Dr. Martin Giesen informiert beim Business Break - Video von bocholt.tv

"Wir brauchen Kraftwerke, die immer laufen"

Dr. Martin Giesen referierte zum Gas- und Dampfkraftwerk beim Unternehmerfrühstück - Foto: Bruno Wansing - Großversion mit Klick, es öffnet sich ein neues Fenster Gäste beim Unternehmerfrühstück - Mit einem Klick geht es zum Video von Bocholt.tv - Es öffnet sich ein neues Fenster"Wir brauchen Kraftwerke, die immer laufen", informierte Dr. Martin Giesen, Vorstandsvorsitzender der Advanced Power AG, die Teilnehmer des Business-Breaks in der Residenz am heutigen morgen, "flexible Stromerzeugung ist notwendig zum Ausgleich der Schwankungen von Solar- und Windenergie".

Gäste des Unternehmerfrühstücks - Foto: Bruno Wansing - Großversion mit Klick, es öffnet sich ein neues FensterGut 90 Interessierte waren der Einladung des städtischen Fachbereichs Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung und der UnternehmerverbandsGruppe e.V (UVG) gefolgt.

Wendelin Knuf begrüßte die Gäste des Unternehmerfrühstücks - Foto: Bruno Wansing - Großversion mit Klick, es öffnet sich ein neues FensterWendelin Knuf von der städt. Wirtschaftsförderung begrüßte die Gäste. "Wir veranstalten unser vierteljährliches "Business-Break" nunmehr schon seit sechs Jahren", so Knuf, "ich freue mich, dass es immer wieder - wie auch heute - auf so zahlreiches Interesse stößt". Knuf wies auf die Entwicklung der Kraftwerkspläne hin und freute sich, dass Dr. Martin Giesen "extra gestern Abend aus London angereist sei, um heute morgen zu früher Stunde als Referent zur Verfügung zu stehen".

In Bocholt wird ein Gas- und Dampfkraftwerk (GuD-Krafwerk) mit einer Leistung von 415 Megawatt entstehen, "damit können sie eine Stadt wie Düsseldorf (incl. der kompletten Industrie) versorgen", erläuterte Giesen. Besonders hob Giesen den Wirkunsgrad hervor, "mit über 57% liegt diese Technik weit vor denen der Kohle- (40%) und der alten Braunkohlekraftwerke (30%), die da nicht mithalten können", so Giesen, der die Zusammenarbeit mit der Stadt Bocholt und der BEW lobte.

Gäste des Unternehmerfrühstücks - Foto: Bruno Wansing, Großversion mit Klick, es öffnet sich ein neues Fenster1999 habe man ein Projekt mit InterGen begonnen, "wir wollten eine Anlage mit 1.200 Megawatt in Bocholt errichten", erinnert sich Giesen, "letztendlich scheiterte das Projekt aber an der fehlenden Netzanschlussfähgikeit". In 2004 habe er (dann schon Vorstandsvorsitzender Advanced Power) auf Anregung von Klaus Kaiser, dem Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung ein neues Projekt in Angriff genommen in Zusammenarbeit mit Siemens Venture Kapital. "Wir haben die Leistung auf 415 Megawatt reduziert", so Giesen, "damit war dann auch der Netzanschluss über die RWE-Verteilerstation in Wittenhorst möglich". Wesentlicher Erfolgsfaktor sei die durchgängige Unterstützung der Stadt Bocholt und der BEW gewesen, "sie verhalfen dem Projekt schlussendlich zum Erfolg", berichtete Giesen.

Dr. Martin Giesen (links) im Gespräch mit Peter Tiemann vom Euregio-Systemhaus - Foto: Bruno Wansing - Großversion mit Klick, es öffnet sich ein neues FensterIm Anschluss beantwortete Giesen die Frage nach dem Bedarf an Kraftwerken. "Deutschland ist mit 134.000 MW Kraftwerksleistung der größte Strommarkt in Europa, der fünftgrößte weltweit", führte Giesen aus, "bedenken muss man, dass 49% der bestehenden Kraftwerke älter als 25 Jahre sind". Giesen geht davon aus, dass bis 2020 neue Kraftwerke mit einer Leistung von ca. 30.000 Megawatt benötigt werden, um alte Kraftwerke zu ersetzen. "Zusätzlich werden rd. 14.000 MW benötigt", weiß Giesen, "um den Verbrauchsanstieg von 1.000 - 2.000 MW jährlich abdecken zu können. Erneuerbare Energien spielten zwar eine immer größere Rolle, "wir brauchen aber Krafwerke, die immer laufen und unabhängig von Schwankungen sind, die es bei Sonne und Wind zwangsläufig gibt", so Giesen. Im Ergebnis müsse man davon ausgehen, dass in den nächsten 10 Jahren eine große Anzahl neuer Kraftwerke entstehen müssten, "bedenken sie, dass der Bau eines solchen Kraftwerks drei Jahre dauert, die Planung ebenso, da sind zehn Jahre eine sehr kurze Zeit", so Giesen.

