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Buchstabe C

Café Kleeblatt

Seit dem 30.10.2008 gibt es auch in Bocholt - nach Isselburg und Rhede - das Café Kleeblatt, eine Einrichtung, die durch Kooperation des Caritasverbandes mit der Kardinal-Diepenbrock-Stiftung ins Leben gerufen wurde.

Fachkräfte und ehrenamtliche Seniorenbegleiter/innen nehmen donnerstags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr Menschen mit Demenz, die mit ihren Angehörigen zu Hause leben, in ihre Obhut. Im Mehrzweckraum der Kardinal-Diepenbrock-Stiftung, Weberstraße 6, bemühen sich Betreuerinnen und Betreuer, die Bedürfnisse der Kranken zu berücksichtigen und Wünsche zu verwirklichen: Sie singen gemeinsam, erzählen, basteln, backen, etc. 

Auch für die pflegenden Angehörigen ist Cafe Kleeblatt ein Angebot, Abwechslung in ihren Alltag zu bringen. Darüber hinaus bietet ihnen diese Einrichtung die Möglichkeit, von der Sorge um den Patienten entlastet zu werden.

Lit.:

http://www.cvbocholt.caritas.de
Hilfsangebote für Demenzkranke


Café Wellblech

Dass die Bocholter im Erfinden von Namen und Bezeichnungen für gewisse Dinge den Berlinern nicht nachstehen, ist zur Genüge bewiesen. So nannten sie das Haus des Fabrikanten Anton Tangerding, der die Altarbilder für die Hagelfeierprozessionen aufbewahrte, kurzerhand den "Vatikan", und der Hausherr war natürlich "Pius". Als dieser nun daranging, an der Wertherstraße für seine Weber Werkswohnungen zu bauen, da nannte man diese Siedlung kurzerhand "Rom". Ein Name, der sich bis heute gehalten hat. Wo stand nun dieses "Cafe Wellblech"? Die älteren Bocholter können sich bestimmt noch an die Dampftrambahn Bocholt-Aalten-Lichtervoorde erinnern. An der Endstation, an der heutigen Meckenemstraße, etwa dem Gebäude der Volksbank gegenüber, stand ein grün gestrichenes Bauwerk aus Wellblech. Vielleicht hatte der offizielle Name dieser Wellblechhütte für Bocholter Ohren nicht den richtigen Klang. Man erfand einen für Bocholt passenden Ausdruck. - Eben: "Cafe Wellblech". Und wer noch nicht ahnt, um welches Objekt es sich handelt, dem sei gesagt: Beim Verlassen dieses Ortes wies ein gut sichtbares Schild mit einem im preußischen Befehlston gehaltenen Text daraufhin: "Vor dem Hinausgehen sind die Kleider zu ordnen!"


Carl-Isert-Weg

1976 wurde der Carl-Isert-Weg nach dem ersten Geschäftsführer des Bocholter Vereins für Heimatpflege, Carl Isert (1895-1956), benannt.  

Lit.:
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 40 (1989), H. 3, S. 57.
Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.


Cerny, Kurt

Der Karikaturist Kurt Cerny war weit über Bocholt hinaus bekannt. In über 400 in- und ausländischen Zeitschriften und Zeitungen wurden seine Arbeiten veröffentlicht. Sein Markenzeichen waren die Knollennasen-Männchen mit der nicht ganz geschlossenen Nase. Kurt Cerny verstand es, durch genaue Beobachtung die Schwächen und Eitelkeiten seiner Mitmenschen auszumachen und sie in treffender und nachsichtiger, aber niemals verletzender Weise darzustellen. Für die Bocholter Zeitungsleser schuf er die Figuren "Ohme und Bännätzken", die von 1955 bis zu seinem Tode 1979 an jedem Wochenende im Bocholter-Borkener-Volksblatt lokale Ereignisse zwar kritisch, aber immer lustig kommentierten. Diese beiden Bocholter Figuren mit ihren typischen Eigenheiten traf Cerny so genau, dass sie zum festen Bestandteil des Bocholter Karnevals wurden und auch hier die Bocholter liebevoll auf die Schippe nahmen.

Eine weitere Arbeit Cernys sind die Übungstafeln entlang des Trimmpfades im Bocholter Stadtwald. Hier lässt er die weiblichen Personen äußerst attraktiv und positiv aussehen, während die Männer mit hängender Zunge und oft missmutig ihre Übungen machen, ein Zeichen dafür, dass er das eigene Geschlecht und somit sich selbst auch nicht ganz so ernst nahm.

Kurt Cerny starb am 6.11.1979 im Alter von 66 Jahren.


