein Wahrzeichen ist ein 10,20 Meter hoher Preußischer Meilenstein, der nach historischer Vorlage errichtet wurde. In sieben Meter Höhe ziert den Obelisken ein Abguss des Preußischen Adlers. Auf der östlichen Seite sind die Namen der Ehrenbürger der Stadt Bocholt, auf der nördlichen Seite der Bocholter Partnerstädte, auf der südlichen Seite ein Hinweis auf den  Standort des Obelisken mit Höhenangabe, dem Berliner Bären sowie der Entfernung Bocholt - Berlin eingearbeitet worden.

Der Berliner Platz ist Zentrum der jährlich im Oktober stattfindenden Bocholter Kirmes.          

Irmgard Ratermann (27.09.10 10:23 Uhr)


Mariengymnasium Bocholt

Allein die vielfältigen Namensänderungen spiegeln die einhundertvierzigjährige Geschichte des höheren Schulwesens für Mädchen in Bocholt und darüber hinaus wider:

  • Privatschule für Töchter,
  • Höhere Mädchenschule,
  • Marienlyzeum,
  • Private katholische Mädchenschule,
  • Frauenschule,
  • Oberlyzeum,
  • Frauenoberschule,
  • Städtisches Lyzeum mit dreijähriger Frauenschule,
  • Deutsche Oberschule für Mädchen, hauswirtschaftliche Form

Am Anfang stand die "Erlaubnis" der Kgl. Regierung vom 05.10.1866, "zu Bocholt eine Privatschule für Töchter zu errichten". Sie sollte nur solche Mädchen aufnehmen, "welche das schulpflichtige Alter zurückgelegt haben". Dieses Datum gilt als Gründungstag des heutigen Mariengymnasiums.

Die Schule befand sich zunächst neben der Liebfrauenkirche im Gebäude des vormaligen Minoritengymnasiums und wurde von den Schwestern "Unserer Lieben Frau" (im Folgenden: U. L. F.) zu Coesfeld geführt. Deren Anwesenheit dauerte wegen des Kulturkampfes und der Klostergesetze jedoch nur bis 1875. Die Schulleiterin Schwester Athanasia, geb. Kock, und ihre Mitschwestern mussten Bocholt verlassen und wurden durch weltliche Lehrerinnen ersetzt.

Erst 1891 erhielten die Schwestern U. L. F. der Genossenschaft von Mülhausen die Genehmigung, in Bocholt eine Höhere Mädchenschule unter Leitung der Schwester Ansgaria von Tappehorn wiederzugründen. Wegen der geeigneteren Räumlichkeiten zog man 1895 in die Langenbergstraße 18 um. Da diese sich aber bald als unzureichend erwiesen, wich man in den Garten des Pastorats St. Georg aus. Schwester Leonia Grünewald organisierte zusammen mit Schwester Haverine dort ab 1900 den Aufbau eines eigenen Schulgebäudes.

Weil die Anerkennungsfrage noch nicht entschieden war, gründete sich 1913 ein Kuratorium. 1916 konnte Schwester M. Alacoque Dickmann (1915-1926) die staatliche Anerkennung der Schule als eines Lyzeums (vorheriger Name: Private katholische Mädchenschule, nun: Marien-Lyzeum) durchsetzen. 1919 wurde dem Lyzeum eine einjährige Frauenschule angegliedert, deren Leitung Schwester M. Apollonia übernahm. Dies machte eine bauliche Vergrößerung der Schule und die Aufstockung des Kollegiums erforderlich.

1922 kam es zur Vereinigung mit der privaten evangelischen Töchterschule am Nordwall, die bis dahin von Frl. Hambloch geleitet wurde. 1926 nahm Schwester M. Alacoque ihren Abschied als Leiterin, ihr folgte Schwester Ancilla Imbusch für fast 11 Jahre.