Der Vorteil der GuD-Kraftwerke liege vor allem im höchsten Wirkungsgrad im Vergleich aller fossilen Kraftwerke. "Wir haben den höchsten Wirkunsgrad und damit auch den geringsten Verbrauch", zudem weise ein GuD-Kraftwerk  eine hohe Umweltverträglichkeit auf. "Die CO2 - Emissionen betragen nur etwas 50% der eines modernen Kohlekraftwerkes", erläuterte Giesen, "die Einsparung entspricht damit den Emissionen von gut 500.000 Pkw." Es gebe keine Feinstaub-, Schwermetall- oder Schwefelemissionen, das Gas werde umweltschonend durch unterirdische Pipelines angeliefert. Flächenbedarf und Bauhöhen hielten sich auch im Rahmen, "der Kamin hat 60 Meter, die Turbinenhalle 40 Meter, sie sehen und hören nicht viel", so Giesen.

Die Flexibilität des GuD-Kraftwerkes erhöhe die Wettbewerbsfähigkeit, "ebenso wie ein Flugzeug, das von einer Turbine angetrieben wird", berichtete Giesen, "kann auch ein GuD - Kraftwerk innerhalb von Minuten an- und heruntergefahren werden."

Bocholt sei ein idealer Standort für ein GuD-Kraftwerk. Zum einen sei die Gasversorgung über eine acht Kilometer lange Stichleitung sicher gestellt und zum anderen gibt es eine Stromanbindung über ein 10 Kilometer langes Erdkabel an den Knoten der RWE in Wittenhorst. Bocholt biete den Platz für die Luftkühlung, "andere Kraftwerke, die auf Wasserkühlung bauen, können im Sommer schon mal Probleme bekommen", weiß Giesen.

Im Betrieb werden 40 hochqualifizierte Arbeitsplätze im Kraftwerk, es handelt sich um eine hochautomatisierte Anlage, "hinzu kommen dann über 70 indirekte Arbeitsplätze im Bereich der zuliefernden Betriebe und Dienstleister und es wird eine Menge an indirekten Effekten hinzukommen, in der Regel werden Dienstleistungen im Wert von über 15 Millionen eingekauft."

Das GuD-Kraftwerk ist sowohl für den Bau als auch für den Betrieb voll genehmigt, "was Datteln passiert ist, kann uns nicht passieren", so Giesen. Gas- und Stromanbindungen sind genehmigt und vertraglich abgesichert.

Derzeit laufen noch die letzten Verhandlungen über die Wegerechte für die Stromanbindung und für Gaslieferung und Stromabnahme mit zukünftigen Projektpartnern und langfristigen Investoren.

"Der Markt ist zurzeit relativ günstig", so Giesen abschließend, "die Bedigungen für GuDs sind gut, mit dem Baubeginn rechne ich im nächsten Jahr".

Die Fragen der interessierten Zuhörer beantwortete Giesen. Der direkte Nachbar, die Fa. Ostermann, interessierte sich für die Belastungen, "es wird schön aussehen", antwortete Giesen, "Sie werden nicht viel merken, was die Luft angeht", beruhigte er, "sie werden allerdings etwas hören, bei der Luftkühlung geht es nicht ohne Geräusche ab, aber das bleibt alles im Rahmen der Genehmigung". Zur Entwicklung und Kopplung des Gas- an den Ölpreis informierte er über die Entwicklung in den USA. "Vor fünf Jahren ging man davon aus, dass dort Gas noch 30 Jahre lang zur Verfügung stehe", so Giesen, "aufgrund neuer Bohrtechniken ist man jetzt in der Lage, über eine Dauer von 100 Jahren nachzudenken, das führt natürlich zu einer Entspannung des Gasmarktes weltweit und nimmt Einfluss auf den Gaspreis in Europa".

Klaus Kaiser, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung im Gespräch mit wmtv - Foto: Bruno Wansing - Großversion mit Klick"Ich hoffe, dass wir im Frühjahr nächsten Jahres unsere gemeinsamen Entwicklungsarbeiten abgeschlossen haben", so Klaus Kaiser, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung, "und mit den Bauvorbereitungen begonnen werden kann, damit wir unser Ziel, das Kraftwerk 2012 ans Netz zu bringen, auch verwirklichen können". Kaiser hofft zudem, dass von den umfangreichen Bauarbeiten möglichst viele Unternehmen aus Bocholt und der Region profitieren können.

Der nächste Business Break ist am 24. Februar 2010, dann wir Martin Jonetzko, stv. Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbandsgruppe  zu "aktuellen Themen aus dem Arbeitsrecht" referieren.

Hintergrundinfos zu Bocholt Power:

  • Die Projektgesellschaft "GDKW Bocholt Power GmbH & Co. KG" wurde durch die Projektträger Advanced Power und Siemens Project Ventures ("SPV") zur Realisierung des Projektes gegründet. 
  • Aufgabe ist die Planung, Errichtung und der Betrieb eines Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerkes (GuDKraftwerk)mit einer installierten Leistung von 415 MW.
  • Die Investitionssumme beträgt weiter über 300 Millionene Euro



Bruno Wansing (03.12.09 12:36 Uhr)

<< Zurück