Christianisierung des Westmünsterlandes

Die Geschichte der Stadt Bocholt ist auf das engste mit der Christianisierung unserer Heimat verbunden. Sie wurde eingeleitet durch die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig im Jahre 496. Die Christianisierung der Völker jenseits des Rheines war für die merowingischen Könige aus politischen Gründen interessant. Träger der Mission waren Iren und in ihrem Geiste erzogene Franken und Galloromanen.

Neue Christianisierungstendenzen der Karolinger sind dann unter dem Hausmeier Pippin dem Mittleren (gest. 714) erkennbar. In Irland geschulte Missionare nahmen ihre Missionsbemühungen in Westfriesland erfolglos auf. Um 690 bezahlten die beiden Hl. Ewalde ihr Vordringen in das sächsische Land in der Gegend um Bocholt mit dem Leben.

Auch Mitte des 8. Jahrhunderts unterblieben wirksame Missionen im rechtsrheinischen Germanien. Als Karl 768 sein Regiment antrat, bedrohten die Sachsen die Reichsgrenzen. Mehrere Feldzüge gegen sie waren erforderlich. 779 versuchten die Sachsen, den Vormarsch König Karls in "loco qui dicitur Bohholz" bzw. "Buocholt" zu stoppen.

Nach dem Sieg Karls über die Sachsen wurde das Münsterland mit Bocholt bei der Aufteilung der Missionsgebiete dem Bistum Utrecht zugeteilt. Es gilt als sicher, dass um 780 der Abt Bernrad von dort aus im westlichen Münsterland als Missionar tätig war - etwa 25 Jahre vor der Gründung des Bistums Münster.

Die Bocholter Hauptkirche St. Georg gilt gemeinhin als Gründung durch den ersten Bischof von Münster, Ludgerus. Wahrscheinlich aber ist sie um 800 durch den Bischof von Utrecht gegründet worden. Archäologische Grabungen in der 1945 zerstörten Kirche konnten keinen Holzbau als erste Kirche nachweisen, sondern nur Reste eines Steinbaues des 11./12. Jahrhunderts.

Nach Bernrads Tod (790) berief Karl der Große den Missionar Ludgerus zur Bekehrungsarbeit in das Münsterland. Als er im März 804 zum Bischof von Münster geweiht wurde, war die Christianisierung des Münsterlandes im Wesentlichen schon abgeschlossen.

Lit.:

Manfred Becker-Huberti, Die Christianisierung des Westmünsterlandes, in: UNSER BOCHOLT Jg. 30 (1979) Sonderheft, S. 12-18.
Heinz Breuer, St. Georg in Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 37 (1986) H. 3/4, S. 8 ff.
Heinz Terhorst, Chronik zur Bocholter Kirchengeschichte von den Anfängen bis 1900 (Bocholter Quellen und Beiträge, Bd. 8), Bocholt 1998, S. 5 ff, S. 8 f, S. 10 f.
siehe auch: Gräberfeld, fränkisch-sächsisch


Christuskirche

Ende des 19. Jh. wurde auf Grund der starken Zunahme an Gemeindegliedern der Bau einer neuen evangelischen Kirche erforderlich. Diese entstand in neugotischem Backsteinstil auf dem Grundstück der abgebrannten Spinnerei Schwartz an der Münsterstraße. Architekt war Julius Otter aus Wesel. Grundsteinlegung war am 1. Juli 1900, die Einweihung am 15. November 1901. Der Bau war zweischiffig konzipiert, die Option auf das 2. Seitenschiff wurde erst in den 50er Jahren aufgegeben. 1983 wurde die Kirche zum Denkmal erklärt.

Der Innenraum der "Evangelischen Kirche" (seit 1963 "Christuskirche") wechselte mehrmals sein Aussehen. Ursprünglich weiß gekalkt, erhielt die Kirche 1926 eine bunte Ausmalung, die 1953 übertüncht wurde. 1991 schließlich erhielt der Innenraum sein heutiges Aussehen mit der Freilegung der rostfarbenen Klinker.  

  • Glocken: Bochumer Verein (1951);
  • Orgel: Breil (Dorsten, 1974);
  • Fenster (Entwürfe): Johannes Theissing (Bocholt, 1951) und P. Thol (Berlin, 1952 - 1954).  

