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Stadtlexikon Buchstabe B

Bäder

1882 gründete Heinrich Kemper (Zimmermeister und Bauunternehmer) zwischen Südwall und Aa eine Badeanstalt mit 12 Badezellen, einem Wärterraum, 6 Umkleidekabinen für Schwimmer und einem Schwimmbassin in der Aa. Hier erteilte Kemper auch Schwimmunterricht für Knaben. Dafür wurde er von der Stadt bezahlt. 1890 (obiges Unternehmen war pleite) eröffnete Kemper eine Warmwasserbadeanstalt mit Wannenbädern unter der Adresse Südwall 26.

1891 wurde auf Veranlassung von Bürgermeister Degener in der Aa, nahe der Königsmühle, eine öffentliche Badeanstalt angelegt, die zunächst nur von Männern und Hunden(!) und zu festgelegten Zeiten nur von Vereinen genutzt werden durfte. Diese Badeanstalt musste 1952 wegen zu starker Verschmutzung und Seuchengefahr (Kinderlähmung) geschlossen werden.

Um 1900 gab es außerdem in der Aa eine private Badeanstalt, die Theodor Wiethold an der Schanze eingerichtet hatte.

1921 pachtete der Bocholter Wassersportverein den See an den Tonwerken für seine Mitglieder. Im Laufe der Jahre wurde ein Vereinshaus mit öffentlicher Gastronomie gebaut. 1929 erhielten die Bocholter Bürger zwischen Franz- und Industriestraße ein öffentliches Badehaus (Stadtbad) mit 27 Brausebädern, 2 Wannenbädern I. Klasse und 6 Wannenbädern II. Klasse. Es wurde solange stark frequentiert, bis nach dem Krieg in fast allen Privathäusern Bäder installiert wurden. 1974 wurde dieses Bad geschlossen und abgerissen.

1957 eröffnete Bocholts erstes Hallenbad an der Meckenemstraße unter dem Namen Meckenembad seine Pforten. Es stand vorrangig den Schulen für den Schwimmunterricht zur Verfügung. Auch die erste öffentliche Sauna wurde dort 1960 eingebaut. Das Meckenembad wurde von Ende Oktober bis Mitte November 1997 abgerissen. Heute befindet sich dort das Kinodrom.

1962 weihte Oberbürgermeister Otto Kemper das Freibad an der Walderholungsstätte (Hemdener Weg) ein. Seit 1983 wurde es Waldbad genannt. Nach Übergabe der Trägerschaft der Stadt an die SWB (später BEW) errichtete diese 1993 einen Neubau mit Schwimmhalle und Saunen als Erlebnisbad Bahia. Die vorhandene Anlage wurde im Juli 2002 um eine Schwimmhalle mit Sprunganlage und Tiefenbecken mit Cabriodach erweitert. 2003 wurde die Saunalandschaft (mit Whirlpool, Dampf- und Rhassoulbad, Kaminraum, Beduinenzelt u.a.) eröffnet.

Das Fildekenbad (Hallenbad) existiert bereits seit 1976 im Schulzentrum Süd-Ost.

Von 1973 bis 1987 gab es im Stadtteil Suderwick das Eurobad, ebenfalls ein Hallenbad.

1983 richtete die Stadt mit einer Badebucht im Osten des Aa-Sees ein weiteres Freibad ein. Besonders junge Familien nutzen seitdem den Sandstrand mit großer Liegewiese.

Lit.:
Hans D. Oppel, Zur Geschichte der Bocholter Bäder, in: UNSER BOCHOLT Jg. 41 (1990) H. 4, S. 13-26.

Margret Bongert und Lucia Graefenstein


Bärendorfstraße

Auf alten Karten wurde die Alte Aa (An der Alten Aa) auch als Bär bezeichnet. Nach dieser Bezeichnung wurde die außerhalb des ehemaligen Stadtgebietes liegende Siedlung Bärendorf genannt. Die Straße wurde in den 1920er Jahren ausgebaut und mit einer Betondecke versehen. Das älteste Haus (Nr. 17) datiert von 1896/97.

Später wurden an der gegenüberliegenden Seite von der Firma Driessen vier Werkswohnungen gebaut, die am 4. März 1945 durch Bombenabwurf zerstört wurden.

Lit.:
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 38 (1987) H. 2/3, S. 84-94.


Bahnhofstraße - Historische Häuser

Haus Nr. 7
Zweigeschossiger freistehender Backsteinbau mit Walmdächern. Erbaut 1913/14 für den Fabrikanten Siegfried Braunschweig, Fa. Gebr. Braunschweig (1873 - 1921). Architekt August Biebricher, Krefeld, Bauunternehmer Fa. Sütfels & Comp., Bocholt. Die südliche Straßenfassade zu drei Fensterachsen durch Doppellisenen gegliedert. Die Fensterachsen in ganzer Breite durch Natursteineinfassungen untereinander vertikal verbunden. Die Fenster im Erdgeschoss mit eingearbeitetem Rundbogen überhöht. Haupteingang unter offener Pergola im zurückgesetzten westlichen Treppenhaus- und Küchenanbau. Die Westfassade des Anbaus mit breitem, konsolengestützten Balkon über separatem Nebeneingang. Die östliche Gartenfassade zu drei Fensterachsen, die mittlere risalitartig vorspringend mit segmentbogenförmigem Erker im Erdgeschoss, nördlich flankiert von einer mit Pergola überbauten Terrasse. Der Erker im Obergeschoss als Balkon mit originalem schmiedeeisernen Geländer ausgebildet. Alle Fenster mit Sprossengliederung. Die originale Grundstückseinfriedung mit schmiedeeisernem Gitter zwischen Mauerpfeilern erhalten. Frühes Beispiel für die Reform der Villenarchitektur des 20. Jahrhunderts.  

Haus Nr. 8
Zweigeschossiges Stadthaus mit Walmdächern. 1945 zerstört. 1951/52 wiederaufgebaut für den Fabrikanten Franz Haertel (Fa. Franz Beckmann & Cie). Architekt Karl Jansen, Bocholt. Schlichte Natursteinfassade über rustiziertem Kellergeschoss zu drei asymmetrischen Fensterachsen, die linke als Risalit mit Zwillingsfenstern. Profilierte Fensterrahmungen. Außer im Risalit die Fensterbrüstungen des Obergeschosses mit Steinmetzarbeiten in Form von Blumenkörben verziert. Im Westen zurückgesetzter Treppenhausanbau mit Hauseingang unter säulengestützter Loggia über einer Freitreppe. Daneben Kellerabgang. Über der Loggia Balkon. Treppe und Balkon mit gleichartigen schmiedeeisernen Geländern.  

Haus Nr. 10
Zweigeschossiges bürgerliches Wohnhaus der wilhelminischen Epoche mit schiefergedecktem, traufseitigem Mansard-Satteldach. Erbaut 1898 für den Fabrikanten Franz Beckmann (1866 - 1945). Bauunternehmer Fa. Wwe. J. B. Vallée, Bocholt. Fassade aus roten Verblendplättchen über verputztem Kellergeschoss zu vier Fensterachsen, die äußeren mit Zwillingsfenstern, die linke als Risalit ausgebildet. Die Fassade durch kräftige Gesimse und Bänder horizontal gegliedert. Die Fenster mit profilierten Stuckrahmen, im Erdgeschoss geohrt und mit Schlußstein, im Obergeschoß mit glatten Sturzgesimsen, im Risalit jedoch mit Segmentbogen verziert. Hauseingang über eingezogener Treppe. Schöne einflügelige Haustür aus Pitschpineholz. In der Dachzone die originalen Dachgauben erhalten. 1997 das Dachgeschoß ausgebaut. Heute als Mehrfamilienhaus genutzt.


Baldus, Friedrich A.

Von einer Spinnerei in Friedrichsthal stammend, ließ Fritz Baldus (1890 - 1949), aus dem ersten Weltkrieg als Oberleutnant heimgekehrt, am 15. Dezember 1919 unter dem Firmennamen "Baumwollweberei Friedrich Baldus" seine Firma in das Handelsregister eintragen. Sie begann ihre Tätigkeit in gemieteten Räumen der Textilwerk GmbH, Mussumer Kirchweg/Frankenstraße.

In den Jahren 1922/23 wurde gemeinsam mit der Firma Steiner & Sarrazin an der Teutonenstraße ein Neubau erstellt, wobei die beiden Grundstücke Nr. 2 - 4 von Baldus und die Grundstücke 6 - 8 von der Firma Steiner & Sarrazin bezogen wurden. Ein Kesselhaus auf der Grenzlinie wurde von beiden Betrieben gemeinsam genutzt. Die Firma Baldus stellte in ihrer Weberei und Rauerei u. a. Biber, Pilot für Arbeitsanzüge und Hemdenstoffe her, bis sie 1926 liquidiert wurde. Noch im gleichen Jahr ging der Betrieb in den Besitz der Firma J. Beckmann Nachf. über.

Nach dem Ende seiner eigenen Firma trat Fritz Baldus in die Spinnerei seines Schwiegervaters Franz Beckmann als Spinnereidirektor ein. Erwähnt werden sollte noch, was sich in der sogenannten "Kristallnacht" am 10 November 1938 zugetragen hat. Während SA- und SS-Männer in die Bahnhofstraße gezogen waren und die Tür zur 80jährigen Amelie Weyl aufbrechen wollten, stand Hauptmann d. R. Friedrich Baldus, ihr Nachbar, mit gezogenem Revolver vor der Tür und rief den braunen Horden zu: "Sechs Kugeln habe ich, fünf für euch, die Sechste ist für mich." Darauf zogen die "Helden" ab. Die Nazi-Partei schrieb daraufhin einen Drohbrief an Baldus. Kurze Zeit später wurde Baldus, wahrscheinlich auf Druck der Partei, degradiert.

Lit.:
Josef Niebur, Juden in Bocholt, Bocholter Quellen und Beiträge Bd. 3 (1988), S.108.
Eduard Westerhoff, Die Bocholter Textilindustrie. Unternehmer und Unternehmen, 2. überarb. Aufl., Verlag Temming Bocholt 1984, S. 67.


Barlo

Barlo ist mit einer Fläche von 19,86 qkm ein Stadtteil von Bocholt, unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden gelegen. Ersterwähnung des Dorfes Barlo 1142. Über die Gründung der Gemeinde ist nichts Näheres bekannt. Urkundlich ist nichts erwähnt.

Man kann annehmen, dass der Name Barlo von "bar Lohe" stammt. Hier sollen nach Hörensagen früher mächtige Eichenwälder gewesen sein. Die Bäume habe man geschält und die Rinde als Lohe an die Gerber verkauft. Die erste Nennung von Höfen von Azo und Hezel, später Essinch und Hesselinch auf Barloer Gebiet erfolgt bereits vor 1100. In Urkunden des Stiftes Vreden erscheinen 1290 die Höfe Gheskinch ( Geßing) und Wenynch (Wehninck). Um 1300 werden die Adeligen und Richter von Diepenbrock auf dem Adelssitz Diepenbrock und Kortenhorn erwähnt.  

Wie alle Dörfer und Bauernschaften hatte auch Barlo unter der Last des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Kurze Zeit nach Abzug der Hessen 1650 trat der neue Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, ein trauriges Erbe an. Im Juni 1653 berichteten Vertreter der Bauerschaften vor dem Drosten von Bocholt, dem Amtsrentmeister und den beiden Bürgermeistern darüber, wie es in ihren Bauernschaften aussah. In Barlo hatten demnach einige Höfe acht, neun und mehrere Jahre wüst gelegen. 1662 lebten in Barlo nur noch 29 Familien mit 162 Personen.

Ganz allmählich besserten sich die Verhältnisse. Trotz positiver Entwicklung nahm die Bevölkerung nur langsam wieder zu. 1679 weist die Schatzungsliste 29 Familien aus, 1749/1750 wurden 35 Familien mit 224 Personen gezählt.1702 wurde die erste Schule erbaut ("Schlattschule"). Eine Urkunde vom 1.März 1702 besagt, dass die Freifrau von Diepenbrock in Barlo der Gemeinde den Grund zur Erbauung eines Schulhauses abgab. Nach 1802 gehörte Barlo zunächst zum neu errichteten Fürstentum Salm, dann zum Französischen Kaiserreich und nach der Niederlage Napoleons zum Amt Liedern (später Amt Liedern-Werth) als selbständige Gemeinde zur preußischen Provinz Westfalen.

1824 wurden die Gemeindegrenzen der Pfarrei Barlo festgelegt. Am 21. Oktober des gleichen Jahres weihte Weihbischof Kaspar Max Droste zu Vischering die neu erbaute St. Helenakirche ein. Da katholische Gottesdienste in den Niederlanden wieder erlaubt waren, wurde die Kreuzkapelle in Hemden abgerissen. 1975 verlor Barlo seine Selbständigkeit und wurde Stadtteil von Bocholt.

Lit.:
Alois Tekotte, Schulen im Amt Liedern-Werth, Bocholt o.J.,bes.S.55-59.
Hans D. Oppel, Bocholt gestern bis heute.  Bocholt 1985, S.35-37.
Volker Tschuschke, Die Schlattschule in Barlo: Ihre Geschichte von der Gründung bis zum Kulturkampf (1675/1677-1867/1871), hg.vom "Vör dessen Boorle!" Verein für Heimatpflege e. V., Bocholt 2000.
"Barlo gestern und heute." Hg. v. Verein für Heimatpflege e.V 1993 Vör dessen Boorle, Bocholt 2007. http://www.barlo-online.de/seiten/chronik.cfm


Baumlehrpfad

Ein spezieller Baumlehrpfad ab Langenbergpark, begonnen vom Verein für Heimatpflege Bocholt E.V. und weiter angelegt von Peter Schlabs (Fachbereich Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bocholt), zeigt seltene alte und junge Gehölze sowie heimische und fremdländische Bäume und Sträucher. Dieser Fußrundweg von 7,5 km Länge führt vom Langenbergpark über Beckmannplatz, Friedhof, Sandbachpark und Aasee-Intensivzone zurück zum Langenbergpark. Ein Routenplan mit Beschreibung der Bäume und Gehölze ist bei der Stadtinformation und beim Fachbereich Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bocholt erhältlich.  

