Stroh zu Gold - Spindel, Schiffchen, Märchenhelden
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Benedikt Held wurde am Samstag Abend mit einem in letzter Sekunde gehaltenen Neunmeter zum Helden und sicherte seinem SC 26 Bocholt den Stadtmeistertitel im Finale gegen BV Borussia Bocholt, das mit 4:3 endete. TuB Bocholt sicherte sich im Neunmeterschießen gegen TuB Mussum den dritten Platz. Die Bildergalerie ist komplett.
Da wurde der Jüngste zum Helden. Benedikt Held wehrte im Finale der Hallenfußballstadtmeisterschaften in der Schlusssekunde einen Neunmeterstrafstoß von Björn Terodde ab und sicherte seinem Team mit einem 4:3 gegen Borussia Bocholt den Stadtmeistertitel. Damit hatte im Vorfeld der Titelkämpfe angesichts der starken Beteiligung mit zwei Landes- und insgesamt drei Bezirksligateams keiner gerechnet, auch wenn das Team des Trainerduos Harald Katemann und Stefan Jansen bei den ersten beiden Hallenturnieren des Jahres durchaus gute Leistungen gezeigt hatte.
Die Topfavoriten, 1. FC Bocholt und TuB Bocholt, konnten ihrer Favoritenrolle am Ende nicht gerecht werden, auch wenn die "Veilchen" sich im Neunmeterschießen noch Platz drei sichern konnten. DJK Barlo, BV Borussia und der 1. FC Bocholt, dazu noch DJK SV Lowick, das waren die Teams der Vorrunde, die - aus der Sicht des Kampfgerichts des 1. FC Bocholt, das mit Benjamin Lenz, Klaus Sagadin und Christian Stanik, unterstützt von Eric Kamperschroer und Julius Hungerkamp aus der Jugendabteilung alles im Griff hatte, am ehesten überzeugen konnten. Neben diesen vieren zogen auch der GSV Suderwick, TuB Bocholt, TuB Mussum und der SC 26 Bocholt ins Viertelfinale ein.
Bezirksligist gegen B-Ligist hieß es im ersten Viertelfinale zwischen BV Borussia Bocholt und dem GSV Suderwick. Von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen, beide Teams konnten allerdings in den 12 Minuten ihre Chancen nicht nutzen, es gab Verlängerung. Hier hatte zunächst der GSV die besseren Möglichkeiten, das erste Tor markierte aber Ramiro Weidemann, der nach einer sehenswerten Kombination mit Julian Bill abschloss. Trotz der Unterstützung durch die "FC-Ultras" für den GSV zeigte sich die Borussia jetzt eiskalt und eine weitere Kombination zwischen Bill und Weidemann führte gegen aufgerückte Suderwicker zum 2:0-Endstand.
DJK Barlo erwartete im zweiten Halbfinale dann Landesligist TuB Bocholt. Nach zweieinhalb Minuten traf bereits Marko Bosniak zum 1:0 für die "Veilchen". Knapp fünf Minuten vor dem Ende nutzte er einen Abspielfehler von Keeper Matthias Mölders zum 2:0 aus, Florian Splitthoff legte dann in der letzten Minute noch das 3:0 nach. "Gegen höherklassige Gegner darfst du dir einfach keine Fehler erlauben", war Barlos Trainer Uli Wanders mit seinem Team dennoch nicht unzufrieden, "wir haben das Viertelfinale erreicht, das ist für uns schon ein toller Erfolg".
Packend verlief dann das dritte Viertelfinale zwischen Ausrichter und Landesligist 1. FC Bocholt und dem Bezirksligisten TuB Mussum. Das Team von Leo Ricken zeigte von Beginn an überhaupt keine Respekt vor dem 1. FC und Stefan Ening prüfte mit einem satten Schuss Tobias Ladermann, der mit einem tollen Reflex so eben noch zur Ecke klären konnte. Nach vier Minuten war er dann aber auch machtlos, als Philipp Voss ihn überwinden konnte, Mussum führte 1:0. Es dauerte keine Minute, da hatte Mussum Tobias van der Linde die nächste Chance, knapp vorbei. Auf der anderen Seite bedurfte es schon kollektiver Hilfe der Mussumer Abwehr, die den Ausgleich durch Giovanni Vaccarello ermöglichte. In den letzten fünf Minuten ging es hin und her. Der 1. FC agierte dabei aber zu umständlich, Mussum verlegte sich aufs Kontern. Und einer führte dann auch zum Erfolg. Fabian Wissing war, es der 70 Sekunden vor dem Ende zum 2:1 traf. Mussum hätte noch erhöhen können und zog am Ende hochverdient ins Halbfinale ein.
