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Stadtarchiv Bocholt


  • Eröffnung des Freibades am Hemdener Weg 1962 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
    Eröffnung des Freibades am Hemdener Weg 1962 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • 700-Jahr-Feier der Stadt Bocholt 1922 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
    700-Jahr-Feier der Stadt Bocholt 1922 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • Winter 1968/69 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
    Winter 1968/69 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)

Bocholt im Wandel der Zeit

In Bocholt, der mit heute rund 74.000 Einwohner größten Stadt des Westmünsterlandes, reicht die von Menschen bewegte Geschichte bis in vorchristliche Zeit. Einzelne Bodenfunde lassen aber nur eine schemenhafte Entwicklung erkennen. Lesen Sie hier einen ausführlichen Artikel zur Geschichte der Stadt Bocholt von der ersten Erwähnung zum Jahre 779 n.Chr. bis in die heutige Zeit.



Bocholts Geschichte - Kurzversion

779
Frankenkönig Karl der Große schlägt den Fränkischen Reichsannalen zufolge die Sachsen bei "buocholt", für dessen frühere Existenz schon Besiedlungsspuren nachweisbar sind.

um 800
Gründung der Pfarrei Bocholt als eine der "Ur-Pfarreien" im Westmünsterland.

1222
erhält Bocholt Münstersches Stadtrecht durch den Landesherrn Bischof Dietrich III. von Isenburg. Die Buche findet sich seitdem als Wappenbaum im Stadtsiegel.

1415 - 1486
Bau der St. Georg-Kirche. Eine der größten gotischen Hallenbauten in Westfalen.

15. Jh.
Spätmittelalterliche Blüte der Stadt. Israhel van Meckenem, heute als einer der bedeutendsten Kupferstecher neben Albrecht Dürer anerkannt, lebt und arbeitet in der Stadt.

1618 - 1624
Bau des Historischen Rathauses im niederländischen Renaissance-Stil.
Textilgewerbe prägt das Bild der Stadt mit ihren damals rd. 2.000 Einwohnern und bringt ihnen einigen Wohlstand.

1852
Erste mechanische Baumwollspinnerei in Bocholt

1852
Beginn der Industrialisierung in Bocholt mit Einführung der Dampfmaschine. In der Folgezeit kommen zur Textilindustrie metallverarbeitende Betriebe hinzu.

1878
Eröffnung der Eisenbahnlinie Bocholt - Wesel

1923
Bocholt wird kreisfrei.

1945
Bocholt wird im Zweiten Weltkrieg zu 84 % zerstört. Rathaus und St.-Georg-Kirche gehören mit zu den ersten Gebäuden, die wiederaufgebaut werden: "Bokelt baut wer up" wird zu einem Schlagwort für die ganze Stadt.


1952
Die Innenstadt ist baulich wiederhergestellt.

1972
erhält Bocholt in Anerkennung seiner europäischen Bemühungen die Europa-Fahne des Europarates in Straßburg und die Ehrenbezeichnung "Gemeinde Europas". Die französische Stadt Aurillac wird Partnerstadt von Bocholt. Bocholt feiert das 750-jährige Stadtjubiläum.


1975
verliert Bocholt im Zuge der Gebietsreform seine Kreisfreiheit. Die Stadt erhält u. a. 10 Gemeinden des Amtes Liedern-Werth.

1977
Fertigstellung des Rathauses als Verwaltungs- und Kulturzentrum. Rossendale (Großbritannien) wird Partnerstadt Bocholts.

1980
Belgisch-Bocholt wird Partnerstadt Bocholts.

1981
Erstansiedlung von Unternehmen im Industriepark Bocholt. Dieser ist mit 237 ha eine der größten zusammenhängenden und voll erschlossenen Industrieflächen in Nordrhein-Westfalen.


1983
Fertigstellung der Freizeit- und Erholungsanlage Aasee (32 ha Wasserfläche und 42 ha Grünzone) mit vielfältigen Sportmöglichkeiten.

1989
Eröffnung Westfälisches Industriemuseum - Textilmuseum in Bocholt. Hier wird noch einmal der älteste Industriezweig der Stadt lebendig.