Quelle:
Auskünfte des Fachbereichs Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bocholt.    


Baumwoll-Industrie, Aktiengesellschaft für

Die Firma wurde von den Gründern Joseph Wiethold, Bernhard Rensing, August Hendrix, Ferdinand Wiethold und Alex Hendrix mit einem Aktienkapital von 565.000,- Mark als Aktiengesellschaft für Baumwoll-Industrie, Bocholt, Industriestr. 1, in das Handelsregister eingetragen. Zweck der Gesellschaft war die Übernahme der Betriebe: Bocholter Färberei & Druckerei Diepenbrock & Co., der mech. Weberei Witwe Meyer, der mech. Weberei Bernhard Rensing und der mech. Weberei Gebr. Giehsing.

1897 beschloss die Generalversammlung eine Erhöhung des Aktienkapitals auf 900.000,- Mark. Mit diesem zusätzlichen Kapital wurde 1898 eine Spinnerei gebaut. Im Dezember 1898 beschäftigte die Firma 33 männliche, 20 weibliche und 6 jugendliche Arbeiter. 1908 verstarb Bernhard Rensing, und Joseph Wiethold sen. schied aus dem Vorstand aus, während sein Sohn Josef Wiethold jun. eintrat. 1911 schied dann auch August Hendrix aus dem Vorstand aus, sodass Josef Wiethold jun. alleiniger Vorstand wurde.

Die Geschäfte müssen wohl nicht gut gegangen sein. Die Generalversammlung beschloss 1912: "Um den Betrieb der Spinnerei aufrecht zu erhalten und evtl. durch Vergrößerung rentabel zu gestalten," sollte jeder Aktionär zwei Drittel seiner Aktien zur Verfügung stellen. Es wurden noch weitere Möglichkeiten vorgeschlagen um die entstandenen Verluste auszugleichen.

Im und nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Betrieb an andere Firmen vermietet, so an Zweigbetriebe der Firma Ww. B. Messing und Stern & Löwenstein, die Kriegs-Hadern-Gesellschaft, die Cord-Ausrüstung Johannes Stadeler und an W. Hoffs & Co.

Die Gesellschaft ging 1934 in Konkurs.

Der Betrieb wurde in der Versteigerung von Max und Paul Herding und von der benachbarten Spinnerei & Weberei Herding erworben und dann an Carl Herding weiter verkauft.

Lit.:
Eduard Westerhoff, Die Bocholter Textilindustrie. Unternehmer und Unternehmen, 2. überarb. Aufl., Verlag Temming Bocholt 1984, 255 S.


Baumwollspinnerei von Velsen

Die Baumwollspinnerei von Velsen wurde am 23. Januar 1889 in das Handelsregister eingetragen. Sofort im Gründungsjahr wurde zwischen Westend und Aa mit dem Bau des Betriebes begonnen, der später als Spinnerei, Zwirnerei und Schlichterei sich auf Dreizylinder-Kettgarne spezialisieren sollte.

Nach dem Tode einiger Gesellschafter wurden nach einer Eintragung im Jahre 1903 neue Gesellschafter in die Firma aufgenommen. Der vorgesehene Nachfolger des Max von Velsen, sein Sohn Karl, war im ersten Weltkrieg als Jagdflieger gefallen. Dies führte u. a. dazu, dass die Spinnerei nach dem Weltkrieg nie wieder richtig in Gang kam. Im Jahre 1934 wurde der Betrieb eingestellt.

Lit.:
Eduard Westerhoff, Die Bocholter Textilindustrie. Unternehmer und Unternehmen, 2. überarb. Aufl., Verlag Temming Bocholt 1984, S. 68.


Bauverein

Der Bocholter Bauverein wurde am 21. April 1898 gegründet und am 23. Mai 1898 beim königlichen Amtsgericht eingetragen.

Leopold Driessen wurde Vorsitzender des Aufsichtsrates, Gustav Becker Vorsitzender des Vorstandes.

Von 1850-1900 stieg die Bocholter Bevölkerung im Zuge der Industrialisierung von 4.737 auf 22.365 Einwohner. Für sie mussten Wohnungen geschaffen werden. Der Bauverein hatte das Ziel, gesunde und billige Wohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung bereitzustellen; vorwiegend mit Garten oder einem Stück Land. Es sollten keine Mietkasernen entstehen. Das erste Projekt waren 16 Wohnungen an der Vereinsstraße. Der Preis für ein Einzelhaus betrug 4.080 Mark. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden 140 Wohnungen gebaut. Fast das ganze Yorckviertel entstand durch den Bocholter Bauverein, 185 Häuser mit 363 Wohnungen.

Die Gesellschaft hatte am 31.12.2006  1873 Mitglieder. Der Bauverein hat bisher über 200 Miethäuser mit mehr als 1250 Wohnungen und über 900 Eigenheime mit rund 1300 Wohnungen erstellt. Der Bauverein hatte zum Ende 2006 ein Anlagevermögen von insgesamt 24,1 Mio Euro und Gesamtkapital in Höhe von 30,6 Mio Euro.

Lit.:
Walter Bösing / Hans Wiegrink, Eine Genossenschaft im Wandel der Zeit - 100 Jahre Bocholter Bauverein eG, in: UNSER BOCHOLT Jg. 49 (1998) H. 3, S. 3-14.
Bocholter Bauverein, Bericht über das Geschäftsjahr 2006, Bocholt 2007.


Becker, Gustav

Der Fabrikant Gustav Becker wurde am 9. Dezember 1860 in Ascheberg geboren. Nach einer Kaufmannslehre kam er 1884 als Betriebsleiter zur Bocholter Baumwoll-Buntweberei Ketteler. Fünf Jahre später gründete er mit Heinrich Drießen eine eigene Baumwoll-Buntweberei: Drießen & Becker. Drießen zog sich 1911 aus der Firma zurück, die Gustav Becker nun als Kommanditgesellschaft weiterführte bis zu seinem Tode.  

Im Jahre 1898 war Gustav Becker Mitbegründer des Bocholter Bauvereins und seit der Gründung sein Vorsitzender bis 1923. In dieser Funktion setzte er sich sehr für den örtlichen Wohnungsbau gerade für ärmere Familien ein. Elf Jahre lang - von 1900 bis 1911 - war er Bocholter Stadtverordneter, von 1908 an Erster Schöffe und seit 1898 auch Mitglied und später Vorsitzender des Sparkassenvorstandes. Außerdem war er Mitglied in der Handelskammer, des Kreistages, des Kreisausschusses und des Provinziallandtages.

Er galt als vorzüglicher Kenner der örtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, der großen Anteil an der Entwicklung und an dem Aufstieg der Stadt nahm.  

Für sein außerordentliches Engagement für die Stadt und die Bürger wurde er am 11. Dezember 1923 zum Ehrenbürger der Stadt Bocholt ernannt. In seinem im 2. Weltkrieg zerstörten Ehrenbürgerbrief hieß es: "In vorbildlicher Bürgerpflichttreue stellte er in zahlreichen Ausschüssen und Deputationen seine reichen Gaben und wertvollen Erfahrungen gern in den Dienst der Stadt. Einfach und schlicht in seinem Wesen, aber kraftvoll und verbindlich in seiner Persönlichkeit, geachtet und geliebt in allen Bevölkerungskreisen, hat er für das Wohl der Stadt eine Tätigkeit entfaltet, die Bewunderung und Dankbarkeit verdient."

Am 20. Juli 1924 starb Gustav Becker unerwartet in München. Kurz vor seinem Tode war er noch für seine 25-jährige Tätigkeit für den Bocholter Bauverein dadurch geehrt worden, dass der bis dahin letzte vom Bauverein vollendete Straßenzug den Namen Gustav-Becker-Straße erhielt.


Becking, Heinrich

Heinrich Becking wurde am 6. Januar 1891 in Vreden geboren. Nach dem Studium der Theologie wurde er am 18. Dezember 1920 in Münster zum Priester geweiht und war danach Kaplan in Bork, später in Dülmen.

1932 wurde er Kaplan an der St.-Georg-Kirche, speziell für den Seelsorgebezirk Hochfeld. Am 12. Juli 1934 wurde er dann Pfarrrektor des neu gegründeten Rektorats Hl. Kreuz, das den gesamten Osten der Stadt Bocholt umfasste.

Die bauliche Entwicklung des Bocholter Ostens, die schon vor und nach dem 1. Weltkrieg stürmisch verlief, setzte sich in den Anfangsjahren des Rektorats weiter fort, ganze Straßenzüge entstanden neu. Zwischen 1932 und 1938 wuchs die Einwohnerschaft des Seelsorgebezirks von 4500 auf 6000. Der Aufbau der Rektoratsgemeinde, die nördlich der Münsterstraße aus der Liebfrauen-, südlich aus der St.-Georg-Pfarrei herausgetrennt worden war, gestaltete sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten schwierig. Für den Gottesdienst war 1932 eine leerstehende Fabrikhalle westlich des Königs-Mühlenwegs als Notkirche angemietet worden.

Im April 1936 begann der Bau der Pfarrkirche, die erst nach über zwei Jahren, am 13. Juni 1938 eingeweiht werden konnte. Die Kirchweihe fand unter besonderen Polizeimaßnahmen und Druck seitens der SA-Verbände aus dem Stadtwaldlager statt.

Nachdem Anfang September 1938 das Rektorat zur selbständigen Pfarrei erhoben worden war, wurde Rektor Becking am 1. Oktober ihr erster Pfarrer. Das blieb er 27 Jahre. Er trat in den Ruhestand am 2. Juni 1966 und zog sich in seine Heimatstadt Vreden zurück. Dort starb er am 29. Juni 1973. Die Straßenbenennung Pfarrer-Becking-Straße erfolgte am 2. März 1994 in Erinnerung an den Gründungspfarrer der Hl. Kreuz-Gemeinde. 


Franz Beckmann & Cie

1895 wurde die Kommanditgesellschaft in das Handelsregister eingetragen. Persönlich haftende Gesellschafter waren Franz Beckmann, Alfred Beckmann jr. und Ludwig Beckmann.

 Im gleichen Jahr begann man mit dem Bau eines vierstöckigen Spinnereigebäudes, das infolge von Ausführungsfehlern zusammenstürzte und die Bauarbeiter unter sich begrub. Es gab 22 Tote und viele Verletzte. 1898 begann die Produktion in dem wieder aufgebauten Werk mit 48 Arbeitskräften.

1914 wurden in den Akten 38.000 Spindeln und 12.000 Zwirnspindeln vermerkt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde ein Neubau für eine Zweizylinder-Spinnerei errichtet. Das Werk wurde 1945 vollständig zerstört. 1967 verkauften die Nachfolger das 63.000 qm große Gelände an die benachbarte Firma Alfred Fr. Flender.

Lit.:
Eduard Westerhoff, Die Bocholter Textilindustrie. Unternehmer und Unternehmen, 2. überarbeitete Aufl., Verlag Temming Bocholt 1984, S. 76-77.


J. Beckmann Nachf. / IBENA

Die Familie Beckmann ist seit 1650 nachgewiesen. Sie stammt aus Krechting. Es waren zunächst Bleicher und Kaufleute.

Franz Beckmann zog Anfang des 19.Jahrhunderts nach Bocholt und betrieb hier den Baumseidenhandel. Sein Bruder Joseph Philipp errichtete auf seinem Grundstück vor dem Neutor (heute Karstadt) eine Weberei. Um das Jahr 1860 hatte die Firma bereits mehr als 100 Arbeitnehmer.

1926 konnte die stillgelegte Firma Friedrich Baldus an der Teutonenstraße erworben werden. Nach dem Neubau eines Websaals von 4000 qm zog man 1927 um. 1945 wurde der Betrieb schwer zerstört. Der Wiederaufbau wurde unverzüglich vorgenommen. Außerdem übernahm man 1959 die Weberei Kayser, Liebau & Lotze an der Dingdener Straße. 1968 kam es zu einer Fusion mit der Firma H. Beckmann & Söhne. Geschäftsführer war zu der Zeit Josef Beckmann, später sein Sohn Josef-Albert.

Ab Mitte der 50er Jahre wurde der Firmenname IBENA auch als Warenzeichen aufgebaut.

Ende des vorigen Jahrhunderts verlegte man die gesamte Produktion nach Rhede. Hergestellt werden vorwiegend Decken, Bettwäsche und technische Gewebe. 2006 ging die Firma in Insolvenz. Sie wurde anschließend veräußert.

Lit.:
Eduard Westerhoff, Die Bocholter Textilindustrie. Unternehmer und Unternehmen, 2. überarbeitete Aufl., Verlag Temming Bocholt 1984, S. 57-61.
Internet: www.ibena.de


Josef Albert Beckmann

Josef Albert Beckmann wurde am 5. April 1869 in Bocholt geboren. Er war ein Neffe des Bocholter Ehrenbürgers Albert Beckmann und folgte ihm 1919 in der Leitung der Firma J. Beckmann Nachf. In der Tradition seines Onkels engagierte er sich stark beim Bocholter Bauverein, dessen Geschäftsführung über seine Firma lief.

1915 bis 1924 war J. A. Beckmann Mitglied des Aufsichtsrats, seit 1924 Vorsitzender des Bauvereins bis zu seinem Tode am 31. Juli 1938. 1936 bis 1938 war Beckmann Ratsherr der Stadt.

Am 30. Mai 1947 wurde der zentrale Platz des vom Bauverein in den zwanziger Jahren errichteten sogenannten Yorck-Viertels, der Yorck-Platz, in Beckmannplatz umbenannt. Auch wenn es aus dem Namen nicht eindeutig hervorgeht, beweist der entsprechende Beschluss der Stadtverordnetenversammlung eindeutig, dass mit der Benennung Josef Albert Beckmanns und nicht seines Onkels Albert gedacht werden sollte.