Zwischen 1927 und 1935 wurde das Lyzeum zum Oberlyzeum ausgebaut, 1930 fand dort das erste Abitur statt, das letzte bereits 1936. Denn 1935 richteten die Nationalsozialisten die dreijährige Frauenschule ein. Deshalb wurden die Schwestern U. L. F. zum Ende des Schuljahres 1936/37 wieder einmal gegen weltliche Lehrer(innen) ausgetauscht, und die Schule ging von der St.-Georg-Gemeinde auf die Stadt über. Die provisorische Leitung übernahm Oberstudiendirektor Raestrup, der Direktor des St.-Georg-Gymnasiums, den 1938 Oberstudiendirektor Dr. Herdemann ablöste. Das erste Abitur der Frauenoberschule fand 1937 statt.

1938 benannten die Nationalsozialisten das "Städtische Lyzeum mit dreijähriger Frauenschule" ihrem Verständnis von der Rolle der deutschen Frau entsprechend in "Deutsche Oberschule für Mädchen, hauswirtschaftliche Form" um. Im Schuljahr 1941/42 wurde der Unterricht durch Fliegeralarm empfindlich gestört, bis er am 21.09.1941 ganz eingestellt werden musste. Die verheerende Zerstörung Bocholts am 22.03.1945 traf auch das Schulgebäude hart. Erst am 25.01.1946 konnte man den Unterricht mit 353 Schülerinnen wieder aufnehmen, jedoch in halbtägigem Wechsel in den Räumlichkeiten des unzerstörten St.-Georg-Gymnasiums. Der Name wurde in "Neusprachliches Gymnasium" (mit Frauenschulklassen UIII-UII) geändert, stellvertretender Leiter wurde am 17. 11. 1947 Dr. Semmelmann als Oberstudiendirektor.

Erst zum Schuljahr 1956/57 war die Rückkehr der 15 Klassen in das eigene Gebäude am Schleusenwall möglich, die feierliche Einweihung fand am 24. 9. 1956 statt. Dem inzwischen pensionierten Oberstudiendirektor Dr. Semmelmann folgte 1961 Frau Oberstudiendirektorin Susanne Scholz (bis 14.07.73).

1963 beschloß die Stadtverordnetenversammlung Bocholt den Ausbau der Frauenoberschule bis zur Abschlußprüfung. Das führte 1964 zum Neubau für die Frauenoberschule, die ab 1965 bis zum Abitur ausbilden konnte. 1965/66 wurde dem neusprachlichen Mädchengymnasium ein sog. F-Gymnasium angegliedert (mit Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule [PH], der Hauswirtschaftsschule und Sporthochschule). Ferner führte man die Koedukation im F-Zweig ein. So gab es nun drei Wege zum Abitur am Mädchengymnasium: das neusprachliche Gymnasium,  das Gymnasium für Frauenbildung und das pädagogisch-musische F-Gymnasium (1967 wurden zum erstenmal die drei verschiedenen Formen des Abiturs abgenommen).

Mit der Einweihung eines Pavillons 1966 erhielt man dringend benötigte neue Räume. Am 01.02.1974 übernahm Oberstudiendirektor Herkel die Schulleitung von Oberstudiendirektorin Scholz, verließ die Schule wegen einer Beförderung aber bereits ein Jahr später wieder. 1975 gab der Stadtrat der Schule den Namen "Mariengymnasium" und führte die Koedukation für den Gesamtbereich ein. Das Amt des Schulleiters übernahm Oberstudiendirektor Brinkhaus am 03.09.1975.

Am 8.05.1978 begann man mit einem dringend benötigten Erweiterungsbau, der am 18.03.1981 eingeweiht werden konnte.

Zum Schuljahr 1990/91 wurde ein bilingualer Zweig (zunehmender englischsprachiger Unterricht auch in den Sachfächern) eingerichtet.