Lit.: Winfried Grunewald, 100 Jahre Christuskirche Bocholt, (1901 - 2001), in: UNSER BOCHOLT Jg. 52 (2001) H. 2, S. 4-20 (mit Angabe der Quellen und weiterer Literatur).
www.christuskirche-bocholt.de


Clemens-August-Schule

Wegen der ständig steigenden Schülerzahlen musste im Jahr 1947 die Kreuzbergschule -  städtische Volksschule - geteilt werden. Der Schulbezirk nördlich der Münsterstraße wurde der Kreuzbergschule zugeschlagen, der südliche der neu zu gründenden Schule, zum Andenken an den 1946 verstorbenen Kardinal, den "Löwen von Münster". Die neue Schule wurde am 29.10.1947 eröffnet. Rektor Clemens Drees (geb. 1894) wurde der erste Schulleiter. Zunächst wurden die Schüler beider Schulen in dem 1908/09 entstandenen Altbau der Kreuzbergschule im Schichtunterricht unterrichtet. Der 1928 entstandene Neubau war im Krieg völlig zerstört worden, konnte aber schon 1952 wieder bezogen werden. Inzwischen waren die Kreuzbergschule als Mädchenschule und die Clemens-August-Schule als Jungenschule eingerichtet worden. Letztere zog 1952 in den Altbau ein, erhielt aber im Neubau zwei zusätzliche Klassenräume.

Im März 1960 trat Rektor Drees in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Clemens Brinkmann.  

Im neuen Siedlungsgebiet Heutings Esch entstand ab 1960 ein neues Gemeindezentrum, für das nach einem von der Stadt ausgeschriebenen Ideenwettbewerb Prof. Gottfried Böhm ausgewählt wurde. Der Neubau der Schule begann 1962, am 8.11.1963 konnte der erste Bauabschnitt eingeweiht werden, im Juli 1969 der zweite Abschnitt. Für die damalige Jungen- und Mädchenschule wurde ein eigener Schulbezirk eingerichtet, der den Pfarrbezirk von St. Paul umfasste. Bei der Neuordnung des Schulwesens in NRW wurde die Schule am 1.8.1968 in eine kath. Grundschule umgewandelt. In der Folgezeit wuchs die Schülerzahl so stark an, dass 1970 die Schule auf Beschluss des Rates der Stadt geteilt wurde. Es entstand die Pestalozzischule als christliche Gemeinschaftsgrundschule. Die Eltern hatten für die Anmeldung Wahlfreiheit.  

Am 23.07.1986 wurde Rektor Clemens Brinkmann verabschiedet, sein Nachfolger wurde Alfred Lennartz. 1996 wurde die Schule Verlässliche Halbtagsschule mit einer Betreuung von 7.30 Uhr bis 14.00 Uhr. Heute ist sie Offene Ganztagsschule und bietet eine Betreuung bis in den Nachmittag. Am 26.02 2007 wurde Rektor Alfred Lennartz verabschiedet, neue Schulleiterin ist Rektorin Barbara Schweers.  

Quelle: www.clemens-august-schule.bocholt.de


Clemensschwestern im St.-Agnes-Hospital

Im Mai 1844 nahmen die ersten Clemensschwestern ihren Dienst in der Barmherzigen Anstalt in Bocholt auf. Sie gehörten zum 1808 in Münster gegründeten Krankenpflegeorden, der sich zur Aufgabe gestellt hatte, angesichts der unzureichenden Krankenversorgung im Lande die Versorgung und Pflege kranker Personen in eigenen Anstalten zu übernehmen. In Bocholt war 1842 ein Verein zur Gründung einer Anstalt, die den ärmeren Bevölkerungsschichten im Krankheitsfalle Hilfe und Pflege gewähren sollte, ins Leben gerufen worden. Bis dahin waren mittellose oder nicht zu Hause pflegende Personen in den Krankenstuben des Bocholter Armenhauses untergebracht und gepflegt worden.  

Mit den vom Verein aufgebrachten Geldmitteln konnte 1843 ein Gebäude erworben und die Barmherzige Anstalt eingerichtet werden. Mitgliedsbeiträge der Vereinsmitglieder, Wohltätigkeitsveranstaltungen und testamentarische Stiftungen zugunsten des Krankenhauses sicherten den Fortbestand dieser Einrichtung. So schenkte Kardinal Melchior von Diepenbrock 1852 der inzwischen staatlich anerkannten und rechtlich selbständigen Krankenanstalt sein Geburtshaus an der Osterstraße, in dem sie gut zwanzig Jahre unterkam.  