Beckmannplatz

Am 30. Mai 1947 wurde der zentrale Platz des vom Bocholter Bauverein in den zwanziger Jahren errichteten sogenannten Yorck-Viertels, der Yorck-Platz, in Beckmannplatz umbenannt. Dieser Platz soll an Josef Albert Beckmann (1869-1938), Vorsitzender des Bocholter Bauvereins (1924-1938), erinnern.

Lit.:
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 38 (1987), H. 2/3, S. 90.
Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 53-72.


Befestigung der Stadt Bocholt im Mittelalter

Die Stadt Bocholt besitzt kaum Zeugnisse ihrer früheren Befestigungsanlagen. Historische Unterlagen und archäologische Untersuchungen geben dennoch ein deutliches Bild der Entwicklung.

1222 erließ Landesherr Bischof Friedrich die Stadterhebungsurkunde und erlaubte u. a. eine Befestigung. Die Bürger hatten die Pflicht, für den Bau und den Unterhalt der Befestigungsanlagen zu sorgen. Ein stabiler "murum immobil" war das Symbol städtischer Freiheit und bot den Bürgern Sicherheit und Schutz. Bocholt wurde westlichster Stützpunkt der Landesverteidigung des Bistums Münster.

Zunächst gab es einen Befestigungswall mit Plankenzaun und davor einen Stadtgraben von etwa 6 m Breite. Er wurde 1988 auf 120 m Länge in der Wesemannstraße freigelegt (es werden jeweils nur einige archäologische Belege genannt).

Wegen des starken Zuzugs aus dem Umraum nach 1222 war eine Erweiterung der Stadt, vor allem nach Osten, erforderlich. Das Stadtgebiet wuchs dadurch um etwa 40%. Das "Öwwerveerdel" (d.i. Überviertel) wurde in die nun erbaute solide Backsteinmauer mit eingeschlossen.

Etwa um 1400 waren diese Arbeiten beendet. Von den vier Stadttoren werden das Neutor im Süden schon 1308 und das Ravarditor im Westen schon 1310 erwähnt, das Viehtor im Norden und das Ostertor im Osten etwas später. Die Lage der Tore ist archäologisch nachgewiesen. Mit dieser Erweiterung des Befestigungsringes vor allem nach Osten erhielt die Stadt den Umfang, den sie das ganze Mittelalter hindurch bis in das 19. Jahrhundert hinein bewahrte.

Wie groß diese mittelalterliche Stadt war, belegen die Maße: Von Westen nach Osten, vom Ravarditor bis zum Ostertor in der Luftlinie rund 700 m; von der Viehporte im Norden bis zum Neutor im Süden 472 m. Ein Gang rund um die Stadt innerhalb der Mauern ist ca. 1750 m lang.

Im Zuge des Ausbaus der Stadtbefestigungen wurde das Flussbett der Aa mehrfach verlegt. Das Hauptbett der Aa wurde in der zweiten Phase der Stadtentwicklung der westliche Stadtgrabenteil.

Stadtrechnungen belegen die dritte Bauperiode von 1400 bis 1480 durch umfangreiche und vielseitige Arbeiten an allen Teilen der Befestigungsanlagen. Archäologische Befunde zu Befestigungsanlagen, z. B.: In der Südmauer wurde 1986 das bisher längste Stück der Stadtmauerfundamente auf 33 m Länge und 90 cm Breite ergraben, bis zu 1,20 m unter Straßenniveau erhalten. Im unteren Bereich war das Fundament bis zu 1,20 m breit. (im Pflaster markiert, Informationstafel an Mauer).

In allen Jahrhunderten waren am Stadtgraben Ausbesserungs-, Erweiterungs- und Reinigungsarbeiten notwendig. Er war Eigentum der Stadt Bocholt. Reste des Stadtgrabens waren an einigen Stellen noch bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zu sehen.

Im 19. Jahrhundert verschwanden die Befestigungsanlagen endgültig: Um 1802 waren die Stadtmauern und Tore bereits verfallen. 1846 wurde als letztes Tor das Viehtor samt Pförtnerhaus auf Abbruch verkauft. (Zur weiteren Entwicklung der Stadtbefestigungen siehe Bericht über die Hessenzeit und das Gäle Wäterken.)

Lit.:
Cornelia Heintz, Zur Geschichte und topographischen Entwicklung von Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg 38 (1987), H.2/3, S.7/8.
Werner Sundermann, Stadtkernarchäologie ergänzt historische Nachrichten (Bericht über archäologische Befunde und Funde unter besonderer Berücksichtigung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Befestigungsanlagen der Stadt Bocholt), in: UNSER BOCHOLT Jg 38 (1987), H. 2/3, S. 37ff.
Werner Sundermann, Das befestigte Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg 43 (1992) ,H. 1, S. 52-54.
Werner Sundermann /Georg Letschert, Stadtgeschichte und Archäologie, in: UNSER BOCHOLT Jg. 48 (1997), H. 2, S. 30, 31, 34.
Werner Sundermann / Georg Letschert / Jens Alvermann, Von der Steinzeit bis heute, in: UNSER BOCHOLT Jg 55 (2004), H. 3, S. 15-17.


BeLa, der BeratungsLaden & Cafe

Die Idee des "Beratungsladens & Café", die der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Bocholt mit der Eröffnung im September 2005 im Sinn hatte, ist Keimzelle für immer neue Ideen geworden. Die Besonderheit des Angebotes ist die Verknüpfung von Beratung und Kontaktcafe.

Ergänzend zur Allgemeinen Sozialberatung will BeLa Aspekte der bisherigen Beratungsarbeit zu einer Synthese zusammenfassen und neue Wege und Entwicklungen beschreiten. Der SkF hält folgende Dienste und Angebote bereit:

  • Allgemeine Sozialberatung
  • Adoptionsvermittlung und Pflegekinddienst
  • Schwangerschaftsberatung
  • Sexualpädagogik und Sexualberatung
  • Ambulant betreutes Wohnen für psychisch kranke Frauen und Männer
  • BetreuungsvereinGruppenangebote für psychisch Kranke
  • Gewinnung und Schulung von Ehrenamtlichen

Der BeLa ist ansprechend gestaltet, um eine möglichst breit gefächerte Personengruppe zu erreichen. Er bietet die Möglichkeit, Kontakt zu anderen Besuchern sowie zu den Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle aufzunehmen.

Der BeLa funktioniert - auf beiden Seiten des Flures. Auf der einen Seite lassen es sich die Gäste gut gehen, auf der anderen geben Sozialarbeiterinnen immer mehr Rat und Hilfe in sozialen Fragen. Der BeLa verändert den Blick der Bürger für Sinn und Notwendigkeit sozialer Arbeit.

Im BeLa kann jeder auf eine Tasse Kaffee vorbeikommen und auch hinübergehen ins optisch abgeschirmte Beratungsbüro. Die Beraterinnen der verschiedenen Dienste kommen reihum und können so über 30 Stunden in der Woche ihre Beratung anbieten. Wie groß der Bedarf an Hilfe tatsächlich ist, zeigen allein die steigenden Zahlen. 100 Ehrenamtliche hat der BeLa schon gewonnen und manchmal bringen sie gleich selbst die Aufgabe mit, für die sie sich einsetzen wollen. Vier pensionierte Lehrerinnen meldeten sich kurz nach der Eröffnung in den ehemaligen Räumen einer Galerie. Sie wollten Hausaufgabenhilfe anbieten. Jetzt gibt es zwei Gruppen für Migrantenkinder, die von 19 Ehrenamtlichen reihum betreut werden. Mit Erfolg, wie die Lehrer zurückmelden. Weitere 14 Freiwillige bieten zwei Konversationskurse für Migrantenfrauen an, in denen ganz lebenspraktische Dinge wie beispielsweise das Schreiben eines Entschuldigungsbriefs für die Schule geübt wird. Angedacht ist ein Alphabetisierungskurs, weil sich herausstellte, dass viele der Frauen in ihrer Heimat nie eine Schule besucht haben.

Vieles lässt sich im Vorfeld auffangen. Die Ehrenamtlichen im Café führen Gästegespräche und oft reicht das schon. Sie wissen auch, wann die Fachfrau eingeschaltet werden muss. Denn in Schulungen werden die Freiwilligen vorbereitet und bei ständigen Teamtreffen die Erfahrungen ausgetauscht. Erfreulich ist, dass hier viele Freiwillige zusammenfinden und sich für eine sinnvolle Aufgabe engagieren.

Der BeLa hat auch einen positiven Wandel für die Osterstraße angestoßen. Sie gehört zur Fußgängerzone, war aber eher durch leere Schaufenster und neue Wettbüros geprägt. Die sind wieder verschwunden und nebenan hat ein Feinkostgeschäft eröffnet. Denn hier kommen nicht nur gezielt die Hilfesuchenden hin, sondern nutzen gerne Bummler die Gelegenheit, den selbst gebackenen Kuchen zu probieren, aus dem reichhaltigen Kaffeesortiment zu wählen oder an einem der beiden PC-Plätze frei im Internet zu surfen. Auch die Werbegemeinschaft zeigt sich glücklich und sieht den BeLa keineswegs als Konkurrenz zu anderen Cafés. Kulturell interessierte Gäste zieht inzwischen der "Bocholter Lesewinter" an, der in den BeLa umgezogen ist. Mit all den Angeboten platzt es schon wieder aus allen Nähten, aber ein nahegelegenes Pfarrheim kann mitgenutzt werden.  

Quelle:
Caritasverband für die Diözese Münster e. V. Presse-Information, 11. Mai 2007, Soziales Cafe wird zum Stadtgespräch Faltblatt BeLa


Dr. med. Wilhelm Benölken

Dr. med. Wilhelm Benölken, Facharzt für Hals, Nasen und Ohren, bekleidete das Amt des Oberbürgermeisters nach der Besetzung der Stadt Bocholt Ende März 1945 bis zur ersten Kommunalwahl im Jahr 1946.

Wilhelm Benölken wurde am 5. September 1889 in Asbeck (Kreis Ahaus) geboren. Er studierte nach dem Abitur in Marburg, Kiel, München und Gießen Medizin und promovierte dort im Mai 1919. Seine fachärztliche Ausbildung erhielt er bei Prof. Dr. v. Eicken in Gießen, einer der damaligen Kapazitäten in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Danach ließ er sich 1920 in Bocholt als erster HNO-Arzt im westlichen Münsterland nieder. Er leitete die Hals-, Nasen- und Ohrenabteilung des St.-Agnes-Hospitals. Die Erfolge seines ärztlichen Könnens wurden bald über Bocholt hinaus bekannt und anerkannt.

Dr. Benölken wurde von der englischen Militärbehörde am 1. April 1945 als "Hauptmann der Stadt" eingesetzt. In knapper, aber engagierter Art setzte Dr. Benölken alles daran, die Hauptnöte der ausgebombten Bevölkerung zu lindern: Hunger, Kälte und Wohnungsnot. Im Auftrag der englischen Militärbehörde bildete er ein Ratskollegium, das in seiner Zusammensetzung einen politischen Querschnitt der Bocholter Bevölkerung darstellen sollte.

Um die Bewohnbarkeit der zerbombten Stadt etwas zu verbessern, rief Dr. Benölken im Sommer 1945 zur sogenannten Dachziegelaktion auf: In der ländlichen Umgebung der Stadt sollten dabei landwirtschafliche Nebengebäude, die nicht dringend gebraucht wurden, abgedeckt werden. Mit den Dachziegeln sollten Hausdächer abgedichtet werden, die nur leicht beschädigt waren. Die Aktion verlief wegen der Unwilligkeit der Bauern aus der Umgebung aber sehr schleppend. Im November 1945 lagen nur eine halbe Million Dachziegel mehr als zuvor auf den beschädigten Häusern der Stadt.- Im Rat wurde Benölken vor allem durch die Kommunisten heftig angegriffen, in seiner Partei, der CDU, gab es ebenfalls Kritik an ihm.

1946 entschloss sich Dr. Benölken, wieder seine Facharztpraxis zu betreiben und gab sein Oberbürgermeisteramt am 29. Oktober 1946 ab. Am 10. Januar 1947 ehrte die Stadtverordnetenversammlung Benölken durch die Umbenennung des Viehmarktes in Benölkenplatz. 1963 schloss er seine Praxis und verstarb nach längerem Leiden am 18. Oktober 1965.


Benölkenplatz

Der Platz befindet sich am Nordausgang der Stadt vor dem Amtsgerichtsgebäude. Er war bis nach dem Ersten Weltkrieg Viehmarkt und Kirmesplatz, dann gärtnerisch gestaltet.

An diesem Platz, der 1900 von Viehmarkt in Neuplatz umbenannt wurde, wurde im selben Jahr ein Kassengebäude für die Stadtkasse und die städtische Sparkasse errichtet. Später hieß der Platz Kaiser-Franz-Josef-Platz.

Im Jahre 1936 wurde der Platz in Hermann-Göring-Platz umbenannt und auf ihm ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges und die im Kampf um das Dritte Reich Getöteten errichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal als Relikt aus der Nazizeit abgebrochen und der Platz gärtnerisch gestaltet.

Der jetzige Name hält das Andenken an den ersten, noch von der britischen Besatzungsmacht ernannten Oberbürgermeister der Stadt Bocholt nach dem Zweiten Weltkrieg fest, den Hals-, Nasen- und Ohrenarzt Dr. Wilhelm Benölken.

Lit.:
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: Unser Bocholt Jg. 38 (1987), H. 2/3, S. 90.
Gerhard Schmalstieg, Straßennamen in Bocholt nach nur hier bekannten Personen, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004), H. 4, S. 53-72.

Quelle:
Gerhard Schmalstieg, Woher hat die "Schwartzstraße" ihren Namen?