1990
Verleihung der Europa-Plakette durch den Europarat.

1992
Eröffnung des Stadtmuseums als Ort für Geschichte, Kunst und Kultur; nicht nur für die Stadt, sondern für die gesamte Region. Bocholt wird Hochschulstandort. Die Fachhochschule Gelsenkirchen, Abteilung Bocholt, bietet hier die Studiengänge Wirtschaft, Elektrotechnik und Maschinenbau an.

1993
Eröffnung des Handwerksmuseums. In einem alten Fachwerkhaus (erbaut 1770) beherbergt das Museum die Werkstätten von 20 verschiedenen Handwerksberufen. Verleihung des Europa-Preises durch den Europarat. Hierbei handelt es sich um die höchste Auszeichnung auf kommunaler Ebene, die der Europarat jedes Jahr einer Stadt seiner 44 Mitgliedsstaaten verleiht.
Eröffnung des Inselbades BAHIA. Ein Badeparadies der neuen Generation mit insgesamt 1.200 m² Wasserfläche (davon 300 m² im Außenbereich), 80 m lange Riesenrutsche, Hot-Whirl-Pools, Saunen, Solarien, und vieles mehr.

1995
Das Medien- und Kulturzentrum im alten Bahnhof wird fertiggestellt und von der Stadtbibliothek und der Stadtbildstelle bezogen.
Die Galerie zieht vom Neuen Rathaus in das Kunsthaus an der Osterstraße.

1997
Bocholt feiert mit zahlreichen Veranstaltungen das 775-jährige Stadtjubiläum.
Heute ist Bocholt mit fast 74.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreisgebiet.

2000
Fertigstellung der Innenstadtsanierung und der beiden großen Einkaufscenter Neutorplatz und Shopping-Arkaden.
Bocholt präsentiert sich als die Einkaufsstadt in der gesamten Region.

2012
Die Stadt Bocholt feiert ihre Partnerschaftsjubiläen.


Bocholts Geschichte - Langversion

779-1500

Das Bild vom Leben an der Bocholter Aa wird erst durch die überlieferte Schriftlichkeit zusammen mit archäologischen Funden deutlicher: 779 n.Chr., vor rund 1230 Jahren, fand hier im germanischen Grenzgebiet der Franken und Sachsen und im ehemaligen Stammesgebiet der Hattuarier eine Schlacht statt, bei welcher der damalige "teutsche" König Karl - später heißt er Kaiser Karl der Große - die Sachsen in die Flucht schlug.

Der "locus, qui dicitur buocholt", war zu jener Zeit eine wahrscheinlich durch Palisaden gesicherte Siedlung an einer Aa-Furt, die zugleich als Kreuzung für 2 Handelswege diente. Karls Ziel der Christianisierung der Sachsen zufolge entstand hier eine erste von dem Bistum Utrecht aus gegründete Kirche, die 1142 eine "villa", hier im Sinne von Ansiedlung hatte.

Mit Ausprägung des Bistums Münster als fürstlichem Territorium erhielt Bocholt im Ränkespiel um Macht und Besitz zwischen Fürstbischof und Grafen von Dingden im Jahr 1201 vom Fürstbischof einen eigenen Gerichtsbezirk und zugleich wohl auch Marktrecht zugesprochen und im Jahr 1222 zur Sicherung des Fürstbistums nach Westen hin dasselbe Stadtrecht mit Befestigungsrecht wie die östlich gelegene Metropole Münster.

Ende des 13. Jahrhunderts wurde Bocholt als relativ autark lebende Ackerbürgerstadt von zwei Bürgermeistern und zwölf Schöffen gelenkt. Das seit dem Jahr 1302 erhaltene große Stadtsiegel mit dem Buchenbaum ist bis heute Zeichen städtischen Selbstbewußtseins und städtischer Freiheit unter dem Landesherren. Neben der damals romanischen Hauptkirche inmitten der Stadt (St.-Georg-Vorgängerbau ohne Seitenschiffe) und den beiden Anfang des 14. Jahrhunderts genannten Frauenklöstern, dem Weißen oder Großen Kloster und dem Schwarzen oder Kleinen Kloster, erhielten Bocholts Christen 1310 den Bau einer nova ecclesia privilegiert, der zweiten Kirche, etwa an der Stelle der heutigen Liebfrauenkirche.

