Pfarrkirche Liebfrauen, katholische Pfarrkirche, ehemals Klosterkirche der Minoriten, erbaut 1785 bis 1792, im spätbarocken Stil, baulich erweitert 1912 bis 1913.
Nach der Stadtkirche St. Georg wurde die Liebfrauenkirche um 1310 als zweite Pfarrkirche der Stadt geplant. Der Bau wurde 1316 vollendet. Liebfrauen oder, wie sich auch genannt wurde, die "neue Kirche" blieb, obwohl sie als Pfarrkirche geplant war, immer Hilfskirche. 1628 wurde an die Liebfrauenkirche ein Minoritenkloster angeschlossen. 1631 war das Klostergebäude beinahe fertiggestellt. Bedingt durch die Einwirkungen des 30-jährigen Krieges konnte es allerdings erst im Jahr 1669 vollendet werden. Da die Liebfrauenkriche - wie oben erwähnt - baufällig geworden war, wurde 1786 der Grundstein zu einem Neubau gelegt. Die Einweihung erfolgte im August 1792. Die bis dahin benutzte Klosterkirche wurde abgebrochen und der östliche Klosterflügel bis zum Neubau verlängert. Entsprechend der Armut des Ordens sind der Bau sowie die Ausstattung im schlichten, schmucklosen Spätbarock gestaltet. Im Jahre 1811 wurde das Kloster aufgelöst und ging im Jahre 1814/15 in den Besitz des preußischen Staates über. Die Kirche selbst blieb für den katholischen Gottesdienst erhalten. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wuchs Bocholt, St. Georg reichte als einzige Pfarrkirche nicht mehr aus. Deshalb wurde die "Paterskirche" zur Rektoratskirche erhoben.
1901 wurde Liebfrauen von der Pfarrgemeinde St. Georg abgetrennt und eine selbständige Pfarrgemeinde. Damit verbunden war eine Erweiterung des Kirchengebäudes (1912 bis 1914) mit Turm.
Der Altbau war im letzten Krieg bis auf die Außenmauern ausgebrannt und dieser wurde im alten Sinne wieder hergestellt.
Eine sorgfältige Restaurierung in den letzten Jahrzehnten und eine Neuausstattung mit religiösen Kunstwerken lassen die Pfarrkirche Liebfrauen zu einem wertvollen Gesamt-Kunstwerk in Bocholt werden.
Bruno Wansing (09.03.10 15:24 Uhr)