Bernhard-Otte-Straße

Die Stadt Bocholt benannte 1976 die bisherige Grenzstraße in Biemenhorst nach dem Gewerkschaftsführer Bernhard Otte (1883-1933) um.

Lit.:
Wilhelm Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte, in: UNSER BOCHOLT Jg. 40 (1989), H. 3, S. 51.

Quelle:
Gerhard Schmalstieg, Woher hat die "Schwartzstraße" ihren Namen?


Bertold-Löwenstein-Platz

2005 wurde der Südteil des Liebfrauenplatzes im Bertold-Löwenstein-Platz umbenannt, zur Erinnerung an dem letzten Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Bocholt, Bertold Löwenstein (1882-1945).


Betreutes Wohnen

Das Betreute Wohnen ist eine Möglichkeit, die Angebotslücke zwischen ambulanter Hilfe bzw. Pflege in der Privatwohnung und stationärer Pflege im Heim zu schließen. Dabei wird die selbständige Lebens- und Haushaltsführung wie in einer privaten Wohnung aufrechterhalten, aber gleichzeitig Sicherheit, Geborgenheit und Hilfeleistung geboten. Zudem können durch die Gemeinschaftsräume soziale Kontakte gefördert und Isolation und Rückzug vermieden werden.

Betreutes Wohnen wird heute in Bocholt von verschiedenen Institutionen angeboten.

Betreutes Wohnen - Anbieter:

Haus vom Guten Hirten, Karolingerstr.65, 46395 Bocholt, Telefon: 02871 / 9580   21 Ein-Personen-Apartments,
3 Zwei-Personen-Apartments

Jeanette - Wolff - Zentrum, Dürerstr.1, 46399 Bocholt, Telefon:02871 / 3421
Wohnanlage Dürerstr.1
14 Ein - Personen - Apartments

Kardinal - Diepenbrock - GmbH, Weberstr.6, 46397 Bocholt, Telefon: 02871 / 25540

Domizil Diepenbrock, Adenauerallee 96, 46397 Bocholt
48 Ein - Personen - Apartments
22 Zwei - Personen - Apartments

Kardinal - Diepenbrock - Stiftung,  Schonenberg 7, 46397 Bocholt
28 Ein - Personen - Apartments
18 Zwei - Personen - Apartments

Leben im Alter, Werkstr.19, 46395 Bocholt, Telefon: 02871/ 2176566
6 Ein - Personen - Apartments
16 Zwei - Personen - Apartments

Ev. Johanneswerk e.V.
Europaprojekt, Telefon: 0151 - 17422888
Wohnanlage Bültenhaus, 46399 Bocholt - Suderwick, Hellweg 48-50
12 Apartments

Senator Senioren- und Pflegeeinrichtung GmbH, Schanze 32-36, 46399 Bocholt, Telefon: 02871 / 2365 -0
Senioren Residenz Schanze
14 Apartments

Lit.:
Bocholt für Senioren ( Broschüre ) www.bocholt.de - Seniorenportal - Wohnen - Betreutes Wohnen


Biemenhorster Schule

Für die damals selbständige Gemeinde Biemenhorst beantragte 1890 der damalige Königl. Kreisschulinspektor Stork die Errichtung einer Volksschule. Nach Genehmigung durch die Königl. Regierung in Münster wurde das Schulgebäude mit Lehrerwohnung durch den Bocholter Bauunternehmer Josef Hülskamp errichtet und am 18. April 1895 als Marienschule Biemenhorst eingeweiht. Erster Lehrer der einklassigen Dorfschule war Julius Vehlhorn. 51 Kinder wurden in einem Raum unterrichtet.

1908 musste ein weiteres zweiklassiges Schulgebäude errichtet werden, 1912/13 ein weiteres mit Lehrerwohnung. Hauptlehrer Julius Vehlhorn wurde am 1. Oktober 1931 in den Ruhestand verabschiedet, sein Nachfolger wurde Heinrich Hillermann, der bereits seit 1911 in Biemenhorst unterrichtete.

Der Zweite Weltkrieg richtete große Schäden an den Gebäuden an, von 1946 bis 1949 dauerte die Renovierung. 1951 wurde das heutige Hauptgebäude erstellt. Am 30. März 1957 ging Heinrich Hillermann in Pension, ihm folgte Otto Morick. Ein weiterer Schulpavillon wurde 1965 erbaut.

Mit der Neuordnung des Schulwesens in NRW 1969 wurde die Marienschule Biemenhorst in eine Grundschule (Jahrgänge 1-4) umgewandelt. Neuer Schulleiter wurde Heinrich Gardemann. Er leitete die Schule bis 1987, als Norbert Goldewijk die Schulleitung übernahm.

Ebenfalls 1987 konnte ein Anbau an das Hauptgebäude mit 2 Klassenräumen, Lehrerzimmer und Mehrzweckraum bezogen werden.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 wurde das Amt Liedern-Werth aufgelöst und damit auch die Gemeinde Biemenhorst nach Bocholt eingegliedert. Da es in Bocholt ein Mariengymnasium gab, wurde die Marienschule Biemenhorst in Biemenhorster Schule umbenannt.

Lit.:
Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Biemenhorster Schule, Bocholt, 1990.


Bildstock "St. Michael" (im Volksmund genannt "Am Erzengel")

Kurz vor der Stadtgrenze in Richtung Rhede links an der Münsterstraße gegenüber der Hausnummer 248 steht auf einem hohen Sockel die Statue des Erzengels Michael.

"Wohl Baumberger Sandstein... barocke Figurengruppe von hoher künstlerischer Qualität. Als Bildstock ungewöhnlich, stilistisch eng mit den allegorischen Gartenfiguren in Schlossgärten verwandt."

Links und rechts neben dem Sockel steht je ein großer Findling als Mahnmal zur Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege der Gemeinde Hohenhorst.

Das Westfälische Amt für Denkmalpflege, Münster, datiert den Bildstock "St. Michael" um das Jahr 1700. Früher, als die Hauptstraßen noch nicht so breit wie heute  ausgebaut wurden, war das Erzengeldenkmal "St. Michael" mit dem getöteten Teufel von Bäumen und Büschen umgeben. Es sah gespenstisch aus. Viele Spukgeschichten werden heute noch erzählt.

Wahrscheinlich hatte der Bildstock anfangs seinen Standort im heutigen Bereich der Fachhochschule. Mitglieder der Schützengilde St. Michael Bocholt-Hohenhorst e.V. berichten, dass bei Gründung ihres Vereins im Jahr 1851 der Bildstock den gleichen Standort wie heute gehabt hätte, und  nach diesem Bildstock gaben sie ihrer Schützengilde den Namen "St. Michael".

Zum Schützenfest trifft man sich Jahr für Jahr sonntags  "Am Erzengel" zur Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege. Danach ziehen die Schützen über die Ziegelheide zum Festzelt. Die Pflege und Gestaltung der Außenanlage des Bildstocks, z.B. Bepflanzung mit Blumen, wird von Mitgliedern der Schützengilde St. Michael übernommen. Die dabei anfallenden Kosten für den Blumenschmuck usw. zahlt die Stadt Bocholt.

Der auf der Münsterstraße Nr. 252 gelegene Hotel- und Restaurantbetrieb "Am Erzengel" gab sich am 28. Mai 1955 offiziell den Namen "Am Erzengel". So heißt auch ferner die nach den Entwürfen von Professor Deilmann von 1965 bis 1967 entstandene Parksiedlung "Am Erzengel" ( auch "Erzengelsiedlung") im Osten der Stadt nördlich der Münsterstraße; ihre Straßen wurden nach ostdeutschen Städten benannt.

Lit.:
UNSER BOCHOLT, 1981, Heft 3, S. 45.
Weidlich-Bildband "Bocholt", Frankfurt 1971, Abb. 29.

Quelle:
mündliche Auskunft von:
Herrn Josef Schwanekamp, Bocholt, 2007 und
Frau Bierstett, Bocholt, 2007.


Binnen-Aa

Nachdem im Jahre 1222 Bocholt Stadtrechte erhalten hatte, sollten die Bewohner der Stadt und das Land vor Angriffen der Nachbarn besser geschützt werden.

Die Befestigungsanlagen, die bisher nur aus Wällen und Gräben bestanden, verstärkt durch Palisaden und Planken, wurden durch Backsteinmauern erneuert und verändert. Im 13. Jahrhundert gab man der Aa im Südosten eine andere Richtung. Während sie bisher in gewundenem Lauf nahe der Kirche und der Ravardistraße vorbeifloss, verlegte man das Hauptbett etwas nach Süden, so dass der alte Nebenarm bestehen blieb und wie bisher die Mühle speiste und der neue Arm der Stadtbefestigung diente. Eine neue Schleusenanlage regulierte den Wasserstand in den Stadtgräben. Die lebenswichtige Mühle konnte damit ihren Betrieb aufrecht erhalten. Auf alten Karten wurde die Binnenaa auch als Mühlengraben bezeichnet.

Drei Brücken führten durch die Schanze in die Innenstadt. In Verlängerung der Schanze, etwa dort wo sich heute die Gartenmauer des Pfarrgartens St. Georg befindet, gelangte man über eine schmale Brücke zur Neustraße. Man nannte sie "Kernebrügge" nach einem alten Wehrturm in der Stadtmauer.

Eine zweite Brücke führte über die Brückenstraße in die Ravardistraße. Sie hieß die "Schevenbrügge". Benannt nach der adeligen Familie von Scheven, die hier vor etwa 300 Jahren ihr Haus hatte. Das Gebäude fiel 1945 den Bomben zum Opfer. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde das Haus von der Firma August Fischer genutzt.

Über die Brücke an der Stadtschleuse mit einer kleinen Fußgängerbrücke vor der Mühle ("Wietholds Brüggesken") konnte man durch die Wietholdstiege zur Ravardistraße gelangen. Kurz hinter der Mühle vereinigte sich die Binnenaa wieder mit der "großen Aa".

Nach dem Krieg verfüllte man das Flussbett der Binnenaa mit Bauschutt. Der Weg dient nun als Zulieferweg für die Geschäfte der Ravardistraße. Die Mühle konnte damit ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr wahrnehmen.

Lit.:
Werner Sundermann, Das befestigte Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 43 (1992) H. 1, S. 52.
Anna Lindenberg, Eine Wanderung vom alten ins neue Bocholt, S. 53, Drei Linden Verlag Grabenstätt 1989 und in: UNSER BOCHOLT 1954 - 1959 in Fortsetzungen.


Die Binnenmühle ( Wietholds Mühle)

In der Bocholter Stadtgeschichte wird die Binnenmühle zuerst 1257 als Besitz des bischöflichen Stuhls in Münster genannt. Diese innerhalb der Stadtbefestigung gelegene Mühle war wohl die einzige in Stadt und Feldmark. Es wird angenommen dass sie zu dem bischöflichen Haupthof Bocholt (Welschelo) gehörte.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war sie mehrmals in Pfandbesitz Bocholter Bürger. Im folgenden Jahrhundert wurden Mitglieder der Familie von Ulft mit ihr belehnt. 1386 veräußerte jedoch der damalige Besitzer Wilhelm von Ulft den Besitz mit Genehmigung des Bischofs dem Ritter Bitter von Raesfeld.

Zwischenzeitlich hatte der Bischof Heidenreich der Stadt Bocholt das Privileg zum Bau einer Windmühle erteilt (21. Dezember 1382). Sie galt seitdem als wertvolles städtisches Besitztum.

Ein Enkel des Bitter von Raesfeld, Goswin von Raesfeld, fühlte sich durch den Bau der Windmühle in seinen Rechten beschnitten und klagte gegen die Stadt Bocholt mit der Behauptung, die Bürger und Einwohner der Stadt müssten nun auf der in seinem Lehnbesitz befindliche Binnenmühle und nirgendwo anders mahlen lassen. Zahlreiche Abmahnungen und Beschwerden an die Stadt Bocholt, beim Bischof auf das Domkapitel in Münster hätten nicht gefruchtet. Außerdem wäre auf der Wesselweide eine Schleuse angelegt, durch deren Öffnen und Schließen sie nach Belieben das zum Treiben der Binnenmühle dienende Wasser des Aaflusses ablassen oder aufhalten könnten. Der Betrieb der Mühle sei dadurch erheblich gestört. Außerdem sei der freie Abfluss des die Binnenmühle treibenden Wassers durch eingesetzte Pfosten gehemmt und die frühere Breite des Flussbettes eingeengt. Man habe sogar Bauten auf den Pfosten in den Fluss hineingebaut. Goswin von Raesfeld beantragte hiernach den Abbruch der Windmühle und die Herstellung des früheren Zustandes. Seitens der Stadt wurde allen diesen Behauptungen widersprochen. Nach langwierigen Prozessverhandlungen wurde der Kläger zur Übernahme der Kosten verurteilt. Der Kläger legte mehrmals Berufung ein. Während der Prozess in der dritten Instanz schwebte, starb der Kläger. Seine vier Söhne führten den Prozess allerdings fort. Sie versuchten noch über den Apostolischen Stuhl  zu ihrem Recht zu kommen. Das Kölner Offizialgericht erklärte dies jedoch für unstatthaft und setzte sogleich die von den Gebrüdern von Raesfeld der Stadt Bocholt zu erstattenden Kosten auf 148 rheinische Gulden fest. Ein langwieriger Prozess, der fast 25 Jahre dauerte, fand damit seinen Abschluss.

Bedingt durch die Säkularisation fiel auch die Binnenmühle, die bisher bischöfliches Eigentum war, an den Fürsten Salm-Salm von Anholt. 1805 erhielt der Reichsgraf August Ferdinand von Merveld zu Münster vom Fürsten Salm-Salm die Mühle zum Lehen, 1825 wurde sie sein volles Eigentum. Pächter der Mühle war während der Säkularisation und auch später noch der Müller Kamphus.