Lit.:

  • Erlaubniß, zu Bocholt eine Privatschule für Töchter zu errichten vom 5. Oktober 1866, in: UNSER BOCHOLT Jg. 42 (1991), H. 2 , S. 33.
  • Norbert Sieg, Chronik des städtischen Mariengymnasiums zu Bocholt, ebd. S. 34-36.
  • Roland Kirsch, Verhinderte der 'physiologische Schwachsinn des Weibes' die Gleichberechtigung?, Einige Anmerkungen zur Geschichte der Mädchenbildung, ebd. S. 37-40.
  • Maria Hoffmann, Eine ehemalige Schülerin erzählt ebd. S. 56.
  • Susanne Scholz, Die gewandelte innere und äußere Struktur der Marienschule, in: UNSER BOCHOLT Jg. 18 (1967) H. 4, S. 42 ff.
  • Chronik des städtischen Mariengymnasiums zu Bocholt  Homepage unter http://www.mariengymnasium-bocholt.de

Christian Heiduk (07.09.10 08:51 Uhr)


Mariengymnasium Bocholt

Allein die vielfältigen Namensänderungen spiegeln die einhundertvierzigjährige Geschichte des höheren Schulwesens für Mädchen in Bocholt und darüber hinaus wider:

  • Privatschule für Töchter, 
  • Höhere Mädchenschule, Marienlyzeum,
  • Private katholische Mädchenschule,
  • Frauenschule,
  • Oberlyzeum,
  • Frauenoberschule, 
  • Städtisches Lyzeum mit dreijähriger Frauenschule,
  • Deutsche Oberschule für Mädchen, hauswirtschaftliche Form

Am Anfang stand die "Erlaubnis" der Kgl. Regierung vom 05.10.1866, "zu Bocholt eine Privatschule für Töchter zu errichten". Sie sollte nur solche Mädchen aufnehmen, "welche das schulpflichtige Alter zurückgelegt haben". Dieses Datum gilt als Gründungstag des heutigen Mariengymnasiums.

Die Schule befand sich zunächst neben der Liebfrauenkirche im Gebäude des vormaligen Minoritengymnasiums und wurde von den Schwestern "Unserer Lieben Frau" (im Folgenden: U. L. F.) zu Coesfeld geführt. Deren Anwesenheit dauerte wegen des Kulturkampfes und der Klostergesetze jedoch nur bis 1875. Die Schulleiterin Schwester Athanasia, geb. Kock, und ihre Mitschwestern mussten Bocholt verlassen und wurden durch weltliche Lehrerinnen ersetzt.

Erst 1891 erhielten die Schwestern U. L. F. der Genossenschaft von Mülhausen die Genehmigung, in Bocholt eine Höhere Mädchenschule unter Leitung der Schwester Ansgaria von Tappehorn wiederzugründen. Wegen der geeigneteren Räumlichkeiten zog man 1895 in die Langenbergstraße 18 um. Da diese sich aber bald als unzureichend erwiesen, wich man in den Garten des Pastorats St. Georg aus. Schwester Leonia Grünewald organisierte zusammen mit Schwester Haverine dort ab 1900 den Aufbau eines eigenen Schulgebäudes.

Weil die Anerkennungsfrage noch nicht entschieden war, gründete sich 1913 ein Kuratorium. 1916 konnte Schwester M. Alacoque Dickmann (1915-1926) die staatliche Anerkennung der Schule als eines Lyzeums (vorheriger Name: Private katholische Mädchenschule, nun: Marien-Lyzeum) durchsetzen. 1919 wurde dem Lyzeum eine einjährige Frauenschule angegliedert, deren Leitung Schwester M. Apollonia übernahm. Dies machte eine bauliche Vergrößerung der Schule und die Aufstockung des Kollegiums erforderlich.

1922 kam es zur Vereinigung mit der privaten evangelischen Töchterschule am Nordwall, die bis dahin von Frl. Hambloch geleitet wurde. 1926 nahm Schwester M. Alacoque ihren Abschied als Leiterin, ihr folgte Schwester Ancilla Imbusch für fast 11 Jahre.

Zwischen 1927 und 1935 wurde das Lyzeum zum Oberlyzeum ausgebaut, 1930 fand dort das erste Abitur statt, das letzte bereits 1936. Denn 1935 richteten die Nationalsozialisten die dreijährige Frauenschule ein. Deshalb wurden die Schwestern U. L. F. zum Ende des Schuljahres 1936/37 wieder einmal gegen weltliche Lehrer(innen) ausgetauscht, und die Schule ging von der St.-Georg-Gemeinde auf die Stadt über. Die provisorische Leitung übernahm Oberstudiendirektor Raestrup, der Direktor des St.-Georg-Gymnasiums, den 1938 Oberstudiendirektor Dr. Herdemann ablöste. Das erste Abitur der Frauenoberschule fand 1937 statt.