Die ursprünglich mit Wall und Palisadenzaun, seit dem 14. Jh. mit Steinmauer bewehrte und seit 1309 landtagsfähige Stadt im bischöflichen Verwaltungsbezirk "Amt Bocholt" (seit 1314 belegt) erhielt 1348 mit dem Hospital zum Hl. Geist ein Armenhaus. Die seit 1407 großenteils erhaltenen Stadtrechnungen weisen über lange Zeiträume hinweg u.a. auch zur Alterssicherung städtische Rentenzahlungen für Kapitalanlagen bei der Stadt aus.

Mit Einführung der Gilden seit 1368 (Fleischhauergilde) entwickelte sich im 14. Jahrhundert eine gesunde Handwerkerstadt mit agrarischem Umfeld, die sich trotz ihrer Anfang des 15. Jh. ausgebauten Befestigungen der Drangsale mehrerer großer Fehden ihrer Landesherren nicht entziehen konnte. Erst mit Abschluß dieser Regionalkriege und in Friedenszeit blühte die Stadt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts finanziell und kulturell so auf, dass der 1415 begonnene spätgotische Neubau der St.-Georg-Kirche 1486 mit dem Turm einen Abschluss erreichte und der später weltberühmte Goldschmied und Kupferstecher Israhel van Meckenem in Bocholt, freilich an der Hand seiner betuchten Frau Ida, geb. Ernsten, seinen Lebensunterhalt verdienen konnte.

In den Beginn der Friedenszeit fällt auch die Gründung eines dritten Klosters, des (Augustinerinnen-)Schwesternhauses am Schonenberg, dessen erste Kapelle von 1455 durch die 1489 vollendete, heute noch erhaltene St.-Agnes-Kapelle abgelöst wurde.

1500 - 1900

Offenheit gegenüber Glaubensfragen brachte Bocholts Einwohner mehrfach in Widerstreit mit dem katholischen Landesherren, der Andersgläubige in seinem Fürstbistum nicht dulden wollte. So fand hier 1538 eine Synode der aus Münster vertriebenen und verfolgten Wiedertäufer statt, und 1600 wehrten sich alle großen Städte des Fürstbistums, darunter an vierter Stelle Bocholt, mit einem Städtebund gegen die (katholisch-)religiöse Bevormundung des bischöflichen Landesherren in Münster bei der Ratswahl. Der Bischof lenkte ein und erteilte der noch 1598/99 von spanischen Truppen schwer heimgesuchten Stadt ("Spanischer Winter") 1616 ein erstes Münzprivileg für Kupfermünzen. Mit dem Münzerlös baute die Stadt ab 1618 das heutige Historische Rathaus am Markt im Stil der niederländischen Renaissance, dessen Fenster der seit ca. 1585 in Bocholt weilende Zeichner und "glasemaker" J(oh)an van Lintelo, ein qualitätvoller Vertreter der frühen deutschen Zeichnung, im Jahre 1624 einsetzte.

Der große Dreißigjährige Krieg ließ alles anders werden: Unter der Katholischen Liga konnte sich zwar 1627 ein Minoritenkloster an der heutigen Liebfrauenkirche ansiedeln, aber die Andersgläubigen - auch Jan van Lintelo - wurden aus der Stadt verbannt. Die 1635 einmarschierenden protestantischen Hessen ließen, begleitet von verheerenden Pestjahren, eine gewaltige neue Befestigung der Stadt errichten, die die geplünderte und dezimierte Bevölkerung nach Kriegsende und Westfälischem Frieden von 1648 und nach Abzug der Hessen 1650 bald wieder zu schleifen hatte. Im Zuge der gegenreformatorisch geprägten Reorganisation des Fürstbistums durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650-1678) baute der von ihm eingesetzte Vikar Ignatius Busch seit 1675 Landschulen auf, betreute die Suderwicker Grenzkirche St. Michael und errichtete die Kreuzkapelle in der Bauerschaft Hemden vorwiegend für niederländische Katholiken.