Kurz nach 1790 kam Johann Gerhard Wiethold aus Sprakel als Müllerknecht an diese Mühle. Des Müllers Tochter Maria Katharina Kamphus wurde seine Frau. Der Sohn Franz heiratete 1818 Gertrud Schüring. Ihr Sohn Franz Casmir, er war der dritte Wiethold an der Mühle, nahm 1840 die Nachbarstochter Aleida Stevens zur Frau. Er erwarb 1871 die Mühle als Eigentum. In der vierten Generation wurde sein Sohn Franz Wiethold, verheiratet mit Lina Pottmeyer, sein Nachfolger. Der fünfte Müller, Franz Wiethold jun., kam 1945 bei der Zerstörung Bocholts mit seiner Ehefrau ums Leben. Deren Tochter Hilde heiratete 1949 den Müller Carl Stapelbroek.(Carl war Nachkomme des Müllers Carl Stapelbroek, der die 1787 erbaute Anholter Windmühle ab 1919 in Pacht hatte.) Somit war die Mühle in der sechsten Generation in Wietholdschem Familienbesitz.

Nach dem Krieg konnte Carl Stapelbroek die Mühle wieder aufbauen. Die alte Lebensader, die Binnenaa, war zwischenzeitlich mit Bauschutt verfüllt worden.   Da die alten Wasserrechte noch Gültigkeit hatten, musste ein Kanal, der heute noch besteht, von der Aa bis zur Mühle geschaffen werden, um die Turbinen in Gang zu halten. Der Mahlbetrieb konnte somit noch aufrecht erhalten werden.

Nebenher wurde auch eine bekannte Futtermittelmarke vertrieben. 1970 wurde der Mahlbetrieb eingestellt, die Turbine verkauft und das Wasserrecht an die Stadt zurückgegeben.

Lit.:
Friedrich Reigers, Beiträge zur Geschichte der Stadt Bocholt und ihrer Nachbarschaft, Bocholt 1851 S. 239, 294, 397-399, 693-697.
Anna Lindenberg, Eine Wanderung vom alten ins neue Bocholt, Beiträge zu einem Haus- und Bürgerbuch, Drei Linden Verlag, Grabenstädt, 1989.
Peter Theißen, Eine bisher kaum bekannte Stadtansicht von Bocholt, in : UNSER BOCHOLT Jg. 53 (2002), H. 1, S. 3-12.
Unterredung des Verfassers mit Frau Hilde Stapelbroek und Herrn Thomas Stapelbroek im Dez. 2006.


Bismarckstraße

Etwa 1880 wurde von der Firma Ludwig Schwartz ein Straßendamm angelegt, welcher von der Chaussee Bocholt - Borken, vom Schwartz'schen Wohnhaus Münsterstraße (Haus Woord) ausgehend über eine neu erbaute Aabrücke zum Bahnhof führte. Im Volksmund wurde dieser Weg Schwartz' Wegg genannt. Er war ein vielbenutzter Verbindungsweg zwischen Bahnhof und dem Ostteil der Stadt. Es handelte sich hierbei um einen Privatweg, da der Straßendamm nur über Grundstücke der Firma Schwartz führte. Somit war auch die Firma für die Unterhaltung ihrer Straße verantwortlich.

Die erste Brücke über die Aa wurde Anfang der 80er Jahre des 19. Jh. von der Firma Schwartz erbaut. Diese Brücke war leicht gebaut. Der Oberbau bestand aus Trägern mit Holzbelag. Da der niedrige Straßendamm bei Hochwasser einen Wasserstau verursachen konnte, wurde die Firma L. Schwartz behördlich dazu aufgefordert aus Sicherheitsgründen die Aabrücke zu erhöhen und zwei Flutöffnungen anzulegen. Zu dieser Maßnahme leistete die Stadt einen Zuschuss von 4.000 Mark. Hierfür gab die Firma Schwartz Brücke und Weg frei für den Verkehr mit unbeladenen Fahrzeugen. Etwa 1890 wurde dieses Übereinkommen geändert. Die Brücke wurde Eigentum der Stadt und für den Publikumsverkehr völlig freigegeben.

1898 ließ die Stadt die Fahrbahn massiv in Beton herstellen und mit einer Pflasterung und Bordsteinen versehen.

Damit erhielt die Straße offiziell den Namen Bismarckstraße.

Der 'Eiserne Kanzler' stand zwar damals auf dem Gipfel seiner Macht, aber die katholische Bevölkerung Preußens sahen in ihm dem Urheber des Kulturkampfes. Durch den 'Kanzelparagraphen' (Verbot der Geistlichkeit öffentlich politische Ereignisse zu kommentieren) und dem 'Brotkorberlass' (alle staatlichen Leistungen an die Katholische Kirche einzustellen) hatte er im katholischen Bocholt in ein Wespennest gestochert. In der Reigerschen 'Geschichte der Stadt Bocholt heißt es wörtlich: 'Anstoß erregte es bei vielen, dass dem bisherigen 'Schwartz-Wegg' der Name Bismarckstraße beigelegt und dadurch die Erinnerung an den Urheber des Kulturkampfes, durch welchen der Stadt Bocholt und überhaupt allen Katholiken Preußens so viel Leid zugefügt worden ist, verewigt wurde. Vom Kerne der Bocholter Bürgerschaft wurde die Benennung 'Bismarckstraße' mit Missbehagen und missbilligendem Kopfschütteln aufgenommen.

Im Zuge des Ausbaues des Inneren Ringes ist der Bismarckstraße nur das kurze Stück von der Aabrücke bis zur Münsterstraße geblieben. Das Teilstück von der Kreuzstraße/Industriestraße bis zur Brücke wurde dem Theodor-Heuss-Ring zugeschlagen.

Lit.:
Friedrich Reigers, Geschichte der Stadt Bocholt. Bd. 2, Seite 206, 207, 257.
Wilhem Seggewiß, Bocholter Straßen erzählen Geschichte U.B.1987 Heft 2/3 Seite 92.


Blindenfürsorge

Die Blindenfürsorge wird im Bereich von Bocholt seit 1949 wahrgenommen, zuerst vom Blindenverein Bocholt-Borken und seit 1998 vom Blinden- und Sehbehindertenverein (BSV) Bocholt-Borken. Dieser Verein ist als Selbsthilfegruppe die regionale Untergliederung des rechtsfähigen und als gemeinnützig anerkannten Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen e. V. (BSVW). Mit der in 1998 durchgeführten Namensänderung des Vereins war eine wesentliche Ausweitung des zu betreuenden Personenkreises verbunden. Konnten sich früher "nur Blinde" mit einem kaum verwertbaren Sehrest organisieren, kann heute jede Person Mitglied werden oder die Hilfe des Vereins in Anspruch nehmen, die aufgrund einer erheblichen Sehbehinderung persönliche Probleme hat.

Der BSV bietet durch seine ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen individuelle Betreuung und Beratung der Blinden und Sehbehinderten

  • bei drohender Erblindung, um auf die neue Lebenssituation vorzubereiten, oder
  • nach einer Erblindung, um wieder zu einer möglichst "normalen" Lebensführung zurückzufinden;
  • bei der Beschaffung und beim Einsatz von blinden- und sehbehindertenspezifischen Hilfsmitteln;
  • in Angelegenheiten behindertenbedingter finanzieller und sonstiger Vergünstigungen.

Während in den ersten Vereinsjahren nach dem 2. Weltkrieg die persönliche und materielle Unterstützung sozial schwacher Vereinsmitglieder im Vordergrund der Vereinsarbeit stand, wird ehrenamtliche Arbeit in der Blindenfürsorge heute in Zeiten weitgehender sozialstaatlicher Absicherung der schwerbehinderten Menschen geprägt durch die Pflege der Gemeinschaft in regelmäßigen geselligen oder informativen Zusammenkünften (Kegeln, Kartenspielen, Kaffeeklatsch, Grillfest, Tandemtour, Weihnachtsfeier, Hilfsmittelvorführungen und -ausstellungen). Alle Vereinsaktivitäten waren und sind darauf ausgerichtet, blinde und sehbehinderte Menschen vor einer sozialen Isolierung zu bewahren und ihnen neuen Lebensmut und Lebensqualität zu vermitteln.


Blutspende

Auf der XVII. Internationalen Rotkreuz-Konferenz in Stockholm wurde 1948 empfohlen, "dass die nationalen Rotkreuzgesellschaften sich aktiv an der Sache der Bluttransfusion beteiligen und mit ihren entsprechenden Regierungen bei der Einrichtung von Bluttransfusionsgesellschaften zusammenarbeiten oder, wenn nötig, solche Zentren organisieren" sollten.

Für die DRK-Landesverbände Westfalen und Nordrhein wurde am 25. Januar 1951 beschlossen, eine gemeinsame Blutspendezentrale in Düsseldorf einzurichten. Sie nahm 1952 ihren Dienst auf. In Bocholt wurde der erste Blutspendetermin ebenfalls 1952 im Gesundheitsamt abgehalten. "Blut spendet Leben", unter diesem Wahlspruch spendeten bisher mehr als 100.000 Personen ihr Blut beim Bocholter Roten Kreuz.

Lit.:
Annemarie Rotthues, Zur Geschichte des Roten Kreuzes in Bocholt.
Ein Beitrag zum 100jährigen Bestehen aktiver Rotkreuzgemeinschaften, in: UNSER BOCHOLT Jg. 37 (1986) H. 2, S. 8 ff.
Annemarie Rotthues, Das Bocholter Rote Kreuz. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, in: www.drk-bocholt.de, 2004.


Bocholt als kreisfreie Stadt

Am 1. September 1923 schied Bocholt aus dem damaligen Landkreis Borken aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Eine Stadt konnte damals selbständig werden und den Status der Kreisfreiheit erhalten, wenn sie mindestens 30.000 Einwohner zählte. Bocholt erreichte diese Zahl selbst am Tag der Auskreisung nicht. Aber die findigen Bocholter hatten eine damals noch gültige Verordnung aus dem Jahre 1815 ausgegraben. Die Kreisordnung sah vor, dass auch kleinere Städte mit weniger als 30.000 Einwohnern kreisfrei werden konnten, wenn deren besondere Verhältnisse dies erlauben und der Provinziallandtag den Antrag unter gewissen Voraussetzungen genehmige. Der damalige Bürgermeister Dr. jur. Otto Schmitz konnte diesen Nachweis erbringen. Die zum Stichtag nur 29.800 Einwohner zählende Stadt wurde so zum 1. September kreisfrei.

Wiederholt hatte man im Laufe der Jahre versucht, der Stadt die Kreisfreiheit wieder zu nehmen. Die Nationalsozialisten versuchten dies schon 1934. Dann war es die Britische Militärregierung, die Bocholt in den Kreis zurückführen, den Sitz der Verwaltung aber nach Bocholt verlegen wollte. Auf Grund eines Schreibens des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Benölken kam wenig später die Nachricht, dass sich die Angelegenheit erledigt habe.

Trotz aller Proteste und einer öffentlichen Demonstration der Bevölkerung unter Federführung des damaligen Oberbürgermeisters Günther Hochgartz verlor die Stadt im Zuge der Neuordnungspläne des Landes im Jahre 1975 die Kreisfreiheit (Gebietsreform).

Lit.:
Jan Nikolas Dicke, Der Protest war doch vergebens. Im Zuge der Kommunalen Neugliederung gewann Bocholt Land und Leute, verlor jedoch die Kreisfreiheit, in: UNSER BOCHOLT Jg. 55 (2004) H. 4, S. 38-43.
Werner Gillen, 50 Jahre kreisfreie Stadt Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 25 (1974), H. 1, S. 1 ff.
Hans D. Oppel, Wir lieben die Rheinländer, wir wollen sie nur nicht heiraten, in: Aktuelle Mitteilungen 50 Jahre CDU Bocholt, Sonderausgabe Bocholt 1996, S. 16-17.


Bocholt Beach

Seit Sommer 2005 jeweils von Mai bis September die bis zum Umbau mit Sand aufgefüllte "Strandlandschaft" der ehemaligen Fabrik August Fischer an der Schanze, mit Restaurationsbetrieben, Liegestühlen, Strandkörben, Sonnenschirmen, Palmen, Schilfgras und Bambushütten. Geboten werden auch Aktivitäten für Beach-Volleyball und Beach-Soccer. Während der Fußballweltmeisterschaft Juni/Juli 2006 wurde zur Übertragung der Spiele eine Großbildleinwand aufgebaut.


Bocholt, Johannes

Johannes Bocholt ist der Gründer und erste Rektor des Magdeburger Brüderhauses der Brüder vom gemeinsamen Leben. Er wurde in Bocholt geboren und starb am 27. Mai 1487 in Magdeburg. Peter Dieburg, Rektor des Hildesheimer Brüderhauses, sandte 1482 Johannes Bocholt mit Johannes Elshusen (gest. 1507), einem Laienbruder und Buchbinder, nach Magdeburg mit dem Auftrag, dort eine Niederlassung der Brüder vom gemeinsamen Leben zu schaffen.

Johannes Bocholt stieß auf viel Widerstand und große Schwierigkeiten, wurde aber von dem Leibarzt des Erzbischofs und dem Domvikar in Magdeburg tatkräftig unterstützt und begründete 1484 das Hieronymushaus, das Martin Luther 1496/97 als Schüler besuchte.

Lit.:
Ernst Barnikol, Std. z. Gesch. der Brüder v. gemeinsamen Leben, 1917, 84 ?
Ernst Barnikol, Luther in Magdeburg u. die dortigen Brüderschulen, in: Theol. Arbeiten aus dem Rhein. Wissenschaftl. Prediger-Ver. NF 17 1917, 8 f.;
Ernst Barnikol, Das Magdeburger Brüderhaus, ebd. NF 19, 1922, 11 ff.;
Wilhelm Brüggeboes, Die Fraterherren (Brüder des gemeinsamen Lebens) im Lüchtenhof zu Hildesheim (Diss. Münster), 1939; NDB II, 340f.; - RGG I, 1334

 


Bocholter Aa

Die Bocholter Aa ist ein etwa 51 km langer Nebenfluss der Issel in Deutschland und in den Niederlanden.

