In den vergangenen Monaten wurde viel über die von L-i-A e.V. eingesetzten Schulmediatoren und die interessierten Schulen geschrieben. Heute befasse ich mich aber einmal mit der Frage, was die Ausbildung und letztendlich der erste Einsatzzeitraum für diese Ehrenamtler bedeutet. Karlheinz Krabbe und Anne Quirmbach stellten sich meinen stellenweise sehr persönlichen Fragen.
Krabbe, ehemals technischer Projektleiter bei der Firma Siemens hatte schon immer viel mit Menschen zu tun. "Ich wollte nach meiner aktiven Berufslaufbahn unbedingt ein Ehrenamt ausüben, das mit Kindern zu tun hat", erzählt er und begeisterte sich für das Projekt. Nach dem ersten Ausbildungstag stellte sich jedoch erst einmal ein Gefühl von Unzufriedenheit ein: "Ich bin ein eher ungeduldiger Mensch und es ging mir alles nicht schnell genug." Im Verlauf der Schulung wurde dem Senior dann klar, dass in diesem Projekt Geduld das Wichtigste ist. Die gelernte, völlig andere Art mit Menschen umzugehen veränderte ihn auch persönlich.
"Durch die Rollenspiele stellte ich fest, auf welch komplexe und schwierige Sache ich mich da eingelassen hatte. Schwieriger als gedacht - aber ich habe die Herausforderung angenommen und zum Ende der Schulungsphase war ich voller Freude und Erwartung auf die neue Aufgabe - ich wollte nur noch loslegen und starten." Aus der Vorfreude hat sich ein großes Zufriedenheitsgefühl entwickelt und diese Arbeit stellt eine Bereicherung seines Lebens dar, wie er zusammenfasst.
Ähnlich tiefe Gefühle empfindet Anne Quirmbach für und durch ihre Mediatorentätigkeit. Schon ihre vormals ausgeübte ehrenamtliche Tätigkeit beim Kinderschutzbund gab ihr viel Positives. "Heute empfinde ich Dankbarkeit meinem eigenen Leben gegenüber. Ich bin unglaublich ruhig und nachsichtig geworden durch die Ausbildung einerseits und die ersten Einsatzwochen in der Josefschule andererseits", empfindet sie ihre persönliche Veränderung nach. "Meine heute völlig andere Umgehensweise mit Konflikten lässt keine Aufregung mehr zu über Probleme, die keine sind."
Mit diesen übereinstimmend positiven eigenen Veränderungen gelang es den Schulmediatoren Vertrauen und Respekt zu vermitteln. Durch die vertrauenschaffende Vornamen-Anrede und das distanzierende respektvolle "Sie" wird eine wärmere Gesprächsatmosphäre geschaffen. Wie groß tatsächlich der Bedarf an Gesprächen, Konfliktlösungen oder einfach nur Erzählungen ist - das stellte sich während der ersten Einsatzwochen heraus und Schulmediatoren, Lehrkräfte und Kinder äußern sich gleichlautend begeistert über das neue Angebot. Das Lehrerkollegium um Schulleiter Stockhausen arbeitet überaus einsatzstark und motiviert mit den Mediatoren zusammen.
"In der Josefschule wird uns ein separater Raum zur Verfügung gestellt und das "Bitte nicht stören" - Schild demonstriert eine wirklich störungsfreie Zone. Auch wenn es sich aus Erwachsenensicht nicht immer um große Dinge oder schwerwiegende Probleme handelt - für die Kinder sind sie es", berichtet Krabbe aus der Praxis.
Die Schulmediatoren erfahren die ganze Bandbreite kindlicher Not. "Nur aufmerksam zuhören genügt häufig bereits. Dann tauschen wir uns untereinander aus." Anne Quirmbach bringt es noch detaillierter auf den Punkt: "Unkonzentriertheit im Unterricht rührt oft von innerlich brodelnden Problemen her. Kommen die Kinder allein oder zu mehreren zu uns und gehen fröhlicher wieder weg - dann haben wir das glückliche Gefühl, geholfen zu haben. Weil die Mediatonsaufgabe bedeutet: Konfliktlösung durch Zuhören, Moderieren und Anregung zur eigenen Lösungsfindung".
Ute Boysen (30.09.11 16:40 Uhr)
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