1938 benannten die Nationalsozialisten das "Städtische Lyzeum mit dreijähriger Frauenschule" ihrem Verständnis von der Rolle der deutschen Frau entsprechend in "Deutsche Oberschule für Mädchen, hauswirtschaftliche Form" um. Im Schuljahr 1941/42 wurde der Unterricht durch Fliegeralarm empfindlich gestört, bis er am 21.09.1941 ganz eingestellt werden musste. Die verheerende Zerstörung Bocholts am 22.03.1945 traf auch das Schulgebäude hart. Erst am 25.01.1946 konnte man den Unterricht mit 353 Schülerinnen wieder aufnehmen, jedoch in halbtägigem Wechsel in den Räumlichkeiten des unzerstörten St.-Georg-Gymnasiums. Der Name wurde in "Neusprachliches Gymnasium" (mit Frauenschulklassen UIII-UII) geändert, stellvertretender Leiter wurde am 17. 11. 1947 Dr. Semmelmann als Oberstudiendirektor.

Erst zum Schuljahr 1956/57 war die Rückkehr der 15 Klassen in das eigene Gebäude am Schleusenwall möglich, die feierliche Einweihung fand am 24. 9. 1956 statt. Dem inzwischen pensionierten Oberstudiendirektor Dr. Semmelmann folgte 1961 Frau Oberstudiendirektorin Susanne Scholz (bis 14.07.73).

1963 beschloß die Stadtverordnetenversammlung Bocholt den Ausbau der Frauenoberschule bis zur Abschlußprüfung. Das führte 1964 zum Neubau für die Frauenoberschule, die ab 1965 bis zum Abitur ausbilden konnte. 1965/66 wurde dem neusprachlichen Mädchengymnasium ein sog. F-Gymnasium angegliedert (mit Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule [PH], der Hauswirtschaftsschule und Sporthochschule). Ferner führte man die Koedukation im F-Zweig ein. So gab es nun drei Wege zum Abitur am Mädchengymnasium: das neusprachliche Gymnasium,  das Gymnasium für Frauenbildung und das pädagogisch-musische F-Gymnasium (1967 wurden zum erstenmal die drei verschiedenen Formen des Abiturs abgenommen).

Mit der Einweihung eines Pavillons 1966 erhielt man dringend benötigte neue Räume. Am 01.02.1974 übernahm Oberstudiendirektor Herkel die Schulleitung von Oberstudiendirektorin Scholz, verließ die Schule wegen einer Beförderung aber bereits ein Jahr später wieder. 1975 gab der Stadtrat der Schule den Namen "Mariengymnasium" und führte die Koedukation für den Gesamtbereich ein. Das Amt des Schulleiters übernahm Oberstudiendirektor Brinkhaus am 03.09.1975.

Am 8.05.1978 begann man mit einem dringend benötigten Erweiterungsbau, der am 18.03.1981 eingeweiht werden konnte.

Zum Schuljahr 1990/91 wurde ein bilingualer Zweig (zunehmender englischsprachiger Unterricht auch in den Sachfächern) eingerichtet.

Lit.:

  • Erlaubniß, zu Bocholt eine Privatschule für Töchter zu errichten vom 5. Oktober 1866, in: UNSER BOCHOLT Jg. 42 (1991), H. 2 , S. 33.
  • Norbert Sieg, Chronik des städtischen Mariengymnasiums zu Bocholt, ebd. S. 34-36.
  • Roland Kirsch, Verhinderte der 'physiologische Schwachsinn des Weibes' die Gleichberechtigung?, Einige Anmerkungen zur Geschichte der Mädchenbildung, ebd. S. 37-40.
  • Maria Hoffmann, Eine ehemalige Schülerin erzählt ebd. S. 56.
  • Susanne Scholz, Die gewandelte innere und äußere Struktur der Marienschule, in: UNSER BOCHOLT Jg. 18 (1967) H. 4, S. 42 ff.
  • Chronik des städtischen Mariengymnasiums zu Bocholt  Homepage unter www.mariengymnasium-bocholt.de

Christian Heiduk (07.09.10 08:51 Uhr)


Prozession, Fronleichnam

Eine große Prozession im Jahreszyklus der kath. Kirche ist die jährliche Sakramentsprozession am Fronleichnamstag.