Sie entsteht im westlichen Münsterland in Velen durch den Zusammenfluss des jeweils nur kurzen Thesing Bachs, Vennbachs und des Schwarzen Bachs. Von dort fließt die sie in westlicher Richtung über Ramsdorf, Borken-Gemen, Pröbstinger See, Rhedebrügge und Krechting, erreicht dann Bocholt, wo sie den Aasee umfließt. Sie wendet sich weiter in nordwestlicher Richtung über Lowick und Suderwick, um bei Brüggenhütte die deutsch-niederländische Grenze zu erreichen. Für etwa 2 km ist sie Grenzfluss und bildet dann, als "Aa Strang" (niederländische Bezeichnung für die Bocholter Aa), in den Niederlanden bei Ulft, mit der Issel den Fluss Oude Ijssel.

In ihrem ersten Teil bestimmt die Bocholter Aa ihren Lauf selbst, schlängelt sich durch die Landschaft. Im zweiten Teil, beginnend etwa in Rhedebrügge, deutlicher noch ab Bocholt, ist sie begradigt, ein ziemlich gerader Fluss.

Die Bocholter Aa wird von einigen Stauwehren, z. B. an der ehemaligen Königsmühle, an der Schanze beim Mariengymnasium oder an der Eisenhütte, zur Regulierung des Wasserstandes gebremst.

Mit ihrem Wasser wird auch der Pröbstingsee gespeist.

Lit.:
Jürgen Angenendt, Der Verlauf der Aa und ihre Zuflüsse früher und heute, in: UNSER BOCHOLT  Jg. 30 (1979), H. 4, S. 64.
Karl Heinz Janzen, Die Bocholter Aa - Fluss der Burgen und Schlösser, in: UNSER BOCHOLT, Jg. 50 (1999), H. 2, S. 47-50.
Peter Theißen, Eine bisher kaum bekannte Stadtansicht von Bocholt, in:
UNSER BOCHOLT, Jg. 53 (2002), H. 1, S. 3-12.


Bocholter Aasee

Der Bocholter Aasee wurde 1983 offiziell der Öffentlichkeit übergeben.

Auf einer 74 Hektar großen Fläche, davon 32 ha Wasser bietet der ursprünglich als Regenrückhaltesystem geplante Bocholter Aasee, eine Erweiterung der Bocholter Aa in nördlicher Richtung, Platz zum Segeln, Surfen, Rudern, Paddeln und Schwimmen. In der Freizeit- und Erholungsanlage mit Minigolf-Platz und Freizeithalle können weitere Sportarten ausgeübt werden. Getrennte Rad- und Fußwege sowie Bänke rund um den See laden zum Spaziergang, Jogging, Radfahren und Verweilen ein.

Der Abenteuer- und Bauspielplatz "BaBaLuu" lädt Kinder zum Bauen, Malen und Spielen ein. Ein weiterer weitläufiger Spielplatz mit Rutsche, Doppelschaukel, Kletterhügel und mehreren Kleinspielgeräten ist im Norden ebenso vorhanden. Dort folgt nach Osten eine Badebucht mit einer 15.555 qm großen Liegewiese mit Sandstrand, sowie eine 7.600 qm eingezäunte Schwimmfläche.

Ein diesem Badestrand zugeordnetes Mehrzweckgebäude beherbergt die DLRG-Wache, einen Kiosk, WC, Umkleide- und Duschräume. Obwohl kostenlos, wird dieses See-Bad wochentags von Schwimmmeistern, sonn- und feiertags von Mitgliedern der DLRG-Ortsgruppe Bocholt beaufsichtigt.

Im Süden, gegenüber der Badebucht, liegt die Surferbucht. Weiter im Westen ist ein kleiner Yachthafen mit einer Steg- und Slipanlage entstanden, die zur Hälfte von einem Bootsverleiher zur anderen Hälfte von der Interessentengemeinschaft Aasee ( siehe auch: Bocholter Yachtclub e.V.) genutzt wird. Hier ist es möglich, Tret- und Paddelboote zu mieten, oder am Segelunterricht der Segelschule teilzunehmen.

Ganz im Westen ist ein Bereich für Modellboote freigegeben ist. Dort befindet sich die im Wasser stehende 6,5 m hohe Bronzestatue "Jonas entspringt dem Walfisch", gestiftet von Dr. Ing. h.c. Alfred Flender für das ehemalige Waldbad (1962-1991), gefertigt vom Düsseldorfer Bildhauer Max Kratz.

Der Aasee hat zwei Inseln. Eine davon (im Südosten) ist ein Vogelschutzgebiet, das nicht betreten werden darf. Auf der anderen steht der chinesische Pavillon, ein Geschenk der chinesischen Stadt Wuxi.

Bei den Baggerarbeiten für den Aasee stieß man 1978 auf dem einstigen Gelände der Königsmühle auf zahlreiche Relikte eingerammter Pfähle und Bohlen. Bei den anschließenden Grabungen des Westfälischen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte Münster wurde ein massives Holzfundament freigelegt, bei dem es sich vermutlich um die Überreste einer alten Mühle handelt. Da dieses Fundament aus konservatorischen Gründen nur unter Wasser erhalten bleibt, wurde die Fundstelle nach Abschluss der Grabungen überflutet und abgegrenzt.

Lit:
Wilhelm Kolks, Zum Bau unseres Aa-Sees an der Königsmühle, in : UNSER Bocholt, H. 4, S. 3-7.
Philipp Hömberg, Eine kleine archäologische Untersuchung bei der Königsmühle in Bocholt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 29 (1978), H. 4, S. 8-10.
Werner E. Hasse, Jahrhundertbauwerk Bocholter Aasee der Öffentlichkeit übergeben, in: UNSER BOCHOLT Jg. 34 (1983), H. 4, S. 49-50.
Hans D. Oppel, zur Geschichte der Bocholter Bäder, in: UNSER BOCHOLT Jg. 41 (1990), H. 4, S. 12-26.
Bruno Wansing, www.bocholt.de
Margret Bongert und Lucia Graefenstein, Bocholter Bäder


Bocholter Bauverein eG

Der Bocholter Bauverein wurde am 21. April 1898 gegründet und am 23. Mai 1898 beim königlichen Amtsgericht eingetragen.

Leopold Driessen wurde Vorsitzender des Aufsichtsrates, Gustav Becker Vorsitzender des Vorstandes.

Von 1850-1900 stieg die Bocholter Bevölkerung im Zuge der Industrialisierung von 4.737 auf 22.365 Einwohner. Für sie mussten Wohnungen geschaffen werden. Der Bauverein hatte das Ziel, gesunde und billige Wohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung bereitzustellen; vorwiegend mit Garten oder einem Stück Land. Es sollten keine Mietkasernen entstehen. Das erste Projekt waren 16 Wohnungen an der Vereinsstraße. Der Preis für ein Einzelhaus betrug 4.080 Mark. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden 140 Wohnungen gebaut. Fast das ganze Yorckviertel entstand durch den Bocholter Bauverein, 185 Häuser mit 363 Wohnungen. Die Gesellschaft hatte am 31. Dezember 2006  1.873 Mitglieder.

Der Bauverein hat bisher über 200 Miethäuser mit mehr als 1.250 Wohnungen und über 900 Eigenheime mit rund 1.300 Wohnungen erstellt. Der Bauverein hatte zum Ende 2006 ein Anlagevermögen von insgesamt 24,1 Mio Euro und Gesamtkapital in Höhe von 30,6 Mio Euro.

Lit.:
Walter Bösing / Hans Wiegrink, Eine Genossenschaft im Wandel der Zeit - 100 Jahre Bocholter Bauverein eG, in: UNSER BOCHOLT Jg. 49 (1998) H. 3, S. 3-14.
Bocholter Bauverein, Bericht über das Geschäftsjahr 2006, Bocholt 2007.


Bocholter Bühne, Freies Theater

Seit 1995 ist die Bocholter Bühne frei organisiert und unabhängig.

Sie entwickelte sich aus Vorläufern in Theatergruppen der Familienbildungsstätte und der Volkshochschule zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Bocholt.

Das Publikum ist ebenso unterschiedlich wie das Angebot selbst:
Beim "Impromatch" (Improvisationstheater) sitzen andere Menschen als bei den Lesungen, und wieder andere sind in den Inszenierungen zu sehen.

1996 verwirklichte die Gruppe ihre Vision der "Figurinen". Hierbei handelt es sich um Menschen, die Entwürfe einer Figur zeigen, die aus einer abstrahierten Realität in unserer Wirklichkeit als Gast erscheinen. Diese Figurinen sind gern gesehene Gäste auch bei anderen Veranstaltungen im Raum Bocholt.

1997 erhielt die Bocholter Bühne den Kleinkunstpreis der Stadt Bocholt. Auf der Urkunde ist zu lesen: "Die Jury sieht in der Bocholter Bühne eine Initiative, die literarisch und szenisch anspruchsvoll Ideen und Themen auf hohem schauspielerischen Niveau vorstellt. Die kulturellen Erlebnisaktionen mit der Bocholter Bühne sind ein wichtiger Beitrag zur Bocholter Theaterszene."

Das Ensemble besteht aus rund 20 Mitgliedern im Alter von 18 bis 50 Jahren - Schüler, Studenten, Lehrlinge und Hobbykünstler aus verschiedenen Berufen.

Die Leitung hat Ralf Melzow, Regisseur, Schauspieler und Theaterpädagoge aus Münster. Ständiger Spielort ist der Freie Kulturort Alte Molkerei, Werther Straße.

Lit.:
Kultur in Bocholt, die bocholter bühne in: UNSER BOCHOLT, Jg. 57 (2006), H. 1, S. 12-15. www.bocholter-buehne.de


Bocholter Färberei und Druckerei

Gegründet wurde die Firma Anfang 1933 von Franz Beckmann und Anton Böggering. 1936 wurde sie in eine Kommanditgesellschaft (KG) mit dem Namen Bocholter Färberei und Druckerei Böggering und Beckmann umgewandelt.

Nach völliger Zerstörung im März 1945 wurde der Lohnausrüstungsbetrieb wieder aufgebaut. Nach dem Tod seines Gesellschafters Beckmann wurde Anton Böggering alleiniger Geschäftsführer.

1948 gründete Anton Böggering mit seiner Cousine Lore Weißing die Lowan-Filmdruckerei A. Böggering & Co. Das Jahr 1962 brachte das Ende der Bocholter Färberei und Druckerei. Gleichzeitig wurde die Firma Lowan liquidiert. Der Betrieb an der Münsterstraße wurde verkauft.

Lit.:
Eduard Westerhoff, Die Bocholter Textilindustrie. Unternehmer und Unternehmen, 2. überarb. Aufl., Verlag Temming Bocholt 1984, 255 S.


Bocholter Gymnasien

Als ältestes gilt das St.-Georg-Gymnasium (Lateinschule seit 1785), lange Zeit eine reine Jungenschule mit den klassischen Fächern, die anfangs für den Nachwuchs an Theologen, Juristen und Lehrern sorgen sollte und die nach vielen Bemühungen schließlich das Abitur abnehmen durfte (1903).

Das zweite Gymnasium in Bocholt wurde 1866 als Höhere Töchterschule gegründet und entwickelte sich über mehrere Stationen zum heutigen Mariengymnasium, das sich über viele Jahre der höheren Mädchen- und Frauenbildung widmete.

Zwischen 1905 und 1910 errichteten die Kapuziner zunächst eine Missionsschule, die im Laufe der Jahre zum St.-Josef-Gymnasium (Kapu) ausgebaut wurde. Erst 1974 erhielt es die endgültige staatliche Anerkennung als Vollgymnasium. 1993 musste der Münsteraner Bischof die Schule übernehmen, da der Orden sie nicht mehr tragen konnte.

Ende der 60er Jahre machten sowohl die bauliche Ausdehnung Bocholts als auch der Andrang zum Gymnasium überhaupt die Neugründung eines 4. Gymnasiums im Nordosten der Stadt notwendig, das den Namen  Euregio-Gymnasium erhielt (Spitzname "Schneiderianum", da der damalige Oberbürgermeister Schneider dessen Gründung forciert betrieb und dort auch erster Oberstudiendirektor wurde).

Seit die Kultusministerkonferenz 1972 alle Gymnasien enttypisiert hat, d.h. an allen ein begrenztes Fächerangebot abgeschafft und die Koedukation zugelassen und ab dem Schuljahr 1974/75 überall die Oberstufen-Differenzierung eingeführt hat, ist es, abgesehen von geringen Unterschieden im Fächerangebot, letztlich gleich, welches Gymnasium ein Mädchen oder ein Junge wählt, um das Abitur zu erreichen. Oft geben der Standort und/oder familiäre Traditionen den Ausschlag.

Lit.:
Schulenheft, in: UNSER BOCHOLT Jg. 30 (1979) H. 3, S. 15 ff.