Bocholt lebte nach dem Wiederanfang des Westfälischen Friedens ärmlich von eigener Landwirtschaft seiner Bewohner, ferner von der "Fabrikation baumwollener Waaren", besonders der Baumseidenfabrikation - deren Anfang mit Einführung der Baumwolle den im 16. Jahrhundert zugezogenen Calvinisten zu verdanken ist -, es lebte vom Markt, von einer kleinen Eisenverhüttung in Liedern (seit 1739) und von allerlei Handwerk, das in Gilden zusammengefasst war. Hauptabsatzgebiet waren die Niederlande, zu denen die Territorialgrenze von der großen Politik, nicht aber von den Anrainern immer deutlicher gezogen wurde.

Die 1½ Jahrhunderte bis zur Französischen Revolution waren für die ca. 3000 Einwohner zählende Stadt geprägt von Wiederaufbau und Erholung von den Drangsalen des großen Krieges. 1689/90 durfte Bocholt deshalb erneut Kupfermünzen zur eigenen finanziellen Entlastung prägen, doch mit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kamen wieder Plünderungen und zwangsweise Verpflegungslieferungen an Freund und Feind auf die Stadt zu. Auch hierfür erhielt Bocholt ein drittes Mal das Münzprivileg für Kupfermünzen bis zu je 1 Stüber (60 = 1 Reichstaler) für die Jahre 1761 und 1762. Aus dieser Zeit hören wir auch von einigen jüdischen Familien, die 1798 eine erste Synagoge an der Nobelstraße erbauen durften.

Als Melchior Diepenbrock, der spätere Fürstbischof von Breslau (1845-1853), im Jahre 1798 in Bocholt geboren wurde, hatte der vor der Revolution aus Frankreich geflohene Abbé Baston diese Stadt als häßlich dargestellt. Dennoch machten sie die Fürsten von Salm-Salm und Salm-Kyrburg, denen die Ämter Bocholt und Ahaus vom Reichsdeputationshauptschluss 1803 zugesprochen worden waren, zur Regierungshauptstadt des daraus gebildeten neuen Fürstentums Salm-Salm. Dieses war freilich nur von kurzer Dauer. Napoleon hatte das Fürstentum im Dezember 1810 ersatzlos ins Französische Kaiserreich inkorporiert und französische Verwaltung und französisches Recht (Code Napoléon) eingeführt. Die Mairie (Bürgermeisterei) Bocholt im Kanton Bocholt gehörte nunmehr hintereinander zum Département Overijssel und dem Département de la Lippe mit Präfektur in Münster.

Der Einmarsch preußischer Truppen im November 1813 setzte den Franzosen in Bocholt aber bald ein Ende. Fortan, und in der Wiener Kongressakte von 1815 besiegelt, gehörte Bocholt als Bürgermeisterei zu der vom Oberpräsidenten in Münster aus gelenkten Preußischen Provinz Westfalen und dem 1816 gegründeten Landkreis Borken, dem der Landrat in Borken als preußischer Beamter vorstand. Unter preußischem Reglement entwickelte sich in der im Jahre 1831 rund 4000-Seelen zählenden Stadt eine geordnete Verwaltung die sich dem Landrat und den nach Dreiklassenwahlrecht gewählten Stadtverordneten der oberen Stände zu verantworten hatte.

Die in Bocholt 1852 einsetzende Industrialisierung der Textilfabrikation bescherte der bis dahin immer noch armen Stadt, der Melchior von Diepenbrock den Grundstock für das heutige St.-Agnes-Hospital stiftete, einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser führte zu vielen Textil-Firmengründungen und ließ 1878 die erste Eisenbahnlinie nach Wesel, später auch nach Winterswijk(1880), Empel (1901) und Borken/Münster (1902) entstehen; 1910 folgte eine Kleinbahn nach Aalten-Lichtenvoorde, die erst im Krieg 1916 stillgelegt wurde.

Damit einher gingen infrastrukturelle Verbesserungen für eine stark expandierende Bevölkerung, die sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu vervierfacht hatte (1905: 23.912 Einwohner). Die 1861 zum Progymnasium, 1882 zum Realgymnasium und 1903 zum Vollgymnasium ausgebaute ehem. höhere Bürgerschule (1867 Neubau an der Rebenstraße) erhielt 1866 ein Pendant in der kath. höheren Töchterschule, die als Marienlyceum 1900 ihr neues Gebäude erhielt. Anfangs zwei, später mehr Volksschulsysteme, die mit herausragenden Lehrern wie dem Gründer der Stadtbücherei, Rektor Johannes Ostendorf, besetzt waren, ergänzten das Lehrangebot.