Bis vor dem Zweiten Weltkrieg zog diese von der St.-Georg-Kirche nach einem feierlichen Hochamt durch die Außenbezirke der Stadt. In einer gewissen "Zugordnung" wurde die Monstranz mit dem Allerheiligsten unter einem Baldachin, dem "Himmel", meistens von vier Männern des Kirchenvorstandes durch die Straßen getragen. An vier Stellen in der Stadt wurde der Segen erteilt. Hier hatten die Nachbarn die Segensaltäre aufgebaut, die Straßen zu beiden Seiten mit grünen Birken geschmückt und die Wege mit Blumen bestreut. Die Ankunft an jedem Segensaltar wurde durch Böllerschüsse bekannt gegeben, sodass jeder wusste, wo sich die Prozession gerade befand. Zum Abschluss der Prozession wurde auf dem Marktplatz das Lied "Großer Gott wir loben dich" gesungen.

Heute hat jede Pfarrei ihre eigene Prozession, die durch die Straßen der Gemeinde zieht. Leider hat sich so manches geändert. Statt der Birken am Straßenrand stehen dort heute Fähnchen, die, kaum ist der letzte Prozessionsteilnehmer vorbei, wieder eingeholt werden.

Hierdurch entfällt auch das Nachgehen des Prozessionsweges mit den Kindern und das Bestaunen des Blumenschmucks.

Lit.:

W.J.A. Wisseg, Jedes Jahr drei große Prozessionen in Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 43 (1992), H. 3, S. 44.

Johann Telaar (13.05.09 11:33 Uhr)


Prozession, Hagelfeier

Neben der Fronleichnamsprozession war die Hagelfeierprozession ein weiterer Höhepunkt im Jahresablauf. Als Bittprozession für eine gute Ernte gedacht, war diese für die Bauern von großer Bedeutung. Sie hatte manchmal mehr Teilnehmer als die Fronleichnamsprozession.

Die Prozession zog durch die umliegenden Felder in Stadtnähe. An vier Altären wurde auch hier, wie bei der Fronleichnamsprozession, der Segen erteilt. Die beiden Hagelkreuze in Liedern und Mussum zeugen von der Not, die durch Unwetter und Hagelschlag entstanden.

Die letzte Prozession fand wahrscheinlich im Jahr 1971 statt. Der Kirchenkalender 1971 vermerkt: "Die Hagelfeier-Prozession fiel in diesem Jahr aus. Dafür fand am 7. Juni mit den evangelischen Christen anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Kirchengemeinde Bocholt auf dem Liebfrauenplatz ein Wortgottesdienst statt, bei dem der evangelische Präses Dr. Timme predigte." In allen weiteren Kalendern ist der Termin für die Hagelfeierprozession nicht mehr vermerkt.

Lit.:

  • W.J.A. Wisseg, Jedes Jahr drei große Prozessionen in Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 43 (1992), H. 3, S. 42-44.
  • Bocholter Kirchenkalender 1971, S. 34.

Johann Telaar (08.09.10 11:02 Uhr)


Prozession, Karfreitag, zum Kreuzberg

Pfarrer Heinrich Wicherz, der 1666 aus Nottuln kam und ein großer Verehrer des Kreuzes war, soll 1691 die Karfreitagsprozession zum Kreuzberg eingeführt haben. Auf einer Karte von 1842 wurde diese Andachtsstätte vor dem Ostertor an der Straße nach Münster "Calvari-Berg" genannt. Wann die Kreuze auf der heute etwa 3 m hohen Anhöhe errichtet wurden, ist nicht bekannt. Seit der ersten Erwähnung im Jahre 1575 erscheinen die Kreuze vor dem Ostertor jedoch immer wieder in der schriftlichen Überlieferung.