Bocholter Hilfsprojekte in Afrika

Zahlreiche Bocholter Pfarreien und auch Privatpersonen helfen in Afrika auf karitative und wirtschaftliche Weise. Das nötige Spendengeld wird durch die Mitarbeit vieler Freiwilliger erbracht. So werden Basare, Cafeterias, Fastenessen veranstaltet, Förderkreise gebildet, Patenschaften angeboten. Auch die Erlöse von Konzerten, Theateraufführungen oder Betriebsfeiern gehen oft gezielt in die afrikanischen Hilfsprojekte. Die Projekte im einzelnen:

Ev. Kirchengemeinde Bocholt

  • Partnerschaft mit der Ebenhaeser-Gemeinde in Rehoboth/Namibia - Mitfinanzierung eines Kindergartens und Bezahlung der drei Mitarbeiterinnen
  • Kontakte zu einer Fraueninitiative in Katutura/Nähe Windhuk
  • Zahlreiche Patenschaften für Kinder in verschiedenen Ländern Afrikas

Pfarrgemeinde St. Georg

  • Missionsprojekt "Mai a Murungu" in Marera/Mosambik - Seit 1984 Unterstützung der dort tätigen Schwestern "Unserer Lieben Frau"
    Schwerpunkte der Arbeit in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung sind:
    • Sauberes Trinkwasser,
    • Unterweisung der Familien in Kinder- und Säuglingspflege,
    • Bau einfacher Grundschulen,
    • Unterweisung in Feld- und Gartenbau



Pfarrgemeinde Maria Trösterin, Mussum

  • Unterstützung von Pater Stanislaus Onyemere in Nigeria - Bau eines Kindergartens
  • Messspenden gehen an Pater Hermann Klein-Hitpaß in Enugu/Namibia
  • Hilfe für Obdachlose und Aidskranke

 

Pfarrgemeinde St. Norbert

  • Der e. V. Bolingani unterstützt das Projekt "Hikaf" (Hilfe für Kinder aus armen Familien) in Kinshasa/Dem. Rep. Kongo. In diesem Zentrum, dessen Initiator Priester Hippolyte Badika ist, sollen arme Kinder und Jugendliche eine gründliche und nachhaltige Ausbildung erfahren. Zahlreiche Patenschaften wurden von Bocholter Familien übernommen.

Pfarrgemeinde Liebfrauen

  • Zwei aus der Pfarrei stammende Heimatmissionare werden in Afrika unterstützt.
    • Pfarrer Heinz Ernst in Otjiwarongo/Namibia unterhält mit den Spendengeldern ein Schülerinternat,
    • Pater Wilhelm Deutmeyer in Südafrika ist in der Priesterausbildung tätig und baut ein neues Priesterseminar.

 

Pfarrgemeinde Ss. Ewaldi

  • Die Pfarrgemeinde gründete die Organisation ECEF (Ewaldi Children Education Fund). Waisen und Kriegsgeschädigte Kinder in Kampala/Uganda erhalten durch Patenschaften die Chance, relativ behütet aufzuwachsen und eine Schule zu besuchen. Koordinator in Uganda ist Sozialarbeiter Steven Sango Mugerwa.

 

Pfarrgemeinde St. Helena, Barlo

  • Die Missionsschwester vom Heiligsten Herzen Jesu, Sr. M. Isfrieda in Mariental/Namibia erhält von verschiedenen Gruppen der Gemeinde (Frauengruppe, Kolpingfamilie, Kirchenchor und Privatspenden) Geld, das für bedürftige Kinder verwandt wird.

 

Pfarrgemeinde St. Paul

  • Der "Eine-Welt-Kreis", Förderkreis dieser Gemeinde, unterstützt eine Missionsärztliche Schwester in Äthiopien. Sr. Rita arbeitet als Gynäkologin in einem Krankenhaus in Attat. Alle Spendengelder werden für dieses Krankenhaus verwendet.

 

Pfarrgemeinde Herz-Jesu

  • Seit 1972 gibt es Kontakte nach Bigada/Uganda. Hier wird der Konvent der Banabikiri-Schwestern unterstützt:
    • Renovierung des Pfarrhauses, Neubau des Schwesternhauses und eines Krankenhauses. Es existieren zahlreiche Patenschaften für Schulkinder.

 


Privatinitiativen

  • Familie Kroesen aus Mussum hilft seit 1989 dem St. Carolus Health Centre in Mtinko/Tanzania, wo ihr Sohn als Arzt tätig war. Durch Sachspenden (St.-Agnes-Hospital), regelmäßige Geldspenden (Fa. Flender) und große finanzielle Hilfsbereitschaft aus dem Freundes- und Bekanntenkreis konnten das Krankenhaus ausgebaut und medizinische Geräte angeschafft werden.
  • Von 1999 bis 2001 war der Nigerianer Godwin Okolo als Pfarrer an der Ludgeruskirche in Spork. Er wollte für einen Bekannten zu Hause einen Rollstuhl mitbringen. Familie van de Velde in Spork half bei der Beschaffung. Inzwischen sind Hunderte von Rollstühlen in die Heimatpfarrei Onitsha/Nigeria gegangen. 2003 Vereinsgründung. www.demeca.org.
  • Der e. V. Sinothando (Zulusprache "Wir kümmern uns um Euch") ist 2002 aus dem Pfadfinderstamm der Pfarrgemeinde St. Josef entstanden. Ziel des Vereins ist es, Aidswaisen oder von Aids betroffenen Kindern in Südafrika zu helfen. Das Hauptprojekt Hokisa (Home for Kids in South Afrika) befindet sich im Township Masiphumelele bei Kapstadt. Hier können die Kinder vorläufig Unterkunft finden, bevor sie dann in Pflegefamilien der jeweiligen Gemeinde vermittelt werden. 2005 eröffnete Hokisa ein Haus mit neun einfachen Wohneinheiten für HIV-positive Mütter. www.sinothando.de.vu
  • Nachdem Simone Dohle in Kalangala im Südwesten Ugandas ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert hatte, wurde im Jahr 2004 der Verein Kanlangala e. V. gegründet. Der Verein möchte die Lebenssituation der Dorfgemeinschaft verbessern. Vor allem soll den Aids-Waisen durch Betreuung, Bildung und ärztliche Versorgung geholfen werden. Ein Schulzentrum mit Klassenzimmern, Schlafsälen, Lehrerdienstwohnungen und Küche ist schon in Betrieb, muss aber noch weiter ausgebaut werden. Der Bau einer zweiten Zisterne soll die Versorgung mit sauberem Trinkwasser gewährleisten. www.kalangala.de.vu


  • Vor 25 Jahren knüpfte die Rektorin a. D. Angelica Rems erste Kontakte zu Menschen in der Demokratischen Republik Kongo (damals Zaire). Hieraus ist ein Hilfsprojekt entstanden, das hauptsächlich die menschliche Betreuung und medizinische Versorgung kranker Waisenkinder zum Ziel hat. In Mont Ngafula, nahe der Hauptstadt Kinshasa, wurde ein Hospital gebaut, das 300 Kinder aufnehmen kann, oft aber überbelegt ist. Dieses Krankenhaus soll erweitert und die medizinische Betreuung noch verbessert werden.

    Da die Kinder nicht, wie sonst üblich in Afrika, von ihren Familienangehörigen gepflegt werden können, werden Helfer angestellt, die den Patienten familiäre Wärme vermitteln. Unterstützt wird Frau Rems von Gläubigen aus der Pfarrgemeinde St. Georg, der Strickrunde aus Spork, den Kindern der Georgiusschule und von ihrer Familie.

Bocholter Kirmes

Die Bocholter Kirmes findet jedes Jahr am 3. Sonntag im Oktober statt. Festessen war der Knockenpott und der Buchweizenpfannkuchen. Anlass: Gedenktag der Weihe von St. Georg. Bauern kamen in die Stadt, ebenso Seiltänzerfamilie und Zahndoktor. Später fanden sich auch reisende Händler ein, welche die Familien mit allem versorgten, was sie in der Landwirtschaft nicht selbst herstellten: Töpfe, Kessel, Nägel, Werkzeuge, Putz und Tand. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auf dem Marktplatz eine kleine Budenstadt, in der von auswärtigen Händlern vielerlei Ware feilgeboten wurde, wobei Süßigkeiten, vor allem die sogenannten Moppen (Plätzchen), die Hauptrolle spielten.

Das erste Karussell kam Ende des 19. Jahrhunderts nach Bocholt. Es wurde von einem Pferdchen angetrieben. Abends wurden im Gestänge Petroleumlampen angezündet. Es gab Bänkelsänger mit ihren Moritaten, das Panoptikum, Guckkastenbilder, ein Kalb mit zwei Köpfen, die "Dame ohne Unterleib".

Nach dem Krieg nahm man z. B. mit dem Zauberkünstler Alexander Adrion die Tradition wieder auf; heute ist die Bocholter Kirmes mit bis zu 260 Schaustellern die Hauptattraktion im Westmünsterland. Die Bocholter datieren sogar nach der Kirmes: "vor" bzw. "nach der Kirmes" oder dem "K-Monat" ("K" für Kartoffeln, Kleidung, Kirmes, später auch für Kohle). Die Kirmes ist aber auch heute kein bloßer "Rummel", es wird immer noch das Kirchweihfest mit einem Gottesdienst und Festempfang in Kirche und Pfarrheim St.-Georg gefeiert. Am Kirmesmontag wurden früher Umzüge veranstaltet.

Lit.:
Charlotte Kersting, Kirmes - eine Stadt feiert, in: UNSER BOCHOLT Jg. 50 (1999) H. 4, S. 209-211.
Dietmar Sauermann, Volksfeste im Westmünsterland, Bd. 1, Vreden 1983.


Bocholter Münzen

Die Wiege der deutschen Kupfermünzen stand in Münster, wo vom Rendanten des Domkapitels sogenannte Bursarienpfennige ausgegeben wurden, die später Geldcharakter annahmen. Die Stadt Münster prägte ihre ersten datierten Münzen um 1560.

Eine in Münster zuerst fühlbare Knappheit an Kleingeld machte sich auch in den übrigen Städten des Münsterlandes bemerkbar. Zwar war der Kleingeldmangel in Bocholt bereits 1595 fühlbar, aber man wagte es nicht, einen Antrag an den Fürstbischof zu stellen.

Erst 1615 stellte Bocholt beim Fürstbischof von Münster den Antrag auf Genehmigung zur Prägung von Kupfermünzen im Gesamtbetrag von 1000 Reichstalern, der aber nur bis zum Betrag von 400 Reichstalern genehmigt wurde. Inzwischen war der Wert des Hellers gesunken, so dass 21 Heller einem Stüber gleichwertig waren.

Zur damaligen Zeit prägte man die Wertziffern in römischen Zahlen, und 1616 erschienen auf den Bocholter Münzen die Wertbezeichnungen IIII, III und II sowie XXI, X und XV. Nach der Genehmigungsurkunde des Fürstbischofs handelt es sich nur um Heller-Wertangaben. Bei den Bocholter Münzen zu IIII, III und II handelt es sich aber zweifelsfrei um Pfennigwerte. Damit gehörten die Bocholter Münzen zwei verschiedenen Münzsystemen an, dem münsterischen und dem clevischen. Da der clevische Stüber (= XXI Heller) dem geldrischen (in den Niederlanden) entsprach, konnten die Bocholter ihre Kupfermünzen sowohl im Münsterland als auch am Niederrhein und im geldrischen Achterhoek leicht umwechseln lassen. Die Pfennigwerte wurden nur 1616 geprägt.

In Bocholts 2. Prägeperiode, in den Jahren 1689 und 1690, sowie in seiner 3. Prägeperiode, in den Jahren 1761 und 1762, wurden nur noch Hellerwerte geprägt, und zwar XXI-Heller-Stücke in allen angegebenen Jahren, XV/o-Heller-Stücke, jedoch nur noch einmal im Jahre 1689, X-Heller-Stücke nur noch 1690 und 1762.

Dass es sich bei der Wertbezeichnung XXI um Heller handelt, ist auf den Bocholter Münzen erstmalig 1761 durch den Zusatz "HEL." angegeben. Ab 1689 sagt die Umschrift der Bocholter Münze mit der Wertzahl XXI, dass "60 einen Reichstaler" ausmachten. Ab 1689 steht auf den Münzen zu XXI neben dem Wappen "1 S" (= 1 Stüber).

Joseph Weingärtner erkannte 1872, dass ein X-Heller-Stück die Hälfte von XXI Heller, also 10 ½ Heller, sein müsse, der Strich unter der X also ½ bedeute. Dass die XV/o-Stücke jedoch = ¾ Stüber, also gleich 15 ¾ Heller sein mußten, erkannte erst Josef Lessmann im 20. Jahrhundert. Es ist ganz klar, dass mit dem Zeichen XV/o 15 ¾ (= ¾ Stüber) gemeint sind. Es handelt sich nämlich um den waagerechten Strich - (wie unter der X) und um das Zeichen o, das nicht als Null gedeutet werden darf, sondern als der Buchstabe o und dieser wieder als Abkürzung für Ort (niederländisch oord) = ¼ angesehen werden muß. Der waagerechte Strich - und die Abkürzung für "Ort" ergeben ½ + ¼ = 3/4

Alle Bocholter Münzen tragen auf der Vorderseite das Stadtwappen mit der Umschrift STADT BOCHOLT und das Prägejahr. Das Bocholter Wappen setzt sich zusammen aus der Nachbildung des Schöffensiegels des 13. Jahrhunderts und dem münsterischen Querbalken, der deutlich macht, dass das Münzrecht vom münsterischen Fürstbischof gewährt werden musste. Die Zahl der Blätter und der Wurzeln der Buche wechselt jedoch bei den verschiedenen Numeralen der fünf Prägejahre in den drei Prägeperioden.

Auf den Münzen der Jahre 1761 und 1762 steht der Zusatz CUM PRI, CVM PRI oder CUM PRIV, d. h. cum privilegio (mit "Münzrecht"). Die Schildform wandelt sich von der sog. englischen (ein Rechteck, dessen untere Seite durch eine Klammer ersetzt ist), zur sog. spanischen und später zu einer barocken, bei der für die Buchstaben I und S (= 1 Stüber) Aussparungen an beiden Seiten des Schildes angebracht wurden.

Lit.:
Lutz Ilisch, Anmerkungen zur Münzprägung der Stadt Bocholt, in:
Unser Bocholt, 30.Jg.(1978), H.2, S. 26-29.
Oliver Seggewiße, Das rätselhafte Münzgeld der Stadt Bocholt, in:
Unser Bocholt, 54.Jg.(2004),H.3, S.72-74.


Bocholter Platt

Eine lokale Variante des Westmünsterländer Sandplatt. Dieses entwickelte sich über mehr als tausend Jahre aus dem Altsächsischen, das zur Westgermanischen Sprachfamilie zählt und dem späteren Mittelniederdeutschen.