1900 - heute

Der Neubau des St.-Agnes-Hospitals 1875, die Einrichtung des neuen Friedhofs an der Blücherstraße 1908 oder der Neubau des Amtsgerichtes 1911 zeigen die Bedürfnisse einer expandierenden Stadt, die nach den Wirren des Ersten Weltkrieges und einem Intermezzo von wenigen Wochen in den Händen eines Arbeiter- und Soldatenrates (1918/19) im Jahr 1923 Rang und Bedeutung einer kreisfreien Stadt erhielt, und die inzwischen auch für die Seelsorge weitere kath. Pfarreien (Liebfrauen, St. Josef mit neuer Kirche von 1896) und die evang. Christuskirche (1901) aufwies.

Bocholt wurde wirtschaftlich ein Hauptsitz der westfälischen Baumwollindustrie mit vielen Betrieben mittlerer Größe. Daneben hatten sich seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts Eisenindustrie und Gerberei, seit 1941 auch Elektro- und Metallindustrie angesiedelt.

Die Stadt florierte verhalten, als der schon von der Namensgebung her betrügerische Nationalsozialismus die Macht übernahm und in Folge einer mörderischen Rassen- und Kriegspolitik die Mehrzahl der Bocholter Juden in den Holocaust trieb und viele Bocholter Männer und Frauen zu Kriegsopfern machte. Das 1935 für die österreichische SA im Stadtwald errichtete Lager, später Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager Stammlager VIF ("Stalag") erlangte dabei mit 1736 gestorbenen Russen zweifelhaften Ruhm.

Ein alliierter Fliegerangriff auf Bocholt am 22. März 1945 zerstörte die Stadt endgültig zu ca. 84 Prozent. Ihre Einnahme durch britische Infanterietruppen erfolgte am 28./ 29.März 1945.

Kriegsende und Wiederaufbau unter einer wohlwollenden Führung der britischen Militärregierung und der klugen Lenkung der aufbauwilligen Bürgerschaft durch Männer wie Oberbürgermeister Dr. Benölken, Oberbürgermeister Otto Kemper ("Bokelt baut weer up") und Oberstadtdirektor Ludwig Kayser ließen die Stadt im alten Straßengefüge neu entstehen, so dass 1962 der Abschluss des Wiederaufbaus angesagt war. Aus dem Abraum der zerstörten Häuser bauten sich die fahrradfreundlichen Bocholter am Hünting eine Radrennbahn, nachdem die schon 1898 errichtete Radrennbahn von Spork vor dem ehem. Landratssitz Gut Heidefeld dem dortigen Kirchenbau lange gewichen war.

Avantgardistische architektonische Leistungen wie die Terrassenhäuser im Stadtteil Löverick oder die Erzengel-Siedlung (beide 60er Jahre), wie das 1978 vollendete neue Rathaus mit Kulturzentrum am Berliner Platz, das Bahia-Freizeitbad (1993) oder die 2000 eröffneten Shopping-Arkaden Bocholt gingen einher mit Großbauvorhaben wie der Aa-Regulierung, dem Aasee-Bau oder der Industrieansiedlung im Industriepark Bocholt im Stadtteil Mussum.

Viele neue, zum Teil prämierte Wohnviertel, Sportanlagen-, Schwimmbäderbau Kulturinstituts- und Schulneubauten in Bocholt zeigen das Engagement der Stadt für ihre Bürger/innen auch nach dem schmerzlichen Entzug der Kreisfreiheit zum Jahr 1975, als Bocholt die umliegenden Gemeinden des Amtes Liedern-Werth Barlo, Biemenhorst, Hemden, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern, Suderwick sowie den nördlichen Bereich der Bauerschaft Lankern erhielt. Sie sind heute Teile einer selbstbewußten Stadt. Seit 1992 ist Bocholt Hochschulstandort, die Fachhochschule Gelsenkirchen, Abteilung Bocholt, ist im Jahre 1998 in den Neubau an der Münsterstraße eingezogen und bietet dort in den Fachbereichen Wirtschaft, Elektrotechnik und Maschinenbau die Studiengänge Wirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Informations- und Kommunikationstechnik, Mechatronik und Wirtschaftsingenieurwesen an. An die Fachhochschule schließt sich der Technologiepark mit dem im Jahre 2002 eingeweihten Innovations- und Gründerzentrum Innocent GmbH an.