Die Prozession zum Kreuzberg war bis 1951 Ziel der alljährlichen Karfreitagsprozession. Im 18. Jahrhundert wurde in Bocholt, wie an anderen Orten auch, bei der Prozession das Kreuz von einem maskierten Christusdarsteller getragen, der von anderen verkleideten Personen umgeben war. 1770 wurde das Auftreten maskierter und verkleideter Personen bei der Prozession durch die Bischöfliche Behörde verboten, was damit begründet wurde, dass mehr Unfug getrieben worden sei.

Zwei Jahre später bat Pfarrer Breving darum, dieses Verbot aufzuheben mit der Begründung, dass viele auswärtige Teilnehmer, selbst Nichtkatholiken, sich dieses religiöse Schauspiel nicht entgehen lassen wollten. Dieses Ansinnen wurde wahrscheinlich abgelehnt.

Als die alte Karfreitagsprozession 1951 eingestellt wurde, trat an ihre Stelle der Bußgang der Männer am Abend vor dem Passionssonntag. Auch hier wird bei dem Gang zum Kreuzberg wieder ein Kreuz vorangetragen.

Lit.:

Heinrich Westhoff, Die Verehrung des Bocholter Kreuzes in der St.-Georg-Kirche, Prozessionen - Wallfahrten - Einzelbesuche, in: UNSER BOCHOLT Jg. 37 (1986) H. 3 / 4, S. 56-58.

Johann Telaar (16.02.09 10:41 Uhr)


Prozession, Kreuzverehrung St. Georg

In Bocholt hat sich bis vor kurzem noch ein alter Spruch gehalten: "De Buern singt latiens, Et is baolde Kermis" (Die "Litanei zu allen Heiligen" wurde in lateinischer Sprache gesungen). Der Spruch ist darauf zurückzuführen, dass in der Zeit vom Fest Kreuzerhöhung bis zum Kirmessonntag die Bauernschaften rings um Bocholt in Prozessionen zur Pfarrkirche St. Georg zogen, um dem Hl. Kreuz dort eine Kerze zu opfern.

Mittelpunkt der Kreuzverehrung ist das aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammende Kreuz in der Pfarrkirche, das in den Ruf der Wundertätigkeit kam. Die Stadtrechnungen bieten vielfach Zeugnis und geben Beweis von der Verehrung des Hl. Kreuzes. Seit 1642 wird berichtet, dass Jahr für Jahr am Fest Kreuzerhöhung eine Kreuzprozession gehalten wurde.

1544 wurde die Kreuzverehrung zum vorläufig letzten Mal gehalten. Bedingt durch die kriegerischen Zeiten und durch die Reformation verstummten dann die Nachrichten über das Kreuz. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts, nahm die Verehrung des Kreuzes wieder zu. Im Mai 1750 kamen zum ersten Mal Pilger aus den Niederlanden und in den folgenden Monaten aus der näheren Umgebung und aus Orten des Gelderlandes.

Allmählich blieben die Prozessionen aus den weiter entfernten Orten aus. Die umliegenden Gemeinden aus dem ehemaligen Amt Liedern-Werth sind der alten Tradition jedoch treu geblieben. Sie kommen im September, beginnend am Sonntag in der Woche mit dem Tag der Kreuzerhöhung bis zum Tag des Kirchweihfestes, zum Kerzenopfer.

Am Kirchweihfest schließen dann die Kirchengemeinden der Stadt Bocholt die Reihe.

Lit.:

Heinrich Westhoff, Verehrung des Bocholter Kreuzes, in: UNSER BOCHOLT Jg. 37 (1986) H. 3/4, S. 55ff.

Heinz Terhorst, Chronik zur Kirchengeschichte der Stadt Bocholt von den Anfängen bis 1900, Bocholter Quellen und Beiträge 8, hrsg. Stadt Bocholt, Stadtarchiv, Bocholt 1998.