Das Bocholter Platt war lange Zeit die Umgangssprache der hiesigen Bevölkerung. Erst der 2. Weltkrieg und die Zeit danach mit dem Zustrom zahlreicher Vertriebener aus dem deutschen Osten, leiteten einen allmählichen aber unaufhaltsamen Verfall dieser ausdrucksvollen Sprache ein. Auch die Schulen trugen zu dem Niedergang bei, indem sie versuchten ihren Schülern das Platt auszutreiben, da es dem Erlernen des Hochdeutschen im Wege stand. Ein Irrtum! Diese eigenständige alte Sprache war sozusagen die erste Fremdsprache, vergleichbar dem Englischen oder Niederländischen, die ihre Schüler durch mündliche Überlieferung im Elternhaus allerdings bereits vor oder neben dem Hochdeutschen erlernten. Das öffentliche Leben und ein gewisser Dünkel waren ebenfalls keine Hilfen zum Erhalt dieser alten Kultursprache.

Heute zeigt sich eine vorsichtige Umkehr dieses Prozesses. Literaturlesungen, Theateraufführungen und Bunte Abende im Bocholter Platt gehören zu den bestbesuchten Veranstaltungen der hiesigen Kulturszene. Seit Jahren bemüht sich der "Plattdütse Kring", eine Abteilung des Verein für Heimatpflege Bocholt e. V., um den Erhalt des "Bocholter Platt". Zu seinen Arbeiten zählt die Herausgabe von Nachschlagewerken wie Bokeltse Wuerderbook, Bokeltse Leederbook, "Sprichwörter up Bokelts Platt", Erstellung von Videos und CDs, Beiträge im lokalen Hörfunk und vieles mehr. Die Zeitschrift Unser Bocholt veröffentlicht regelmäßig Beiträge in plattdeutscher Sprache. Auch etliche Bücher plattdeutscher Autoren, die im hiesigen Buchhandel zu kaufen sind, tragen dazu bei, dass dieses ererbte Kulturgut nicht ganz verloren geht.

Geht man heute durch die Bocholter Innenstadt, hört man hier und da noch Bocholter Platt, meist von älteren Leuten gesprochen. Die Jüngeren verstehen es noch, trauen sich aber nicht, dem etwas schweren Zungenschlag ihrer Eltern zu folgen. Die Hoffnung, in fünfzig Jahren auf unseren Straßen noch Bocholter Platt zu hören, geht auf wackligen Beinen. Doch Hoffen ist nicht verboten.

Lit.:
Bokeltse Leederbook, in: UNSER BOCHOLT Jg. 46 (1995) H. 3.
Bokeltse Wuerderbook, in: UNSER BOCHOLT Jg. 41 (1990) H. 2-3.
Sprichwörter mit Redensarten up Bokelts Platt, in: UNSER BOCHOLT Jg. 54 (2003) H. 1.
Timothy Sodmann, Ist das Platt noch zu retten, in: UNSER BOCHOLT Jg. 51 (2000) H. 1 S. 46-47.


Bocholter Quellen und Beiträge

sind eine wissenschaftliche Publikationsreihe des Stadtarchivs Bocholt mit Untersuchungen zu Fragen aus der Bocholter Geschichte, Volkskunde, Kunst und Kultur. Die Bände erscheinen im Buchhandel und sind ebenso in Stadtarchiv (Verlag), Stadtmuseum und Stadtinformation erhältlich.

Die Buchreihe "Bocholter Quellen und Beiträge" wurde 1972 aus Anlass der 750-Jahrfeier der Stadtwerdung Bocholts als wissenschaftliche Buchreihe des Stadtarchivs zu Geschichte und Kultur der Stadt Bocholt ins Leben gerufen und wird von dem Leiter des Stadtarchivs redigiert. Aus Personalmangel und Mangel an Mitteln erschienen anfangs nur wenige Bände in großem zeitlichen Abstand, seit den 90er Jahren aber mit einer preiswerteren Form der Druck- und Bindetechnik vermehrt. Inzwischen erschien mit einer Sozialgeschichtsstudie zur Bocholter Industrialisierungszeit der 12. Band der Reihe in dem symptomatischen grünen Leineneinband mit Prägesiegel der Stadt.

Die Bände sind mit je zwischen 400 und 1.500 Exemplaren aufgelegt und durchaus gefragt. Was die Bocholter Quellen und Beiträge vermitteln, ist fundiertes Wissen für jedermann von gestern und heute für morgen. Der Verkaufspreis ist nicht gewinnorientiert; er deckt lediglich einen Teil der Entstehungskosten. Das personelle und finanzielle Engagement der Stadt für diese Buchreihe ist ein langfristig angelegter Beitrag zum Bocholter Bildungsangebot.

Die Buchreihe wird in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt.

Bisher sind erschienen:

  1. Elisabeth Bröker u. a., 13 Beiträge zu Ereignissen, Entwicklungen und Persönlichkeiten der Bocholter Geschichte,  (Münster 1976), 290 Seiten, 56 Abb., Leinen, 18,- Euro.

  2. Jutta Schnack, Der Passionszyklus in der Graphik Israhel van Meckenems und Martin Schongauers,  (Münster 1979) 184 Seiten  mit 65 Abb., Leinen, 18.-Euro

  3. Josef Niebur, Juden in Bocholt, Eine Dokumentation mit einer Einführung in die jüdische Religion von Kurt Nußbaum und einem Anhang  "Archäologische Beiträge zur Geschichte der Juden in Bocholt" von Werner Sundermann (Bocholt 1988), 197 Seiten mit 42 Abb., Leinen. Vergriffen, Neuauflage in Vorbereitung!

  4. Die Flurnamen der Stadt Bocholt. Atlas und Namenregister, bearb. von Walter Ciuraj u.a. (zugleich Westmünsterländische Flurnamen Bd.7, Bocholt u. Vreden 1992) 39 Seiten, zuzügl. 46 Karten und Register, Pappbd., 14,- Euro.

  5. Die Sammlung Diepenbrock. Findbuch zum Bestand im Stadtarchiv Bocholt, bearb. von Ingrid Kirchhoff, (Bocholt 1993),  220 Seiten, Paperback, 17.- Euro.

  6. Urkundenbuch der Stadt Bocholt  Teil 1: Regesten der Urkunden 1201-1500, mit Unterlagen von Elisabeth Bröker bearb. von Reinhild Freitag (Bocholt 1993), 304 Seiten mit 20 Abb., Leinen, 40.- Euro.

  7. Kriegschronik der Stadt Bocholt 1939-1945, bearb. von Gerhard Schmalstieg (Bocholt 1995), 516 Seiten m. Register, Leinen,  25,- Euro.

  8. Heinz Terhorst, Chronik zur Bocholter Kirchengeschichte von den Anfängen bis 1900 (Bocholt 1998), 368 Seiten m. Register, Leinen, 25,- Euro.

  9. Chronik des Bocholter Raumes 1975-1999, nach d. Bearbeitungen von Annemarie Rotthues, Erich Hebing, Karin Hoeck, Elisabeth Fehler, Maike Carillo, Wilhelm Seggewiß und Wolfgang Tembrink zusammengestellt  v. Wolfgang Tembrink (Bocholt 2001), 684 Seiten m. Register, Leinen,  28.- Euro.

  10. Werner Sundermann, Drei Jüdische Friedhöfe in Bocholt  mit dem Beitrag "Jüdisches Totenbrauchtum und die Bedeutung des Friedhofes im Judentum"  von Josef Niebur und der "Dokumentation des Jüdischen Friedhofes an der Vardingholter Straße" von einer Arbeitsgruppe, (Bocholt 2002), 182 Seiten mit vielen Abb. und Plänen, Leinen, 15.- Euro.

  11. "Habt den Mut zu menschlichem Tun". Die Jüdin und Demokratin Jeanette Wolff in ihrer Zeit (1888-1976), mit Beiträgen von Wolfgang Benz, Christiane Eifert, Bernd Faulenbach, Jael Geis, Ludger Heid, Hannelore Lutz, Christoph Moß, Andreas Nachama, Yvonne Rieker, Anja Wißmann, Jeanette Wolff und Michael Zimmermann hg. v. Bernd Faulenbach unter Mitarb. v. Anja Wißmann (Klartext Verlag Essen 2002) Pappbd., 232 S. m. vielen Abb., 17,90 Euro.

  12. Eduard W e s t e r h o f f , Zeit des Umbruchs - Zeit des Aufbruchs. Beiträge zur Bocholter Sozialgeschichte der Kaiserzeit (Bocholt 2003), 342 Seiten mit 24 Abbildungsseiten und Register, Leinen,  32.- Euro.

Bocholter Sagen

Die heutige Informationsflut durch die Medien hat die frühere Zeit am Herd- oder Kaminfeuer, wo man gern Sagen und gruselige Geschichten weitererzählte, verdrängt.

Nur wenige Bocholter Sagen blieben erhalten: Neben "Bessmoders Kolk", eine dramatische Familienstory, und dem "Judenkring" vor dem Historischen Rathaus erzählte man, als es in Bocholt noch die Röttgersstiege gab, dass das "Knüppelhündchen" nachts sein Unwesen trieb. Der kleine Hund trug am Halsband einen Knüppel und verfolgte Bocholter Bürger, wenn sie z.B. nach einem Trinkgelage nach Hause schwankten. Sobald sie die Röttgersstiege verließen, verschwand "Knüppelhündchen" in der Dunkelheit.

Ebenso wird von "Pladdik" berichtet, den zwar niemand gesehen, aber von dem man sich des öfteren belästigt fühlte. "Pladdik" hielt sich vor dem Rathaus auf dem "Judenkring" auf. In der Dunkelheit sprang er auf den Rücken einer sich auf den Weg nach Hause begebenden Person, umkrallte deren Hals und baumelte bis zu ihren Knien.

Eine weitere tragische Sage heißt "Die düstere Stiege". Um sich gegenseitig und insbesondere Kauf- und Handelsleute vor lichtscheuem Gesindel zu warnen, ging diese Sage vor mehr als hundert Jahren von Mund zu Mund. In Biemenhorst auf der Strecke zwischen Bocholt und Wesel war der Weg teilweise an beiden Seiten dicht bewaldet. Darum sprach man von der "düsteren Stiege". Eines Abends setzte trotz Warnung ein Kaufmann seinen Weg fort, wurde niedergeschlagen, bestohlen und auch sein Pferd erlitt den Tod. Die Mörder konnten gefasst werden und erhielten die Todesstrafe. Am Galgen büßten sie ihre Untat. 1914 soll es in Biemenhorst noch die Bezeichnung "Galgenkamp" gegeben haben.

Auf dem Weg von Bocholt nach Rhede kamen am Bildstock "St.Michael" in früherer Zeit ebenfalls seltene Ereignisse vor. Einmal hörte in dunkler Nacht jemand, der den Erzengel nicht mehr grüßen wollte, weil er von ihm keinen Gruß zurückerhielt, wie dieser sagte: "Sünder bekehre dich." Der Betroffene rannte angstvoll zum nächsten Gehöft. Er ahnte nicht, dass wahrscheinlich ein Zöllner sich einen Scherz erlaubt hatte.

Lit.:
Maria Knapp, Zwei Bocholter Sagen, in: Westmünsterland 1914, S. 223,
J. Vehorn, Die "düstere Stiege", in Westmünsterland 1914, S. 224-225, Bocholter Borkener Volksblatt vom 19.02.1970,

Quelle:
Stadtarchiv Bocholt Inv.-Nr. Z-SB XXVIII Nr. 8,
Hermann Hogefeld, "Sünder bekehre dich".
Georg Ketteler, "unaufhörlich wiedergeboren wird die Sage...", Sagen aus dem Bocholter Raum, in:
UNSER BOCHOLT, 55. Jg.(2004), H. 4, S. 78-81 (mit weiteren Sagen).


Bocholter Schreibgeräte im Mittelalter

Schon in der Antike kannte man mit Wachs beschichtete Holztäfelchen, um etwas schriftlich festzuhalten. Auch im Mittelalter benutzte man diese hölzernen Schreibtafeln ("holten scrijftaeffel"). Zu ihrer Herstellung gebrauchte man gewöhnlich Holz. Um die rechteckige Platte (ca. 10 x 5 cm groß) ließ man einen erhöhten Rand stehen und füllte die 1 bis 2 mm starke Vertiefung mit Wachs. Nun konnte man die Niederschrift einritzen und, wenn man sie nicht mehr brauchte, leicht wieder tilgen, indem man die Schreibspuren flachdrückte. Mehrere solcher Tafeln konnte man mit Riemchen oder Draht zu einem Büchlein (Codex) zusammenbinden.

In Bocholt wurden in Holzbrunnen Stücke einer solchen mehrseitigen Wachstafel und Schreibgriffel etwa des 12./13. Jahrhunderts gefunden.

Solche Schreibgriffel (oder "stilus") sind aus Holz, Knochen, Elfenbein oder Metall gefertigt. Häufig haben sie ein spatelförmiges Ende, womit das Wachs nach dem Schreiben wieder glattgestrichen werden konnte.

In Bocholt wurden in ca. 4,40 m Tiefe unter dem heutigen Straßenniveau drei Schreibstifte aus Knochen gefunden Alle sind beidseitig angespitzt (also ohne Spatel) und mit eingeritzten "Kreisaugen" und geometrischen Mustern verziert. Sie haben verschiedene Längen. Die Fundstelle, ein Holzbrunnen in der Nähe der Georgskirche, lässt vermuten, dass die Griffel aus dem Besitz von Geistlichen stammen.

Funde mittelalterlicher Schreibgeräte sind in einer Vitrine im Stadtmuseum ausgestellt.

Lit.:
Werner Sundermann, Mittelalterliche Schreibgeräte (Dem Mittelalter auf der Spur - Beiträge zu Stadtkernarchäologie) in: UNSER BOCHOLT Jg. 35 (1984) H. 1/2, S. 64.



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