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Die Gedenkstätte im ehemaligen Stadtwaldlager von 1987 und 2014

Ankauf des Lagergeländes 1985

Während des Zweiten Weltkrieges diente das 1935 von der Österreichischen Legion errichtete Stadtwaldlager an der Wiener Allee der Unterbringung von Kriegsgefangenen unterschiedlicher Herkunft. Nach jahrelangem Rechtsstreit gelang der Stadt Bocholt 1985 der Ankauf der mittlerweile abgerissenen Barackenstadt zur Erweiterung der Freizeitanlage Stadtwald. Die Stadt Bocholt erkannte die Notwendigkeit, für den Umgang mit diesem historischen Ort Verantwortung zu tragen. Eine Gedenkstätte sollte an die Lagergeschichte erinnern und als Mahnung dienen, heutigem Unrecht entschieden entgegenzutreten.

Ein Mahnmal erinnert an die Last der Geschichte

Die Stadt entschied sich dazu, inmitten des einstigen Lagers eine Gedenkstätte zu errichten, die aus zwei die schwere Last der Geschichte symbolisierenden Steinblöcken besteht. Der das Mahnmal umgebene Platz ist von einer hohen Hecke umgeben, um dem Ort die gebührende Würde zu geben.

Die beiden Gedenksteine wurden der Öffentlichkeit am 17. Juni 1987 durch Bürgermeister Bernhard Demming in Anwesenheit ehemaliger Kriegsgefangener, des Landesrabbiners Abraham Hochwald aus Düsseldorf und weiterer geladener Gäste und Würdenträger übergeben.

Die Inschrift

Auf den Gedenksteinen befindet sich folgende Inschrift:
„Die Stadt Bocholt gedenkt der Opfer totalitärer Gewalt.“

Eine Chronik verdeutlicht die einzelnen Abschnitte der Lagergeschichte:
„1935:
Die Stadt Bocholt gibt das Gelände unentgeltlich in die Verfügung des Deutschen Reiches.

1935 bis 1938:
Errichtung als Unterbringung der sogenannten ,Österreichischen Legion’.

1939:
Übungslager des Reichsarbeitsdienstes.

1940 bis 1944:
Lager für alliierte Kriegsgefangene. 1736 kriegsgefangene Russen kamen durch Fleckfieber, Hunger und Gewalt ums Leben. Die Opfer sind auf dem russischen Friedhof an der Vardingholter Straße beigesetzt.

1945:
Unterbringung von evakuierten Kranken aus dem Bocholter St.-Agnes-Hospital und von sowjetischen sogenannten ,Fremdarbeitern’.

30. März 1945:
Einnahme des Lagers durch britische Truppen.

1946:
Kriegsgefangenenlager für Esten, Litauer, Letten, Jugoslawen, Polen und Ukrainer aus der ehemaligen deutschen Wehrmacht.

1947:
Durchgangslager für Juden aus Konzentrationslagern; sie wanderten überwiegend nach Israel aus.

1948:
Unterbringung heimatloser polnischer, ukrainischer, baltischer und jugoslawischer Familien.

1950:
Durchgangsstation für heimatlose Ausländer und für Flüchtlinge aus der früheren sowjetischen Besatzungszone.

1956:
Flüchtlingslager für Ungarn; sie hatten nach dem von der Sowjetarmee niedergeschlagenen Aufstand gegen die damalige kommunistische Regierung ihre Heimat verlassen.

1959:
Vorübergehende Nutzung von Teilen des Geländes durch die Bundeswehr.

1985:
Ankauf des Lagergeländes mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Bundesrepublik Deutschland durch die Stadt Bocholt zur Erweiterung des Freizeitgeländes Stadtwald.“

Erweiterung der Gedenkstätte 2014

In den folgenden Jahren wurde das Mahnmal wiederholt Opfer von Vandalismus, weshalb es eine Zeit lang gar mit Holzplatten abgesichert werden musste und dadurch nicht mehr zugänglich war. Von den metallenen Lettern der Inschrift war in den letzten Jahren kaum noch etwas übrig. Eine neue Lösung musste her.

So ließ die Stadt Ende März 2014 vandalismussichere Metalltafeln auf den Gedenksteinen anbringen, die die vormaligen Lettern ersetzen. Um stärker auf den Erinnerungsort Stadtwaldlager aufmerksam zu machen, wurde das bisherige, abgelegene Mahnmal um drei Metallstelen ergänzt, die an den Eckpunkten des einstigen Barackenlagers aufgestellt wurden und von der Straße aus sichtbar sind. Auf jeder Stele befinden sich neben einem Grundriss des Lagers eine Zeittafel und daneben ein individueller Text zu einzelnen Abschnitten der Lagergeschichte.

(Marius Lange, 16.12.2019)

 

"MENSCHEN leben im Bocholter Stadtwaldlager"

Weiterführende Informationen zum Bocholter Stadtwaldlager können Sie unter folgendem Link auf der Webseite des Stadtmuseums Bocholt finden. Dort ist ein virtueller 360° Rundgang durch die Sonderausstellung "MENSCHEN leben im Bocholter Stadtwaldlager", die vom 27.05.2021 bis zum 12.09.2021 stattgefunden hat, abrufbar.


Die 1987 errichtete Gedenkstätte auf dem Lagergelände, 2019 (Foto: Marius Lange).Die 1987 errichtete Gedenkstätte auf dem Lagergelände, 2019 (Foto: Marius Lange).
Die beiden Gedenksteine nach der Modernisierung, 2019 (Foto: Marius Lange).Die beiden Gedenksteine nach der Modernisierung, 2019 (Foto: Marius Lange).
Drei Gedenkstelen machen auf die Lagergeschichte aufmerksam, 2019 (Foto: Marius Lange).Drei Gedenkstelen machen auf die Lagergeschichte aufmerksam, 2019 (Foto: Marius Lange).