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Historisches Rathaus Bocholt

Historisches Rathaus Bocholt (Foto: Stadt Bocholt/Wansing)

"Curia, qua elegantia superiorem, nedum parem habet patria, probat Magnificentiam" - Im Jahre 1747 lobte in lateinischen Worten der Vredener Scholastiker und Historiker Jodocus Hermann Nünning das Gebäude überschwänglich. Heute wird man sein Urteil - "dieses Rathaus, dem an Schönheit keines gleichkommt im Vaterlande, zeigt die Großzügigkeit (der Stadt)" -, das sicherlich mit einem Schuss Lokalpatriotismus versehen ist, ein wenig einschränken müssen.

Dennoch können die Bocholter mit einer gewissen Berechtigung von sich behaupten, neben dem gotischen Prachtwerk des Rathauses in Münster den wohl wertvollsten Bau dieser Art im Münsterland zu besitzen. Zusammen mit der St. Georg Kirche, dem ältesten wichtigen Bauwerk Bocholts, bildet es den Mittelpunkt der Stadt. 

Wer nun den Marktplatz von Osten her betritt und die St. Georg Kirche sucht, wird enttäuscht. In vielen anderen westfälischen und niederdeutschen Städten bilden Rathaus und Stadtkirche ein eindrucksvolles Ensemble - nicht so in Bocholt: vom Marktplatz aus gesehen herrscht die prächtige Schauwand des Rathauses allein und verdeckt die Ostansicht der Kirche.

Die Baugeschichte: Bocholt hat heute zwei Rathäuser. Außer dem Historischen Rathaus noch ein modernes, das 1972 - 1977 zusammen mit einem Kulturzentrum auf einer künstlichen Aa-Insel errichtet wurde. Natürlich ist das nunmehr historisch genannte Rathaus nicht das erste Gebäude, das die Bocholter zur Unterbringung ihrer Stadtverwaltung errichtet haben.

Schon 1350 wird zum ersten Male ein neues Stadthaus ("nova domus oppidi") erwähnt, von dem man weiß, dass es "by dem markede" (1423) lag. Es ist anzunehmen, dass diese an der gleichen Stelle gestanden hat, allerdings entsprechend der Zeit in Größe und Ausstattung sehr viel bescheidener. Die Stadtrechnungen der Stadt Bocholt geben Auskunft darüber, dass dieses Gebäude mehrmals restauriert worden ist, zuletzt 1595 - 97.

1606, als die Stadt gerade beginnt, sich von den Notjahren des Spanisch-Niederländischen Krieges zu erholen, entstehen erste Pläne zum Neubau eines Rathauses. Dass allerdings im Jahr der Grundsteinlegung 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach, der erneut Unheil und große Kosten über Bocholt bringen sollte, konnten die Erbauer des neuen Rathauses nicht wissen. Vom Kriege zunächst unbehelligt, konnte der Außenbau bereits 1619 beendet werden. 1622 war auch der Innenausbau fertig, 1624 kamen dann die Fenster von dem künstlerischen "glasemaker" Jan van Lintelo aus Bocholt, dessen Vorlagen für Kabinettscheiben heute zu den großen deutschen Zeichnungen des Manierismus zählen.

Das oben angeführte Zitat von J.H. Nünning zeigt, dass man sich auch im 18. Jahrhundert - trotz Barockzeitalter - noch des Wertes dieses Bauwerks bewusst war, das eindrucksvoll das Selbstbewusstsein dieser Stadt zeigt. Noch 1786 war die Schuldenlast so erdrückend, dass eine Sammlung zur notwendig gewordenen "Reparation" durchgeführt werden musste. Im 19. Jahrhundert begann dann der Niedergang des Rathauses, zumal sich in der Öffentlichkeit das Bewusstsein seiner Bedeutung "als Zeichen städtischer Hoheit" verringerte. Die gesamte Inneneinrichtung wurde zerschlagen und in alle vier Winde zerstreut, insbesondere, nachdem der Bau 1827 als Gerichtsgebäude vermietet und den Bedürfnissen eines Gerichts entsprechend umgestaltet wurde.

1911, bei Auszug des Amtsgerichtes, war das Gebäude dermaßen verfallen, dass eine vollständige Restaurierung unumgänglich war. Diese wurde jedoch wegen des 1. Weltkrieges und aus Mangel an Geld bis 1928 verschoben und konnte erst 1933/34 beendet werden. Beim großen Luftangriff auf Bocholt am 22. März 1945 wurde das Rathaus erheblich beschädigt und brannte bis auf die Außenmauern ab.

Der Wiederaufbau fand in den Jahren 1948 - 55 unter größtmöglicher Berücksichtigung des Originalzustandes mit den Bildhauerarbeiten des Bocholters Hermann (Manes) Schlatt statt.

