Es ist Januar 1983. Der Bocholter Rudi Uebbing hat sich gerade die Südstaaten der USA eingehend angesehen und beschließt, mit seinem UNIMOG den Golf von Mexiko zu umfahren. An der texanisch/mexikanischen Grenze, westlich von Huston, überquert er den Rio Grande. Allerdings ist der "große Fluss", so die Übersetzung, an dieser Stelle nicht viel breiter als die Bocholter Aa.
Gutgemeinte Ratschläge, es sei extrem gefährlich in Mexiko und Warnungen vor Touristenüberfällen begleiten Rudi zur Grenze und darüber hinaus. "Also suchte ich mir direkt am ersten Abend in Mexiko einen geschützten Schlafplatz am Waldrand, stets auf der Hut und in etwas nervöser Stimmung," berichtet Rudi. Fast schon enttäuscht blickt er ins Morgengrauen - nichts hatte sich getan. Beruhigt startet er zu seinen Zielen Mexiko City und die Yucatan-Halbinsel. Auf dem Weg dorthin besucht er ein bekanntes Mumienmuseum in Guanajuato in dem zahlreiche Mumien, Männer, Frauen und Kinder in Glasvitrinen ausgestellt sind. Teilweise bekleidet, einige unbekleidet. Teils sogar noch behaart. Aber alle bestens erhalten. Die sehr gute Mumifizierung entstand durch besondere Mineralien in der Bestattungserde und erst bei späteren Ausgrabungen bemerkten die Bewohner diesen Vorgang.
Nach langer Fahrt durch eher uninteressante Landschaft erreicht Rudi drei Tage später Mexiko City auf 2300 m Höhe in einem Talkessel gelegen. "Durch den eingeschränkten Luftaustausch und hohes Verkehrsaufkommen gab es eine extreme Smogbelastung", erinnert er sich. Sein erster Eindruck? "Eine quirlige Großstadt im strömenden Regen, geschätzte 17 Millionen Einwohner - und ich ohne Navigationsgerät im UNIMOG mittendrin, auf der Suche nach einem Campingplatz", lacht Rudi. Schließlich erreicht er mit seinem respekteinflößenden Fahrzeug diesen Platz, direkt in der Großstadt gelegen mit U-Bahn-Anschluss. Vier Tage Kulturerlebnis leistet er sich, dann hat ihn die Straße wieder.
Mit dem nächsten Ziel "Veracruz" auf der Halbinsel Yucatan gelegen verbindet Rudi Erinnerungen an Kinderbücher, in denen er über Weite und Abenteuer las: "Für mich war es ein ganz besonderes Erlebnis zu sehen, dass alles so war, wie ich es mir vorgestellt hatte! Die große Hafenstadt mit historischen Gebäuden hat einen starken Eindruck auf mich gemacht".
Für Yucatan nimmt sich Rudi viel Zeit "aufgrund der zahlreichen alten Inka- und Maja-Siedlungen weiß man nicht, mit welchen Besichtigungen man anfangen soll. Die vom Urwald freigelegten Flächen dieser Siedlungen sind unbeschreiblich, überwältigend und beeindruckend. Für Wochen kann man hier unterwegs sein. Fotos allein können das nicht rüberbringen", fasst Rudi seine Eindrücke zusammen. In der Lagune Xel Há, heute Bestandteil eines großen Nationalparks, schnorchelt er und bestaunt einen Unterwasser-Opferaltar der Majas.
Noch ganz im Banne des Erlebten startet er wieder durch Richtung Cancun, um sich einmal anzusehen "wie wohlhabende Leute Urlaub machen" (Originalton Rudi). Der karibisch anmutende Badeort kann ihn jedoch nicht zum Bleiben animieren und so geht die Fahrt weiter zur Grenze Guatemalas, um von dort zur Pazifikküste nach Acapulco zu gelangen. Auch heute noch gilt dieser Ort als bevorzugtes Urlaubsrevier der Superreichen. Und was genau macht Rudi hier? Er versucht sich erstmalig am Parasailing, dem Fliegen mit einem steuerbaren Fallschirm hinter einem Boot.
Am Strand, in der Sandbucht Acapulcos, geht er dieses Erlebnis an und beschreibt den Blick über die gesamte Bucht als besonders beeindruckend. Interessiert verfolgt er später in einer Felsenbucht zwischen zwei Felsen die Sprünge der Klippenspringer von "La Quebrada". Zum Abschluss der abendlichen Veranstaltung wagen diese mit brennenden Fackeln in den Händen einen 30 Meter- Sprung in die Tiefe.
Rudi plant nun, nach Mexiko City zurückzukehren, um von dort aus nach Hause zu fliegen. Aber nur für einen einwöchigen Aufenthalt, denn er möchte seiner Hannelore einen Heiratsantrag machen! Mit der Antwort "Ja" im Gepäck kehrt er zurück nach Mexiko City, um seine Reise fortzusetzen - nun zur "Baja California", dem nördlichsten der 31 Bundesstaaten Mexikos. Wenn Sie mögen, schau'n Sie wieder rein - zum 2. Teil der Mexiko-Tour.
Ute Boysen (03.03.12 11:13 Uhr)
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