Bocholt hat sich schon seit den 50er Jahren den europäischen Einigungsgedanken aufs Panier geschrieben. Das Engagement dieser Stadt für ein geeintes Europa mit Städtepartnerschaften mit Aurillac/Frankreich, Bocholt/Belgien, Rossendale/England und Akmene/Litauen führte zur Bezeichnung "Gemeinde Europas", zum Empfang der Europafahne 1972, der Europa-Plakette 1991 und des begehrten Europa-Preises im Jahr 1993.

Gerüstet mit der Offenheit für Europa sind sich Bocholter/innen ihrer eigenen Geschichte und Kultur dennoch durchaus bewußt, wenn sie in der Bocholter Mundart sagen:

"Nörgens bäter as in Bokelt"

Text: Dr. Hans-Detlef Oppel


Bocholt´s history - English version

Bocholt's history at a glance Bocholt's history is both long and rich enough to be told in a day's sitting.

Here are only a few aspects, that may be considered as the most important ones: Bocholt has first been mentioned in 779, when Charlemagne conquered Westfalia and beat the Saxons at buocholt which litterally means beechwood. This is from where both Bocholt's name and its coat of arms are derived, the latter depicting a silver beechtree on a green background.

It was about the year 800 when the bishop of Utrecht here founded an early Christian church, which was later gradually surrounded by a settlement. In 1222, this settlement received the rights of a town as one of the first in Westfalian history. These rights mainly included self-administrative competencies.

It was not before the 15th century that Bocholt came to some wealth which led not only to the construction of the gothic St.-George-church (1415-1486) but also allowed some subsidy by the city authorities for the work of the famous copper engraver Israhel van Meckenem. Van Meckenem, together with Jan van Lintelo, a glass painter of the early 17th century, as well as Cardinal Melchior von Diepenbrock, Bishop of Breslau and social reformer in the 1840ies, may be considered as Bocholt's most famous sons.

Bocholt's wealth in the 15th century did not last for a long time. At the beginning of the Thirty Years War (1618-1648), which wreaked havoc in Bocholt, the marvellous historic town hall with its Renaissance facade and its beautifully painted windowpanes was constructed (1618-1624). It took another century and half for the town to recover financially from all hardships.

Bocholt's role as capital of the Fürstentum Salm and its role in times of Napoleonian supremacy, in the course of which Bocholt became part of the French Empire, is to be considered as no more than an intermezzo. It was the industrialisation of the traditional local cotton weaving which brought an economic boom to Bocholt from 1852 onwards, when the first steam-engine had been installed in one of Bocholt's weaving manufactures. The number of inhabitants grew up to more than 20.000 around 1900, and later on, heavy engineering and electrical industries settled in the city.

The Second World War not only brought thousands of POWs in a nearby camp called STALAG VI F, of which far too many died of hunger and illnesses and furthermore, the war not only led to the deportation of more than 100 Jewish citizens of Bocholt who were to be killed in the course of the dreadful holocaust, but it also destroyed nearly all of the factories as well as the historical town hall and many churches and homes of the city.

Despite all this, the inhabitants of Bocholt, awoken from the Nazi nightmare and not afraid of hard work, tackled all hardships in an admiring manner. The Christian parts of the population helped a lot to regain humanity and gain democracy after the War.

The thought of a Europe united, where people merge in friendship without wars, has ever since been one of the greatest aims of all members of the city parliament. In conglomeration with 10 villages which were incorporated into the city district in 1975, the "European city of Bocholt" today represents a city with 5 grammar schools, a technical college-branch for engineering and electronics and reasonably big industrial plants together with a new area for industrial settlement called Industriepark Bocholt.