Spät wurde der DJK SV Lowick im letzten Viertelfinale wach. Claudius Kuczera vernatzte gleich die komplette Lowicker Hintermannschaft und traf nach gut einer Minute schon zum 1:0. Als Caglar Toker nach schöner Vorarbeit von Stefan Jansen zum 2:0 einschieben konnte, schien die Partie schon entschieden. Doch die Lowicker besannen sich der guten Partien in der Vorrunde und schlugen zurück. Innerhalb von zwei Minuten hatten sie die Führung der 26er egalisiert. Dabei blieb es, Verlängerung. Gegen jetzt stärkere Lowicker zeigte sich der SC 26 abgeklärt und kam durch Stefan Jansen, Markus Schmitt und Claudias Kuczera zu drei weiteren Treffern zum 5:2-Endstand.
"Schauen wir mal, wie die nächsten Spiel laufen", zeigte sich BVB-Trainer Javier Garcia-Dinis nach dem Erreichen des Halbfinales doch ein wenig skeptisch, "wir haben insgesamt nicht so viel Energie gezeigt wie in den Turnieren zuvor, wir haben uns einfach zu wenig bewegt". Auch Leo Ricken, Mussums Trainer, zog vor dem Halbfinale ein positives Resümee. "Wir haben gegen den FCO hochverdient gewonnen", so Ricken, "gegen Lowick fürchterlich versagt und anschließend gegen `97 am Ende doch deutlich gewonnen". Gegen den 1. FC habe sein Team dann im Viertelfinale hochverdient gewonnen.
Im ersten Halbfinale standen sich Mussum und die Borussia dann auch schon gegenüber. Sefan Ening setzt das erste Ausrufezeichen und trifft bereits nach 30 Sekunden zum 1:0 für Mussum. Ramiro Weidemann kann nach einer Flanke von Ferit Turgay ausgleichen und die Borussia geht zwei Minute vor dem Ende in Führung. Die Chancen häufen sich, es geht hin und her. "Seid mutig", versucht Ricken sein Team noch einmal nach vorne zu peitschen. Und Mussum kam noch einmal zurück. Mit einem Kopfballtreffer zehn Sekunden vor dem Ende rettete Stefan Ening sein Team in die Verlängerung. In der Verlängerung konnte Mussum eine zweiminütige Überzahl (Ferit Turgay hatte an der Bande gefoult) nicht ausnutzen. Als die Borussia wieder komplett war, gelang Kapitän Tobias van der Linde das 3:2 für Mussum. Nur zwanzig Sekunden später wurde er zur tragischen Figur als er im eigenen Strafraum die Hand zur Hilfe nahm: Neunmeter für Borussia. Björn Terodde ließ sich die Chance nicht entgehen, 3:3. Kai Nijmann muss dann das 4:3 für den BVB machen, scheitert aber völlig frei stehend. Es bleibt beim 3:3, das Neunmeterschießen muss entscheiden. Borussias Torwart Marc Tebroke war es nach jeweils vier geschossenen Neunmetern, der eiskalt verwandelte und sein Team mit dem abschließenden 4:2 im Neunmeterschießen ins Finale brachte.
Im zweiten Halbfinale war schnell klar, wer ins Finale einziehen sollte. Markus Schmitt brachte den SC 26 schnell in Führung und mit einem Doppelschlag von Florian Frentzel und Kevin Schild innerhalb von nur zehn Sekunden erhöhte der A-Ligist auf 3:0. Als Caglar Toker dann noch mit einem Konter auf 4:0 erhöhte war alles entschieden. Zwar konnte Matthias Belting noch einmal auf 1:4 verkürzen, zu mehr reichte es bei TuB Bocholt aber nicht mehr.