1874/75 entstand das Gebäude des St.-Agnes-Hospitals am Schonenberg. Aufgrund der schnellen Entwicklung Bocholts zur Industriestadt wurde es immer wieder erweitert. Dort betreuten in den beiden Weltkriegen die Clemensschwestern verwundete und erkrankte Soldaten oder Zivilpersonen. Als das Hospital am 22.März 1945 vollständig ausbrannte, wurden die Kranken und Verwundeten auf Gut Hambrock, in der Walderholung und im Stadtwaldlager untergebracht. Das Gebäude am Schonenberg, das bis 1953 wieder aufgebaut wurde, genügte im Laufe der Zeit nicht mehr den Anforderungen an eine moderne medizinische Versorgung, so dass 1985 das Hospital in den Neubau in Bocholt-Stenern verlegt wurde. Dort sind auch heute noch die Clemensschwestern tätig.

Lit.:
Reginfrieda, Schwester Marie, Die Clemensschwestern im St.-Agnes-Hospital Bocholt, in UNSER BOCHOLT Jg. 36 (1985), S. 61-64.
Mechthild Theilmeier-Wahner. Astrid Strathausen, Hans D. Oppel, Frauen in Bocholt im Wandel derZeit, in: UNSER BOCHOLT Jg. 42 (1991), H 3, S. 31.


Helga und Werner Sundermann


Clemens-Dülmer-Weg

Der Clemens-Dülmer-Weg soll an den Bocholter Ehrenbürger, Propst und Pfarrer der Liebfrauengemeinde Clemens Dülmer (1909-1967) gedenken.  

Lit.:
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 40 (1989), H. 3, S. 62-63.
Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.


Clemens-Dülmer-Schule

Nachdem die Langenbergschule im Jahre 1991 aufgelöst worden ist, ist die Clemens-Dülmer-Schule die Nachfolgeschule der ersten und ältesten Schule der Stadt Bocholt, der Altstadtschule. Sie entstand bei der Neugliederung des Schulwesens in NRW, als die damalige Langenbergschule in eine kath. Haupt- und eine kath. Grundschule aufgeteilt wurde. Die Grundschule bezog das alte Gebäude der Bodelschwingschule am Ostwall, die als evangelische Grundschule erhalten blieb und den Erweiterungsbau bezog. Der Schulbezirk der Langenberggrundschule wurde um einen Teil des Schulbezirks der Diepenbrockschule erweitert, die als Montessorischule Angebotsschule für die ganze Stadt Bocholt wurde. Erste Schulleiterin wurde Frau Anna Bergmann.

Am 21. Januar 1969 wurde die Schule umbenannt in Clemens-Dülmer-Schule zum Andenken an den 1967 verstorbenen Pfarrer von Liebfrauen, Propst Clemens Dülmer.  

Rektorin Bergmann trat am 28.1.1971 in den Ruhestand, ihr Nachfolger wurde Rektor Clemens Schürholz.  

Seit Beginn des Schuljahres 1972 findet in der Schule der muttersprachliche Unterricht für spanische Kinder, später auch für serbische, kroatische, albanische und russische Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet statt. Noch 1970 hatte die Schule selbst nur 4 ausländische Schüler, 1971 schon 20, und im Schuljahr 1991/92 waren 43 Schüler von verschiedener ausländischer Herkunft, das waren 23% aller Schüler dieser Schule.   

Rektor Clemens Schürholz trat 1992 in den Ruhestand, ihm folgte Rektor Hermann Anschlag, der die Schule bis Ende des Schuljahres 1999/2000 leitete. Ihm folgte 2001 Rektorin Ingrid Achtzehn.  

Nach der Schließung der Bodelschwinghschule kann die Clemens-Dülmer-Schule ab 1989 auch den Erweiterungsbau nutzen.  

Seit dem 1.2.1995 ist die Schule "Verlässliche Halbtagsschule" mit einem Betreuungsangebot von 7.30 Uhr bis 13.45 Uhr.

Seit dem 01.08.2009 hat die Clemens-Dülmer Schule die Schüler der Edith-Stein Schule aufgenommen.  

Lit:
Chronik der Clemens-Dülmer-Schule 1968 bis 2007, Chronik des Bocholter Raumes, zusammengestellt von W.Tembrink, Bocholter Quellen und Beiträge Bd.9, hg.v. Stadtarchiv Bopcholt, Bocholt 2001, S. 234.


Coßmann Cohen & Co.

Schon vor 1800 kaufte Levy Coßmann Cohen den "Stennekes Kamp" am Westend, um für seine Söhne David und Levi Michael eine (Hand-) Spinnerei zu erbauen.

1823 übernahm Salomon Silberberg, verheiratet mit Engeline Coßmann Cohen, den Betrieb.

