Ein bedeutender Maler, einer der herausragendsten Bühnenbildner des 20. Jahrhunderts in Europa und ein hervorragender Plakatgestalter für Film und Theater ist der 1895 in Bocholt geborene und 1956 in Frankfurt/M. gestorbene Künstler Josef Fenneker.
"Bewundernd steht man vor der Fülle der schöpferischen Phantasie und der ungewöhnlichen malerischen Kultur seiner Bühnenräume, sogar seine Plakate für Film oder Theater sind bedeutende graphische Leistungen" (Prof. Dr. Carl Niessen 1959). Die Stadt Bocholt ist Eigentümerin des künstlerischen Nachlasses Josef Fennekers, der über 6.700 Objekte umfaßt. Das Stadtmuseum Bocholt zeigt wechselnd Exponate aus dem Schaffen des Künstlers.
KÜNSTLERISCHE VITA
J O S E F F E N N E K E R
(Auswahl)
6. Dezember 1895
Geboren in Bocholt
1918-1921:
Kunststudium in Münster, Düsseldorf und München, zuletzt Meisterschüler von Emil Orlik an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin
Ab 1918:
Arbeit als Gebrauchsgraphiker; vor allem Filmplakate zunächst vorwiegend für Berliner Uraufführungskinos (Marmorhaus, Uniontheater, Kammerlichtspiele, Mozartsaal), später auch für Verleihfirmen.
Ab 1920:
Jährliche Neuausstattung des Luna-Parks, Berlin-Halensee (1920-1922), Ausstattung verschiedener Lichtspielhäuser, daneben Ballausstattungen, Filmplakate, Buchillustrationen, Einbandgestaltungen sowie graphische Arbeiten verschiedenster Art, u.a. in Almanachen, Zeitungen und Zeitschriften, darunter "Jugend", Simplicissimus", "Lustige Blätter" und "Berliner Tageblatt".
1927:
Mitarbeit an der Ausstattung des Films "Dirnentragödie" mit Asta Nielsen
1928:
Gesamtausstattung der Revuen von Hermann Haller im Admiralspalast, Berlin
1931:
Studienreise durch Frankreich (Paris, Marseille, Côte d'Azur); Arrangementskizzen für den Film "Zwischen Nacht und Morgen"
1932:
Erste Theaterarbeit: Bühnenbild und Kostüme zu "Othello" (Shakespeare) am Preußischen Staatstheater Berlin.
1933:
Bühnenbildner am "Preußischen Theater der Jugend" in Berlin, Studienreise in die Schweiz.
1934:
Bühnenbildner an der Volksbühne Berlin.
1935-1938:
Ausstattungsleiter der Duisburger Oper; Gastbühnenbildner an den Staatstheatern in Berlin und Stuttgart.
1938-1944:
Bühnenbildner am Schiller-Theater Berlin
Zusammenarbeit mit den Regisseuren Fehling und Felsenstein, Gastbühnenbildner in Gera, Düsseldorf, Wien, Kassel, Hannover und an verschiedenen Berliner Theatern.
1946:
Wiederaufnahme der Theaterarbeit mit "Othello" (Verdi) an der Städtischen Oper Berlin (West), der Fenneker bis 1954 als Bühnenbildner angehörte; daneben:
1948-1950:
Ausstattungen und Plakate für die Komische Oper Berlin (Ost)
Gastbühnenbildner am Hebbeltheater Berlin, Burgtheater Wien, an der Hamburgischen Staatsoper, an der Freien Volksbühne Berlin, der Mailänder Scala, der Finnischen Nationaloper Helsinki, der Königlichen Oper Stockholm, der Bayerischen Staatsoper München und den Städtischen Bühnen Frankfurt/Main.
1954:
Ausstattungsleiter der Städtischen Bühnen Frankfurt/Main
9. Januar 1956:
Josef Fenneker stirbt in Frankfurt am Main.
Zum Tode von Josef Fenneker schreibt die Wochenzeitung "Die Zeit" am 19. Januar 1956:
"Wer anders als die Maler hätten ein Bild der Welt über das Entsetzen des letzten Krieges hinweg bewahren können?
Im zerschundenen Berlin von 1945 war es ganz besonders ein Maler, der Pathos und bildende Kraft genug hatte, um das Schrecklichste sowohl darzustellen wie durch Darstellung zu überwinden, und dieser Maler war nicht auf die Staffelei angewiesen, sondern konnte seine Imaginationen sogleich in hohe und tiefe Räume projizieren.
Es war Josef Fenneker, unter den Künstlern, die als Etikett und Berufsbezeichnung den abgeblaßten Namen "Bühnenbildner" führen, der im Malerischen Ursprünglichste, Besessenste, Erfinderischste - ein Geist von spanisch-barocken Ausmaßen, ein Nachfahre Francisco Goyas...
Kritiken zur künstlerischen Arbeit von Josef Fenneker
"...Die mitgebrachten, von Josef Fenneker entworfenen, impressionistisch erschauten Bühnenbilder zauberten die mittelalterliche primitive Backstein-Romantik eines Dörfchens in Estremadura stilgetreu hervor..."
(Tagesbote Brünn, 7.März 1938)
"...Ausgezeichnet in der Leuchtkraft der Farbe wirkten die von Josef Fenneker entworfenen Bühnenbilder..."
(Rheinische Landeszeitung, 10. April 1938)
"...Überaus eindrucksvoll ferner die sehr durchdachten und symbolkräftigen Bühnenbilder (Josef Fenneker) mit der Magie ihrer düsteren Weite..."
(Tagesspiegel, 20. November 1948)
"...Echter, prunkhafter Verdi-Stil auch in der Ausstattung, in den Bühnenbildern und Kostümen Josef Fennekers..."
(Tägliche Rundschau, 20. November 1948)
Eine Bildermappe ist für Liebhaber erhältlich (einmalige, auf 500 Exemplare limitierte 1:1-Ausgabe im Mehrfarbendruck auf hochwertigem Karton; 17,50 Euro).
Weitere Informationen dazu:
Stadtmuseum
Tel: (0 28 71) 18 45 79 und
Fachbereich Schule, Bildung und Kultur der
Stadt Bocholt
Johannes Hüls
Öffnungszeiten des Stadtmuseums:
Dienstag - Sonntag
11-13 Uhr und 15 - 18 Uhr;
Donnerstag bis 20 Uhr.
Fachbereich 21 - Einbau: FB 11 Bruno Wansing/Vanessa Freitag (24.10.07 09:03 Uhr)