Johann Telaar (08.09.10 10:58 Uhr)


Nachbarschaft

Als es noch kein Radio, Fernsehen, Zeitung, elektrisches Licht oder fließendes Wasser gab, diente die gemeinsame Pumpe als Kommunikationszentrum, an der die neuesten Nachrichten unter den Nachbarn ausgetauscht wurden. Aus diesen Pumpengemeinschaften gründeten sich die Nachbarschaften mit dem Zweck, sich untereinander bei Unglücksfällen und in bedrängter Lage zu unterstützen und bei freudigen Ereignissen hilfreich zur Seite zu stehen. Hierzu gehörten, wie in den Satzungen der Nachbarschaft "Am Markt" aus dem Jahre 1818 vermerkt: Die Nachbarschaft von Nr. 3 bis Nr. 11, von 119 bis ..., wiederum am Markt, "versprecht Beystand bey allen Gefällen, in Specie bey Geburthen, Sterbegefällen, auch sonstigen aufstoßenden Unglücken, und beerdigt ihre Verstorbenen." (Notnoaberschaft)

Die Nachbarschaft am Markt, an ihrer Spitze der gewählte Kranzherr, hatte außerdem die Aufgabe, für die Instandhaltung der Pumpe zu sorgen, für die beiden Prozessionen die angrenzenden Straßen zu schmücken und den Altar vor dem Rathaus aufzubauen. Unter Punkt 3. steht geschrieben: "So wie wir uns bey Leiden die hülfreiche Hand reichen, theilen wir auch unsere Freuden gemeinschaftlich und brüderlich." Einmal im Jahr, und zwar am Johannistag, vergnügte man sich "in gemeinsamer Harmonie durch Tanzmusik und sittlicher Erlustigung". Die Kosten für diese Nachbarfeier wurden bestritten durch Gebühren, die bei Ankauf eines Hauses, durch Aufnahmegebühr in die Nachbarschaft, durch Hilfe bei Geburt und Tod, oder bei der Hochzeit eines der Kindes fällig wurden. Auch Strafgelder wurden bei Verstößen gegen die Satzungen verhängt. Offizielle Beiträge wurden nicht erhoben. Dafür wurden die Gebühren und Strafen in Bier abgegolten. Der Preis für 1 Tonne Bier wurde mit 5 Daler festgesetzt. (Nach einem alten preußischen Hohlmaß war 1 Tonne Bier = 114,5 Liter).

Heute existieren noch einige Nachbarschaften in Bocholt, die die gegenseitige Hilfe in ihren Statuten festgeschrieben haben. Der "Vorsteher" der Nachbarschaft ist der Kranzherr oder das Kranzpaar, in manchen Gegenden auch Gildemeister genannt. Er ist für die Einhaltung der Statuten verantwortlich, muss die anstehenden Versammlungen einberufen und verwaltet die Kasse. In einigen Nachbarschaften, besonders in denen, wo mehrere Straßen vertreten sind, ist man dazu übergegangen, für jede Straße einen Vertrauensmann zu bestimmen, der die Beiträge kassiert und beim Kranzherrn abliefert. Die Aufgaben des Kranzherrn und der Vertrauensleute gehen nach dem Nachbarfest an den nächsten Nachbarn, sodass im Laufe der Zeit jeder Nachbar dieses Amt einmal ausüben muss. In vielen Fällen wird ein Vergnügungsausschuss gewählt, der die Organisation des Nachbarfestes übernimmt. Doch heutzutage wird die nachbarliche Hilfe nur noch wenig in Anspruch genommen. Der Sinn der Nachbarschaft erschöpft sich in den meisten Fällen im Feiern des Nachbarfestes und im letzten Geleit bei Begräbnissen der Nachbarschaftsmitglieder.

Lit.: Oskar Reygers, Aus einem alten Nachbarschaftsbuche. Münsterland, Monatsschrift für die Heimatpflege, Januar 1916.

Johann Telaar (08.09.10 10:54 Uhr)


Kontakt für Fragen und Anregungen:


Heike Schoo
Telefon+49 (2871) 21765-280
E-Mailan Heike Schoo
E-Mailan das Stadtarchiv Bocholt!