1844 wurden Grundstück und Gebäude an August Cornelius Tangerding verkauft. Unter o.g. Namen gründeten 1863 Cosmann Cohen und David Zaudi eine neue Firma, die immer noch mit Handwebstühlen produzierte. 1872 ging man zur industriellen Fertigung über. Die erste Fabrik stand an der Ecke Kaiser-Wilhelm-Str./Karolingerstr. Das Wohnhaus befand sich auf der Kaiser-Wilhelm-Str. 22. Ein weiteres Werk hatte die Firma an der Industriestr. unter der Adresse der Weberei Ferdinand Schüring.

1924 zählte der Betrieb 600 Webstühle. 1929 legten die Inhaber Emil Cohen, Max Cohen und Carl Magnus den Betrieb ohne wirtschaftliche Zwänge still. Es gab keine männlichen Nachfolger in den Familien.

Lit.:
Eduard Westerhoff, Die Bocholter Textilindustrie. Unternehmer und Unternehmen, 2. überarb. Aufl., Verlag Temming Bocholt 1984, 255 S.


Cohen, Hermann

Hermann Cohen, 1887 in Bocholt geboren, war an Kinderlähmung erkrankt und konnte sich nur mit Hilfe eines Rollstuhls fortbewegen. Nach dem Abitur 1907 am St.-Georg-Gymnasium hatte er in Berlin und Münster Neuphilologie studiert. Später hatte er vielen jüdischen Freunden durch die Vermittlung der englischen Sprache zur Auswanderung aus Deutschland verholfen.

Er selber konnte nicht ausreisen. Zusammen mit den letzten Bocholter Juden wurde Hermann Cohen am 27. Juli 1942 aus Bocholt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 27. April 1943 ermordet wurde.


Crispinus-Gilde / Bruderschaft

Crispinus und sein Bruder Crispinianus - zum Christentum bekehrte Angehörige des römischen Adels - halfen Missionaren in Gallien. In Soissons übten sie als Schuhmacher tätige Nächstenliebe und wurden als frühchristliche Glaubenszeugen im Jahre 287 gefoltert und enthauptet. Später wurden sie Schutzpatrone der Schuhmacher.

Die heute bestehende Schuhmacherinnung wurde 1406 als zweite Handwerkergilde der Stadt Bocholt gegründet. Im gleichen Jahr fand auch das erste Bocholter Crispinusfest statt.

Nach mündlicher Überlieferung hatte in späterer Zeit ein Schuhmacher seine Werkstatt am Turm der Bocholter St.-Georg-Kirche. Dieser Mann habe frühzeitig ein im Kirchturm entstandenes Feuer erkannt. Durch sein schnelles und überlegtes Handeln sei größerer Schaden verhindert worden. (Ob dieses Ereignis mit dem durch einen Blitzschlag verursachten Brand des Kirchturms am 5. Mai 1593 im Zusammenhang steht, ist nicht geklärt.) Als Dank erhielt die Bocholter Schuhmachergilde, nun Crispinusgilde, das Privileg, jährlich am Vorabend des Crispinusfestes (25. Oktober) von 17.00 bis 18.00 Uhr alle Glocken der St.-Georg-Kirche zu läuten und am Morgen des Festtages eine Hl. Messe für die Verstorbenen der Innung zu feiern. Anschließend treffen sich alle im Schuhmacherhandwerk tätigen Meister, Gesellen und Lehrlinge zum traditionellen Wurstessen.

Wegen zeitbedingter Unterbrechungen in Kriegs- und Notzeiten konnte erst im Jahre 1980 das 350. Crispinusfest gefeiert werden. Anlässlich dieses Festes fand eine in Kevelaer geschnitzte Statue des Hl. Crispinus an einem Pfeiler im nördlichen Seitenschiff der St-Georg-Kirche ihren Platz. In der Nachbarschaft der Kirche befinden sich auch der Crispinusplatz und die Crispinusstraße.

Quellen:

Fritz Lindenberg, Der Goldene Boden Die 10 Gildenbriefe der Stadt Bocholt, hier: Gildebrief der Schuhmachergilde von 1406. Grabenstätt 1967.
Hans Terworth, Die Geschichte der Crispinusgilde, unveröffentlichtes Manuskript o. J.
Heinz Terhorst, Chronik zur Bocholter Kirchengeschichte von den Anfängen bis 1900, Bd. 8, S. 83. (Bocholter Quellen und Beiträge), Bocholt 1998.
Begleittext zur Crispinusstatue in der St.-Georg-Kirche Bocholt.


Die Liste wird laufend ergänzt und erweitert!

Kontakt für Fragen und Anregungen:


Heike Schoo
Telefon+49 (2871) 21765-280
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