Die "Veilchen" sicherten sich im Neunmeterschießen mit 4:3 noch Platz drei gegen TuB Mussum. "Wenn man das Halbfinale gegen einen A-Ligisten erreicht", so ein enttäuschter TuB-Coach Frank Ignaszak, "dann will man auch gewinnen. Nach der soliden Leistung gegen Barlo im Viertelfinale kann man mit der gezeigten Leistung nicht zufrieden sein". Sein Team habe in der Vorwärtsbewegung zu viele Fehler gemacht, "anstatt Ruhe zu bewahren", so Ignaszak weiter, "abgesehen vom Halbfinale heute bin ich mit der Hallensaison insgesamt durchaus zufrieden, wir waren dreimal in den Platzierungen, der SC 26 war heute einfach zu clever und ausgebufft". Leo Ricken war abschließend doch ein wenig enttäuscht, "es ist schon schade, wenn du zweimal im Neunmeterschießen scheiterst."
An Spannung nicht zu überbieten war das Finale zwischen Borussia und dem SC 26. Stefan Jansen und Caglar Toker hatten die 26er schon auf die Siegerstraße gebracht. Doch Borussia schlug durch einen Pressschlag von Ferit Turgay, der unhaltbar im Gebälk einschlug und Mark Steffen schnell zurück. Als Kai Nijmanns 15-Meter-Hammer zum 3:2 einschlug, schien die Borussia am Drücker. Doch Harald Katemann platzierte eine Ablage nach einem Freistoß unhaltbar zum 3:3. Pünktlich zum Start der Verlängerung fiel die Zeitmessanlage komplett aus, Schiedsrichter Holger Üffink stoppte die Zeit per Hand. Toker war es dann, der den Spieß umdrehte und die 26er erneut in Front brachte. Julian Bill scheitert auf der anderen Seite aus der Drehung. Eine Hereingabe in den Strafraum stoppt Stefan Jansen mit der Hand, es gibt Neunmeter, die Zeit ist abgelaufen. "Beim letzten Turnier hat er in die andere Ecke geschossen", so ein glücklicher Torwart Benedikt Held, der gegen Terodde abwehren konnte, "ich habe mir dieses Mal einfach die andere Ecke ausgesucht". Der Jubel kannte keine Grenzen, da brache es auch aus Spielertrainer Harald Katemann heraus, der sich ob des gepfiffenen Strafstoßes überhaupt nicht beruhigen konnte. "Es ist für uns optimal gelaufen", so Katemann, "wir wollten Fußball spielen, das ist uns gut gelungen, im Endspiel, das zwei Teams auf Augenhöhe gesehen hat, hatten wir Glück aber am Ende haben wir verdient gewonnen".
Zufrieden war nicht nur der Sieger, auch Ausrichter 1. FC Bocholt sah sich bestätigt, den Samstag gewählt zu haben und freute sich über die vielen Zuschauer. Dass es nach dem Ausscheiden der eigenen Mannschaft vor allem im "Block" der FC-Fans merklich leer wurde, schien keiner bemerkt zu haben. Heiner Essingholt meldete 400 zahlende Zuschauer, "dabei hatten die Frauen noch freien Eintritt", so Essingholt.
Gut kamen auch die "Online-Meldungen" an, die Benjamin Lenz programmiert hatte. Nicht nur der Live-Ticker, der alle Ergebnisse direkt ins Zelt und auf die Internetseite des 1. FC Bocholt übertrug, auch über Twitter konnten die Fußballinteressierten die Hallentitelkämpfe verfolgen.
Elke Küppers, stv. Vorsitzende des Stadtsportverbandes, nahm im Anschluss die Siegerehrung vor und übergab die Pokale an die platzierten Mannschaften und an Ramiro Weidemann vom BV Borussia Bocholt als bestem Spieler, an Caglar Toker vom SC 26 Bocholt als bestem Torschützen und an Lars Swoboda von TuB Bocholt als bestem Torwart.
Bruno Wansing (25.01.10 11:43 Uhr)