Today, the city has everything to offer which makes living very pleasant. Most of Bocholt's inhabitants would certainly confirm this exaggeratingly in their own plattdeutsch dialect, that there is no better place to live in, but Bocholt - or in their own words:

"Nörgens bäter as in Bokelt"

Text: Dr. Hans Oppel



Bocholter Stadtlexikon

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Geschichte und Gegenwart von A-Z

Im "Bocholter Stadtlexikon" sind Artikel zu unterschiedlichsten Bocholter Themen abrufbar. Sie vermitteln in konziser Form die wichtigste Information zum abgefragten Thema sowie weitergehende Literatur und Quellen. 


"Unser Bocholt"

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In der Heimatzeitschrift "UNSER BOCHOLT" wird eine Bandbreite von Themen aus dem Bocholter Geschehen aufgegriffen und von einer Vielzahl von Autoren bearbeitet. Das Ergebnis ist ein Spiegel des Lebens der Stadt Bocholt - seit der Gründung 1950.


Stolpersteine

Verlegung von Stolpersteinen in Bocholt (Foto: Stadt Bocholt)Verlegung von Stolpersteinen in Bocholt (Foto: Stadt Bocholt)

Ins Pflaster eingelassene Gedenksteine erinnern an die Bocholter Opfer des Nazis-Regimes. Mehr Informationen unter www.stolpersteine-bocholt.de.


Straßennamen

Woher hat die Schwartzstraße in Bocholt eigentlich ihren Namen? Auf wen geht die Leo-Nußbaum-Straße zurück? Und wer war Josef Fehler oder Dr. med. Wilhelm Benölken? Die Herkunft von etwa 80 Straßennamen, die an Bocholter Persönlichkeiten erinnern, werden erläutert.

Bocholter Straßennamen


Historische Aufnahmen

  • Eröffnung des Freibades am Hemdener Weg 1962 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • 700-Jahr-Feier der Stadt Bocholt 1922 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • Winter 1968/69 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • Bischof Michael Keller im Jahr 1953 anl. Gedenkfeier Diepenbrock (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • Café Kaisereck im Jahre 1906 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • Rohbau der Mussumer Kirche 1949 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • Ungarischer Flüchtlinge in Bocholt 1956 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)
  • Markt in vorweihnachtlichem Glanz im Jahr 1950 (Quelle: Stadtarchiv Bocholt)

Topografische Karten

Historische Karte Bocholts von 1842

Sieben topografische Karten zeigen Bocholts siedlungshistorische Entwicklung.


Das Ur-Messtischblatt von 1842

Historische Messung

Zwischen 1836 und 1850 entstand in den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen ein Kartenwerk im Maßstab 1:25.000.



Wer? Wann? Wo?

Schwarzweiß-Fotografien von Personen

Einwohnerlisten des 17.-19. Jahrhunderts aus der Region Bocholt

Kopf- und Personenschatzungsregister, Brandkataster, Einwohnermelderegister und Hausstättenschatzungen aus der Stadt Bocholt, aus Gemeinden des Amtes Bocholt und der heutigen Bocholter Stadtteile des früheren Amtes Liedern-Werth helfen bei genealogischen, prosopographischen, bau- und / oder wirtschaftsgeschichtlichen Nachforschungen. Zur Themenseite "Schatzungslisten"



Bestände

Hunderte von Urkunden aus der Zeit seit 1201, wertvolle Amtsbücher seit 1407 und ein bis in das 16. Jahrhundert zurückreichender Aktenbestand sind heute ein unschätzbares Quellenreservoir für die historische, heimatkundliche und familiengeschichtliche Forschung. Hinzu kommen umfangreiche Karten-, Foto- und Filmbestände, im Stadtarchiv deponierte Firmen- und Vereinsarchive  sowie zahlreiche Nachlässe und Sammlungen. Großer Beliebtheit erfreut sich die Zeitungssammlung, deren Kernstück die bis in das Jahr 1895 zurückreichenden Ausgaben des Bocholter-Borkener Volksblattes bilden.


Nachricht vom: 30.09.17 09:00
Kat: Stadtgeschichte
Nachricht vom: 01.09.17 09:00
Kat: Stadtgeschichte
Nachricht vom: 31.07.17 16:00
Kat: Stadtgeschichte

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