Baustil und Form: Da sein Name in den Akten unerwähnt bleibt, ist nichts über den Baumeister des Rathauses bekannt. Das Gebäude verrät immerhin, dass er in den Niederlanden geschult worden sein muss, sein Werk repräsentiert einen Renaissance-Stil von seltener Feinheit, es gibt "keine Grenzverwischung weder nach der gotischen noch nach der barocken Seite" (Dehio, 1949). Die beeindruckende Wirkung des Bocholter Rathauses ergibt sich aus der Querstellung zum Markt, es steht nicht wie andere westfälische Rathäuser mit einer Giebelfront zur Schauseite.

Die Fassade baut sich in drei nach oben niedriger werdenden Geschossen zu acht Achsen auf. Entsprechend dieser Ordnung ist das Erdgeschoss zur Marktseite in eine achtjochige Bogenhalle aufgelöst - nur das Soester Rathaus besitzt in Westfalen einen Bogen mehr. Die Kolonnade beruht auf Pfeilern, die seitlich und rückwärts Wandpilaster mit Beschlagwerk haben, während die Vorderseite mit ionischen Säulen besetzt ist. Die beiden folgenden Geschosse werden wiederum gegliedert durch Halbsäulen und Pilaster, der Dachansatz wird verdeckt durch eine hohe Balustrade, die auf kleinen Konsolen mit Tier- und Menschenfratzen ruht. Die Mitte wird durch einen dreistufigen Zwerchgiebel akzentuiert, der im mittleren Feld den heiligen St. Georg, den Stadtpatron, im Kampf mit dem Drachen zeigt.

In dieser vollkommen symmetrisch gestalteten Schauseite, deren Wirkung durch die Wahl der Baumaterialien - die Wandflächen aus Backstein, die Architektur- und Zierteile aus Baumberger Sandstein - unterstützt wird, ist als einziges nichts symmetrisches Element im Obergeschoss dem zweiten Fenster von Süden ein Ziererker vorgesetzt. Er zeigt in der Mitte seines üppigen Frieses das Wappen der Stadt Bocholt zwischen zwei Rittern als Schildträger. Die Fenster des Erkers präsentieren die vier Haupttugenden der Stadt: Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit. Über den Buchenbaum des Wappens ist zusätzlich der Balken des münsterschen Stiftswappens gelegt - Hinweis auf die landesherrliche Hoheit der Fürstbischöfe zu Münster.

Über die gesamte Fassade ist eine verschwenderische bildhauerische Zier in Sandstein gebreitet, die über dem Zwerchgiebel in der Justitia mit Schwert und Waage gipfelt, während die Wetterfahnen von zwei Löwen, Sinnbild der Kraft und Stärke, gehalten werden. Zwei Wächter auf der Balustrade stehen für die Wehrhaftigkeit und Wachsamkeit der Stadt. Im Erdgeschoss hinter der Laube befanden sich ursprünglich mit eigenen Eingängen (von Süden nach Norden, d.h., von links nach rechts) Gerichtsstube, Waage, Fleischhalle und Wache, während ganz rechts hinter dem achten Joch der eigentliche Haupteingang mit Treppe zu den Obergeschossen war. Im 1. Stock war die kleine Ratsstube, darüber der große Ratssaal, der in seiner heutigen Form nach dem Wiederaufbau des Hauses für Festsitzungen des Rates und Kulturveranstaltungen genutzt wird.

Seit 1982 zieren den Originalvorlagen (Johann von Lintelo) von Lucy Vollbrecht-Büschlepp nachgearbeitete Kabinettscheiben die dortigen Fenster zur Schauseite hin. Bis ins 18. Jahrhundert hatte das Rathaus in der Dachmitte einen Kaminaufbau, den sogenannten Storchenturm. An der Nordseite des Gebäudes weist die Inschrift "Inferius quaere abdita" vermutlich auf einen Geheimgang hin, der unterirdisch nach Norden verlaufen sein soll. Das Rathaus beherbergt heute im 1. Stock Bocholts Standesamt, im 2. Stock den Ratssaal, in dem alljährlich der Neujahrsempfang des Bürgermeisters sowie Kulturveranstaltungen stattfinden und im Erdgeschoss im linken Teil des Gebäudes eine Restauration. Trauungen im schönsten Gebäude der Stadt sind auch am Samstag nach Absprache dem Standesamt möglich.


Historische Rathaus im Stadtplan

Stadtplan der Stadt Bocholt

Das Historische Rathaus können Sie sich im Stadtplan anzeigen lassen. zum Standort



Bilder vom Historischen Rathaus Bocholt

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